ARD und ZDF wagen sich ins Internet (Bild: mojzagrebinfo [CCo], via pixabay)

Die öffentlich-rechtlichen Sender wagen sich auf YouTube

ARD und ZDF wagen sich auf YouTube. Ein nötiger Schritt, wenn die Öffentlich-Rechtlichen die jungen Zuschauer nicht verlieren möchten. // von Lukas Menzel

ARD und ZDF wagen sich ins Internet (Bild: mojzagrebinfo [CCo], via pixabay)

Mit einem Altersdurchschnitt von 59 Jahren in der ARD und 60 Jahren im ZDF (Quelle: Statista), sind die beiden Sender weit davon entfernt für die jungen Zuschauer attraktiv zu werden. Ein Großteil des Programms, so scheint es angesichts des hohen Altersdurchschnitts der Zuschauer, scheint einfach nicht attraktiv genug für das jüngere Publikum zu sein. Nun möchten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten dem entgegen wirken und dort Inhalte publizieren, wo sich die jungen Leute aufhalten – im Internet auf YouTube.


Warum ist das wichtig? Bislang waren die Öffentlich-Rechtlichen auf YouTube nur vereinzelt aktiv. Nun intensivieren ARD und ZDF aber ihre Bemühungen.

  • Statt im TV schauen Jugendliche und Erwachsene lieber online bei Video On Demand Diensten oder auf YouTube fern.

  • Aus diesem Grund wagen sich ARD und ZDF nun ins Netz. Der WDR hat dafür einen eigenen YouTube-Kanal und eine Espresso-Ausgabe der Lokalzeit auf YouTube gestartet, das ZDF bereitet seine Sendungen für YouTube auf.

  • Dazu werden bereits von YouTube bekannte Videomacher ins Fernsehen geholt. Der YouTuber MrWissen2Go erhält eine eigene Rubrik in der Sendung Geschichte Mitteldeutschland.


Junge Zuschauer schalten kaum noch ARD und ZDF ein

Fast schon scheint es, dass ARD und ZDF, die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, sich von den jungen Zuschauern fast vollständig verabschiedet haben. Nicht nur, dass der Altersdurchschnitt nur noch bei den Dritten Programmen höher ist, vor allem fällt auf, dass die jüngeren Zuschauer kaum noch die beiden Sender einschalten. Bei den unter 40-Jährigen schauen 50 Prozent kaum die Programme von ARD und ZDF, der Anteil bei den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen dürfte noch weit aus höher sein.

Dies verwundert nicht, fehlt es den beiden Sendern schon seit Längerem an Sendungen, die das junge Publikum ansprechen. Zudem wandert der Medienkonsum der Jugendlichen und jungen Erwachsenen verstärkt in Richtung Internet, wo vor allem YouTube, Netflix und Co. beliebt sind, ARD und ZDF hingegen nicht viel zu sagen haben. Dies möchten nun aber die Sender ändern und wagen sich verstärkt ins Netz.

Ganz vorne mit dabei ist Jörg Schönenborn, Fernsehdirektor beim WDR, der sich das Ziel gesetzt hat, die jungen „zeitarmen“ Zuschauer zurückzugewinnen. Helfen sollen hierbei nicht nur Sendungen, die das jüngere Publikum ansprechen, sondern auch der Schritt in das Internet ist Teil von Schönenborns Strategie. Zukünftig soll der WDR auf allen relevanten Plattformen präsent sein, wo sich die Zuschauer aufhalten. Kern der neuen Internetstrategie ist Googles Videoplattform YouTube, wofür innerhalb des letzten Monats gleich zwei Projekte des WDR gestartet sind. So gibt es seit Anfang Februar eine Espresso-Ausgabe der Lokalzeit, bei der in 150 Sekunden die wichtigsten Informationen des Tages gebündelt präsentiert werden, und bereits seit dem 18.01. läuft der neue YouTube-Kanal WDR #3sechzich, mit dem sich der Westdeutsche Rundfunk vor allem an die unter 20-Jährigen wenden möchte. Bei diesem Kanal gibt es täglich kurze, meinungsstarke Videos zu aktuellen Themen. Zusätzlich wird auch die Social-Media-Plattform Instagram mit den täglich InstaNews befüllt.

Die Gründe, warum der WDR damit einen weiteren Schritt in Richtung Online-Video geht, hat der verantwortliche Redakteur Julian Wixforth gegenüber dem Online-Webvideomagazin Broadmark erläutert: „Zu unserem Auftrag gehört es neben den Zuschauern vor dem Fernseher auch die Leute anzusprechen, die man mit linearem TV nicht mehr erreichen kann. Diese Menschen bezahlen uns ebenfalls, also sollen sie auch ein Produkt von uns erhalten. Wir können nicht länger warten bis die Leute wieder vor den Fernseher kommen. Wir wissen zwar, dass YouTube nicht auf uns wartet, es ist dennoch höchste Zeit und der Versuch ist es wert.“

Doch nicht nur der WDR versucht verstärkt die jüngeren Zuschauer zurückzugewinnen. Auch der MDR hat erst kürzlich dem erfolgreichen Wissensyoutuber MrWissen2Go eine eigene Kategorie Zeitreise2Go in der Fernsehsendung „Geschichte Mitteldeutschland“ gegeben. Zusätzlich werden die zehnminütigen Beiträge auf dem YouTube-Kanal vom Mitteldeutschen Rundfunk veröffentlicht. Zudem produziert Radio Bremen bereits seit 2012 mit der Wochenwebschau eine Show, die das Geschehen im Netz zusammenfasst und auch auf YouTube erscheint.

ZDF bereitet Fernsehformate für YouTube auf

Neben den Regionalablegern der ARD ist auch das Zweite Deutsche Fernsehen auf YouTube aktiv. Allerdings wird dafür kein eigener Content produziert, sondern Ausschnitte aus dem ZDF Neo Magazin und der Heute Show werden extra für die Videoplattform aufbereitet, die sich dort einer großen Beliebtheit erfreuen und regelmäßig fünf- bis sechsstellige Aufrufzahlen erreichen.

Zusätzlich zu diesen Aktivitäten führen die Fernsehsender eine Reihe von YouTube-Kanälen. Beispielsweise gibt es die Tagesschau auch auf YouTube zu sehen, auch wenn diese in der Regel nur dreistellige Videoaufrufe erhält. Außerdem laden ARD, ZDF und Co. Ausschnitte sowie ganze Sendungen auf ihre Kanäle hoch.


Rechtliche Situation im Internet:

  • Laut dem Rundfunkstaatsvertrag, müssen die öffentlich-rechtlichen Sender einen Großteil ihrer Inhalte im Internet nach sieben Tagen depublizieren. Dies soll auch teilweise auf den neuen YouTube-Kanal WDR #3sechzich zutreffen.

  • Lediglich Inhalte, die in das Telemedienkonzept der Rundfunkanstalt aufgenommen sind und den neu eingeführten Drei-Stufen-Test absolviert haben, dürfen länger online bleiben.


Jetzige Aktivitäten sind noch nicht ausreichend

Somit scheinen ARD und ZDF erkannt zu haben, dass sie sich dem Nutzungsverhalten der jungen Zuschauer anpassen müssen. Um diese auch außerhalb des klassischen Fernsehens zu erreichen, mangelt es bislang aber noch an einem umfangreichen Angebot der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Internet. Die jetzigen Aktivitäten im Netz sind zu wenig, um das junge Publikum wirklich zu überzeugen und wurden in den vergangenen Wochen zurecht kritisiert. So ist es nicht damit getan ein paar junge Moderatoren vor die Kamera zu stellen oder die Lokalzeit in einer Kurzfassung auf YouTube zu stellen.

Viel mehr sollten ganzheitliche Konzepte und Sendungen entworfen und gemeinsam mit den unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen beliebten YouTubern umgesetzt werden. Experimentieren ist gut, jedoch schadet halbherziger Einsatz mehr als das er nützt. Es hat schließlich einen Grund, warum bislang alle YouTube-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender nur niedrige Abrufzahlen erreichen können.

Allgemein ist der Weg von ARD und ZDF aber ein Schritt in die richtige Richtung. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene haben YouTube, Netflix und Co. das Fernsehen in großem Maße ersetzt, sodass diese gar nicht mehr von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erreicht werden. Die jetzigen Aktivitäten bieten somit schon einen guten Vorgeschmack auf den Jugendkanal, der noch in diesem Jahr starten soll – nur im Internet.


Teaser & Image by mojzagrebinfo (CC0)


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Lukas Menzel

Lukas Menzel

ist als Digital Native tagtäglich in den Weiten des Netzes unterwegs. Er berät als Teil der Becker-Banse Medien Unternehmen zu den Themen Social Media, Webdesign und Webvideo. Dazu leitet er das Online-Magazin Broadmark und ist auch auf Twitter zu finden. Bis März 2015 war er Teil der Netzpiloten-Redaktion.

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