Wie Google die Podcast-Welt organisieren möchte

Ende Oktober hat Google, endlich, offiziell verkündet, dass es in das Podcast-Geschäft einsteigt, indem sie eine Pressemitteilung herausgegeben haben, dass der Service Google Play den Zuhörern bald “Podcasts bietet” und das dieser neue Service den “Podcastern den Zugriff auf Millionen von neuen Zuhörern auf Android- und Tablet-Geräten bietet”.

Wann genau dieser neue Service in Kraft treten wird, bleibt ein Mysterium, aber Google hat derzeit ein Portal eingerichtet in dem Podcast-Produzenten ihre RSS-Feeds einreichen können, sodass deren Podcasts in den Google Play Listen auftauchen, sobald dieser Dienst den Betrieb aufnimmt.

Die Firma hat auch, vor dieser Verkündung, angedeutet, dass sie begeistert mit ein paar der größten Podcast-Playern zusammen gearbeitet hat – unter anderem Gimlet, Earwolf, Loud Speakers Network und Panoply (mein wunderbarer Arbeitsgeber) – um in einen Entdeckungs/Lern/Forschungs-Prozess zu kommen, in dem man herausfindet, wie ein solcher Service wirklich arbeitet.

Wie ihr euch vorstellen könnt, war dies eine lang erwartete Bekanntmachung, besonders aus den Podcast-Ecken, die sehr oft beklagen, dass dieses Medium Probleme mit Entdeckbarkeit und dem überwiegenden Leiten durch das Apple-Ökosystem hat. (Erinnert euch, dass die Mehrheit des Podcast-Konsums durch die native iPhone-Podcast-App vonstatten geht.)

“Was hältst du davon? Es könnte ein weiterer Punkt in der Beugung von Apple sein, in der Entscheidung die Podcast App automatisch mit iOS zu bündeln”, schrieb mir ein Leser dazu. Vielleicht, vermutlich, hoffentlich. Wir werden sehen. Ich bin nicht einmal fatalistisch oder so – ich meine, es ist fast garantiert, dass das hier zu einer Art von Bodenwelle in der Hörerschaft von Podcasts führen wird.

Aber die wichtige Frage ist, wie viel wir davon sehen werden und die andere Frage ist, was die Makroeffekte dieses neuen Players sein werden, und die andere wichtige Frage ist, wie dies die Art beeinflussen wird, in der Podcaster die Veröffentlichung, Werbung und die Prioritäten in der Hörerschaft-Entwicklung angehen werden.

Zudem, und um fair zu bleiben, ich bin die Art Mensch, die sich nicht einmal sicher ist, ob seine Wohnung noch da ist, wenn ich am Abend nach Hause komme, also nehmt meinen Optimismus nicht als Messlatte.

Dennoch ist Googles Vorstoß ins Podcasten nicht nur außerordentlich spannend, weil es Podcasts und Android-Benutzer besser verbinden könnte, sondern auch weil sie hoffen, eine einzigartige Hypothese zu bestätigen, dass eine organisierte Playlist, oder eine “Concierge Erfahrung”, der Weg dazu ist, dass Podcast-Konsum mehr kultiviert wird.

Um Googles Ansatz zu verstehen, muss man sich zuerst mit ein paar Insides vertraut machen. Die Person, die Google Plays Aufwand leitet, ist Elias Roman, der eine populäre “Concierge-Musik-App” namens Songza geleitet hat, welche Google im Sommer 2014 erworben hat. Songza wollte Zuhörer mit spezifischen Kontext-Playlisten versorgen – zum Beispiel mit einer für den Weg zur Arbeit, oder einige Töne, die gut zu einem schicken Abendessen mit Steak passen.

Dies ist natürlich keine komplett neue, oder originelle Idee. Spotify hat zum Beispiel eine eigene Version dieses Konzepts unter der “Durchstöbern”-Sektion des Programms. Dennoch hat dieser Service die Idee sehr gut umgesetzt, infolge ihrer Beschaffung, und ich habe ihn geliebt in der Zeit, in der er sehr populär war.

Dennoch müssen wir das Offensichtliche ansprechen: Was bei Musik klappt, muss nicht unbedingt für Podcasts oder Hörspiele funktionieren. Zudem muss man mit einbeziehen, dass es zu Situationen kommen wird, in denen die Zugehörigkeit der Podcasts zu der Google Play Music App, für seltsame Benutzererfahrungen führen wird, wenn diese direkt neben der Musik anzufinden sind. (Dieses ähnliche Anliegen habe ich schon damals geäußert, als Spotify verkündet hat, etwas mit Podcasts zu machen. Wo wir gerade davon sprechen, hat jemand diesbezüglich von Updates gehört?)

“Wir haben über viele Sachen nachgedacht”, sagte mir Roman Ende Oktober am Telefon. “Aber uns ist klar geworden, dass wir, wenn wir Podcasts und Musik zu sehr voneinander trennen, dann bieten wir diese nicht den Leuten an, die nicht schon von vornherein danach Suchen.” Diese Ansicht – Podcasts den Leuten zuzuführen, die sie nicht bereits hören oder danach suchen – ist fundamental um Googles Angehensweise bezüglich der Podcastzustellung zu verstehen.

Roman betonte, dass Android-Benutzer, die schon jetzt Podcasts hören, gut versorgt sind. Immerhin haben sie schon aktiv nach einer Podcast-App eines Dritten gesucht. “Ich liebe das Concierge-Format”, sagt er. “Es sieht voraus, was man braucht und bietet es dir dann dar. Interviews und Podcasts sind ein großer Schritt in diese Richtung.

Wie auch immer, hier sind einige der wichtigsten Punkte, über die du Bescheid wissen solltest:

  • Der neue Podcast-Service wird bei der Veröffentlichung auf die USA limitiert sein. Die Idee dahinter ist es, den lokalen Markt zuerst zu erforschen, weil die Konsumerfahrung des US-amerikanischen Podcast-Hörers nicht unbedingt übertragbar ist auf ausländische Märkte. “Wir wollen die Feinheiten des lokalen Kontextes verstehen”, sagte Roman.

  • Die Google Play Podcast-Erfahrung wird wahrscheinlich so ähnlich sein, wie dass, was bereits bestehende Podcast-Hörer von ihren primären Konsumierungsanbieteren erwarten: es wird Podcast-Charts geben, einen Abonnement-Strom und so weiter. Was so viel heißt wie, dass der Benutzer wahrscheinlich keine neue Sprache lernen muss, die sich von dem unterscheidet, was es bereits gibt. Die vorrangigen Bemühungen werden, wie vorher schon gesagt, sein, dass es eine organisierte Playlist-Erfahrung geben wird, welche sich weiter entwickelt von der Concierge-Vision.

  • Es ist noch zu früh, um zu sagen, was wir in Sachen Analytik erwarten können. Roman sagte: “Wir starten mit Abonnenten, Downloads, Zuhörern dieser Episode und dem Level der Show. Und dann werden wir diese über die Zeit weiterentwickeln.

  • Ich habe noch immer keine Idee, was “Google-y” bedeutet.

Okay, jetzt ist es Zeit den Hut der ungezügelten Spekulationen aufzusetzen. Das von der technischen Seite aus Interessanteste ist wahrscheinlich, wie genau Google Play diese Playlisten erstellen wird, vermutlich anhand einer Skala. Ich kann mir vorstellen, dass ein Teil davon auf fortgeschrittenen Prozessen basieren wird, was ausgeklügelte Musikinformationen und Datenplattformen involviert – Sachen wie The Echo Nest, was Spotify letzten Sommer erworben hat, und die Infrastruktur die Pandoras‘ Music Genome Project mit Energie versorgt – welche die Teile auseinanderbrechen, die ein Stück von Audio ausmachen, sodass diese sinnvoll zusammengeführt und gruppiert werden können.

Pandora erklärt in einem Beispiel: Der Song Soundso schließt akustisches Strumming mit ein, zudem ein langsames Tempo, französische Teenager Ennui, und so weiter. Damit wird der Dienst nach diesem Song mit anderen kommen, welche die Narrative dieser einzigartigen Hörererfahrung antreiben. Eine Playlist hat somit eine Art theoretisch-emotionalen Aufbau, welcher versucht einen dazu zu bringen, etwas zu fühlen.

Ich persönlich kenne keine Firma, die diese Paradigmen auf gesprochene Tonaufnahmen anwendet, aber die Gelegenheit ist bereit genutzt zu werden. Sie könnten ein Team aus Forschungsassistenten zusammenstellen, die diese mengenbezogenen, verschlüsselten, qualitativen Erfahrungen anwenden, im Stil einer Graduiertenschule.

Mystery Show ist ein Podcast, der sehr narrativ ist, die Konventionen des Journalismus adaptiert, Musik nutzt, um den Ton zu überbringen und die Handlung voran zu bringen, sie involviert eine weibliche Moderatorin und auch einen Auftritt von Jake Gyllenhaal. Bullseye ist ein Interview-Podcast, der biografisch und erforschend ist und sich um Themen der Kreativität dreht. The Read is* fire hashtag*.

Und so weiter und so weiter, sodass eine zusammengefügte Podcast-Folge so effektiv in seine Metadaten auseinander gebrochen wird, sodass man Handlungsstücke in Reihenfolge bringen und zusammenfügen kann um eine noch bessere Folge zu produzieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image by Ivsu (CC0 Public Domain)


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Nicholas Quah

Nicholas Quah

ist der Gründer und Autor von Hot Pod, einem Newsletter über Podcasts, die auf Nieman Lab erscheint. Er hat einen Master in Sozialwissenschaften und Forschung an der Universität von Chicago gemacht und studierte außerdem Philosophie, Politikwissenschaft und Geschichte an der Wesleyan Universität.

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