Ghost: Bloggen soll wieder einfacher werden

Blogging-Plattformen gibt es viele, doch sind sie oft kompliziert zu nutzen oder anzuwenden. Ghost will Bloggern wieder den Fokus aufs Wesentliche ermöglichen, das Publizieren. // von Daniel Kuhn

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WordPress, Habari und Tumblr sind nur einige der bekannteren Blogging-Plattformen, die trotz der unterschiedlichen Ausrichtung alle das gleiche Ziel verfolgen – nämlich das Publizieren von Texten im Internet für jedermann so einfach wie möglich zu gestalten. So einfach ist es aber nicht immer und daher hat ein ehemaliger WordPress-Entwickler Ghost ins Leben gerufen. Die Software ist seit gestern für die Allgemeinheit verfügbar, aber nicht für jedermann nützlich.

Einen eigenen Blog zu erstellen war selten leichter als heute, sollte man meinen. Die große Auswahl an Blogging-Plattformen und -Software bietet leichten Einstieg – zumindest in der Theorie. In der Praxis scheitern viele Interessenten an dem stetig wachsenden Funktionsumfang oder dem oftmals komplizierten Installationsprozess. John O’Nolan möchte mit Ghost eine Rückbesinnung auf das Wesentliche einläuten und hat die Software, die das Crowdfunding-Ziel übererfüllt hat, nun für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ghost soll Bloggen so einfach wie nur irgendwie möglich gestalten, nachdem WordPress und Co über das reine Bloggen längst hinausgewachsen sind und den Laien durch den gebotenen Funktionsumfang schlicht erschlagen. Hat man Ghost erstmal installiert, zeigt sich dann auch das Potenzial, dieses Ziel zu erreichen, allerdings stellt eben der Installationsprozess noch einen gewaltigen Stolperstein dar.

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John O’Nolan, ehemaliger Leiter der Backend-Entwicklung bei WordPress hat sich bei Ghost für Node.js entschieden. Dies bringt zwar viele Vorteile, aber leider auch einen gewaltigen Nachteil mit sich, denn die meisten Standard-Hoster unterstützen die Installation des Systems nicht. Zwar finden sich im Netz bereits Anleitungen, wie man Ghost zum Beispiel auf Uberspace installieren kann oder anderen Systemen auch lokal zu Testzwecken installieren kann, allerdings dürften diese den Normalnutzer zu kompliziert sein und ihn eher abschrecken. Das Entwickler-Team ist sich dieses Problems allerdings bewusst und will in Kürze mit weiteren Hostern nachlegen und sogar ein eigener Hosting-Service soll folgen.

Hat man die Installationshürde erstmal genommen, erwartet einen neben dem klar strukturierten, übersichtlichen Dashboard ein sehr simples Backend-Interface ohne unnötige Schnörkel oder Buttons. Für die Formatierung des Textes wurde die Auszeichnungssprache Markdown gewählt, die nach kurzer Einarbeitungszeit leicht beherrschbar ist – in Ghost findet sich zudem auch eine Liste mit Markdown-Befehlen. Die Einstellungs- und Erweiterungsmöglichkeiten von Ghost sind derzeit ebenfalls noch sehr minimal gehalten, dank MIT-Open Source-Lizenz kann aber jeder an Ghost mitentwickeln und so sollen neben neuen Themes auch bald Plugins verfügbar sein.

Kann Ghost das gesteckte Ziel erreichen? Derzeit leider noch nicht. Zwar ist die Kernfunktion, also das Schreiben der Blog-Inhalte, bereits sehr überzeugend gelöst, allerdings reicht dies derzeit noch nicht, um die Software für jedermann nützlich zu machen. Die meisten Interessenten werden an dem derzeit noch zu komplizierten Installationsprozess scheitern und auch die mangelnde Unterstützung mehrerer Autoren, Planung von Beiträgen sowie deren automatische Sicherung dürfte für einige noch ein K.O.-Kriterium sein. Diese Features sollen aber laut der aktuellen Roadmap noch nachgereicht werden und auch ein paar bekannte Bugs, wie das Einbetten von Videos sollen ebenfalls behoben werden.

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Sobald die Ghost-Entwickler es schaffen, die Installation zu vereinfachen und ein paar der gewünschten Features nachzureichen, könnte Ghost tatsächlich als Alternative für WordPress-Nutzer, die sich von der Feature-Flut befreien wollen, oder Tumblr-Nutzern, denen das Microblog-Format nicht ausreicht, eine gute Chance haben – das Potenzial ist definitiv vorhanden.

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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