„Fuck Google!“ F.A.T. Lab auf der Transmediale


Eine „Fuck Google!“-Woche hat das Free Art and Technology (F.A.T.) Lab auf der Transmediale ausgerufen. Mit Aktionen, Browser-Plugins und subversiven Anwendungen will das internationale Künstlerkollektiv die Aufmerksamkeit für die Allgegenwärtigkeit und Marktmacht des Internet-Konzerns schärfen.

 
„Jeder mag Kätzchen, und jeder mag Google“, sagt Randy Sarafan. Auf www.googlingwithkittens.com hat er jetzt beides installiert: Google und die Kätzchen.

 


 
Damit spielt Sarafan auf das cleane Image an, das sich Google trotz seiner Marktdominanz bisher bewahren konnte.

 
Programmierer und F.A.T. Lab-Mitglied Jamie Wilkinson zählt einige der vielen Dienste auf, die zu Google gehören: „Youtube, Google Analytics, Google Alerts, Google Search, Google Homepage, Gmail. Wir benutzen alle diese Produkte und verlassen uns auf sie. Das ist keine gute Idee. Sie könnten von der einen auf die nächste Sekunde weg sein. Google hat unsere gesamte Email und kann damit tun, was immer es will. Google ist verantwortlich, (aber) nur seinen Teilhabern verpflichtet.“

 
Auch der Fotodienst Picasa gehört zu Google. Deshalb hat die Mexikanerin Geraldine Juarez digitale Wasserzeichen für Fotos gebastelt, auf denen „Fuck Picasa“ steht (siehe Foto oben). „Host your own data!“ fordert Juarez. Um zu zeigen, dass das funktioniert, gehen die Mitglieder des F.A.T. Lab mit gutem Beispiel voran und stellen ihre Transmediale-Bilder bei „FuckPicasa“ und „FuckFlickr“ ein.

 
Wer sich krank fühlt, googelt oft erstmal die Symptome. „Würdest du deine medizinische Akte oder deine Polizeiakte jedem zeigen? Google weiß das alles“, behauptet Jamie Wilkinson provokant. Sein F.A.T.-Kollege Greg Leuch hat deshalb speziell für e-Diagnosen „Dr. Google“ programmiert. Den kann man jetzt fragen, wenn man sich mal wieder „icky“ fühlt, oder auch sonst. Mir hat Dr. Google gerade H1N1 diagnostiziert.

 
Mit „Google Alarm“ soll der Nutzer von Google loskommen. Jamie Wilkinsons Browser-Plugin geht los, wenn man im Netz auf Google stößt: Lasergeräusche zeigen an, wenn eine Seite Google Tracking Code enthält, bei einer Google-Suche heulen ohrenbetäubende Sirenen. Das Plugin kann man demnächst auf dem F.A.T-Blog herunterladen.

 
Ein weiteres Ziel des F.A.T.-Lab: Den Google-Search für „Fuck Google“ zu dominieren. Am Dienstag waren sie noch auf Platz sieben, mittlerweile haben sie sich auf Platz drei vorgearbeitet.

 
Am Wochenende werden die Künstler des F.A.T. Lab auf besonderer Mission sein und das Google Street View Car verfolgen, das sie eigenen Aussagen zufolge in Berlin gesichtet und mit einem GPS-Gerät ausgestattet haben. Man darf gespannt sein, was sie von ihrer angeblichen Verfolgungsjagd des Google-Autos am Samstag und Sonntag twittern und bloggen (Hashtag: #fffffat).

 
Google ist übrigens auch Sponsor der Transmediale.

 
Nachtrag: Das F.A.T. Lab hat nicht wirklich ein Google-Auto aufgespürt, sondern die Verfolgung des vermeintlichen Google-Autos selbst mit einem Mietwagen und entsprechendem Kameraaufbau inszeniert. Nachdem sich der Hoax im Netz verbreitete, publizierte der Guardian am Mittwoch Googles Meldung, dass derzeit aufgrund der Wetterbedingungen in Deutschland keine Aufnahmen für den Streetview gemacht werden.

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Anja Krieger

Anja Krieger

ist freie Journalistin und Texterin mit Schwerpunkt Netzkultur und Technologie. Nach ihrem Studium der Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder), Berkeley und Salamanca war sie für den Hörbuch-Verlag DAV und die Online-Kulturplattform "Perlentaucher" tätig. Seit 2009 arbeitet sie als freie Journalistin. Ihre Beiträge finden sich auf anjakrieger.com.

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