Google-Roboter: Mit Werbemilliarden zum Maschinen-Schöpfer

Die Internetfirma Google investiert beträchtliche Summen in eine Zukunft, in der Roboter menschliche Arbeitskraft ergänzen oder gar ersetzen könnten. Bei der Suche nach neuen Einnahmequellen ist der Internetkonzern Google fündig geworden: Robotik soll langfristig zu einem wichtigen Geschäftsfeld neben der Internet-Werbung ausgebaut werden. Der ehemalige Android-Chef Andy Rubin höchstpersönlich wurde mit der futuristischen Aufgabe betraut. Die Übernahme der Roboter-Firma Boston Mechanics zeigt, dass die selbstfahrenden Google-Autos könnten da nur ein Vorgeschmack auf das sind, was Google in seinen geheimen Laboren entwickelt.

Google ist eine Internet-Firma, die mit Werbung pro Quartal viele Milliarden Dollar Umsatz macht, richtig? Ja, darauf können sich wohl alle einigen. Zuletzt waren es mehr als 12,5 Milliarden Dollar im dritten Geschäftsquartal 2013, das sind 84 Prozent des gesamten Umsatzes. Allerdings ist der “Cost per Click”, als das Geld, das Google im Schnitt pro angeklickter Anzeige bekommt, um acht Prozent gesunken und gibt einen negativen Ausblick auf die künftigen Werbeumsätze. Dementsprechend interessant ist es zu beobachten, wie Google immer mehr Produkte auf den Markt wirft, die nicht mit Reklame Geld machen. Smartphones von Motorola, Bezahl-Dienste wie “Play Music All Access” oder “Drive”, kostenpflichtige Apps für Android-Handys, Internetanschlüsse via “Google Fiber” – der Internet-Konzern versucht, neue Einnahmequellen neben der noch lukrativen Werbung aufzumachen. Diversifizierung nennen die Profis das.

Beim so genannten “Earnings Call” zum dritten Geschäftsquartal 2013 Mitte Oktober hat Google-CEO Larry Page in diesem Zusammenhang eine bemerkenswerte Äußerung gemacht: “My struggle in general is to get people to spend money on long-term R&D. At most companies, 99 percent of R&D is incremental. I view my job as the opposite, to get people to spend on long-term R&D. People have a perception that’s material, but that’s not been my experience. Even the investments we’ve announced, like Calico (the new health initiative), while they’re significant dollar amounts, they’re not significant for Google.” Frei übersetzt: Google soll künftig viel mehr Geld in die Entwicklung neuer Produkte stecken als die bisherigen zwei Milliarden Dollar pro Quartal. Doch welche Dinge könnte die Firma aus Mountain View denn bauen, mit denen sie in Zukunft neue Märkte aufmachen?

Seit vergangenem Freitag gibt es eine ziemlich eindeutige Antwort auf diese Frage: Roboter. Da wurde bekannt, dass Google Boston Dynamics (übrigens Zulieferer der DARPA-Behörde des US-Verteidigungsministeriums) aufgekauft und seine Sammlung auf insgesamt 8 übernommene Roboter-Firmen 2013 erhöht. “BigDog”, “Cheetah” oder “WildCat” heißen die Schöpfungen von Boston Dynamics, die Tieren nachempfunden sind, ziemlich furchteinflößend sind und irgendwie an dystopische Roboterinvasions-Science-Fiction denken lassen. “BigDog” kann durch Schnee stapfen und 150 Kilo tragen, “Cheetah” läuft mit 45,5 km/h schneller als Usain Bolt, und der humanoide Roboter “Petman” soll chemische Schutzanzüge testen – aber seht selbst:


WildCat

Petman

BigDog


Der Mann, der Googles Roboterarmee bauen soll, ist der 50-jährige ehemalige Apple-Mitarbeiter Andy Rubin – jener Entwickler, der das Betriebssystem Android groß gemacht hat, das heute auf mehr als einer Milliarde Geräten weltweit installiert ist. Welche Produkte die neue, von Rubin geleitete Roboterabteilung von Google hervorbringen wird, ist heute noch ungewiss – jetzt stehen erst einmal Jahre der intensiven Entwicklung an. Nimmt man aber die Boston-Dynamics-Roboter mit den Produkten der anderen aufgekauften Firmen zusammen – u.a. Schaft, Industrial Perception, Redwood Robotics, Bot & Dolly, Meka Robotics, Holomni -, ergibt das ein schlüssiges Bild. Google geht es nicht um Spielzeug, sondern um Arbeitsmaschinen; um Roboter, die in Fabriken, auf Baustellen oder in der Landwirtschaft arbeiten können. Techcrunch-Autor John Biggs sieht weitere Anwendungsmöglichkeiten: “Google is a data company and needs far more data than humans alone can gather. Robots, then will be the driver for a number of impressive feats in the next few decades including space exploration, improved mapping techniques, and massive changes in the manufacturing workspace”, schreibt er. Die GoogleBots könnten Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten, uns vertreten oder gar ersetzen, und Google selbst könnte über die via Roboter erfassten Daten noch mehr über die Welt erfahren als heute über seine Suchmaschine und die Android-Smartphones.

Nun, bis “BigDog” Schafherden über die Weiden treibt und “Cheetah” als flotter Paketbote durch unsere Straßen jagt, werden noch viele Jahre vergehen. Doch auch andere Firmen dringen in den Bereich vor. Amazon sowie der iPhone-Fabrikant und Apple-Partner Foxconn wollen Roboter statt Menschen in ihren Lagerhallen bzw. Fabriken arbeiten lassen, und Facebook wird ein Labor für Künstliche Intelligenz, die man zur Beseelung von Maschinen braucht, einrichten. Je weiter die Robotik sich entwickelt, desto drängender werden auch die Fragen nach ihrem Einfluss auf die Gesellschaft sein. Wer wird die Roboter kaufen, besitzen und betreiben dürfen? Wie viele Arbeitsplätze werden diese intelligenten Maschinen kosten? Und: Werden die Tech-Kreaturen gemäß Asimovs Robotergesetzen so programmiert, dass sie Menschen keinen Schaden zufügen können und somit im Krieg nicht einsetzbar sind?


 


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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