Youtube auf Tablet (Bild: Esther Vargas [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Die Rolle der Multi-Channel-Netzwerke

Die Multi-Channel-Netzwerke zählen zu den wichtigsten Akteuren im Ökosystem von YouTube. Vor wenigen Jahren als Zusammenschluss von YouTubern gegründet, sind sie heute Künstlerbetreuer, Produktionsfirmen und Vermarkter in einem. // von Lukas Menzel

Youtube auf Tablet (Bild: Esther Vargas [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Multi-Channel-Netzwerke nennen sich Unternehmen, die Künstler auf der Videoplattform YouTube von der Kanaloptimierung über die Produktion bis hin zu Vermarktung unterstützen. Wie kein anderer Akteur haben sie dafür gesorgt, dass sich die Videos auf YouTube längst nicht mehr vor denen aus dem Fernsehen verstecken müssen und sich die YouTube-Szene innerhalb nur weniger Jahre professionalisiert hat. Nicht umsonst zählen die Multi-Channel-Netzwerke zu den wichtigsten Akteuren in der noch jungen Webvideobranche.


Warum ist das wichtig? Multi-Channel-Netzwerke nennen sich Unternehmen, die YouTuber mit einer Vielzahl an Dienstleistungen unterstützen. Damit sind diese schon jetzt einer der wichtigsten Akteure in der jungen Webvideobranche.

  • Seit 2007 haben sich eine Vielzahl an Netzwerken gegründet. In Deutschland gehören zu den erfolgreichsten Mediakraft Networks, Divimove, Studio71 und TubeOne Networks

  • Die Multi-Channel-Netzwerke unterstützen die Videomacher von der Kanaloptimierung über die Produktion bis hin zur Vermarktung. Im Gegenzug erhalten sie einen Teil der Einnahmen.

  • Trotz Kritik wachsen die Netzwerke kontinuierlich und haben an Relevanz stark zugenommen. Nicht umsonst haben bereits zahlreiche Medienunternehmen und Kapitalgeber in diese investiert.


Seit der Gründung im Jahr 2005 hat sich auf der Videoplattform YouTube jede Menge getan. Innerhalb von nur wenigen Jahren hat sich YouTube vom Nischendasein zu der erfolgreichsten und beliebtesten Videoplattform im Internet entwickelt. Alleine in Deutschland besuchen jeden Monat mehr als 38 Millionen Nutzer und damit rund 47 Prozent der Einwohner in Deutschland die Videoplattform von Google. Auf dieser finden sich längst nicht mehr nur „Katzenvideos“ und verwackelte Handyaufnahmen, sondern eine ganze Armada an sogenannten YouTubern, die regelmäßig eigenen Videos drehen und auf YouTube veröffentlichen, dominiert nun die Videoplattform. Diese YouTuber, die auf Namen wie Gronkh, Y-Titty oder LeFloid hören, erreichen mit ihren Videos Aufrufzahlen im sechs- oder sogar siebenstelligen Bereich und Millionen an Abonnenten. Von der Reichweite können sie sich so locker mit dem Fernsehen messen lassen.

Hierdurch und durch die Möglichkeit mit Werbung auf YouTube Geld zu verdienen, hat sich um Googles Videoplattform vergleichbar zu den Fernsehsendern im TV eine Vielzahl an sogenannten Multi-Channel-Netzwerken gegründet, die sich auf die Künstlerbetreuung, Produktion und Vermarktung spezialisiert haben.


Christoph Krachten, Präsident des größten Multi-Channel-Netzwerkes in Deutschland, Mediakraft Networks, hat mit Sebastian Schuster von medienportal.tv über das Erfolgsrezept von YouTube gesprochen.


Entstehung der Multi-Channel-Netzwerke

Die Entstehung der Multi-Channel-Netzwerke liegt hierbei noch gar nicht lange zurück. Vor erst sieben Jahren, im Jahr 2007, startete das erste Multi-Channel-Netzwerk, Next New Networks. Dieses hatte vergleichbar zu den heutigen Netzwerken das Ziel ein Webvideo-Netzwerk aufzubauen, welches eigene Programme produzierte und andere Videocreator bei der Distribution unterstützte. Schon damals setzte Next New Networks auf YouTube, womit das 2011 von YouTube aufgekaufte Unternehmen nicht nur das Konzept der heutigen Multi-Channel-Netzwerke begründete, sondern auch einen wichtigen Beitrag zu der Professionalisierung der Videoplattform leistete.

Bis sich aber die Multi-Channel-Netzwerke, wie wir sie heute kennen, gründeten, dauerte es noch ein paar Jahre. Dies lag hauptsächlich daran, dass YouTube erst später die Rahmenbedingungen änderte und die Netzwerke zuließ. In Deutschland gründete sich dadurch erst 2011 mit Mediakraft Networks das erste richtige deutsche Multi-Channel-Netzwerk. Doch auch, wenn es so ein wenig dauerte bis Schwung in die Webvideobranche und Entwicklung der Netzwerke kam, sind in den letzten drei Jahren zahlreiche weitere Netzwerke entstanden. In Deutschland gehören neben Mediakraft unter anderem Divimove, Studio71 oder TubeOne Networks zu den größten Multi-Channel Netzwerke in Deutschland. Mit den bei ihnen unter Vertrag stehenden YouTubern erreichen sie tagtäglich ein Millionenpublikum sowie monatliche Videoaufrufe im dreistelligen Millionenbereich.

All-Inclusive-Dienstleister

Hierbei nehmen die auch als YouTube-Netzwerk oder Online-TV Sender betitelten Unternehmen in der Regel die Rolle eines All-Inclusive-Dienstleisters für die YouTuber ein, der sich von der Künstlerbetreuung über die Produktion bis hin zur Vermarktung um alles kümmert. So unterstützen sie die YouTuber bei der Produktentwicklung, der Zusammenstellung des Programms, Cross-Promotions, dem Partner Management, der Rechteverwaltung, dem Aufbau eines Publikums, der Vermarktung und vielem mehr. Die YouTuber können sich damit auf das Wichtigste, das Drehen ihrer Videos, konzentrieren.

Die zahlreichen Dienstleistungen stellen die Multi-Channel-Netzwerke den YouTubern hierbei natürlich nicht umsonst zur Verfügung. Wie jede anderen Unternehmen auch, möchten die Netzwerke schließlich Geld verdienen. In der Regel schließen deswegen die YouTuber mit einem Multi-Channel-Netzwerk einen Vertrag ab, bei dem das Netzwerk einen prozentualen Anteil der Einnahmen des YouTubers erhält. Im Gegenzug versprechen die Netzwerke vor allem eine Steigerung der Reichweite, Hilfe bei Problemen und die Erhöhung der Werbeeinnahmen. Beispielsweise vermitteln Netzwerke Kollaborationen, bieten Workshops an und optimieren den Kanal zur Steigerung der Reichweite. Dazu können sie beitragen, die Werbeeinnahmen durch eine bessere Vermarktung in Form von eigenen Anzeigen oder Product Placements zu steigern. Je nach Erfolg der YouTuber unterstützen die Multi-Channel-Netzwerke die YouTuber sogar bei der Produktion ihrer Videos.

Neben den Dienstleistungen gegenüber den unter Vertrag stehenden YouTubern haben viele Netzwerke auch damit begonnen, eigens produzierte Kanäle zu starten. In Deutschland sind hier vor allem Was geht ab!?, der Nachrichtenkanal des Multi-Channel-Netzwerkes Mediakraft sowie The Mansion von Studio71 hervorzuheben.

Kritik an Netzwerken

Auch wenn die Netzwerke auf den ersten Blick die YouTuber in vielen Bereichen unterstützen, ist dies nicht immer der Fall, wie die Kritik einiger YouTuber zeigt. So hat der erfolgreiche YouTuber LeFloid in einem Interview mit Vice kritisiert, dass der Netzwerkgedanke verloren gegangen sei und ein Netzwerk nichts anderes als ein „hart gewinnorientiertes Unternehmen“ ist. Auch viele „kleinere“ YouTuber kritisieren, dass der Nutzen für sie sehr stark limitiert sei. Zudem wird den Netzwerken von manchen Seiten unterstellt, dass sie durch die Professionalisierung einen Ausverkauf betreiben würden, bei dem es nur darum geht, den Netzwerkwert zu steigern.

Wichtige Akteure in der Webvideobranche

Trotz dieser Kritik zeigt sich fast täglich, welche Relevanz die Multi-Channel-Netzwerke haben. Anfang diesen Jahres wurde das weltweite größte Netzwerk Maker Studios für 500 Millionen US-Dollar an Disney verkauft. In Deutschland konnte im Juni diesen Jahres das größte deutsche Netzwerk Mediakraft 16 Millionen Euro in einer zweiten Finanzierungsrunde einsammeln. Dazu haben Fernsehsender wie RTL oder ProSieben massiv, sowohl in Deutschland als auch weltweit, in Multi-Channel-Netzwerke investiert. Das zeigt, dass die Netzwerke momentan nach den YouTubern und Videomachern die wichtigsten Akteure in der jungen Webvideobranche sind.


Teaser & Image by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


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Lukas Menzel

Lukas Menzel

ist als Digital Native tagtäglich in den Weiten des Netzes unterwegs. Er berät als Teil der Becker-Banse Medien Unternehmen zu den Themen Social Media, Webdesign und Webvideo. Dazu leitet er das Online-Magazin Broadmark und ist auch auf Twitter zu finden. Bis März 2015 war er Teil der Netzpiloten-Redaktion.

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