Facebook schließt Gesichtserkennung – und jetzt, Herr Weichert?
Die Sammlung biometrischer Daten durch Facebook ist vorerst gestoppt. Doch wie sieht es in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens aus?

Diese war schon seit jeher ein rotes Tuch der hiesigen Datenschützer und führte nicht zuletzt bei dem Hamburger Lordsiegelbewahrer Johannes Caspar und dem obersten Datenschutzbeauftragten Schleswig-Holsteins Thilo Weichert regelmäßig zu mittelschweren Krisen und heftigen Beanstandungen. Natürlich zu Recht. Denn die Erfassung und Speicherung biometrischer Daten ist eine äußerst heikle Angelegenheit.
Da Facebook nun diesem Wunsch nachgekommen ist, bleibt nur eine Frage offen: ob und wie die deutschen Datenschützer sich nun bemühen werden vor ihren eigenen Türen zu kehren? Das Thema der „Biometrischen-Daten-Sammlung“ ist nämlich ein Thema, das nicht nur in Bezug auf private Internet-Unternehmen einen kritischen Diskurs verlangt, sondern auch in den eigenen Reihen, der Verwaltung oder speziell in den deutschen Krankenkassen noch einmal auf dem Prüfstand stehen sollte.
Regelmäßig werde ich beispielsweise in akribischer Nerv-Manier von meiner Krankenkasse, der BEK-Hamburg, nach einem biometrischen Passbild gefragt, obwohl einem der Sinn dahinter nach wie vor verschlossen bleibt. Biometrische Personalausweise und Pässe sind basierend auf dem internationalen Standard 9303 der ICAO in Deutschland seit dem 1. November 2005 Pflicht. Obwohl man hier ganz klar Persönlichkeitsrechte verletzt. Weiterhin versucht man mit nicht wenigen Überwachungskameras z.B. an Flughäfen mittels vollautomatisierter Suche und der Gesichtserkennung Zielpersonen ausfindig zu machen. Und das obwohl die Erkennungsrate mehr als gering ist.
Biometrische Daten haben in anderen Bereichen der allgemeinen Öffentlichkeit genauso wenig etwas zu suchen, wie bei Facebook. Es ist lobenswert, dass man den Internet-Giganten nun zu mehr Daten- und Verbraucherschutz geführt hat. Doch die eigentliche Arbeit für Johannes Caspar, Thilo Weichert, Ilse Aigner und wie sie alle heißen, fängt jetzt eigentlich erst richtig an. Und zwar im eigenen Wohnzimmer.
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Über den Autor
Andreas Weck ist seit Februar 2011 an Bord der Netzpiloten. Zuerst als Redakteur und seit April 2012 als Projektleiter für das Online-Magazin. Neben den Netzpiloten hat er zudem auch auf anderen Online-Medien wie jetzt.de, Politik-Digital und t3n Beiträge veröffentlicht. Anzutreffen ist Andreas regelmäßig auf Google Plus, Facebook und seit kurzer Zeit auch auf Twitter.