Fashion meets Tech: Outfittery lässt 3D-Scanner bauen

In 8 Wochen bauten Studierende einen 3D-Drucker für das Startup Outfittery, der das Problem der hohen Rücksendungen von Online Shops lösen könnte. // von Felicitas Hackmann

3D-Scanner von Outfittery (Bild: Outfittery)

Es ist weitestgehend bekannt, dass Online Shops mit einer hohen Rücksenderate zu kämpfen haben. Das hängt häufig damit zusammen, dass Kleidung nicht passt. Ärmel zu lang, Hosenbein zu kurz? Outfittery hat deshalb einen 3D-Scanner entwickeln lassen, der Abhilfe schaffen soll.


Warum ist das wichtig? Mit einem Kunden vermessenden 3D-Scanner könnte das Startup Outfittery das größte Problem von Online-Händlern lösen.

  • Der Rückversand von Produkten verursacht für alle Online-Händler enorme Kosten.

  • Besonders hoch sind die Kosten bei Kleidung, denn häufig werden mehrere Größe bestellt, in der Hoffnung das eine passt.

  • Das Startup Outfittery hat deshalb einen 3D-Scanner entwickeln lassen, der Kunden vermisst und so bei der richten Auswahl der Kleidungsstücke hilft.


Outfittery ist ein Startup, das Fashion-Beratung für Herren anbietet. Nachdem ein Bogen mit Stilfragen ausgefüllt wurde, rufen Styleberaterinnen die Kunden an und besprechen mit ihnen einzelne Kleidungsstücke. Aus der individuell zusammengestellten Box kann der Kunde dann wählen, welche Teile er gerne behalten möchte und welche nicht (Linktipp: Outfittery-Test von Jakob Steinschaden).


YouTube-Vlogger Giovanni Fasiello hat Outfittery getestet:


Das Rückgabeproblem ist nicht neu

Die Rücksendequoten sind zu hoch. Das beklagt die ganze Branche. Zalando, Otto und viele andere Online Fashion Händler sprechen von einer Rücksendequote von etwas über 50 Prozent. Die damit verbundenen Kosten (Versand, Prüfung der Retourware,…) sind enorm. Denn nicht anders als bei Frauen, bestellen auch Männer gerne Teile in mehreren Größen, weil sie sich unsicher über die Größe und Passform sind.

Das CTM München (Center for Digital Technology & Management), das von Outfittery mit der Entwicklung der Scanners beauftragt wurde, fand heraus, dass dies die häufigsten Gründe für Rücksendungen war.

Der Scanner von außen und von innen

Der Scanner selbst sieht aus wie eine sehr große Outfittery-Box. „Mit dem schönen Design von Outfittery hatten wir wirklich Glück„, scherzten die Entwickler bei der Vorführung.

Im Scanner stellt man sich auf die dafür vorgesehene Markierung. ‘Start’ drücken und die kreisförmige Platte, auf der man steht, dreht sich um 360 Grad. Ein Infrarot-Projektor und eine -Kamera vermessen den Körper. Innerhalb von 10 Sekunden erscheint das 3D-Bild auf einem Monitor. Ist man damit zufrieden, kann es an die Style-Expertin geschickt werden. Ist es verwackelt oder ungenau, erstellt man ein neues.

Der Scanner ermittelt zentimetergenau die Körpermaße. Durch technologischen Vorsprung ist er außerdem günstiger als bisherige Körperscanner, so Outfittery. Ludwig Schubert, einer der Entwickler, erklärte dazu, dass eine einfache XBox Kinect eingebaut wurde.

Das Entwicklerteam Jonathan Kienzle, Christian Klugow, Kristina Kroth, Martin Schöll und Ludwig Schubert plante circa drei Wochen lang am Center for Digital Technology & Management – einer gemeinsamen Einrichtung der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität München. Für die Umsetzung von Soft- und Hardware brauchte das Team dann acht Wochen. Herausgekommen ist ein auseinanderbaubarer Scanner, der technisch und optisch über ein einfaches MVP weit hinausreicht.

Die mobile Umkleide

Der Outfittery-Männerscanner wurde in der Deutsche Bank an der der Berliner Friedrichstraße von fast 500 Probanten getestet, so Outfittery.

Prototypen sollen von März bis September 2015 in deutschen Großstädten (Berlin, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, München, Hamburg und Stuttgart – mehr sollen folgen) getestet werden. Besonderer Fokus wird dabei auf Shopping Centern liegen. Da Outfittery bis vor kurzem einen Pop-Up-Store am Hamburger Flughafen hatte und weitere plant, ist auch da mit den Scannern zu rechnen.

Und dann?

Outfittery vermisst alle Kleidungsstücke zu Beginn einer Saison, da sie diese Daten nicht von den Herstellern erhalten. Mittels der Maße der Kunden und der 3D-Grafik können die Styleexperten nun besser abschätzen, welche Kleidungsstücke wie sitzen werden.

Die Kunden erhalten der Nutzung des Scanners außerdem ein Kärtchen mit ihren Maßen. Wie erklärt wurde, haben Männer häufig Schwierigkeiten sich Kragenweite, Ärmellänge, usw zu merken.

Eine Box von Outfittery, wie sie Kunden bekommen (Bild: Outfittery)
Eine Box von Outfittery, wie sie Kunden bekommen (Bild: Outfittery)

Das Problem ist bekannt

Schon 2012 gewann das Startup Poikos mit seinem Mobile-Scanner die Startup Competition beim Wiener Pioneers Festival. Im Gegensatz zu Poikos fokussiert Outfittery sich aber erstmal weiter nur auf Männer und ihre Maße.

Wie der Scanner in Shopping Malls angenommen wird, bleibt abzuwarten.

Wir sind die ersten, die diese Technik tatsächlich einsetzen und sind sicher, damit einen großen Mehrwert für Konsumenten und Handel zu schaffen„, kommentiert Julia Bösch, Gründerin von Outfittery.

Es sieht auf jeden Fall gut aus.

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Felicitas Hackmann

Felicitas Hackmann

studierte Medienwissenschaft in Siegen und arbeitete zwischendurch und danach in Startups wie z.B. Airbnb und Stuffle. Nach San Francisco und Hamburg, ging es 2014 nach Berlin, wo sie als freie Reporterin, für z.B. VentureVillage, schreibt. Ohne Twitter, Foursquare und Spotify geht es nicht! Alles weitere gerne in 140 Zeichen an @frau_feli.

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