Flash-Werbung im Netz geht es an den Kragen

Google, Amazon, Facebook und Apple sind für ein rasches Ende von Flash. Online-Werber müssen wohl auf HTML 5 umsatteln. Ab morgen, das hat Google kürzlich in einem Blogpost angekündigt, wird der Browser Chrome standardmäßig Inhalte auf Webseiten blocken, die nicht “zentral” für die Website sind. Heißt im Klartext: Flash-Animationen und insbesondere Werbung, die mit Adobes Software für interaktive und multimediale Webinhalte erstellt wurden, werden ab 1. September nur mehr dann angezeigt, wenn die Nutzer die Voreinstellungen von Chrome rückgängig machen.

Google verspricht seinen Nutzern davon, dass sie so schneller surfen können und ihre Geräte weniger Akku verbrauchen. Chrome hat es seit dem Start 2008 zum führenden Browser weltweit geschafft und erreicht global mit mehr als einer Milliarde Nutzer einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Im deutschsprachigen Raum ist seine Dominanz nicht so groß: Chrome hat in Österreich laut ÖWA einen Marktanteil von 26,5 Prozent, in Deutschland laut Statista.com 27 Prozent.

Neben Google sind auch andere große US-Internetunternehmen an einem Ende von Flash interessiert. Amazon etwa, das auch eine große Werbe-Plattform betreibt, wird ab morgen keine Flash-Ads mehr annehmen. Der Internetkonzern aus Seattle begründet die neue Regel mit den neuen Chrome-Voreinstellungen als auch Einstellungen bei Firefox und Safari, die Flash-Inhalte auf Webseiten limitieren. Alex Stamos, Sicherheitschef bei Facebook, hat auf Twitter bereits das Ende von Flash gefordert. Bekannterweise war auch der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs immer ein Gegner von Flash und ließ nicht zu, dass die Technologie aufs iPhone kommt.

Für viele Online-Werber, Vermarkter, Agenturen und Publisher bedeutet das nahende Ende von Flash-Werbung eine Herausforderung, weil Werbemittel, sollen sie vom Nutzer auch gesehen werden, mit einer anderen Technologie ausgeliefert werden müssen. HTML 5 ist dabei das Mittel zum Zweck: Googles AdWords etwa rechnet Flash-Werbung automatisch in HTML 5 um, sodass dem Werbekonzern Einnahmen aus Online-Anzeigen nicht entgehen.

Dass es nicht gut um Flash steht, hat auch der Angriff auf die italienische Firma Hacking Team im Juli gezeigt. In geleakten Dokumenten wurden mindestens drei Sicherheitslücken bei Flash entdeckt, die Hacking Team für die Verbreitung von Spionage-Software nutzte – etwa, um die Computer von Zielen überwachen zu können. Mozilla, Macher des beliebten Firefox-Browsers, reagierte darauf mit einer zeitweisen automatischen Sperre von Flash – mit dem Effekt, dass auf vielen Webseiten auch in Deutschland und Österreich Flash-Werbung nicht mehr angezeigt wurde.

Flash-Werbung auf mobilen Geräten ist aber immer noch sehr verbreitet. Dem Sizmek Mobile Index 2015 zufolge, wurden im 1. Quartal 2015 weltweit 5,4 Milliarden Rich-Media-Anzeigen auf Basis von Flash ausgeliefert – auf Basis von HTML 5 waren es 4,5 Milliarden. Dieses Verhältnis wird sich ab morgen weiter deutlich verschieben.


Image (adapted) „Adobe Flash Platform camp 2010“ by bm.iphone (CC BY 2.0)

 

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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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