Der Sender sind wir

Podcasting erobert langsam die Welt. Doch ist der „Sender auf Abruf“ wirklich die herbeigeredete Gefahr für das traditionelle Radio? Oder lassen sich die Welten von Podcast und UKW doch vereinen? Gleich zwei Sendungen wollen den Beweis bringen: Online und Radio, das geht auch zusammen.

Schon recht bald nachdem der Begriff Podcasting im August 2004 zum ersten Mal im Netz die Runde machte wurde von einer Revolution gesprochen, die Radiosendern die Hörer wegnehmen könnte. Denn dank einfacher Audioprogramme und der automatischen Verteilung derer (mittels RSS, durch die man Podcasts einfach „abonnieren“ kann, wie man dies mit Nachrichten tut) ist es möglich sich ein eigenes Radioprogramm zusammen zu stellen.
Automatisch auf den MP3-Player synchronisiert schaffen Podcasts damit eine individuelle Audiowelt jenseits von Mainstream Themen und -Musik.
Das Podcasting seit dem nicht nur an Hörern sondern auch an Sendern zugenommen hat, lässt sich durch einen einfachen Blick in die Podcast-Kategorie von Apples iTunes Store oder eines der einschlägigen Podcast-Verzeichnisse sehen. Mittlerweile senden nicht nur mehr private Podcaster. Zunehmend mehr Firmen sehen im Bereich Podcasting einen Weg auf sich aufmerksam zu machen. Da werden Englisch-Kurse per Podcast verteilt, Lifestyle-Gefühle oder auch die besten Tipps von eBay.
Das Podcasting schon lange keine Rand-Phänomen mehr ist, davor kann sich selbst die GEMA nicht mehr verstecken. Wenn auch Ihr „Gebührenmodell für Podcaster“ als nicht gelungen bezeichnet werden muss und es redliche Diskussionen darum gibt.

Podcasts sind also das Radio von morgen?
Nicht ganz. Denn trotz der Individualisierung und der Vielfalt ist ein Podcast noch immer ein Randphänomen im Vergleich zu den großen Radiosendern in Deutschland. Einmal weil nicht jeder das Bedürfnis nach den Informationen hat, die über Podcasts verteilt werden, dann weil Podcasts ebenso wie Weblogs der breiten Masse noch immer kein Begriff sind und vor allem, weil der Zugang zum Podcast einfach umständlicher ist. Ein Radio braucht noch immer nur den Anschaltknopf. Da hat man es mit dem finden, abonnieren, holen, auf den MP3-Spieler ziehen und hören deutlich umständlicher. Über die Schwierigkeiten den MP3-Spieler dann ans Auto-Radio zu koppeln wollen wir lieber erst nicht reden. Podcasts sind so zwar als Audiobeschallung für unterwegs gedacht, tatsächlich aber hört die überwiegende Mehrheit der Podcast-Konsumenten die Audiowelten noch immer lieber am Rechner direkt.

Trotz dieser Unterschiede und Schwierigkeiten werden manche Menschen nicht müde Podcasts als den Untergang der Radiowelt herbei zu rufen. Ähnlich wie dies bereits seit Jahren im herbeigeredeten Kampf zwischen Weblogs und Journalismus der Fall ist.
Das ist Quatsch. Zumindest Größtenteils.
Und genau das zeigen jetzt auch zwei Sendungen, die demnächst auf öffentlich rechtlichen UKW-Sendern ins Land gestrahlt werden:

Die Blogspiele des Deutschlandradio Kultur wollen eine Gemeinschaftliche Basis für Podcasts und Radio bieten. Die Macher wollen eine “das klassische Massenmedium mit der Formenvielfalt der Internetradioszene verbinden und in beide Richtungen durchlässig” werden. Radio das mit Podcasts gefüllt werden will.

Und mit ‚Trackback‚ kehrt Johnny Haeusler in sein altes Medium Radio zum Teil zurück und will eine Sendung schaffen die über und aus Weblogs berichtet und nicht nur live ins deutsche Land gestrahlt wird, sondern auch anschließend per Podcast im Netz verteilt werden soll.

Zwei Beispiele, das Podcast keine Konkurrenz zum althergebrachten Radio sein müssen, sondern eine wunderbare Ergänzung voneinander sein können. Ebenso wie Blogs den klassischen Journalismus nicht konkurrieren sondern erweitern.

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Thomas Gigold

Thomas Gigold

ist Journalist und Berufsblogger. Blogger ist Gigold bereits seit den letzten Dezembertagen des Jahres 2000, seit 2005 verdient er sein Geld mit Blogs und arbeitete u.a. für BMW, Auto.de und die Leipziger Messe. Selbst bloggt Gigold unter medienrauschen.de über Medienthemen.

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