Deutsche Telekom weitet Kooperation mit Evernote aus

Die Kooperation zwischen Deutsche Telekom und Evernote wird auf zwölf europäische Märkte ausgeweitet – auf Kosten von Netzneutralität und Innovation.Die Deutsche Telekom und Evernote haben heute bekannt gegeben, dass sie ihre Partnerschaft ausbauen und zusätzlich zu Deutschland in zwölf weiteren europäischen Märkten zusammenarbeiten. In der Strategie der Deutschen Telekom markiert die Partnerschaft einen weiteren Baustein, um sich von Wettbewerbern durch das größtmögliche Angebot innovativer Services zu unterscheiden. Doch das schadet dem Prinzip der Netzneutralität und damit auch der Entstehung von Innovation.

Kooperation nützt Kunden der Telekom und von Ervernote

Im März 2013 gaben die Deutsche Telekom und Evernote eine strategische Partnerschaft bekannt, die für die Kunden und Nutzern beider Unternehmen nur von Vorteilen geprägt war: „Wer einen Mobilfunkvertrag bei T-Mobile abgeschlossen hat, hat ab sofort die Möglichkeit ein Premium-Account der hervorragenden Notiz-Sammlung Evernote ein Jahr kostenlos zu nutzen – ein Premium-Konto von Evernote kostet normalerweise immerhin 40 Euro im Jahr„. Telekom-Kunden hatten so die Möglichkeit eine wirklich sehr gut Notiz-App kostenlos zu testen, während Evernote zum einen neue Nutzer gewinnen konnten
und sich, wie die Telekom, weiterhin von der Konkurrenz absetzte.

Kunden der Telekom, die dieses Angebot nutzen, profitieren zudem von erweiterten Funktionen: etwa einem erhöhten monatlichen Upload-Limit von einem Gigabyte, der Offline-Verfügbarkeit ihrer Notizen und einer schnelleren Bilderkennung. Die Premiumfunktionen umfassen außerdem eine Dokumentensuche, die es den Nutzern ermöglicht, in ihren Notizen nach Dokumenten, Präsentationen und Tabellen zu suchen, sowie Reminder, die sie bei allen persönlichen und beruflichen Projekten auf dem Laufenden halten. Insgesamt hat die Telekom mehr als 37 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland (57 Millionen in ganz Europa), die nur bei der Nutzung von Evernote auf diese Funktionen und Vergünstigungen in Anspruch nehmen können.

Sorge um Netzneutralität und Innovation

Wer nicht von der Kooperation profitiert sind nicht nur die Evernote-Nutzer, die bei einem anderen Mobilfunkanbieter sind und für ihr Premium-Abo und den Datenverbrauch bezahlen müssen oder die Telekom-Kunden, die eine andere Notiz-App nutzen (wie Springpad oder Google Keep) und ebenfalls für Premium-Abo und den Datenverbrauch zur Kasse gebeten werden, sondern am Ende die ganze Gesellschaft. Denn diese Deal schränkt noch mehr die Entwicklung anderer Unternehmen ein als das er der Telekom und Evernote nutzen. Das „nächste Evernote“ wird sicherlich nicht in Deutschland entstehen, denn es hätte gegenüber dem vermeintlichen Marktführer für Notizanwendungen immer einen großen Nachteil und könnte von Anfang an nicht mithalten.

Das die Kooperation jetzt im Lauf des ersten Quartals 2014 in elf europäischen Märkten erweitert wird (in Österreich ab dem zweiten Quartal) und die Evernote-App auf den im Ausland angebotenen Android-Smartphones vorinstalliert wird, passt in die Strategie der Deutschen Telekom, sich durch Partnerschaften mit innovativen Diensten von der Konkurrenz zu unterscheiden. Dazu kommt, dass die Telekom für die mehr als vier Millionen europäischen Evernote-Nutzer schlagartig attraktiver ist. Doch den vermeintlichen Mehrwert, den die Telekom neben ihrem Kerngeschäft anbietet, beendet nicht nur das Prinzip der Netzneutralität, sondern stört dadurch auch die Entstehung von Innovation. Marktmacht wird durch das Ausbremsen von neuen Unternehmen und Diensten gefestigt, Entwicklungen verhindert.

Vom Kölner Musikstreaming-Dient Simfy gibt es kaum noch etwas zu berichten, seit dem Spotify, unterstützt durch eine ähnliche Kooperation mit der Telekom, wie diese mit Evernote hat, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erzielt hat. Google Music besitzt noch keinen vergleichbares Kooperationsvertrag, hätte aber im Gegensatz zu einem Startup die finanziellen Mittel, sich finanziell bei einem Telekommunikationsanbieter einzukaufen, um die gesetzlich nicht geschützte Netzneutralität zu umgehen.


Image (adapted) „Evernote Meetup Paris“ by Heisenberg Media (CC BY 2.0)


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