App der Bundesregierung

Die Regierungsapp: Eine Probefahrt

Im Juni wurde die neue Regierungsapp der Bundesregierung lanciert, die zwar überzeugt, aber noch Raum lässt für einige Wünsche. // von Katharina Große

App der Bundesregierung

Die App des Deutschen Bundestages gibt es schon länger, doch für mich hatte sie kaum Mehrwert: Unter „Aktuelles“ findet sich eine Artikel-Sammlung, die nicht sortieren werden kann und es gibt keine Alerts. Als im Juni die App der Bundesregierung (Android | iOS) vorgestellt wurde, habe ich mich gefreut und auf Verbesserung gehofft. Und tatsächlich ist diese zum Teil eingetreten. Natürlich habe ich aber auch ein paar Anregungen für die nächsten Versionen.


Warum ist das wichtig? Eine App kann einen Beitrag zu Information und Transparenz leisten, für politische Bildung und gegen das schwindende Verständnis für die Arbeit unserer Politikerinnen. Unser Feedback hilft, die App so gut wie möglich zu gestalten.

  • Die App der Bundesregierung ist ein guter Schritt zur Erschließung von Neuland.
  • Durch Alerts und Filter bietet sie dem Nutzer mehr als die bestehende App des Bundestages.
  • Weitere Optionen zur Personalisierung und eine Verbindung mit der Bundestag-App sind wünschenswert.

Der Regierung über die Schulter sehen

Mit der App der Bundesregierung bleiben Sie immer auf dem Laufenden: Sie haben ständig alle aktuellen Meldungen im Blick…„. Das Versprechen im App-Store klingt gut. „Je nachdem, für welche Themen Sie sich besonders interessieren, können Sie die App selbst gestalten. Und Sie können festlegen, ob Ihnen die App sogenannte Push-Meldungen […] zu ganz aktuellen Ereignisse auf Ihr Smartphone schicken darf.

Juche!„, denke ich und installiere die App. Direkt am Anfang werde ich dann gefragt ob ich Push-Meldungen erlauben will. Natürlich, deswegen bin ich ja hier. Nett aber, dass ich gefragt werde.

Regierungsapp-Fakten

  • Launch: Juni 2014
  • Kosten: 105.000 Euro
  • Realisierung & Betrieb: Materna & Babiel
  • CMS: Government Site Builder von CoreMedia
  • Bei mir in Betrieb: Die Android-Version

Der Filter macht‘s

Direkt ins Auge fällt beim Start ein Header, der automatisch durchläuft. Inhalt: Der neue Podacast der Kanzlerin, ein Video über die Woche der Kanzlerin, Krise in der Ukraine, Deutschland ist Weltmeister. Nichts, was mich besonders anspricht, aber ein ganz guter Misch. Immerhin werden die Videos direkt abgespielt und sind keine Links. Die Woche der Kanzlerin ist eine nette Zusammenfassung aber für mich zu sehr personenbezogen.

Darunter folgt eine kumulierte Auflistung von Berichten, Interviews und Pressemitteilungen. Das kenne ich aus der Bundestag-App und es ist noch immer nichts für mich. Es gibt aber einen zweiten Tab: Meine Auswahl. Dort ist zwar wieder der Header, der mich hier noch dann doch stört, aber ich kann die Artikel nach Themen filtern und dann zum Beispiel nur Inhalte zur Außenpolitik sehen. Das gefällt. Lob!

Vergangene Termine und Einmal-Informationen

Um auf die Startseite zurückzukommen, muss ich über das Seitenmenü und finde noch weitere Inhaltspunkte – als ersten Termine. Leider gibt es dort nur vergangene Termine, die mir persönlich nicht so viel Mehrwert bringen. Ich fände einen Blick auf Bevorstehendes spannender, obwohl ich mir vorstellen kann, dass es da Sicherheitsprobleme gibt. Toll wäre auch eine Export- und Reminder-Funktion. Außerdem gibt es keine weiterführenden Informationen zum Termin, nur die Kurzbeschreibung.
Weiter geht es mit dem Menü-Punkt Bundeskanzlerin. Dort gibt es Kurz-Infos zu Angela Merkel, das Bundeskabinett als PDF-Dokument und einen Download-Link der verfilmten Kurzvorstellung der Kanzlerin. PDF-Dokumente sind auf meinem Telefon kein großer Hit und die Video-Datei ist fast 54 MB groß. Das nervt selbst im WLAN. Dann gibt es noch den tabellarische Lebenslauf der Kanzlerin und die Adresse des Kanzleramts inklusive Verweis auf dessen Web-Angebot. Für mich sind diese „Einmal-Informationen“ kein großer Mehrwert, aber schaden tun sie sicher nicht in einer Regierungsapp.

Unter Bundesministerien findet sich eine Liste der Ministerinnen mit Foto und Ministerium. Bei Klick gibt es die Informationen zur Person wie bei Angela Merkel sowie die Kontaktadresse des Ministeriums. Hier hätte ich mir zumindest eine kurze Zusammenfassung zum Aufgabenbereich des Ministeriums gewünscht.

Unbekanntes Terrain: Bundespresseamt

Es folgt eine Vorstellung des Bundespresseamts. Hier gibt es zusätzlich zu den personellen Informationen einen kurzen Überblick über die Arbeit des Amtes und deren Hintergründe sowie ein Bereich für aktuelle Stellenangebote. Ob das Bewerbungen einbringt? Aber zumindest liefert die App hier Einblicke in eine Behörde, über deren Wirken vermutlich eher wenige von uns Bescheid wissen.

Dann folgen noch Fotoreihen und Videos. Für mich nicht so interessant, aber sicher für einige User netter zusätzlicher Inhalt. Fazit: Versprechen gehalten!

Auf das für mich wirklich Relevante stoße ich erst bei den Einstellungen: Die Auswahl, für welche Politikfelder ich Push-Nachrichten erhalten möchte. Namentlich sind wir wieder bei Meine Auswahl, die Selektion ist aber nicht daran gekoppelt, was ich für meine Startseite als wichtig ausgewählt habe. Das wäre meiner Meinung nach eine sinnvolle Zusatzoption. Aber ich will nicht kleinlich sein: Die Push-Benachrichtigungen sind wirklich topp und eine große Weiterentwicklung.

Alles in allem gefällt mir die App schon mal besser als die Version des Bundestages. Ich hätte mir noch mehr von der versprochenen persönlichen Gestaltung gewünscht. Aber ganz generell finde ich es toll, dass sich unsere Regierung daran macht, Neuland weiter zu erkunden. Außerdem ist das gute Stück brandneu und hat noch viele Weiterentwicklungen vor sich. Daher hier meine Wunschliste.


Der Video-Podcast EinFallFuerAlles stellt die App vor:


Für meine Regierungsapp wünsche ich mir

…einen Terminkalender, in dem die Termine der Regierung und des Bundestages zusammen auftauchen. (Generell bin ich für eine Verbindung beider Apps.) Für den Kalender würde ich gerne einmal nach Themen filtern können und einmal nach Art des Termins, also z.B. Staatsbesuch, Parlamentsdebatte oder Sitzung. Wenn die Termine dann auch noch exportierbar wären – ein Traum!

…einen Filter nach Art der Neuigkeit auch für Aktuelles und die Push-Meldungen. Geht es um ein neues Gesetz oder ein informelles Treffen? Gut wäre auch, wenn ich verschiedene Spalten anlegen könnte, eine für Außenpolitik, eine für Umweltfragen.

…anstatt bloßer Informationen zu Ministerinnen und deren Wirkungsstätte, wäre eine Art Quiz toll. Wer war noch mal die Umweltministerin? Wofür ist doch gleich der Familienminister zuständig? Ich habe so eine Quizz-App zum Vokabeln Lernen und für die Hauptstädte der Welt und gerade was die Bundesregierung angeht, hätte ich sie damals im Politikunterricht wirklich gut gebrauchen können.

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Katharina Große

Katharina Große

(Tinka) arbeitet und forscht am Lehrstuhl für Verwaltungs- und Wirtschaftsinformatik an der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen. Nach ihrem Bachelorstudium an der International Business School in Groningen in den Niederlanden absolvierte sie an der ZU einen Master in Politik- und Verwaltungswissenschaften. Tinkas Forschung konzentriert sich auf die Rolle des Bürgers in der digitalen Demokratie. Außerhalb von Deutschland hat Tinka schon in Frankreich, den Niederlanden, Kanada und Spanien gelebt und spricht die jeweiligen Sprachen. Momentan arbeitet sie daran, der Liste noch Arabisch hinzuzufügen. Tinka reitet, rudert, fährt Snowboard und ist überzeugter Werder-Fan.

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