Kreativität auf Knopfdruck? Wie Freelancer Routinen besser nutzen

Zeit ist Geld. Dies schrieb Benjamin Franklin im Jahr 1748 in seinem Buch „Ratschläge für junge Kaufleute“ und wollte damit die antike Vorstellung, dass Zeit ein kostbares Gut ist, in den Kontext der modernen Arbeitswelt stellen. Doch vor allem heutzutage lebt Arbeit viel von Kreativität, trotzdem hat Franklins Sprichwort auch nach über 265 Jahren kaum an Bedeutung verloren. Laut der vor Kurzem veröffentlichten Studie „State of Create 2016“ von Adobe können Kreative nur 35 Prozent ihrer Arbeitszeit für schöpferische Aufgaben nutzen. Für die Studie hat Adobe zwischen dem 19. September und 3. Oktober 2016 online 5.026 Arbeitnehmer aus den USA, Japan, Frankreich, Großbritannien und Deutschland befragt. 1.006 Menschen kamen aus Deutschland.

Die Ergebnisse sind weltweit alarmierend: 85 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich gezwungen sehen, eher produktiv als kreativ zu sein. Das ist viel kreatives Potenzial, das durch ein falsches Arbeitsethos ungenutzt bleibt. Und Zeit ist so eher verloren als wertvoll. Dies wissen vor allem die befragten Arbeitnehmer, auch in Deutschland. 83 Prozent der Deutschen sehen in Kreativität einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Fast genau so viele glauben, dass Kreativität fördernde Unternehmen tendenziell zufriedenere Beschäftigte haben und Kreativität ein Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum sein kann. Doch wie kann der Kreativität am Arbeitsplatz mehr Freiheit eingeräumt werden?

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Freelancer in Coworking Spaces sind auf Kreativität angewiesen (Image: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)

Im firmeneigenen Blog gibt Adobe fünf Tipps, wie man in der Praxis mit hilfreichen Programmfunktionen, Online-Diensten und kostenlosen Apps der Adobe Creative Cloud mehr Raum für kreatives Denken freimacht. Doch das allein reicht natürlich nicht, vor allem wenn man Adobe-Programme gar nicht nutzt. Und technische Lösungen sind meist nur die halbe Miete, weshalb ich drei Freelancer, die Mitglieder in dem von mir geleiteten Coworking Space des St. Oberholz sind, gefragt habe, wie sie sich denn diese Freiräume für mehr Kreativität schaffen. Ihre Antworten sind nicht nur sehr nützlich für andere Kreative, sondern auch die perfekte Ergänzung zu den Tipps von Adobe:

  1. Auf die Einstellung kommt es an: Routinen lieben (lernen)

Mit diesen kleinen Aufgaben zwischendurch hat der Designer Ted Young-Ing weniger ein Problem. Sein Ideal, gut vorbereitet zu sein und sich, nachdem alles erledigt ist, dem Kreativen zu widmen, klappt allerdings in der Praxis seltener. Für ihn ist es eine Frage der Einstellung; er betrachtet diese Unterbrechung vom Kreativen als kleine Pausen für sein Gehirn.

Wenn Routineaufgaben etwas Vorteilhaftes haben, dann, dass man sie schon öfters machen musste und weiß, was verlangt wird. Das Wort Routine stammt aus dem Französischen und bedeutet vielsagend „Wegerfahrung“, es geht also um das durch frühere Aktionen Gelernte zu wiederholen – und das, ohne noch viel darüber nachdenken zu müssen.

  1. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Routinen nutzen (lernen)

Der Social-Media-Berater Jörg Leupold sieht in diesen Aufgaben, für die man keine Kreativität braucht, die aber erledigt werden müssen, kleine Gelegenheiten, sich etwas zu entspannen und auch zu bewegen. Während eintöniger Arbeit hört er gerne Musik und kommt durch die Fokussierung sogar in einen sogenannten Flow (der glücklicher und produktiver machen kann), wie er erzählt.

Kreative Aufgaben, wie das Schreiben eines Konzeptes, erledigt er gerne woanders, beispielsweise im St. Oberholz. Die Fahrt mit dem Fahrrad dahin und der sprichwörtliche Tapetenwechsel helfen ihm dabei, mit den ganz anderen Herausforderungen kreativer Aufgaben besser fertig zu werden.

  1. Individuelle Strukturen schaffen: Routinen organisieren (lernen)

Die Innovationsberaterin Kaija Peters lebt in ihrem Beruf von Kreativität und Leidenschaft. Ihre wichtigsten Tipps mögen deshalb erst einmal überraschen, gehören aber zu den besten Strategien, um Aufgaben effizient zu bewältigen: Rituale setzen, mit Checklisten arbeiten und Aufgaben möglichst outsourcen.

Auch Freiheit in der Arbeit braucht Struktur. Bestimmte Aufgaben an zugewiesenen Wochentagen zu erledigen, Aufgaben listen und priorisieren oder beispielsweise den Postverkehr von einem externen Dienstleister einscannen zu lassen und digital zugeschickt zu bekommen, kann einem mehr Handlungsspielraum verschaffen.


Disclosure: Dieser Artikel ist auf Bitte von Adobe, die veröffentlichte Studie zu kommentieren, redaktionell unabhängig verfasst worden. Adobe zahlte eine Aufwandsentschädigung für die geleistete Arbeit des Autors, nahm aber keinerlei Einfluss auf den veröffentlichten Artikel.


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