„Happy Remixing!“ – CC und Open Everything

„Open Everything“ heißt die erweiterte Version der Open Source-Bewegung. Das Konzept: Nicht nur Fotos, Texte, Programmcodes oder Filme können per Creative Commons lizensiert werden, sondern auch Werke aus anderen Bereichen, zum Beispiel aus Kunst oder Design. Michelle Thorne, Mitarbeiterin bei Creative Commons International in Berlin, stellt Creative Commons und Open Everything auf dem atoms&bits-Camp vor.
 

ccmichellethorneMichelle Thorne von Creative Commons International Berlin
 

Die meisten werden Creative Commons schon kennen – ein System zur Lizensierung eigener Werke im Internet mittels einfach verständlicher Symbole: So kann man sich aussuchen, ob man seine Werke ganz frei gibt, als Autor genannt werden oder eine kommerzielle Nutzung oder Veränderung erlauben möchte oder nicht. Hintergrund der CC ist die Remix-Kultur und das Problem, wie man das Urheberrecht an die schnelle und internationale Verbreitung kreativer Werke anpassen kann. Denn die Remix-Kultur kann sowohl Urhebern wie Nutzern Probleme bereiten.
 

Zum Beispiel, wenn die eigenen Werke nicht gemäß der entsprechenden CC-Lizenz verwendet werden. Wie findet man das heraus? Noch ist das schwierig: „Da gibt es keinen einen Weg“, sagt Michelle Thorne. Was soll man tun, wenn man eigene Werke im Web findet, bei denen die CC-Lizenz missachtet wird? Michelle Thorne rät, den Verantwortlichen der entsprechenden Seite erst einmal freundlich anzuschreiben und auf die Urheberrechtsverletzung hinzuweisen – so kann es oft zu einer Einigung ohne Streit kommen. Manchmal wissen die Nutzer gar nicht, dass ihre Seite schon als kommerzielle Verwendung zählt, zum Beispiel bei einem privaten Blog mit Google-Anzeigen.
 

Noch nicht gelöst ist, wie man gewährleisten kann, dass es wirklich eigene Werke sind, die da unter CC lizensiert werden. Das ist für die Nutzer sehr wichtig, die im Zweifelsfall für die Verwendung zahlen müssen, obwohl sie dachten, dass das Werk freigegeben sei. „Es gibt da keine hundertprozentige Garantie“, schränkt Michelle Thorne ein, „es ist immer noch ein Vertrauensvorschuss nötig“. Aber es gibt schon Projekte, die an einer Lösung des Problems arbeiten und eine Identitäts-Validierung ermöglichen wollen.
 

Rechtlich spannend ist es auch noch, wenn es um die weltweite Vereinheitlichung des CC-Konzeptes geht: Nationale Rechte unterscheiden sich, CC-Lizenzen können aber über Ländergrenzen genutzt werden: Jemand lädt ein CC-lizensiertes Bild in Japan hoch, in Deutschland wird es verändert und in Amerika zum Teil einer Fotocollage gemacht. Damit CC ohne Rechtsunsicherheit funktionieren kann, gibt es bereits erste Abkommen, wie innerhalb der EU – aber auch noch viel zu klären.
 

Mit Open Everything öffnen sich die Creative Commons für Bereiche, auf die CC bisher nicht primär zugeschnitten war, zum Beispiel auf Computer-Hardware oder Design. Möbeldesigner Ronen Kadushin stellt zum Beispiel Designs unter CC-Lizenz ins Netz und veröffentlicht die Baupläne. Gleichzeitig verdient er mit seinen Möbeln Geld. Businessmodelle wie diese, sagt Michelle Thorne, gibt es viele.
 

Bei der letzten re:publica-Konferenz allerdings, so bemerkt eine Teilnehmerin des a&b-Camps, zweifelte CC-Erfinder Lawrence Lessig sein eigenes Konzept selbst an: Es funktioniere nicht für kommerzielle Künstler.
 
Ob legal oder illegal, im Netz bleibt es wohl dabei: „Happy Remixing!“
 

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Anja Krieger

Anja Krieger

ist freie Journalistin und Texterin mit Schwerpunkt Netzkultur und Technologie. Nach ihrem Studium der Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder), Berkeley und Salamanca war sie für den Hörbuch-Verlag DAV und die Online-Kulturplattform "Perlentaucher" tätig. Seit 2009 arbeitet sie als freie Journalistin. Ihre Beiträge finden sich auf anjakrieger.com.

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