ICE mit Hotspot (Bild: S. Terfloth [CC BY-SA 2.0], via Wikipedia)

Deutsche Bahn soll Verkehrsmittel des digitalen Zeitalter werden

Bundesminister Alexander Dobrindt und DB-Chef Rüdiger Grube wollen die Deutsche Bahn zum Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters umwandeln. // von Tobias Schwarz

ICE mit Hotspot (Bild: S. Terfloth [CC BY-SA 2.0], via Wikipedia)

Internetzugang sowie umfassende Reiseinformationen werden für die Kunden der Deutschen Bahn (DB) bei der Auswahl des Verkehrsmittels immer wichtiger. Deshalb wollen Bundesregierung und Deutsche Bahn die digitalen Angebote der Deutsche Bahn weiter stärken. Wie das gelingen soll wird zwar nicht gesagt, doch schon jetzt steht fest, dass nur wenige Bahnkunden davon profitieren werden.

Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters?

Alexander Dobrindt (CSU), Bundesminister für Verkehr und Digitale Infrastruktur, und DB-Vorstandsvorsitzender Rüdiger Grube haben gestern bekannt gegeben, dass die Technik für den Internetzugang in Bahnhöfen und Zügen ausgebaut werden soll. Des Weiteren ist die Entwicklung von Smartphone-Apps für Fahrplaninformationen und Ticketbuchung aufgrund der großen Nachfrage geplant. „Die Bahn kann das Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters werden. Ich unterstütze ausdrücklich das Engagement der Bahn, ihre Bahnhöfe und Züge mit WLAN auszustatten. Die Digitalisierung muss auch im Schienenbereich hohe Priorität haben: Die Breitbandtechnik soll Standard bei der Fertigung neuer Züge werden, bestehende Züge sollen schrittweise nachgerüstet werden„, sagte Dobrindt gestern im Berliner Hauptbahnhof.

Nach eigenen Angaben bietet die Deutsche Bahn auf rund 3.000 Kilometer von dem insgesamt 5.200 Kilometer langen ICE-Kernnetz, auf dem rund 98 Prozent der ICE-Verkehrsleistung erbracht werden, bereits heute einen Internetzugang an. Für die übrigen 2.200 Kilometer läuft derzeit der Testbetrieb – im Laufe dieses Jahres soll die offizielle Freigabe erfolgen. Aktuell sind 200 ICE-Züge mit der notwendigen Technik ausgestattet. Die Umrüstung der geplant 255 ICE-Züge zu rollenden HotSpots soll bis Ende 2014 weitgehend abgeschlossen sein. Es sind auch bereits 120 Bahnhöfe in Groß- und Mittelstädten mit WLAN-Zugängen zum Internet ausgestattet. In den kommenden Wochen und Monaten wird in den 24 größten und meist frequentierten Bahnhöfen die WLAN-Technik nach und nach erneuert, um Funkabdeckung und Geschwindigkeit weiter zu verbessern.

Am Ende profitieren nur ICE-fahrende Telekom-Kunden

Bisheriger und auch zukünftiger Partner der Deutsche Bahn für die Umrüstung und den Ausbau ist die Deutsche Telekom. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage von Netzpiloten.de erklärte, ist eine Kooperation mit anderen Providern auch zukünftig nicht vorgesehen. Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE, findet dies unfair und wundert sich, „welcher ‚Deal‘ mit Telekom dahinter steckt„.

Die Preise für die Internetnutzung bestimmt die Deutsche Telekom allein, wie uns ein Bahnsprecher mitteilt. Ein „HotSpot Pass“ kostet einen Internetnutzer ohne Telekom-Vertrag 4,95 Euro pro Tag, unabhängig von der Fahrtdauer. Telekom-Kunden, es sei denn sie haben eine HotSpot-Flatrate dazu gebucht, zahlen für das Angebot „HotSpot Basic“ 0,09 Cent pro Minute. In anderen Ländern ist ein freier Internetzugang übrigens Standard. In den USA bietet das Linienbusunternehmen Greyhound und das Zugunternehmen Amtrak den eigenen Passagiere gratis Internet an. In Österreich ist Wlan im Premium-Zug Railjet umsonst, in anderen europäischen Ländern ebenfalls, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Warum das Bundesverkehrsministerium von Alexander Dobrindt den Ausbau der Technik für den Internetzugang unterstützt, wenn doch nur eine kleine Anzahl an bahnfahrenden Kunden eines bestimmten Providers davon profitieren, teilte die Pressestelle auf Anfrage nicht mit. Auch blieben unsere Fragen nach dem Wie und den Kosten bis jetzt unbeantwortet.

Im regionalen Zugverkehr wird es weiterhin keinen Internetzugang geben

Laut einem Bahnsprecher plane die DB Regio die Internetverfügbarkeit (per WLAN) teilnetz- oder streckenbezogen auch auf anderen Zügen als den ICE zu verbessern: „Die Entscheidung dafür hängt aber von den regionalen Markterfordernissen, der Bereitschaft von Telekommunikationspartnern und insbesondere Bestelleranforderungen im Rahmen von Ausschreibungen ab„. In Regionen mit wenig Fahrgästen und/oder wo die Deutsche Telekom kein Interesse hat, wird es also auch langfristig keinen Internetzugang in DB-Zügen geben. Ein Team der Deutschen Bahn aus den Bereichen Marketing und Technik untersucht jedoch aktuell die technologischen Möglichkeiten sowie die Kundenbedürfnisse, um bei Änderung der Rahmenbedingungen unmittelbar eine entsprechende Lösung anbieten und umsetzen zu können.

Leidig findet die mangelnde Bereitschaft zum Ausbau des Internetzugangs im regionalen Zugverkehr „bedauerlich, weil die meisten Fahrten regional sind„. Gerade hier ist für Leidig Internet als ein Beitrag zum Komfort wichtig, damit „noch mehr Menschen vom PKW in die Bahn umsteigen„. Die Bahn als Verkehrsmittel findet Leidig auch aus sozialökologischen Gründen wichtig und zeitgemäß: „Es kommt aber darauf an, dem öffentlichen (Schienen-)verkehr endlich Vorrang [vorm Autoverkehr] zu geben. Dabei ist das Internet in Zügen und Bahnhöfen nur ein Problem neben vielen anderen, die zu lösen sind„.


Teaser & Image by S. Terfloth (CC BY-SA 2.0)


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Tobias Kremkau

Tobias Kremkau

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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