Facebooks neues Datenzentrum: Die Zukunft liegt in Irland.

Facebook eröffnet mit dem neuen Datenzentrum in Clonee ein innovatives Quartier. Der Standort könnte Maßstäbe setzen: innovativ und absolut energieeffizient. Facebook hat in seinem Dubliner Hauptquartier schon heute etwa 1000 Beschäftigte in den “Silicon Docks” am Hafen. 100 Kollegen werden dazu kommen, sobald das neue Datenzentrum in Clonee in der Grafschaft Meath fertiggestellt ist. Das Projekt wurde vom Chef gerade persönlich auf seinem sozialen Netzwerk vorgestellt. Kurz darauf wurden Journalisten zu einem noch unscheinbaren Feld “deep in the heart of nowhere” gekarrt, wo der erste Bagger im Blitzlichtgewitter damit begann, den Baugrund für das erste Datenzentrum von Facebook in Irland zu begradigen. Der eigentliche Baubeginn soll in zwei bis drei Monaten erfolgen. Rund 2000 Arbeiter werden beim Bau eingesetzt. Nach Fertigstellung, die für Ende 2017 oder Anfang 2018 geplant ist, werden 100 Facebook-Mitarbeiter dort arbeiten.

Welche Bedeutung hat das Datenzentrum sowohl für Facebook als auch für Irland?

Laut Mark Zuckerberg wird die Anlage – “eine der modernsten Datenzentren weltweit” – unterstreichen, dass Facebook langfristig auf den Standort Irland setzt. Und das nicht nur wegen der geringen Steuerlast.

  • Clonee ist nach Lulea in Schweden der zweite Standort für ein Facebook-Datenzentrum in Europa.

  • Mit erneuerbarer Energie betrieben wird das Datenzentrum eines der modernsten weltweit sein.

  • Klimatisch ist der Standort Irland “gut, aber nicht ideal”. Dennoch spricht Facebook Irland ein klares, langfristiges Vertrauensvotum aus.

Schon im Vorfeld der Baugenehmigung, die vor rund einem halben Jahr erteilt wurde, war das Interesse sowohl der Öffentlichkeit als auch insbesondere der Regierung an diesem Projekt sehr groß. Andere Internet-Giganten wie Google betreiben zwar schon Datenzentren in Irland, das Vorhaben von Facebook, die Daten seiner 1 Billion Nutzer in Irland zu speichern, ist aber doch so was wie die Kirsche auf der multinationalen Torte.

Sobald das Datenzentrum, dass sich Facebook 200 Millionen Euro kosten lässt, in knapp zwei Jahren fertiggestellt ist, werden 100 Mitarbeiter dort beheimatet sein und sich um Daten sowohl von Nutzern in Europa als auch weltweit kümmern. Ihr Arbeitsumfeld wird eines der modernsten weltweit sein.

Nicht etwa, weil es hier, wie bei Facebook üblich, Billardtische, flauschige Sitzgelegenheiten und gute Gehälter geben wird (die sind zum einen Standard und zum anderen bei den Lebenshaltungskosten in Irland nötig). Das Datenzentrum in Clonee, das zu 100 Prozent durch erneuerbare Energie betrieben werden wird, ist laut Mark Zuckerberg welweit eines der fortschrittlichsten & energieffizientesten Gebäude seiner Art. “Dort werden die neuesten Server-, Speicher- & Netzwerk-Designs zu finden sein, die über das Open Compute Project entwickelt wurden.”

Das irische Klima ist laut Zuckerberg zwar einer der Gründe für die Ansiedlung des zweiten europäischen Datenzentrums, absolut perfekt sei der Standort aber, was das Klima anbetrifft, nicht: “Ein interessanter Aspekt für die Bauingenieure ist, dass wir das Gebäude mit Luft von aussen kühlen werden. Weil die irische See nicht weit entfernt ist, werden wir einen indirekten Luftkühlungs-Prozess anwenden, bei dem wir das Salz aus der Luft herausfiltern werden.”

Die Entscheidung für das Datenzentrum wurde laut Niall McEntegart, Leiter der EMEA & APAC Data Centre Operations, getroffen, bevor das Safe-Harbour-Abkommen zum Datentransfer zwischen Europa und den USA für ungültig erklärt wurde. Was er nicht gesagt hat – es kann, je nachdem, wie ein neues Abkommen aussieht, das Safe Harbour ablöst, nicht schaden, mit einem zweiten europäischen Zentrum Flexibilität bei der Speicherung von Daten europäischer Kunden zu haben. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, daß Clonee auch dann gestartet wäre, wenn an Safe Harbour festgehalten worden wäre.

Auf den attraktiven, weil niedrigen Körperschaftssteuer-Satz von 12,5 Prozent angesprochen, gab es wie nicht anders zu erwarten keinen Kommentar. Aber auch wenn es regelmäßig von Multinationals und Regierung abgestritten wird – Investitionen in Irland werden durch diesen Steuersatz auf jeden Fall einfacher gemacht. Um fair zu sein, darf man auf der anderen Seite auch nicht den Pool von gut ausgebildeten Fachkräften verleugnen, in dem Unternehmen wie Facebook fischen können.


Teaser & Image “Facebook Data Centre” by Facebook.


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Rainer Kiebat

Rainer Kiebat

arbeitet als freier Journalist in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach einem Rundflug über multinationale Unternehmen wie AOL und Google landete er 2013 wieder bei der “alten Liebe” Journalismus und berichtet seitdem für deutsche Medien wie die “Rheinische Post” und “Spiegel Online” aus Irland und Nordirland. Irische Medien wie die “Sunday Business Post”, der “Irish Independent”, sowie die “Sunday Times” & “The Times” (Irish Editions) gehören ebenfalls zu seinem Portfolio. Für die Netzpiloten wird Rainer von den Dubliner “Silicon Docks” - wo Google, Facebook, Twitter und zahlreiche Tech-StartUps sitzen – und aus anderen Tech-Clustern wie Cork, Galway oder Limerick berichten.

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