Google Ara: Modulares Smartphone nimmt konkrete Formen an

Google arbeitet derzeit unter Hochdruck an der nächsten großen Revolution auf dem Smartphone-Markt. Bereits 2015 sollen die ersten modularen Smartphones des Projekts Google Ara erhältlich sein. // von Daniel Kuhn

Google Ara Image

Ein modulares Smartphone, bei dem der Nutzer nicht nur die einzelnen Komponenten individuell zusammenstellen, sondern bei Bedarf auch gegen neue austauschen kann, galt lange Zeit als ebenso genial, wie unrealistisch. Nun hat sich Google dieser Idee angenommen und arbeitet unter Hochdruck an der Umsetzung dieser Idee. Das Ara genannte Projekt soll bereits im kommenden Jahr erhältlich sein und in der Basisversion nur 50 US-Dollar kosten.


Warum ist das wichtig? Projekte wie Google Ara ermöglichen nicht nur einen nachhaltigeren Umgang mit Smartphones und damit die Schonung von wichtigen Ressourcen, sondern auch den Zugang zum mobilen Internet für Menschen, die sich bisher kein internetfähiges Gerät leisten konnten.

  • Google hat die Forschungsabteilung von Motorola übernommen und damit auch das Projekt Ara, ein modulares Smartphone.
  • Module wie Kamera, Prozessor, Akku oder Display kann der Nutzer nach eigenem Bedarf zusammenstellen und austauschen, falls diese veraltet oder defekt sind.
  • Die Basisversion des Projekts Ara soll nur 50 US-Dollar kosten und bereits 2015 Marktreife erreichen.

Im vergangenen Jahr machte die Phonebloks-Kampagne die Runde durch die sozialen Netzwerke, deren Ziel es war, die Idee eines modularen Smartphones zu verbreiten – mit großem Erfolg. Damals schien das Konzept allerdings aus diversen Gründen sehr unrealistisch. Pünktlich zum Ablauf der Kampagne hat Motorola dann im Oktober 2013 mit der Ankündigung, dass man mit dem Projekt Ara eben an genau diesem Konzept arbeitet, eine kleine Bombe platzen lassen. Mit einem Konzern wie Google im Rücken schien die Umsetzung dieses Konzepts plötzlich deutlich realistischer. Nachdem Verkauf von Motorola an Lenovo war allerdings plötzlich nicht sicher, wie es mit dem Projekt Ara weitergeht. Inzwischen hat Google aber bekannt gegeben, dass die Forschungsabteilung nicht Teil des Deals war und die dort beschäftigten Entwickler in das Android-Team integriert werden – Google selber nimmt sich also der Entwicklung des modularen Smartphones an.

In einem Interview mit dem Time Techland-Blog und einer Präsentation auf dem LAUNCH-Festival in San Francisco haben Mitarbeiter des Projekts, nicht nur eine aktuelle Statusmeldung zum derzeitigen Entwicklungsstand gegeben, sondern auch viele interessante Details zum Projekt verraten.

Offenheit soll für Innovation sorgen

Das Gerät besteht aus einem Endoskelet, das die verschiedenen Module sowie einen kleinen Akku beherbergt. Diese Module können komplett frei ausgetauscht werden – wer also auf eine Kamera verzichten kann oder will, kann stattdessen ein zusätzliches Akku-Modul wählen. Das Endoskelett wird in drei verschiedenen Größen erhältlich sein, die jeweils unterschiedlich vielen Modulen Platz bieten.

Damit die Module sich untereinander verstehen, setzt Google auf ein offenes Datenübertragungsprotokoll, das auch für zukünftige Entwicklungen ausreichend Spielraum bietet. Damit die Kompatibilität der Module untereinander gewährleistet ist, wird Google ein „Module Development Kit“ veröffentlichen. Die Module können dank des offenen Protokolls von jedem gefertigt werden – um einen gewissen Standard zu sichern, wird Google allerdings geprüfte Module in einem eigenen Modul-Shop anbieten. Durch den offenen Charakter des Projekts hofft Google Innovationen auf dem Smartphone-Markt zu fördern, ähnlich wie es beim Open-Source-Betriebssystem Android und der fleißigen Entwickler-Community der Fall ist.

Ein Prototyp wird in wenigen Wochen präsentiert

Als weiteres Problem an dem Konzept galt bisher, dass Smartphones auf hohem Maße integrierte Geräte sind und durch die modulare Bauweise die Gehäuseabmessungen stark steigen. Nach Angaben von Google wird das Ara-Smartphone allerdings nur 25 Prozent größer, als ein handelsübliches Modell – als Dicke werden derzeit 9,7 Millimeter angestrebt, was nur knapp 2 Millimeter dicker wäre, als ein iPhone 5S. Auch der Preis soll sich durch die Modularität nicht spürbar erhöhen. Als Grundpreis für ein sogenanntes Greyphone – die Basisversion, die mit WLAN- aber ohne Mobilfunk-Modul ausgeliefert wird – werden derzeit 50 US-Dollar anvisiert. Um die Preise für die einzelnen Module niedrig zu halten, können einige, wie Antennen, im 3D-Drucker erstellt werden.

Mitte April will Google erste Entwicklerkonferenzen für das Ara-Smartphone abhalten. Vorher soll aber bereits das MDK veröffentlicht werden und in wenigen Wochen soll bereits ein erster funktionsfähiger Prototyp gezeigt werden. Google marschiert also mit großen Schritten voran um den Traum des modularen Smartphones in die Realität umzusetzen. Sollte das Endergebnis tatsächlich so überzeugend umgesetzt sein, wie es derzeit den Anschein hat, könnte dies den Smartphone-Markt grundlegend revolutionieren.

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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