Google-News, Newstracking und der gesunde Verstand

Ja, ganz ganz böse sind sie, die so genannten Nachrichtenaggregatoren, wie drüben bei Spiegel Online im Beitrag „Nachrichten-Aggregatoren: Wie Google News Redaktionen ausbeutet“ zu lesen ist. Leicht verschnupft schreibt dort Christian Stöcker über die Bekanntgabe von Google, dass man beim Dienst Google News mit acht weiteren Nachrichtenagenturen direkt zusammenarbeiten und deren Inhalte auf Google News verbreiten wird.

Stefan Niggemeier zeigt in seinem Blog wiederum an ein paar Fällen sehr aufschlussreich, wie „dumm“ Google News etwa auf die Rubrik „zweite Meinung“ bei Welt.de reagiert. Ich verstehe einerseits zwar das dumpfe Bauchgefühl, das sich bei den journalistischen Handwerkern offenbar breit macht, wenn sie z.B. die Aktivitäten von Google News immer wieder mit Erstaunen und Empörung beobachten müssen. Aber anstatt sich in den Verlagen Gedanken dazu zu machen, was man aus alledem lernen oder auch nicht lernen kann, packt man lieber alle verfügbaren Zeigefinger aus und wendelt wild herum.

Rivva wäre ja nach der Logik auch ganz ganz böse… Aber was macht Rivva für mich: Es werden Inhalte aus Blogs und Newssites aggregiert (manchmal auch meine eigenen und die der Blogpiloten), in eine meist sehr nützliche Anordnung gebracht und es werden gleichzeitig sogar noch die Diskussionen und die Anschlusskommunikation zu den aktuellen Themen dynamisch mitgeliefert. Erstaunlich, dass das offenbar ausschliesslich von einer „Maschine“ kommt. Ich finde das sowohl als Medienproduzent (Blogger) und Medienkosument (Newsjunkie) eine ganz hervorragende Sache. Gleichzeitig sind es sehr häufig immer wieder die selben Blogs und Newssites die die Agenda auf Rivva bestimmen. Da wünsche ich mir dann doch ab und an das journalistische Trüffelschwein, das mit Instinkt und fachlichem KnowHow Perlen hervorzaubert, die nicht allein aufgrund von Link-Authority und weitere, automatisch in Beziehung setzbare Faktoren, „produziert“ werden.

Spannend finde ich in dem Zusammenhang was Stephan Baumann, Gründer des Memetrackers Tiqqer und Forscher am Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz kürzlich in einem Interview im Deutschlandradio Kultur in der Sendung Breitband zum Thema „Memetraacker und Co. – Das Ende des Newsdesks“ gesagt hat (ab Mitte des Audiobeitrags).

Er geht davon aus, dass in Zukunft automatische Trackingverfahren zur Identifikation von Nachrichtentrends in Kombination mit händischer Anreicherung die Medienlandschaft prägen werden. Damit würde das näher zusammenrücken was Google News, Rivva und Co. einerseits und das Social Web durch soziale Empfehlungen und Verlinkungen bereits schon seit langem mit wachsendem Erfolg machen. Dass hier die klassischen Nachrichtenlieferanten auch eine tragende Rolle spielen (sollten) ist klar, aber so lang diese hilflos nur rumzicken, wird draus nichts und andere beginnen das Spiel mit zu spielen. Die Musikindustrie hat hier (mit Erfolg) Lehrgeld bezahlt in der Vergangenheit. Man vgl. iTunes was die Vertriebswege und das Bezahlmodell anbelangt und man vergleiche z.B. Empfehlungssysteme wie etwa Last.fm, die die Prinzipien des Social sehr effektiv umgesetzt haben.

[Update: Leseempfehlung drüben bei medialdigital mehr zum Thema lesen.]

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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