Destination Check: VDZ Publishers‘ Summit

Vom 7. bis 8. November 2016 fand der diesjährige Publishers‘ Summit in Berlin statt. Hier trafen sich die Vertreter der großen Verlagshäuser, um sich über die Entwicklungen in der Medienwelt auszutauschen – von wirtschaftlichen Themen wie die Zukunft des Print- und Onlinegeschäfts bis hin zu journalistischen Grundfragen wie dem Pressekodex wurden die Themen der Zeit besprochen.

Neben den großen Köpfen der deutschen Verlagswelt waren auch Chefredakteure wie Giovanni di Lorenzo, Jörg Quoos und Tanit Koch zu einer Expertenrunde geladen. Bei den politischen Keynotes äußerten sich unter anderem Wolfgang Schäuble und besonders Martin Schulz , der Präsident des Europäischen Rats und Can Dündar mit sehr berührenden Worten zur Lage der Medienwelt. Ich habe mich für die Netzpiloten umgehört, wie die Besucher und die Teilnehmer die Konferenz einordnen.


Moderation: Andrea Thilo, Journalistin, Filmproduzentin, Moderatorin


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Image by Körber Stiftung

Andrea Thilo ist Filmproduzentin, Journalistin und Moderatorin und hat für verschiedene Rundfunk- und Fernsehformate wie DAS!, Tagesschau, Tagesthemen und Liebe Sünde gearbeitet. Auf der Publishers‘ Summit führte sie wie in den letzten Jahren durch das Programm.

 

Wie ist Ihr Gesamteindruck?

Ich habe das schon mehrere Jahre gemacht und mich wieder sehr wohl gefühlt. Ich habe das Gefühl, dass es hier wirklich ein Interesse an Diskurs gibt, auch ein Interesse an Selbstbefragung und auch daran, Antworten zu finden auf die Frage, welche Rolle und Verantwortung Medien in einer wirklich herausfordernden Zeit haben. Egal, ob wir nach Amerika, nach Deutschland oder weiter Richtung Osteuropa gucken. Ich habe das Gefühl, ich habe es mit leidenschaftlichen Leadern in dieser Branche zu tun, die das sehr Ernst nehmen.

Das sind aber keine schnellen Antworten, die man darauf findet. Insofern kann man die Welt in 26 Stunden beim Publishers‘ Summit nicht komplett verändern, aber man kann ganz wichtige Denkanstöße geben, und ich glaube, das ist hier passiert. Die Tatsache, dass das Thema Pressefreiheit wieder so hoch auf der Agenda war, oder die Frage nach der Reaktion auf die Digitalisierung, Adblocking, Steuerfragen, dass das weiterhin so hoch gespielt wird, ist ein gutes Zeichen von genau dieser Verantwortungsübernahme. Ich bin gespannt, worüber wir 2017 diskutieren.

Die Diskussionen werden angestoßen und gehen auch in die Redaktionen zurück. Was hier Verleger besprechen, wird auch seine Rückschlüsse haben auf das, was wir erleben werden. Also zum Beispiel die Frage, wie wir als Medien kritisch miteinander umgehen sollen, oder die Frage nach dem journalistischen Ehrenkodex. Wir müssen uns noch stärker mit einer gefühlten Realität dort draußen auseinandersetzen, die vielleicht nicht die ist, die in München und Hamburg herrscht. Ich glaube, das nehmen die Leute mit zurück und bringen das auch in Diskussion mit ihren Redaktionen, und das ist wichtig.

Ganz wichtig fand ich auch den letzte Appell von Manfred Braun, dieses „Gemeinsam sind wir stark“. Wir sind zwar ganz klare Konkurrenten, aber wir müssen in dieser Welt der Googles, in einer Welt, in der diese Player womöglich auch noch Autos bauen, in der sich so viel verschiebt, noch stärker zusammenhalten und nach Verbündeten suchen und Wege gemeinsam beschreiten, wo wir es können, ohne uns gegenseitig zu beschädigen.

 

Haben die Speaker und Teilnehmer Ihre Erwartungen erfüllt?

Hier sind ganz viele Fachsprecher gewesen, ich kann daher nicht in Gänze beurteilen, ob in der Tiefe bestimmte Fragen, die diese Branche gerade betreffen, in extenso hier beantwortet worden sind. Vielleicht nicht. Vielleicht bleiben Fragen, aber dafür gibt es dann auch nochmal einzelne, fachspezifische Tagungen. Ich glaube, es sind wichtige Impulse gesetzt worden.

Ich kann nicht sagen, was unbeantwortet blieb, ich kann nur sagen, dass diese Frage der Aufgabe der Journalisten, dass wir eine stabile Demokratie haben wollen, die eine freie Presse unbedingt braucht, dass das so ein Appell gewesen ist, auch für meine eigene Selbstvergewisserung als Journalistin, die ich auch als Moderatorin arbeite, um herauszufinden, wo wir vielleicht diese Flamme noch stärker zum Leuchten bringen können, damit gehe ich bereicherter aus diesen zwei Tagen hervor.

 

Was war Ihr persönliches Highlight?

Die Dankesrede von Can Dündar, der sein Leben und das Leben seiner Familie einer Wahrheit in den Dienst stellt, nach der er sucht, das hat mich einfach unglaublich bewegt. Auch die Rede von Martin Schulz, der als Europäer des Jahres ausgezeichnet worden ist, fand ich toll. Ich hatte immer das Gefühl, er weint gleich, weil es ein so großes Projekt ist, für das er ausgezeichnet wurde, und wir haben es ja heute Morgen beim Talk von Herfried Münkler gehört: Die Rückbindung an 70 Jahre Frieden ist so schwer zu vermitteln, aber es geht um nichts weniger als das.

Ich muss also fragen, wie wir in Bildung, in Schule, in unseren Medien noch stärker appellieren können, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Die Frage ist auch, wie wir bessere Bilder vermitteln können, was Journalismus alles ermöglicht. Da müssen wir ran. Da sind auch Plattformen wie eben auch die Netzpiloten total wichtig, um das zu vermitteln. Vielleicht können wir uns da auch gegenseitig helfen, jenseits des Mülls, der auch im Netz verbreitet wird, eine analysierende Stimme zu haben, eine einordnende Stimme, und was es braucht, um zu einer Haltung zu kommen – und wie man das aufbereiten und weitergeben kann.

 

Würden Sie nächstes Jahr wieder mitmachen?

Also, an mir soll es nicht liegen!

 

Wie würden Sie die Zukunft der Zeitung oder des Printbusiness allgemein in den kommenden fünf bis 10 Jahren etwa einschätzen?

Einer der Speaker hat gesagt, wenn alles immer schneller wird, brauchen wir die Auszeit vielleicht umso mehr. Wir sehen gerade, dass Wellness-Magazine wie Pilze aus dem Boden schießen. Vielleicht wird das Magazin und das Zeitschriftenlesen noch mehr Gewicht bekommen, wenn es nämlich ganz spezielle und individuelle Interessen bedient. Ob das dann gedruckt wird oder nicht, ist völlig egal, wichtig ist, dass Menschen bereit sind, dafür zu zahlen, dass sie sich diese kostbare Auszeit in einem 24-Stunden-Informationsgetöse nehmen können. Daran glaube ich fest.


Besucher: Anna Suckow und Moritz Künkel, Volontäre beim Burda-Verlag


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Image by Anne Jerratsch

Anna und Moritz werden derzeit als Print-Volontäre beim Burda-Verlag ausgebildet. In ihrem Volontariat bekamen sie die Chance, die Konferenz zu besuchen. Sie nutzten diese Chance, um die wichtigen Köpfe der Branche live zu sehen und Kontakte zu knüpfen und sich ein Bild davon zu machen, wie die Chefetage die jetzige wirtschaftliche und politische Situation bewertet.

 

Wie ist euer Gesamteindruck?

Moritz: Für mich war es die erste Veranstaltung so einer Art. Ich fand es super interessant, mal verschiedene Einblicke aus allen bereichen der Medienwelt zu bekommen. Vor allem die Studie des Allensbach-Instituts, wie die Menschen die Medien und die Zeitschriften, also uns, bewerten, besonders in Hinblick auf das Stichwort „Lügenpresse“, fand ich spannend, und auch, um mal einen Einblick zu bekommen, wie unsere Arbeit in Deutschland ankommt.

Anna: Für mich war die große Journalistenrunde am interessantesten. Es ist auch als Volontär spannend, mal so einen Einblick zu bekommen, aber natürlich richtet sich das an eine ganz andere Ebene. Für unsere Praxis konnte ich da noch nicht so viel rausziehen.

 

Haben die Speaker und die Teilnehmer eure Erwartungen erfüllt?

Anna: Von den Ansätzen fand ich die Gesprächsrunde am Besten, also die Frage danach, wie man zur Basis zurückkommen kann. Ich glaube, wenn man in seinem Newsroom sitzt mit seinen Chefredakteuren, kann man leicht den Zusammenhang verlieren, daher fand ich es gut, dass das dann doch in den Köpfen etwas mehr ankommt. Ansonsten fand ich es nicht so sehr innovativ. Ich habe eher gedacht, das wir mehr Sachen hören, die uns überrascht hätten, aber ich habe kaum Sachen gehört, die mir völlig neu gewesen wären.

Moritz: Wir haben uns gestern schon darüber unterhalten. Wir kriegen durch unsere Ausbildung natürlich viel davon mit, weil wir immer mal wieder in allen möglichen Bereichen Input bekommen, darum waren uns viele Ansätze schon bekannt. Ich fand es aber auch ganz gut, mal ein paar Leute aus dem Vorstand zu sehen und miteinander in Kontakt zu kommen.

 

Was war euer persönliches Highlight?

Anna: Für mich war es die Preisverleihung, und mal zu sehen, wer alles da ist und was da passiert. Besonders die Rede von Can Dündar, dem Chefredakteur der Cumhuriyet, hat mich wahnsinnig berührt. Der Moment, als die Standing Ovations kamen und er dastand und sprachlos war, das war Wahnsinn. Wichtig war auch, dass er dazu aufgerufen hat, dass wir nicht mehr besorgt sein brauchen, sondern endlich etwas tun müssen, das fand ich sehr aufrüttelnd. Das werde ich nicht vergessen.

Moritz: Ja, das geht mir auch so. ich fand auch Martin Schulz sehr gut und auch, wie er auf Herrn Dündar eingegangen ist. Dafür, dass er eigentlich ein Politiker ist, von denen man eher erwartet, dass sie ein bisschen herumschwafeln, hat er gesagt, was er selbst von dem Konflikt hält. Das fand ich überraschend und richtig gut.

 

Würdet ihr nächstes Jahr wiederkommen?

Anna: Wenn es klappt, sehr gerne. Es werden aus jedem Jahrgang nur einmal Volontäre eingeladen, also wird das so nicht mehr klappen, aber unseren Nachfolgern kann ich nur dazu raten, sich das anzuschauen und die Möglichkeit wahrzunehmen.

Moritz: Ich würde auch definitiv nochmal kommen.

 

Wie würdet ihr die Zukunft der Zeitung oder des Printbusiness allgemein in den kommenden fünf bis 10 Jahren etwa einschätzen?

Anna: Ich glaube und hoffe, dass beides nebeneinander bestehen bleiben wird. Es hat sich ja schon eingeschleift, dass die Leute News online konsumieren, also hoffe ich, dass Print ergänzend dazu wirkt. Wenn ich mir wirklich die Zeit nehmen will für eine Longread und mich wirklich informieren will, dafür gibt es auf jeden Falle eine Zukunft, für die nächsten fünf Jahre auf jeden Fall.

Moritz: Wir als Print-Volontäre sind damit ja täglich konfrontiert. Es wird sich sicherlich viel verändern, aber es ist auch eine Generationenfrage. Einer der Speaker hat auch die Exklusivität angesprochen, das muss das Medium natürlich liefern, aber wir hoffen natürlich, dass es Print auch mit der entsprechenden Qualität weiter geben wird. Let’s go Print!


Besucher: Darbaz Darwesh, Stipendiat Deutschlandstiftung


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Image by Anne Jerratsch

Darbaz ist Stipendiat der Deutschlandstiftung und lebt derzeit in Stuttgart und promoviert in Luft- und Raumfahrtwissenschaften. Das Stipendium gab ihm die Möglichkeit, wichtige Persönlichkeiten aus dem Medienbusiness und Politiker wie Günther Oettinger zu treffen.

 

Wie ist dein Gesamteindruck?

Ich fand es sehr interessant, die Vorträge und die Sprecher waren sehr spannend. Wir haben viele neue Eindrücke, wie die Lage im europäischen Finanzsektor und in den Medien allgemein ist. Ich fand alles sehr interessant.

Haben die Speaker und die Teilnehmer eure Erwartungen erfüllt?

Ich war noch nie auf so einer Medienkonferenz, daher wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich fand es aber toll. Wenn ich nochmal herkomme, würde ich mich vorher aber lieber ein bisschen mehr in die aktuellen Debatten einlesen. Ich wurde aber auf jeden Fall inspiriert, das jetzt im Nachhinein zu tun.

 

Was war dein persönliches Highlight?

Ich fand den Vortrag von Herrn Burda gut, auch die Rede von Herrn Schäuble hat mir gut gefallen. Und die Party auf der Publisher’s Night gestern fand ich toll.

 

Würdet ihr nächstes Jahr wiederkommen?

Wenn es sich nochmal ergibt, gerne.

 

Wie würdest du die Zukunft der Zeitung oder des Printbusiness allgemein in den kommenden fünf bis 10 Jahren etwa einschätzen?

Ich denke, dass durch die Industrie 4.0 noch viel mehr online passieren wird, darum denke ich, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen. Wir sind die Generation, in der sich alles zum Digitalen hin verändert. Es wird ein sehr großer Schritt von Print ins Internet, und genau das wird auch passieren. Ich glaube aber, es wird nicht so schwierig werden, wir haben ja schon viele Methoden. Wir sind da auf einem guten Weg.

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Anne Jerratsch

Anne Jerratsch

ist freischaffende Autorin und Redakteurin bei den Netzpiloten und den Hello-Magazinen. Sie hat mittelalterliche und zeitgenössische Geschichte und Anglistik studiert und arbeitet, seit das erste Modem ins Elternhaus einzog, an Geschichten zum Lesen oder Hören und wirft sie ins Internet. Ab und zu schreibt sie ihren Blog voll und twittert als @keksmadam. Anne mag und macht Podcasts und wirkt immer mal wieder bei der nichtkommerziellen Hörspielvereinigung Die Neuvertonung mit.

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