Google I/O 2018 – Android P und jede Menge Künstliche Intelligenz

Heute geht im Shoreline Amphitheatre in Mountain View die diesjährige Entwicklerkonferenz Google I/O zuende. An drei Tagen tauschten sich hier Entwickler und Fachbesucher aus aller Welt über die neusten Technologien insbesondere aus dem Hause Google aus. Für ausreichend Gesprächsstoff hatte die Eröffnungsrede von Google-CEO Sundar Pichai nämlich gesorgt. So will Google etwa seine Chromebooks für Entwickler attraktiver machen, indem künftig Linux-Anwendungen auf den Google-Laptops laufen. Das schließt auch die Entwicklungsumgebung Android Studio ein. Damit können Entwickler künftig auf Chromebook arbeiten, ohne das Google-Ökosystem verlassen zu müssen.

Android P – Peanutbar maybe?

Aber obwohl die Google I/O sich schon seit den letzten Jahren immer stärker an Entwickler richtet – schließlich ist es eine Entwicklerkonferenz – machte Pichai auch einige spannenden Ankündigungen für Endnutzer. Besonders interessant: die Beta-Version von Android P mit einem neuen Bedienkonzept, das optisch an LGs Betriebssystem WebOS erinnert und ein eher gestenbasiertes Steuerschema bietet. Bis Android P den Namen einer Süßigkeit bekommt und auf den Geräten der Nutzer installiert wird, dürften allerdings noch Monate, wenn nicht Jahre vergehen. Dann soll Android P dank maschinellen Lernens unter anderem das Nutzer-Verhalten beobachten und Apps beenden, die unbenutzt im Hintergrund laufen.

Google I/O
Knapp 5.000 Entwickler haben es auf die Konferenz Google I/O geschafft. Das Unternehmen sucht sich seine Gäst vorher aus. Image by Google

Nicht stören: #LuxuryToDisconnect

Ein besonders zeitgeistiges Feature bietet Android P ebenfalls: es zeigt Nutzern an, wie viel Zeit sie in jeder einzelnen App verbringen und ermöglicht es ihnen, Zeitlimits für bestimmte Anwendungen festzulegen. Ist die voreingestellte Zeit abgelaufen, lässt sich die App nicht mehr öffnen, es sei denn man ändert in den Einstellungen das Zeitlimit. Auch der verbesserte Nicht-stören-Modus unterstreicht den Entschleunigungs-Trend. Nutzer können nun ihr Telefon so einstellen, dass es keine Benachrichtigungen mehr auf dem Bildschirm angezeigt, weder auf dem Sperrbildschirm noch in der Benachrichtigungsleiste. Zudem lässt sich der Modus neuerdings einfach aktivieren, indem Nutzer das Telefon mit dem Display nach unten auf einem Tisch ablegen. “Slush“ nennt Google dieses Feature.

Falls ihr ein Telefon besitzt, dass die Beta-Version unterstützt, könnt ihr sie jetzt schon installieren und ausprobieren. Allerdings wäre der Wechsel zurück auf Oreo nicht so einfach. Falls ihr Android P also testen wollt, benutzt am besten kein Telefon, dass ihr täglich braucht, denn die Beta-Version wird vermutlich noch etliche Bugs und Usability-Probleme aufweisen. Wem das zu umständlich ist, kann sich stattdessen gerne an den Spekualtionen rund um den neuen Versionsnamen beteiligen.

Ähm, ich hätte gerne einen Termin

Um Sprachassistenten und Künstliche Intelligenz ging es schon bei den I/O-Events in 2016 und 2017. In diesem Jahr war das nicht anders. Am meisten Furore sorgte Google-Chef Pichai wohl mit der experimentellen Google Assistant-Funktion namens “Duplex“: Nutzer können Google Assistant bitten, in ihrem Namen ein Unternehmen anzurufen, um einen Termin zu machen. Dass das tatsächlich schon ganz gut funktioniert, demonstrierte Google mit zwei Telefonanrufen. Im ersten macht Google Assistant mit weiblicher Stimme einen Friseurtermin, im zweiten versucht sich eine männliche Stimme an einer Tischreservierung. Beide Demos zeigen deutlich, dass Google in Sachen Natural Language Processing große Fortschritte macht. Um möglichst natürlich und menschlich zu wirken, baut die KI paraverbale Elemente, wie Verzögerungslaute, Interjektionen oder Stimmlage ein.

Dies und Das – Bitte, danke!

Die Liste mit Neuerungen umfasst noch etliche andere, eher kleinere Änderungen. So bietet Gmail etwa eine Autocomplete-Funktion, die sich in der Realität als ziemlich nervig erweisen dürfte. Google Fotos mit Gesichtserkennung kann Freunde in Bildern erkennen und die betreffenden Fotos per Knopfdruck mit ihnen teilen. Ebenfalls mit einem Knopfdruck könnt ihr jetzt Fotos in PDFs umwandeln. Google Assistant bekommt außerdem ein Höflichkeits-Feature, das Google speziell für die Kindererziehung entwickelt hat. Der Assistent lobt und ist besonders freundlich, wenn ihr bei Fragen an den Assistenten das Wörtchen “Bitte“ sagt. Daher der Name “Pretty Please“ – finde ich nicht nur für Kinder angebracht. Google Pretty Please von Soma Helmi auf Vimeo.

Google Assistant kommt in diesem Sommer auf iOS und Android auch in Google Maps. Dort soll er in den neuen Tabs “Explore“ und “For You“ personalisierte Ergebnisse liefern und Empfehlungen für Orte in der Nähe geben. Zudem kombiniert Google Maps auch die KI-Kamera mit Computer Vision Technologie und Street View. Google Lens erkennt Gebäude oder sogar Hunderassen, wenn ihr eure Kamera auf ein Objekt richten. Diese Objekterkennung wird auch in der Lage sein, Text zu identifizieren, in Echtzeit zu übersetzen oder einzulesen. Ein weiteres Feature namens “Style-Match“ sucht mit Hilfe von Objekterkennung und maschinellem Lernen in Googles Datenbank nach ähnlichen Kleidungsstücken, Möbeln und Objekten, die ihr kaufen könnt.

Material Design 2.0 mit neuem Material Theming-Tool

Mein persönliches Highlight bei der Google I/O dürften die wenigsten Nutzern bewusst bemerkt haben, aber Google hat sein Branddesign weiterentwickelt.

Google I/O Branddesign
Das neuen Design-Tool Material-Theme soll Unternehmen helfen, ihr Branddesign auf Interfaces zu übertragen. Image by Google

Dabei nutzte es das neue Material Theming-Tool, das auf Googles Designsprache Material Design basiert. Das Tool soll helfen, Brandelemente einfacher in Interfaces zu übersetzen. Google hat diese neue Funktion als erstes an seinen eigenen Produkten ausprobiert. So wechselt jetzt etwa der Ladenbalken bei YouTube mit jeder Umdrehung in eine der vier Google-Farben. Auch in Gmail könnt ihr das neue Design entdecken. Mir gefällt es gut. Vor allem der Aspekt, dass sich Apps zukünftig besser unterscheiden sollen und nicht mehr alles aussieht wie von Google, wenn Entwickler mit Material Design arbeiten. Android-Smartphones bei Amazon (Provisions-Link)

Dieser Artikel erschien zuerst auf Netzpiloten Android.


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Lena Simonis

Lena Simonis

ist Fachjournalistin für Interactive Design, Technologie, eCommerce, digitale Wirtschaft und Bildung. Lebt seit 2003 in Hamburg und arbeitete dort unter anderem als Redakteurin für einen Kulturverein, verschiedene Fachverlage, Agenturen und Start-Ups.

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