Emojis: Nutzer sollten mehr Mitspracherecht bei der Erstellung haben

Emojis sind derzeit hoch im Kurs. So feierten Netzenthusiasten vor ein paar Tagen war Welt-Emoji-Tag, und passend dazu wird Anfang August ein Kinofilm über Emojis erscheinen. Das Wort des Jahres 2015 war laut Oxford English Dictionary auch ein Emoji, nämlich das Gesicht mit den Freudentränen.

Aber woher kommen Emojis? Sie sind im Unicode-Standard enthalten, dem internationalen Standard für digitale Schriftarten. Der Unicode–Standard bietet ein Zeichen unabhängig von der Plattform oder dem Betriebssystem an. Er stellt geräteunabhängig Symbole auf allen Plattformen dar. Der Begriff Emoji wurde im Laufe der Zeit erweitert und bezieht sich auf ein beliebiges digitales Piktogramm.

Wie wird ein Emoji in den Unicode-Standard aufgenommen? Im ersten Schritt wird eine formale Vorlage angelegt. Hier wird ein Dokument erstellt, das festlegt, auf Grund welcher Auswahlkriterien das Emoji enthalten sein soll. Ein Unicode-Komitee, deren Mitglieder verschiedene große Technologie-Unternehmen vertreten, überprüft diesen Vorschlag anhand der Auswahlkriterien. Ist der Vorschlag einmal geprüft, wird er entweder abgelehnt, an die Autoren mit einer Rückmeldung zurückgegeben oder auf die nächste Stufe gehoben.

Einmal im Jahr wird entschieden, welche Kandidaten für Emojis Teil des nächsten Unicode-Standards werden. Danach hat jedes Unternehmen, das Emojis auf seinen Geräten anzeigt, die Möglichkeit, eine eigene Emoji-Version zu erstellen, das vom Unicode ausgelesen wird. Aus diesem Grund kann ein Emoji auf den verschiedenen Plattformen etwas unterschiedlich aussehen.

Es mag überraschen, dass ein solch bürokratischer Prozess hinter derart bunten und verspielten Symbolen steckt. Doch hier gibt es auch Probleme. Zunächst wird durch den Unicode vorgegeben, welche Emojis verfügbar sind und wie diese aussehen. Dementsprechend ist auch die Bedeutung vorgegeben, die mit dem Emoji kommuniziert werden soll. Wenn es um Sprache geht, hat jeder die Möglichkeit, ein neues Wort zu schaffen. Dies geschieht, indem Sprachklänge kombiniert werden. Hier kann jeder entscheiden, wie ein Wort geschrieben wird, indem Buchstaben zusammengelegt werden. Ob daraus ein neues Wort wird, hängt davon ab, wie oft das Wort genutzt wird und wie weit es sich verbreitet.

Im digitalen Bereich kann jeder ein Emoticon erschaffen. Es müssen nur Elemente der Interpunktion wie Zahlen und Buchstaben zusammengelegt werden. Emojis dagegen sind Einheiten, die von Nutzern weder manipuliert noch bearbeitet werden können. Auch wenn also Emojis in ihrer Verwendung einer Sprache ähnlich sind, kann man die Kreation eines Emoji nach dem Vorbild des orwellianischen Neusprech vergleichen. Die Erschaffung wird von einigen Wenigen kontrolliert. Zweitens ist es beinahe ironisch, wie Unicode die Emojis für die Freigabe auswählt. Die Emoji- Vorschläge werden anhand einer Reihe von Auswahlkriterien beurteilt. Diese sind wie folgt:

  • Häufigkeit der Nutzung: Je höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Emoji verwendet wird, umso wahrscheinlicher ist, dass es freigegeben wird.
  • Mehrere Verwendungen: Je mehr Bedeutungen mit einem Emoji kommuniziert werden können, umso wahrscheinlicher ist, dass es freigegeben wird.
  • Häufig angefragt: Viele Leute fordern derzeit oder haben gefordert, dass das Emoji zur Verfügung steht.

Doch es ist auch wichtig, ein mögliches neues Emoji nach diesen Auswahlkriterien zu testen. Man muss nur sein Umfeld zur Nutzung befragen und auf ihre Meinung achtgeben.

Auf die Nutzer von Emojis hören

Emoji-Nutzer haben ihre Frustration geäußert, dass sie nicht in den Design- und Auswahl-Prozess einbezogen werden. Vor einiger Zeit äußerte man sich bei Apple mit einem gewissen Unmut, als der „Pistolen“-Emoji geändert wurde. Dieser sollte mehr wie eine Wasserpistole aussehen. Ein weiteres Mal gab es einen Aufruhr, als Entwürfe zur Änderung des Pfirsich Emojis bekannt wurden. Er sollte ein bisschen weniger wie ein Hintern aussehen – ein Grund dafür war, dass der Emoji vergleichsweise selten in seiner ursprünglichen Bedeutung genutzt wurde.

Dazu kommt, dass einige Themen nicht mithilfe von Emojis diskutiert werden können – es gibt schlicht und einfach keine passenden Emojis. Dies betrifft vor allem Themen, die für die Nutzer (hauptsächlich Jugendliche und junge Menschen) tabu oder weniger wichtig sindn. Es gab beispielsweise Kampagnen von Firmen wie BodyForm und Plan International, die durchsetzen wollten, dass ein „Menstruations-Emoji“ eingeführt werden soll.

Das Hauptproblem ist jedoch, dass Emojis viele gesellschaftliche Vorurteile widerspiegeln und repräsentieren. Inzwischen wurde zumindest bei den menschlichen Emojis angepasst, dass man zwischen verschiedenen Hauttönen und einem Mann oder einer Frau wählen konnte. Vielleicht wird schon bald jeder Emoji auch in einer Version mit roten Haaren ausgegeben – jedenfalls, wenn die dazugehörige Petition mehr als 21.000 Unterschriften zusammenbekommt, die an Unicode geschickt wurden.

Wie ist es nun also möglich, den Massen ein Mitspracherecht bei der Gestaltung von Emojis zu erteilen? Wie können wir dafür sorgen, dass mehr Menschen und ihre Belange wahrgenommen werden? Wir haben einen Lösungsvorschlag. Eine Plattform, auf der jeder die Möglichkeit hat, einen Emoji vorzuschlagen und zu beschreiben, wie dieser genutzt werden kann und warum dieses Emoji wichtig ist. Der Vorschlag kann dann von anderen Nutzern unterstützt werden.

Wir haben dieses System EmojiDesignOnline genannt und werden dem Unicode-Konsortikum in einem Jahr den Emoji vorschlagen, der die meiste Unterstützung erhalten hat. Also, das nächste Mal, wenn du denkst „Warum gibt es kein Emoji für…?“, dann lass es uns wissen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Emoji Maske“ by aaandrea (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Selina Sutton

Selina Sutton

schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit an der Northumbria University in Newcastle. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Fokus, ob die Klänge unserer Sprache von unseren Online-Interaktionen beeinflusst werden. Sie hat ein abgeschlossenes Masterstudium in Sprache und Linguistik.

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