AppleWatch (Bild: Apple)

Dem Druck nicht gewachsen – ein Apple Zulieferer gibt auf

Es ist der erste große Insolvenzfall eines Technologie-Lieferanten, der jedoch einen großen Schatten auf die komplette Branche wirft. // von Philipp Biel

AppleWatch (Bild: Apple)

Die Apple Watch soll mit Saphirglas von GT Advanced Technologies kommen.

Apples Saphirglas-Zulieferer GT Advanced meldete zum Anfang der Woche überraschend Insolvenz an und wirft somit einen weiteren Schatten auf die gesamte Produktionskette von Technikgeräten in Asien. Mangelnde Sicherheitsbestimmungen, Niedriglöhne und viele Krankheits- und Todesfälle waren in der Vergangenheit bereits das Resultat einer mangelnden Rückführung der Gelder innerhalb der Wertschöpfungskette. Nun ist es aber der erste Fall, in dem ein kompletter Hauptzulieferer Insolvenz anmelden musste.


Warum ist das wichtig? Technologiegiganten nutzen ihr Oligopson um exorbitante Margen zu erreichen. Für den Zulieferer bleibt kaum etwas übrig.

  • Firmen wie Apple & Co verdienen sich mit Geräten wie dem iPhone eine goldene Nase, das Geld sieht jedoch nur jene Firma.

  • Die Situation der Fließbandarbeiter ist noch immer miserabel und wird gerade bei Zulieferern oftmals verschwiegen.

  • Zulieferer werden durch Großaufträge in eine Abhängigkeit gebracht. Produktionserweiterungen führen zu hohen Kosten, Langzeitaufträge werden aber nicht garantiert.


Der Präzedenzfall: GT Advanced Technologies Inc.

GT Advanced Technologies Inc. hat überraschenderweise am 6. Oktober 2014 einen Insolvenzantrag nach Kapitel 11 des amerikanischen Insolvenzrechts gestellt. Dieser strebt die Fortführung des Unternehmens unter der Reorganisation ihrer Schulden, Verpflichtungen, Geschäftsbeziehungen und dem Fortlaufen des Tagesgeschäftes an, dennoch ist es ein Wink mit dem Zaunpfahl für die gesamte Zuliefererbranche.

Die Kooperation zwischen Apple und GT Advanced Technologies begann erst im November letzten Jahres. Eine Vorauszahlung in Höhe von 578 Millionen Dollar zur Errichtung einer gemeinsamen Fabrik sollte Apples Bedarf an Saphirglas für die kommenden Produktegenerationen sichern. Unter anderem wird das Saphirglas bei der Kameralinse des iPhones, der Abdeckung des Touch IDs aber auch bei der zukünftigen Apple Watch als Displayglas eingesetzt. Wie es nun um Letztere steht ist fraglich.

Ein zu geringer Anteil am Verkaufspreis

Es ist der erste große Fall der letzten Jahre, in dem ein Hauptzulieferer der Technologiebranche einen Insolvenzantrag stellt und dennoch regt er zum Nachdenken an. Bereits in der Vergangenheit wurden oftmals die miserablen Arbeitsbedingungen der Fließbandarbeiter bemängelt, dass es den dahinterstehenden Firmen jedoch nicht möglich ist diese zu verbessern, ist den wenigsten bewusst.

Das iPhone 6 Plus kostet in der Produktion, ähnlich seinen Vorgängern, 216 Dollar, im Verkauf erwirtschaftet es jedoch mindestens 749 Dollar – eine Marge von rund 70 Prozent. Von dieser sieht der Zulieferer leider kaum etwas, nach Abzug der Kosten für die Zusammensetzung des Gerätes bleiben für die Zulieferer der Bauteile meist nur Centbeträge, nach Abzug der eigenen Herstellungs- und Maschinenkosten wiederum ist dies auf kurz- und mittelfristiger Sicht manchmal sogar ein Minusgeschäft. Auf lange Deals wollen sich Apple & Co aber nicht einlassen, wieso denn auch, man möchte die Marge hoch halten und sucht sich deshalb immer wieder den günstigsten Zulieferer.

Ein Blick in die Zukunft

Ob sich an der etablierten Prozedur etwas ändern wird ist fraglich, schließlich hat sie bisher immer gut funktioniert und wird es in den nächsten Jahren wohl auch. Erst wenn Firmen wie Apple durch einen nicht ausgleichbaren Lieferengpass in die Bredouille geraten, wird ihnen klar einen Fehler begangen zu haben. Wir können nur hoffen, dass dies bald der Fall sein wird und die Zulieferer und damit auch die Mitarbeiter jener Produktionsstätten mehr Geld erhalten werden. GT Advanced Technologies Inc. war nur ein Vorreiter, dessen Zukunft nun unklar ist, doch es werden mit Sicherheit weitere folgen.

Dieser Artikel ist ein Ergebnis der Kooperation von Netzpiloten.de mit dem renommierten Apple-Watchblog Appleunity.de. Appleunity ist auch auf Facebook, YouTube, Google+ und Twitter zu finden.


Teaser & Image by Apple


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Philipp Biel

Philipp Biel

war Geschäftsführer vom Apple Online Magazin appleunity.de, ist nun Geschäftsführer einer Videoberatung für klein und mittelständische Unternehmen und schließt gerade seinen Bachelor an der WHU - Otto Beisheim School of Management ab.

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