Julia MalzEin Tag in der digitalen Journalisten-Galaxis

Von Marx bis youtube

Dieser Tage finden bundesweit kostenlose Workshops statt, die die jungen, willigen Surfer der digitalen Medienwelle für einen neuen Studiengang des Medieninstitut School of Audio Engineering (SAE) begeistern sollen. Ab September 2010 soll das Studium des Digital Journalism neue Wort- und Bildjongleure für die Netz-Welt ausbilden.

An diesem heissen Donnerstagnachmittag, in einem der wohltemperierten Seminarräume des Hamburger SAE-Instituts, präsentiert Matthias Lange, ehemaliger Printjournalist, inzwischen Blogger, PR-Lemming und „digitaler Nomade“, den „Studiengang 2.0“. Und weil jedem SAE-Studenten bei Studienantritt ein MacBook versprochen wird, hat er an diesem Donnerstag gleich die gesamte Produktpalette des Herrn Jobs mitgebracht und liebevoll dekoriert. Und so applen iPhone, iPad, MacBook und iPod vor ihm auf dem Tisch herum.
Langes’ braune Anzugshose fällt über schwarze Cowboystiefel, die blondgelockten, langen Haare über eine Hornbrille á la Woody Allen. Nach ein paar Minuten ist den knapp 20 anwesenden digitalen Surfern in spe klar: Matthias Lange liebt die digitale Wort- und Bilderwelt. Und Apple.
Nachdem sich einleitend alle erheben, um die netz-verschlossenen Journalisten in einer symbolischen Schweigeminute zu Grabe zu tragen, folgt eine Hommage an iPad, youtube, Twitter und die Macht sozialer Netzwerke in ihrer Gesamtheit.
In den nächsten 90 Minuten geht es um die Entwicklung der Massenmedien im Allgemeinen und die Kanalisierung von Informationsflüssen im Netz, den richtigen Umgang mit digitalen Werkzeugen, Suchmaschinenoptimierung („Wir schreiben für Google“) im Besonderen.
Matthias Lange gibt sich digital-dynamisch, lebensnah und junggeblieben. Seine Ausführungen werden von netz-entlehnten Einspielern via MacBook begleitet, die ein wenig zu lapidar, zu willkürlich und unzusammenhängend daherpixeln. So verspottet Rotzlöffel Nelson in einem Ausschnitt einer Simpsons-Folge einen Printjournalisten („Etablierte Medien sind die Verlierer“), da wird die spontane Schlagkraft eines Flashmobs mit einer Konzert-Aktion der Black Eyed Peas verdeutlicht („Masse und Macht“), da wird mit Facebook-Hyperbeln argumentiert und sogar Karl Marx darf mit seiner Forderung zur Demokratisierung der Kommunikationsmittel nicht fehlen.
Die vereinzelt treffenden Beispiele zur Blogger-Macht und dem Informations-Multiplikator Internet (an den Fallbeispielen Horst Köhler und dem Palmöl-Skandal um Nestle) gehen im allgemeinen Geplänkel über Netz-Notwendigkeiten unter.
Matthias Lange sein MacBook endlich schlafen legt, erfährt der geneigte Zuhörer in einer knappen Viertelstunde schließlich die Eckdaten zu der Angelegenheit, für die er ursprünglich eingecheckt hat: der neue Studiengang. Digital Journalism. Stimmt, da war noch was!
Das SAE-Diplom erhält man also nach dem ersten Jahr, mit der Option auf vertiefende Bachelor- und Master-Studiengänge an den verschiedenen SAE-Standorten. Zu absolvieren sind 35 Wochenstunden mit jeweils 10 Theorie- und 25 Praxisstunden. Neben einer allgemeinen Einführung in das journalistische Basiswissen wird man bloggen, twittern und tuben. Einzige Voraussetzungen sind Volljährigkeit, die Mittlere Reife und ein sicherer Umgang mit der deutschen Sprache in Wort und Schrift. Die Kosten variieren je nach gewähltem Studienmodell (Teil- oder Vollzeit) zwischen 11.000 Euro und 12.800 EURO. Inklusive MacBook und Software.
Die digitale Avantgarde kann also aufatmen. Es leuchtet kein neuer Stern am Netz-Himmel. Das ist nur ein MacBook der SAE.
Über den Autor / die Autorin
 lebt als freie Journalistin in Hamburg. Nach ihrem Studium der Deutschen Sprache und Literatur und der Politischen Wissenschaft an der Uni Hamburg widmet sie sich dem freien Schreiben und ungewöhnlichen Gedanken. Privat auch in ihrem Blog FREISTIL.

 

4 Kommentare zu “Ein Tag in der digitalen Journalisten-Galaxis”
| Nicole Haase schreibt:

Schien das Publikum überzeugt? War es für die Anwesenden ansonsten unterhaltsam?

 
| Julia Malz schreibt:

Ich glaube, die Anwesenden hätten sich, insgesamt gesehen, etwas mehr konkreten Inhalt hinsichtlich des Studiengangs und weniger allgemeine Ausführungen zu Netz-Notwendigkeiten gewünscht. Unterhaltsam war es in jedem Fall, wobei dies im Auge des Betrachters gelegen haben mag.

 
| O. Berlehrer schreibt:

Da muß man auch fragen ? Kann man Journalismus studieren? Mit “ja” antworten wohl nur entspr. Bildungseinrichtungen…

 
| Son Loreaux schreibt:

Die Seite ist super, aber bei mir sind die Ladezeiten ziemlich lang. Ich glaub, dass das an meiner Verbindung liegt, die meisten anderen Web pages sind deutlich schneller. Haben andere Leser auch bereits diese Erfahrung gemacht?.

 
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