Was ist Geofencing und warum ist es wichtig?

Das Internet der Dinge ist längst eine uns umgebende Realität. Doch damit die kommenden Milliarden Geräte wissen, wo sie hingehören, ist Geofencing nötig. Das Internet der Dinge ist die wohl größte technische Entwicklung seit dem Internet selbst und deshalb auch eine gewaltige technische Herausforderung. Mehrere Milliarden Geräte umgeben uns bereits und die Zahl steigt stetig an. Wie können wir also die nächsten 10 Milliarden Geräte mit dem Internet verbinden und dafür sorgen, dass sie sicher und zufrieden sind und mit Updates versorgt werden? Die Lösung heißt Geofencing, also das Erstellen von virtuellen Grenzen und Arealen, in denen sich diese „Dinge“ aufhalten und gegebenenfalls bewegen können.

Das Internet der Dinge braucht Grenzen

Es gibt verschiedene Schätzungen, nach denen bis zum Jahr 2020 zwischen 30 und 50 Milliarden Geräte, oder „Dinge“, mit dem Internet verbunden sind. Diese Geräte können nicht alle eine normale WLAN-Verbindung nutzen und müssen daher Funkprotokolle mit kurzer bis mittlerer Reichweite nutzen, wie etwa Bluetooth, Zigbee, 60GHz oder gar sichtbares Licht – doch wie soll das alles funktionieren, ohne im totalen Chaos zu enden? Hier kommt Geofencing als ganz wichtiges Konzept ins Spiel – wobei der Begriff Geofencing mehrere Ansätze vereint – indem es die nötigen Technologien bereitstellt, um unsere „Dinge“ davon abzuhalten, außerhalb ihrer sicheren Umgebung zu funktionieren.

Der erste Anwendungsbereich von Geofencing bindet ein Gerät an einen bestimmten Ort. Dies teilt sich wiederum in zwei Anwendungsszenarien auf:

  • Geräte, die schlicht nicht außerhalb des Geofence funktionieren. Dabei könnte es sich zum Beispiel um Arbeitsgeräte handeln, die nur auf einem Firmengelände funktionieren und den Dienst verweigern, sobald man sie von dem Gelände entfernt.

  • Geräte, die „ausflippen“, wenn sie aus dem Geofence entfernt werden. Ein Beispiel, das wohl jeder kennt, sind die Sicherheits-Tags in Geschäften, die anfangen wie wild zu piepen, wenn man sie aus dem Laden entfernt.

Diese Beispiele finden sich auch in unserem Alltag wieder, etwa bei Staubsaugrobotern wie dem Roomba, der mit Infrarot-Beacons in einem bestimmten Raum gehalten werden kann, bis dieser komplett gereinigt ist. Ein ähliches Prinzip findet sich bei Bluetooth-Kopfhörern und ähnlichem Zubehör wieder, dass eine Warnung von sich gibt, wenn man sich aus dem Verbindungsumfeld begibt.

Die dritte Form von Geofences werden aktiv, sobald sich ein kompatibles Gerät in der Nähe befindet. Diese Form wird fast ausschließlich im Marketing angewendet. Man kann sich das ungefähr wie bei Minority Report vorstellen, in dem Passanten passende und personalisierte Werbebotschaften um die Ohren geschlagen wurden. Aber diese Zukunftsvision ist gar nicht mehr so weit entfernt, dank Smart Beacons, mit denen Ladenbesitzer genauestens tracken können, wie sich ein potenzieller Kunde durch den Laden bewegt und ihn eventuell auf Sonderangebote im nächsten Regal aufmerksam machen. Die Handelskette Gamestop hatte bereits im Januar angekündigt, noch in diesem Jahr mehrere Filialen mit der Technologie auszustatten, aber auch hierzulande gibt es bereits erste Pilotprojekte.

Beacons (und Apples iBeacons) sind für Geofencing sehr wichtig – dabei handelt es sich um kleine Geräte, die über Bluetooth regelmäßig kleine Datensätze entweder direktional oder omnidirektional in ihre Umgebung funken. Direktionale Beacons werden verwendet, um virtuelle Wände zu errichten, wie etwa beim Roomba. Beacons kann man etwa mit GPS vergleichen, nur deutlich genauer. Während GPS zur Ortung allerdings nur auf einige Meter genau den Standort bestimmen kann, kann die aktuelle Position mit Beacons auf den Zentimeter genau errechnet werden.

Geofencing ist also unglaublich wichtig für das Internet der Dinge, da die ganzen Geräte, die uns umgeben und sich mit verschiedensten Funksignalen unterhalten, buchstäblich begrenzt werden und sie sich nicht ins Gehege kommen. Das Internet der Dinge ist schon komplex genug, da kann es nicht schaden, wenn dafür gesorgt wird, dass man ganz genau weiß, welches Gerät sich an welchem Ort aufhält.


Image (adapted) „OpenStreetMap GPS trace density in and near Europe“ by Eric Fischer (CC BY 2.0)


 

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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