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friendsurance: Wenn bei Geld die Freundschaft nicht aufhört

Die Versicherungsplattform friendsurance will Nutzern ermöglichen, durch Freundschaft bares Geld beim Versicherungsbeitrag zu sparen. // von Ralph Günther

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Versicherungen, Geld und Freundschaft – ist das möglich? Ja, zumindest wenn es nach den Machern von friendsurance geht. Ihr Konzept setzt auf Freundschaft 2.0 in Verbindung mit Versicherungsschutz zu günstigen Konditionen. Das Versprechen: Bleibt die Gemeinschaft schadenfrei, gibt es bis zu 50 Prozent des gezahlten Beitrags zurück. Eine innovatives Geschäftsmodell, mit dem die Gründer von friendsurance neue Wege gehen und eine ansonsten eher angestaubte Versicherungsbranche aufwirbeln.

Ralph Günther vom Versicherungsportal exali.de hat einen der friendsurance-Gründer Gründer, Dr. Sebastian Herfurth, vergangenes Jahr auf den Assekuranz-Trendtagen getroffen und für sein Blog interviewt. Für Netzpiloten geht er dem Konzept auf den Grund – und auch der Frage, ob das Prinzip für den Kunden tatsächlich aufgehen kann.

Das Prinzip: Individueller Versicherungsschutz – gemeinsam sparen

Im Kern besteht das Geschäftsmodell von friendsurance aus einem Angebot von Hausrat-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- , Handy- und Elektronikversicherungen, die online miteinander verglichen und abgeschlossen werden können. Bis auf den Vertrieb über ein Online-Portal inhaltlich also nichts Neues.
Neu ist allerdings die Kopplung an eine außergewöhnliche Idee: Wer eine Versicherung abgeschlossen hat, kann sich online über Social Media Kanäle mit anderen Versicherten zu einem kleinen Netzwerk verbinden – mit Freunden, Bekannten, Kollegen oder mit von friendsurance gemachten Vorschlägen. Bleibt dieses Netzwerk ein Jahr schadenfrei, bekommen alle Mitglieder einen Teil ihrer Beiträge zurück – und zwar bis zu 50 Prozent.

Kommt es zum individuellen Schaden, wird der ganz normal über den Versicherer reguliert. Allerdings gibt es in diesem Jahr dann für alle Mitglieder des Netzwerks weniger Beitrag zurück – mit einer eingebauten „Kostenbremse“: Niemand muss mehr zahlen, als den ursprünglich geleisteten Jahresbeitrag. Im Worst Case gibt es also einfach Nichts zurück.

Ein Modell, das in dieser Form übrigens nicht von Anfang an verfolgt wurde: Ursprünglich war vorgesehen, dass die Mitglieder der Netzwerke eine kleine Summe in eine Art „Solidaritätstopf“ zahlen, mit dem sie sich gegenseitig unterstützen. So konnte der Versicherer komplett außen vorgelassen und kleine Schäden konnten untereinander selbst reguliert werden. Als die Macher jedoch bemerkten, dass diese Kombination aus Freundschaft und gegenseitiger Finanzierung im Schadenfall auf Vorbehalte stieß, passten sie das Konzept recht schnell wie oben beschrieben an.

50% Rückerstattung bei Schadensfreiheit? Das Versprechen unter der Lupe

Die Macher setzen bei ihrem Konzept auf ein selbstregulierendes System zwischen Freunden und auf das Belohnen von Schadenfreiheit. Eine Rechnung, die aufzugehen scheint: So werden nach Angaben von friendsurance 40 Prozent weniger Schadenfälle gemeldet, als bei herkömmlichen Versicherungen (siehe Infografik).

Das führt zu einer Win-Win-Situation, die sich auch für die Kunden auszahlt: Weil der Anreiz zum Kostensparen die Betrugsfälle senkt, liefert das den Versicherungen profitable Kunden, was diese wiederum mit günstigen Beiträgen honorieren. Immerhin bei 30 Prozent liegt die Rückzahlung auf den Jahresbeitrag im Schnitt, wie die Macher von friendsurance angeben.

Und noch etwas schafft das neue Konzept: Im eigenen Interesse, ein Netzwerk aufzubauen und maximalen Beitrag zu sparen, werben sich die Kunden gegenseitig – übernehmen als Multiplikatoren sozusagen den Vertrieb. Aus wirtschaftlicher Sicht ein genialer Coup:

Im Schnitt hat derzeit jeder friendsurance-Kunde 7,5 Verbindungen. Und das sind nicht nur Freunde, Familie, Bekannte und Kollegen, sondern zur Hälfte auch vorgeschlagene unbekannte Nutzer aus der friendsurance-Community.

Sich selbst finanziert friendsurance über das klassische Makler-Modell: Wenn ein Kunde auf der Plattform eine der angebotenen Versicherung abschließt, erhalten sie dafür vom jeweiligen Anbieter eine Provision. Zudem erhielt friendsurance 2012 Fördermittel aus dem Pro FIT-Programm der Investitionsbank Berlin (IBB) für die Weiterentwicklung der Plattform.

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Kein Missbrauchsschutz im Netzwerk

Natürlich: Je mehr Verbindungen, desto größer ist auch das Risiko, dass es zum Schaden kommt. Und nur, wenn im eigenen Netzwerk niemand mit gezinkten Karten spielt, können alle profitieren. Einen Missbrauchsschutz oder Kontrolle, ob dem auch so ist, gibt es seitens friendsurance jedoch nicht.
Ungeachtet dessen ist jedoch davon auszugehen, dass der Versicherer im eigenen Interesse Ansprüche prüft, bei denen ihm Unregelmäßigkeiten auffallen.

Viel zu verlieren hat der Kunde allerdings auch nicht, wenn es in seinem Netzwerk ein schwarzes Schaf gibt. Denn im Worst-Case bekommt er lediglich nichts mehr von dem Jahresbeitrag zurück, den er für seinen Versicherungsschutz woanders auch hätte löhnen müssen.

Die bisher veröffentlichten Zahlen zeigen: Das Konzept Versicherung in Kombination mit Freundschaft 2.0 refinanziert sich durch verbesserte Schadensquoten und geht auf. Für alle Seiten. Das Prinzip, dass sich Freunde nicht gegenseitig über den Tisch ziehen und sich Netzwerke gegenseitig schützen, kann also funktionieren – auch, wenn bei Geld bekanntlich die Freundschaft aufhört.


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Ralph Günther

Ralph Günther

ist Gründer und Geschäftsführer des Versicherungsportals exali.de. Er hat langjährige Erfahrung im Risikomanagement und der Versicherung von IT-Experten, Kreativen und Consultants. Sein Fokus liegt auf der Absicherung von Vermögensschäden und damit verbunden der Entwicklung branchenspezifischer Versicherungskonzepte.

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