Google plant Unternehmen kostenloses WLAN anzubieten

Bei den Gerüchten, um ein von Google bereitgestelltes WLAN für kleine und mittlere Unternehmen geht natürlich um Daten, aber nicht nur. In den letzten Tagen sind zwei aufeinander aufbauende Gerüchte bei The Information und Gigaom aufgetaucht, laut denen Google plant, kleinen und mittleren Unternehmen ein kostenloses WLAN anzubieten. Dabei hat es Google aber nicht nur auf die Nutzerdaten abgesehen, dank denen die Unternehmen noch gezieltere Werbung schalten können. Google geht es darum die Macht der Mobilfunkunternehmen aufzuweichen und die Verwendung datenhungriger Streaming-Dienste voranzutreiben.

Internet für alle

Im vergangenen Jahr verkündete der Google-Vorstandsvorsitzende und ehemalige CEO, Eric Schmidt, dass bis zum Ende des Jahrzehnts die gesamte Erdbevölkerung mit dem Internet verbunden sein wird. Dieser ambitionierte Plan erinnert nicht ganz zufällig an die Äußerung von John F. Kennedy, der Anfang der sechziger Jahre ankündigte, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu schießen. Diese „Moonshot-Mentalität“ ist bei Google tief verankert und führt zu erstaunlichem Innovationsdrang.

Um den gesamten Globus mit einem Internetzugang zu versorgen hat man das Project Loon gegründet. Im Zuge dieses Projekts sollen Ballons und/oder Drohnen die Erde umkreisen weiße Flecken zu erschließen und diese mit dem Internet zu verbinden. Das Ziel von Google ist dabei natürlich nicht nur, allen Menschen Zugang zu Informationen zu ermöglichen, sondern auch neue Kunden für die eigenen Dienste zu gewinnen. Dabei wird der Schwerpunkt allerdings zunächst vor allem Dienste wie die Google Suche, Gmail oder Google Maps liegen – Dienste also, die vergleichsweise wenige Daten verbrauchen.

Streaming gehört die Zukunft

Google setzt aber zunehmend auch auf datenintensive Dienste zum Streamen von Musik, Videos und Filmen, sowie auf die Verwendung der Cloud als Speicherplatz. Diese Idee wird mit den Nexus-Geräten, die allesamt keine Speichererweiterungsmöglichkeit bieten, schon lange verfolgt. Allerdings war Google in diesem Fall vor Allem der Mobilfunkindustrie diverse Schritte voraus. Was Google sich nämlich anders gedacht hatte, waren die Mobilfunkverträge, die zwar heutzutage üblicherweise immerhin mit dem schnellen LTE-Standard angeboten werden, dafür aber immer über ein gedeckeltes Datenvolumen verfügen, das selten über 1 GB hinausgeht. Dem Streamen von Musik und Filmen oder gar dem Backup größerer Dateien in der Cloud steht diese Limitierung natürlich massiv im Weg.

Wenn Google nun also kleinen und mittleren Unternehmen eine kostenlose WLAN-Lösung anbietet, könnte sich dies Problem lösen. Dank Hotspot 2.0 funktioniert die Google-Idee in Gegenden mit hoher Hotspot-Dichte eher wie ein Mobilfunknetz, als ein klassisches WLAN, da sich der Nutzer nur einmal einloggen muss und in allen dazugehörenden Hotspots automatisch eingeloggt wird. In Hotels, Krankenhäusern oder Cafés könnten die Nutzer sich die Zeit somit problemlos zum Beispiel mit dem Konsum von Medien aus dem Google Play Store vertreiben.

Eine Idee, die nur Gewinner kennt?

Auf den ersten Blick scheinen alle Beteiligten bei diesem Plan nur Vorteile zu genießen. Google gewinnt neue Kunden und kann mit Streaming-Angeboten mehr Umsatz machen. Der Nutzer kann sich in sehr vielen Orten über ein kostenloses und schnelles WLAN freuen und die Unternehmen müssen sich nicht mit der Einrichtung von Netzwerken herumschlagen und sogar Dienste wie Bezahlsysteme von Google nutzen – ob dies allerdings den bisherigen Anbietern derartiger Systeme gefallen wird, darf angezweifelt werden. Google versucht zudem durchaus bewusst es mit einem weiteren sehr großen und mächtigen Gegner aufzunehmen: der Mobilfunkindustrie. Dass dieser das Vorgehen allerdings nicht besonders gut gefallen wird, dürfte wenig überraschen.

Aber nicht nur die Mobilfunkindustrie könnte sich als schwierige Hürde entpuppen, auch die Nutzer selber dürften mindestens zögerlich an die Sache herangehen. Für den Nutzer ergibt sich bei genauerem Hinsehen nämlich ein potenzielles Problem, da Google auf diesem Wege noch mehr und vor allem genauere Daten über einen erhält, die zum geringen Teil wiederum an die Unternehmen weitergegeben werden sollen, damit diese gezielte Werbung schalten können. Allein dieser Schritt wird bei vielen Nutzern zu großem Unbehagen führen – nicht nur in Deutschland, wo ohnehin bereits Angst vor Googles Marktmacht herrscht. Bleibt also abzuwarten, wieviel am Ende tatsächlich an den Gerüchten dran ist und wie gut Google die ganze Sache am Ende durchplant und vermarktet – im Laufe des Sommers soll das Projekt bereits offiziell vorgestellt werden.


Image (adapted) „Wifi“ by Arkangel (CC BY-SA 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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