Foursquare weiß, was du gleich essen willst

Der Check-In-Dienst Foursquare will in Zukunft das Nutzerverhalten antizipieren und dem Anwender nicht nur sagen wo er essen soll, sondern auch was. Foursquare befindet sich im Umbruch – das Unternehmen will sich schon lange vom reinen Check-In-Service mit Gameification-Modell entfernen und vielmehr die wichtigste Empfehlungs-App auf dem Smartphone sein. Dabei soll anticipatory computing eine Hauptrolle spielen, wie Firmengründer Dennis Crowley gegenüber Read Write Web in einem langen Interview verrät. Die über die Jahre gesammelten Datensätze sollen dabei helfen, im Voraus zu erahnen, was der Nutzer essen oder trinken will.

Game(ification) Over?

Am Anfang von Foursquare stand das Gameification-Modell stark im Vordergrund. Wer sich an bestimmten Orten oft eincheckt, kann dort Mayor werden. Damals hat mich das Ganze herzlich wenig interessiert. Als dieses Modell allerdings immer weiter in den Hintergrund rückte und Foursquare sich zu einer Empfehlungs-App für Restaurants, Bars, Clubs und sonstige Geschäfte mauserte, fand ich den Dienst plötzlich deutlich interessanter. Wo finde ich etwas Gutes zu essen, oder eine für mich interessante Bar, wenn ich in einer fremden Stadt bin? In diesen Fällen hat sich Foursquare schon des Öfteren als gute Informationsquelle erwiesen – fast wie ein Freund, der in dieser Stadt heimisch ist und die entsprechenden Lokalitäten kennt.

Aber mit diesem Schritt ist das Ziel des Unternehmens, die ursprüngliche Vision noch nicht erreicht. In einem ausführlichen Interview hat Foursquare-Mitgründer und CEO, Dennis Crowley gegenüber Selena Larson von Read Write Web ausführlich erläutert, wohin die Reise in Zukunft gehen soll und wie anticipatory computing, also das Vorhersagen der des Nutzerverhaltens, dabei eine große Rolle spielt.

Times they are a changing

Das simple Einchecken bewirkt mehr, als nur den aktuellen Aufenthaltsort mit Freunden zu teilen – es wird vor allem ein Datenpunkt erstellt, der sehr viele persönliche Daten über den Nutzer und das Unternehmen oder die besuchte Lokalität. Die 45 Millionen Nutzer und die zwischen 5 und 6 Millionen Check-Ins pro Tag erstellen dabei aus firmenintern genannten „venue polygons“, per Crowdsourcing eine virtuelle Karte, gefüllt mit unzähligen Informationen. Dabei geht es aber nicht nur um die Locations selber, sondern ebenso um die erstellten Nutzerprofile. Das Unternehmen lernt daraus nicht nur welche Restaurants du besuchst, sondern auch in welchen Situationen du sie besuchst und welches Gericht du dort bestellst.

Im vergangenen Jahr hat Foursquare bereits den Schritt weg vom reinen Gameification-Modell gewagt und Echtzeitbenachrichtigungen eingeführt. Dadurch kann das Unternehmen den Nutzer bereits auf spannende Locations in seiner Umgebung hinweisen, die er vielleicht noch nicht kennt, aber mögen könnte. Doch wie soll das Smartphone wissen, wann und wo man ist und vor allem, was man gerade essen oder trinken will?

Es wird persönlich

Crowley vergleicht Foursquare dabei mit Google – der Suchmaschinen-Gigant hat ein beachtliches Maß an Informationen über seine Nutzer – diese generiert Google zum Großteil nach wie vor aus Suchergebnissen. Foursquare versucht das gleiche in der realen Welt umzusetzen. Bei Empfehlungen des besten Coffee-Shops in der Nähe nutzt Foursquare ein buntes Potpourri aus verschiedensten Daten, wobei die Check-In-History immer noch der wichtigste Faktor ist um zu erfahren, ob ein Nutzer eine Lokalität oder eine Gegend besonders mag. Durch die Daten von verbundenen Freunden lassen sich diese Vorhersagen auch für bisher fremde Orte erstellen. Die nächste Stufe ist dann zu verstehen, was die persönlichen Interessen eines Nutzers sind und warum er bestimmte Lokale besucht. Liegt es an der kreativen Küche und den exquisiten Cocktails, oder an den Fritten und dem günstigen Bier?

Viele Nutzer hinterlassen bei Foursquare Tipps, wenn ihnen eine Location besonders gut, oder eben überhaupt nicht gefallen hat. Daraus lassen sich natürlich die beliebtesten Empfehlungen ableiten, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Aber all dies wird natürlich erst wirklich genau und nützlich, wenn man den Dienst häufig nutzt. Am Ende soll Foursquare wie ein guter Freund in einer fremden Stadt agieren, mit dem man unterwegs ist und der die richtigen Locations in der richtigen Situation kennt und einem diese auch noch im richtigen Moment mitteilt. 2014 wird bei Foursquare unter Hochdruck an der Umsetzung dieser Vision arbeiten – es wird also noch eine Weile dauern, bis wir mit unserem Smartphone um die Häuser ziehen können, wie mit einem alten Freund.


Image (adapted) „FourSquare“ by StickerGiant Custom Stickers (CC BY 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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