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Social Impact: Geschäftsideen mit Herz und Verantwortung

Social wörtlich genommen. Dies haben junge Existenzgründer beim „social impact start pitch“ in Hamburg unter Beweis gestellt. // von Oliver Bernt

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Eines haben die meisten Startups gemeinsam: Sie wollen eine clevere Geschäftsidee binnen kürzester Zeit vergolden. Getrieben von enthusiastischen Geschäftssinn mit kleinen Dollar-Zeichen in den Augen, suchen die Jungunternehmer nach einem wohlwollenden Finanzier, der sich ebenfalls Gewinn aus seiner Investition erhofft. Doch wenn das beworbene Geschäftsmodell auf Wohltätigkeit basiert, nehmen die meisten Unternehmer schnell die Beine in die Hand. Damit diese Ideen trotzdem eine Chance bekommen, gibt es in Hamburg das social impact lab.


Warum ist das wichtig? Das social impact lab Hamburg wurde im Januar 2013 eröffnet und betreut ausschließlich start up Stipendiaten. Die Devise des Unternehmens lautet: die Welt ein Stück besser zu machen.

  • Das social impact lab hat sich zur Aufgabe gemacht, gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischen Zielen zu lösen.
  • Es unterstützt Existenzgründer, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und Veränderungen herbeiführen wollen.
  • Seit der Gründung konzentriert sich das Unternehmen auf die Entwicklung einer Infrastruktur zur Förderung von sozialen Innovationen.

Lasset die Spiele beginnen

Unweit des Michels, etwas versteckt in einem unscheinbaren Hinterhof, liegt das social impact lab Hamburg. Bei einer Außentemperatur jenseits der 30 Grad Marke hatte man zum start pitch geladen, um unter den zehn erfolgsversprechenden und sozialsten Geschäftsideen die beste zu finden und diese im Rahmen eines Stipendiums zu fördern.

Moderiert wurde der gut besuchte pitch von Norbert Kunz, seines Zeichens Geschäftsführer der social impact GmbH. Nach einer kurzen Begrüßung ging es auch direkt in den „Battle“ um die beste Startup-Idee.

Die anstrebenden Existenzgründer hatten jeweils 5 Minuten Zeit, um die Jury und die anwesenden Gäste von ihrem sozialen Geschäftsmodell zu überzeugen. Gefolgt von einer sieben minütigen Frage-und-Antwort-Runde, die auch intensiv von den Zuhörern mit kritischen Fragen genutzt wurde.

Die vorgestellten Ideen waren ebenso abwechslungsreich wie originell. Was die Zuschauer zu sehen bekamen reichte über eine Community gestützte Vermittlung von Sofa Konzerten, ein Online-Portal zur beruflichen Orientierung von Schulabgängern namens JOBDIGGA, sowie ein Crowdfunding-Projekt für Immobilien bis hin zur Entwicklungshilfe für afrikanische Länder, welche durch ein faires Franchise für Reis-Dattel-Kekse ermöglicht werden soll. Gleichzeitig könnte letztgenanntes auch als Gesundheitsprogramm dienen. Denn auch in Afrika verleitet die Armut zum Konsum von billigem Junkfood. Als Folge steigen in vielen afrikanischen Ländern Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankung von Jahr zu Jahr rapide an. Die Anwesenden durften sich dank leckerer Kostproben vom Geschmack dieses Produkts überzeugen. Was kritische Naturen glatt als Bestechungsversuch bezeichnen hätten.

Besonderen Anklang bei Publikum und Jury fand das Projekt „Deskaround“, welches von Studenten aus dem Bereich Stadtplanung an der Hafen-Uni entwickelt wurde. Da adäquate studentische Arbeitsräume an der Uni Mangelware sind, kamen Sie auf die interessante Idee einer Vermittlung von freien Arbeitsplätzen (und das ist jetzt wirklich räumlich gemeint). Als Gegenleistung für das zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten innerhalb teilnehmenden Hamburger Unternehmen könnten die Studenten praxisgerechte Leistungen für Ihr neues „Heimat-Unternehmen“ erbringen. Eine Situation von der sowohl die Studenten, das Unternehmen als auch die Uni profitieren könnten. Ein universelles Konzept, welches zudem auch für andere Universitäten interessant sein könnte.

Alles in allem hatte jedes vorgestellte Projekt seinen ganz speziellen Reiz und man konnte die Hingabe und das Engagement jedes einzelnen Teilnehmers regelrecht spüren. Wie viel Herzblut in jeder Idee steckt, offenbarte vor allem das Projekt „Honduranische Diaspora“. Bei Erwähnung ihres geliebten Heimatlandes hatte bezaubernde Präsentatorin sogar mit den Tränen zu kämpfen und rührte damit das gesamte Publikum. Auch wenn Ihre Geschäftsidee zur Errichtung einer Online-Diaspora vielleicht nicht gänzlich ausgereift wirkte, zeigte sie jedoch, dass der Wunsch die Welt verbessern zu wollen auch in Zeiten sozialer Kälte nicht gänzlich vergessen ist.

Nach etwas über zwei Stunden endete dann auch die letzte Präsentation und der Jury stand die undankbare Aufgabe bevor, unter allen unterstützenswerten Projekten, das erfolgversprechendste zu wählen und den Gewinnern damit ein Stipendium an im social Lab zu ermöglichen. Bekanntlich nützt auch die sozialste Idee nichts, sollte ihre Finanzierung nicht auf einem soliden Fundament errichtet worden sein.

And the winner is…

Am Ende gab es dann eine große Überraschung, denn es gelang gleich drei Projekten sich durchsetzen. Unter schallendem Applaus der Zuschauer konnten sich die jungen Mädels von „sofaconcerts“, der „Jobdigga“ und die fröhlichen Studenten von „Deskaround“, welche im Übrigen auch noch den Publikumspreis abstauben konnten, souverän durchsetzen und sich über Ihr Stipendium freuen. Aber auch die übrigen Projekte wurden nicht komplett verworfen, sondern erhielten die einmalige Chance, unter Anleitung der Mentoren des social impact lab, auf eine bessere Machbarkeit angeschoben zu werden. Denn ein altes deutsches Sprichwort besagt bekanntlich, dass manchmal schon ein kleiner Schubs genügt, um die Dinge in Gang zu bringen.

Verlierer gab es an diesem Abend also keine – ein positiv stimmendes Ergebnis.

Es wird sich zeigen, welche Projekte sich letztendlich am Markt behaupten können. Wünschen würden wir es jedem Einzelnen und wir sind gespannt, welcheProjekte das social impact lab in Zukunft hervorbringt.


Teaser & Image by social impact lab Hamburg   (Veranstaltung vom 22. Mai 2014)


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Oliver Bernt

Oliver Bernt

genoss eine klassische Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bevor er im Jahre 2000 in die Welt der Media Agenturen wechselte. Als Einkäufer lernte er dabei vor allem die kaufmännische Seite der Werbewirtschaft kennen. 2014 erkundete der waschechte Hamburger nun seine kreative Seite, indem er seine ersten Sporen als Redakteur bei den Netzpiloten verdiente.

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