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Ditto-Gründer David Rose: In Zukunft keine Werbung mehr

Keine sichtbaren Werbeanzeigen mehr in der Zukunft, dafür aber lauter verzauberte Objekte. Auf der LeWeb hat Ditto-Gründer David Rose die Zukunft erklärt. // von Daniel Kuhn

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Das Unternehmen Ditto hat im Sommer für Aufsehen gesorgt, als die Zusammenarbeit mit Tumblr bekannt wurde. Das Scannen der öffentlich geposteten Fotos nach Markenzeichen und deren Auswertung sind nicht ganz unumstritten. Zum einen gibt es Bedenken was die Privatsphäre betrifft, zum anderen wurden die Nutzer nicht über den Deal informiert. Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz hat nun den Firmengründer David Rose auf der LeWeb getroffen und mit ihm über Tumblr, die Zukunft der Werbung und verzauberte Objekte gesprochen.


Warum ist das wichtig? Neue Technologien wie Ditto sie entwickelt, ermöglichen neue Formen der Werbung, oder begünstigen vielmehr deren Ende in ihrer klassischen Anzeigen-basierten Form, und könnte durch Peer-to-Peer-Konzepte ersetzt werden.

  • Wenn die Vision von David Rose eintritt, lassen wir uns in Zukunft nicht mehr durch Werbung beeinflussen, sondern durch die Empfehlungen unserer Freunde.
  • Die Zusammenarbeiten mit Tumblr, Instagram und Twitter sind wichtige erste Schritte, um Unternehmen wertvolle Informationen über das Image ihrer Marken in den Social Networks geben.
  • Verzauberte Geräte sind Gegenstände, die uns bereits im Alltag umgeben und mit Technologie ausgestattet eine echte Gefahr für die klassische Anzeigenwerbung darstellen können.

Die Zukunft der Werbung

Social Media wandelt sich zunehmend von einem textbasierten in ein Foto-dominiertes Medium. Das allerdings stellt klassische Analysestrategien vor Probleme, denn wie soll man Informationen darüber, wie die Marke vom Nutzer empfunden wird, aus einem Foto herauslesen? Dieses Problem will Ditto Labs mit der eigens entwickelten Technologie lösen. Dazu werden öffentlich geteilte Fotos auf über 2500 einzelne Muster überprüft. Erkennt die Software Firmenlogos, Produktverpackungen oder ähnliches, wird das Foto an die entsprechend in dem Bild vertretenen Firmen zurückverkauft. Daraus kann eine Marke dann analysieren, wie genau sie in den sozialen Netzwerken aufgenommen wird, wie die Nutzer sie sehen und wertschätzen. Rose beschreibt es folgendermaßen: „Wir nehmen ein existierendes Verhalten und versuchen diese alltägliche Geste abtastbar zu machen“.

Dabei sieht er große Parallelen zu seiner vorherigen Firma Vitality, die smarte Pillendosen gebaut haben, die Menschen daran erinnern konnte, ihre Medikamente zu nehmen und verpasste Dosen dokumentiert hat. Dies klingt zunächst natürlich deutlich sinnvoller und hilfreicher als Werbung, doch David Rose denkt, dass er mit Ditto auf lange Sicht die Weise verändern können wird, wie Menschen neue Produkte und Services entdecken.

Werbung nach dem Peer-to-Peer-Prinzip

Rose ist überzeugt, dass die Zukunft der Werbung nicht mehr so wie heute aussehen wird oder dass Nachrichten an eine große Masse gesendet werden, vielmehr werden Empfehlungen von Freunden immer wichtiger. Wenn uns etwas gefällt, sei es ein Abendessen in einem Restaurant, ein Urlaubsort oder ein neues Paar Schuhe, machen wir ein Foto und teilen es in den sozialen Netzwerken mit unseren Freunden und Bekannten. Die Vision von Rose sieht so aus, dass wir nicht mehr in Geschäfte gehen, sondern immer mehr E-Commerce nutzen und auch nicht mehr auf Werbung hören, sondern auf das was unsere Freunde machen, was eben durch Fotos am besten funktioniert. Ähnlich wie bei Yelp oder Foursquare soll Werbung dann auch nach dem Peer-to-Peer-Prinzip funktionieren, bei dem wir auf die Empfehlungen unserer sozialen Kontakte und nicht mehr auf große Firmen mit einem massiven Werbebudget hören.

Sein Traum ist dabei, dass Fotos automatisch Links erzeugen – für Produkte zu Amazon, für Menschen zu Linkedin und so weiter. Auf die Frage, wie wir Werbeanzeigen sehen werden, da es gerade in der Medienbranche eine wichtige Einnahmequelle ist, hat Rose den gleichermaßen schönen aber auch leicht naiv anmutenden Traum, dass wir künftig hoffentlich gar keine Werbung mehr sehen werden. Es ist aus seiner Sicht sinnvoller, dass sich Unternehmen darauf konzentrieren, gute Produkte zu machen, die Menschen begeistern, als viel Geld in die Werbung für schlechte Produkte zu stecken.


Auf der LeWeb sprach David Rose über Wearables und wie sie mit den Gegenständen in unserer Umgebung interagieren werden (ab 21:38):


Ditto und Tumblr

Als im Sommer die Partnerschaft zwischen Tumblr und Ditto bekanntgegeben wurde, gab es große Bedenken was die Privatsphäre der Nutzer angeht, schließlich lassen sich durch die Technologie theoretisch leicht Verbindungen zwischen dem Nutzerkonto und den gescannten Bildern herstellen lassen. Viele sehen in der Zusammenarbeit also eine Gefahr für die Datensicherheit. Hier ist es laut Rose allerdings wichtig, dass der Unterschied zwischen öffentlich und privat geteilten Fotos verstanden wird. Der Grund, warum Ditto zum Beispiel keine Facebook-Fotos scannt ist, dass sie es nicht können.

Dies ist nur mit Fotos möglich, die in einer Public Domain gepostet werden, also Tumblr, Instagram und Twitter. Hier kann der Nutzer sein Konto allerdings so einrichten, dass die Bilder nicht öffentlich zugänglich sind. Die Daten, die aus den 130 Millionen täglich gescannten Fotos entstehen, sind natürlich sehr wichtig für die Firmen, da sie wissen wollen, zu welcher Zeit Energy Drinks wie Red Bull oder Monster getrunken werden, oder Kleidung von Gucci oder North Face getragen wird. Daraus ergibt sich eine riesige Datenbank von Affinitäten, die über die letzten zwei Jahre erstellt wurde, die zeigt, wie ein Ding mit einem anderen korreliert.

Verzauberte Objekte

Im Juli hat David Rose sein Buch „Enchanted Objects: Design, Human Desire, and the Internet of Things“ veröffentlicht, in dem er eine Zukunftsvision kreiert, in der Technologie sich quasi zerstäubt und sich mit Objekten kombiniert, die unsere Alltag bestimmen. Als Beispiel nennt er die bereits genannte Pillendose „Glow Cab“, an dem er mitgearbeitet hat. Sie kennt den Tagesablauf, weiß ob man sie geöffnet hat und kann Erinnerungen per SMS oder E-Mail senden und somit dabei helfen, das Richtige zu tun. In Roses Wohnzimmer gibt es einen Schrank, mit dem sein sechs Jahre alter Sohn eine Skype Verbindung in die Küche seiner Großeltern herstellen kann und ihnen somit ermöglicht, mehrmals am Tag per Videochat zu kommunizieren.

Rose sieht zudem größeres Potenzial bei verzauberten Objekten aller Art als bei Wearable Devices. Diese beinhalten immer den Problemfaktor Akku und müssen zudem immer getragen werden. Im eigenen Haushalt gibt es aber so viele Dinge, die uns in unseren eigenen vier Wänden umgeben und die mit Technologie ausgestattet werden können.

Diese Vision klingt zwar zum einen spannend, zum anderen aber auch sehr unheimlich und wirft die Frage auf, ob es nicht gefährlich ist, wenn mein Couchtisch mich ausspionieren kann. Die Frage wird sehr häufig gestellt und zieht laut Rose viele weitere Fragen nach sich. Wie lange existieren die Daten? Wer hat Zugriff darauf? Können sie Dinge enthüllen? Rose selber ist allerdings aus zwei Gründen nicht beunruhigt:

  1. Die Internet-of-Things-Unternehmen sind transparent damit, was sie sammeln und bieten die Möglichkeit einen Reset durchzuführen und die Daten zu löschen und
  2. Nutzen sie Verschlüsselung, damit die Daten nicht abgefangen werden können.

Rose ist zwar überzeugt, dass die Welt der Anzeigen-Werbung durch die verzauberten Geräte vor einer riesen Herausforderung steht und Unternehmen wie Google und Facebook am meisten zu verlieren haben, da die klassischen Werbeanzeigen auf den meisten neuen Oberflächen nicht funktionieren. Allerdings muss er auch zugeben, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass Unternehmen wie Google und Facebook ihr Geschäftsmodell letztendlich anpassen, und wir am Ende Google Ads auf der Außenwand unseres Kühlschranks sehen werden.


Teaser & Image by LeWeb (CC BY 2.0)

Image by Ditto Labs


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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