Wie Facebook Journalisten und Blogger von Twitter weglocken will

Mentions, Notes, Signal, und Instant Articles: Das Social Network will mit neuen Tools noch mehr Content aus einer wichtigen Zielgruppe herauskitzeln. Journalisten und Blogger sind für Social Networks wertvolle Gäste: Weil sie immer Storys parat haben und stets auf der Suche nach Publikum sind, liefern sie Facebook und Twitter wertvollen Content, der wiederum die Verweildauer der anderen Nutzer erhöht. Deswegen sind die Social-Media-Riesen auch immer darauf aus, neue Tools zur Verfügung zu stellen, die ihnen noch mehr Inhalte herauskitzeln.

So sehen die neuesten Anstrengungen von Facebook aus, Journalisten, Blogger und Medienhäuser mit ihren Inhalten zu sich zu locken:

Mentions: Die Mentions-App von Facebook (derzeit nur für iOS, Android folgt später) ist nur für Nutzer verfügbar, die verifizierte Profile haben – darunter auch viele Journalisten. Die App erlaubt es in erster Linie, Live-Streams bei Facebook an das eigene Publikum zu senden, die von den Zusehern kommentiert werden können. Das erinnert stark an Periscope, die Livevideo-Streaming-App von Twitter, die bei zehn Millionen Nutzern hält. Um Mentions von Periscope abzuheben, hat Facebook noch einige andere Funktionen hineingepackt, die sich eindeutig an Journalisten richten. Sie können damit Updates auch auf Instagram und Twitter sharen und einen Überblick über Trending Storys behalten. Insgesamt wirkt Mentions wie eine Art Mini-Nachrichtenagentur, an die Tools zur einfachen Veröffentlichung angeschlossen sind.

Signal: Mit Signal hat Facebook kürzlich ein Recherche-Tool für Journalisten präsentiert, mit dem man den reichhaltigen öffentlichen Content bei Facebook und Instagram einfacher durchforsten können soll. Mit dem Online-Tool, das noch nicht frei zugänglich ist, soll man einen schnellen Überblick darüber bekommen, welche Stories aktuell oft geshart werden. Außerdem soll man damit Inhalte (z.B. Posts von Stars, Fotos auf Instagram) einfach finden können, die man in eigene Geschichten einbaut. Dazu spuckt Signal auf Knopfdruck den Embed-Code aus, mit dessen Hilfe man die fremden Inhalte einfach in der eigenen Online-Story einbetten kann.

Notes: Seit einiger Zeit kann man schön mitverfolgen, wie Facebook versucht, seine “Notes”-Funktion zu einem Medium- oder Tumblr-Konkurrenten auszubauen. Erst vor wenigen Tagen wurde die einstige Notizfunktion um Coverfotos, hübsche Bildbeschriftungen und Textformatierung erweitert – also alles Dinge, die helfen, einen längeren Artikel ansprechend aussehen zu lassen. Es gibt schon länger Journalisten wie den Österreicher Armin Wolf vom ORF, die regelmäßig sehr lange Artikel bei Facebook als ganz normales Posting veröffentlichen. Für sie könnte sich Notes zu einem spannenden Publishing-Tool entwickeln, mit dem man quasi Blog-Einträge direkt in der Facebook-Community teilen kann.

Instant Articles: Bereits viel diskutiert, läuft die Sache mit den “Instant Articles” auf Facebook gerade so richtig an. Die “Washington Post” etwa hat kürzlich verkündet, dass sie sämtliche Artikel direkt bei Facebook veröffentlichen wird und nicht mehr nur dort verlinkt. Aus Nutzersicht bedeutet das, dass die Artikel v.a. auf Smartphones schneller laden, weil nicht mehr eine externe Webseite aufgerufen werden muss. Auch hier sieht sich Twitter, das stark von News-Berichten lebt, gefordert. Gemeinsam mit Google, so die Gerüchteküche, will man eine Open-Source-Alternative zu den “Instant Articles” von Facebook auf den Markt bringen.


Teaser & Image „Apps von Twitter und Facebook“ (Bild: Thomas Ulrich [CC0], via Pixabay)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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