Andreas WeckGoogle: Super-Meta-Profiling auf Kosten der Sicherheit

its all about your data

Mit “don’t be evil” scheints gewesen. Denn was Google am Dienstagabend mit seinem Private-Policy-Update verkündete, ist für seine User nicht nur positiv zu bewerten. Google will seine separaten Dienste stärker zusammenführen und für den Nutzer eine “simpler, more intuitive Google experience” gewährleisten. Klingt erst mal gut, bedeutet aber im Folgenden auch, dass mehr Daten an einem Ort gebündelt werden sollen. Eine Sache, der sich netzaffine User bisher versucht haben zu entziehen. Mit den neuen Nutzungsbedingungen, die am 1. März 2012 global eingeführt werden, wird das Ganze nun auch juristisch niet- und nagelfest gemacht. Ein Entrinnen gibt es nicht.

For you, vor Ort…

Mit der Zusammenführung der Dienste, wie z.B. Google Docs, Google Kalender, Google Mail, YouTube und Google+ soll dem User mehr Usability geschenkt werden. Die Entscheidung ist neben der “Social Search”, die Googles soziales Netzwerk und die Google-Suche vereint, der nächste logische Schritt zum enger vernetzten Unternehmen. Uns erwarten eine klare Vereinfachung der Dienste und eine größere Erfahrungsbandbreite. In der Praxis könnte das bedeuten, dass wir bald via Android lokalisiert werden und uns mittels Google Maps sowie der +1-Empfehlung eines Freundes ein schönes Restaurant zum Mittagessen vorschlagen lassen können, welches ferner ganz in der Nähe unseres nächsten Termins liegt, an den uns der Google Kalender nach dem Essen erinnert. Klingt gut oder? Solch Möglichkeiten könnten sich bald ergeben. Und wenn man es so schildert haben sicherlich die Wenigsten was dagegen.

Doch der Teufel lauert im Detail. Denn die Zusammenführung bedeutet auch, dass die unterschiedlichen Datensätze nicht mehr getrennt voneinander, nach dem entsprechenden Dienst gespeichert werden, sondern dass die verschiedenen Datensätze zu einem großen Profil verschmelzen. Wie gesichert dieses Profil dann gegenüber Hackerangriffen, eigenen Fehltritten oder staatlichen Behörden sein wird bleibt abzuwarten. Vor den Gefahren solcher zentralen Datenlager warnen Kritiker schon seit Jahren. Gerade in Deutschland nicht zuletzt auch durch die Einführung von ELENA (Zentrale Speicherung von Arbeitnehmerdaten) oder der elektronischen Gesundheitskarte (Zentrale Speicherung von Gesundheitsdaten).

Keine Garantie für Sicherheit…

Google ist natürlich nicht weniger zu kritisieren. Auch wenn man glaubt, dass ein solch mächtiges Unternehmen gut geschützt sein sollte und sämtliche Gefahren abwehren kann, so ist das nie mit hundertprozentiger Genauigkeit zu sagen, wie ein Worst-Case-Beispiel in Bezug auf die Datensicherheit innerhalb Googles vom letzten Jahr beweist. Nachdem ein Power-User nach siebenjähriger Nutzung verschiedenster Google-Dienste vor einem Scherbenhaufen stand und sich der Löschung sämtlicher Daten seiner selbst, seiner Arbeit und seiner Kommunikation gegenüber sah, wandte er sich an den Support und wurde so lange hin- und hergeschickt bis er einen offenen Brief an Google verfasste. Die gelöschten Daten umfassten unter anderem seinen Blog auf „Blogger“ mit sämtlichen Artikeln. Außerdem in etwa 4.800 Bilder, sämtliche im Google Reader gespeicherten Artikel, Google Voice Nachrichten sowie alle synchronisierten Lesezeichen. Eine bittere Erfahrung, die deutlich macht, welche Nachteile ein solch zentralisierter Dienst und eine zentrale Speicherung der Daten haben kann.

Ferner gehen viele Kritiker auf das fehlende Opt-out ein, also der Möglichkeit, sich diesem Update per „Häkchensetzen“ zu entziehen. Eine Sache, die man Facebook lange Zeit vorgeworfen hat und gegen die, durch die Federal Trade Commision (FTC) in den Staaten, derzeit vorgegangen wird. Entweder man macht mit oder man verzichtet auf die Nutzung der Google Produkte, lautet die Devise. Denn mit zweierlei Maß wird nicht gemessen. Wer seinen YouTube-Account nicht aufgeben will, der muss sich zwangsweise diesem Vorstoß beugen. Viele User haben sich so durch die jahrelange Nutzung der Dienste ziemlich abhängig gemacht von Google. Was diese Menschen in der nächsten Zeit vermehrt feststellen werden.

Man kann von ausgehen, dass wenig Boykott durch Verzicht entstehen wird und Google diese Neuerung zwar nicht ohne Kritik, aber mit Leichtigkeit kompromisslos umsetzen wird.

Super-Meta-Targeting…

Wozu Google das Update einführt, liegt ebenfalls auf der Hand. Durch umfangreichere Profile kann das Unternehmen Werbeeinblendung mit denen der Suchmaschinenriese sein Geld verdient optimieren. Anhand der gewonnen Daten lässt sich so zum Beispiel genauer bestimmen, ob ein Nutzer wenn er “Apple” in die Google Suche eingibt, tatsächlich den Apfel finden oder mit dem amerikanischen Technologie-Unternehmen verdrahtet werden will. Gleiches könnte man für unzählige weitere Beispiele wie z.B. “Jaguar”, “Pink” oder “Golf” anwenden. Durch das Suchergebnis wird dann auch die Werbung beeinflusst. Das nenne ich mal Super-Meta-Targeting vom Feinsten.


Über den Autor / die Autorin
ist seit Februar 2011 an Bord der Netzpiloten. Zuerst als Redakteur und seit April 2012 als Projektleiter für das Online-Magazin. Neben den Netzpiloten hat er zudem auch auf anderen Online-Medien wie jetzt.de, Politik-Digital und t3n Beiträge veröffentlicht. Anzutreffen ist Andreas regelmäßig auf Google Plus, Facebook und seit kurzer Zeit auch auf Twitter.

 

1 Kommentar zu “Google: Super-Meta-Profiling auf Kosten der Sicherheit”
| Lesetipps zum Wochenende | Das Textdepot schreibt:

[…] Der Konzern will seine separaten Dienste wie Docs, Mail, YouTube, G+ etc. zusammenführen. Netzpilot Andreas Weck erklärt, dass das zwar für die Nutzer bequem sein kann, aber auch heftige Nachteile mit sich […]

 
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