Demonstration on how the new Apple Pay works

Daten über Kundenfreundlichkeit: Das Apple Pay Beispiel

Für Offline-Verkäufer sind Daten wertvoll, sie bieten erstmalig eine Möglichkeit des Trackings. Apple Pay hat dies ausgehebelt und wird nun sukzessive gesperrt. // von Philipp Biel

Demonstration on how the new Apple Pay works

Für Offline-Retailer in den USA ist die Auswertung des Käuferverhaltens bereits Gang und Gäbe. Sei es das ständige Tracking im Supermarkt, die Auswertungen von Warenkörben, oder die Erstellung von personenspezifischen Werbemails. Auch in Deutschland haben Drogerie-Ketten und Supermärkte den Nutzen hinter Systemen wie Payback oder der DeutschlandCard entdeckt. Immer mehr wird über die Einkäufer in Erfahrung gebracht, um dieses Wissen dann für einen effektiveren Verkauf zu nutzen. Doch Apple Pay hat in den USA genau diesem Tun wohl ungewollt ein Ende gesetzt und wird dafür nun nach und nach verbannt.


Warum ist das wichtig? Das Apple Pay Beispiel spiegelt die derzeitige Situation zwischen Verkäufern und Käufern wider. Die Kauferfahrung letzterer wird der Gewinnoptimierung untergeordnet.

  • Das Bezahlen mit Apple Pay ist einfach und wird somit von vielen Nutzern gefragt, wegen der Anonymisierung der Daten von Verkäufern aber ungern gesehen.

  • Die Datensammlung scheint wichtiger als das Kauferlebnis zu sein, welcher eigentlich der ausschlaggebende Charme des Offlineshoppings ist.

  • Alternativen oder Übergangslösungen gibt es keine und somit hauptsächlich der Nutzer vernachlässigt.


Was ist Apple Pay überhaupt?

Apple Pay ist das kürzlich veröffentlichte Bezahlsystem des gleichnamigen Technikgiganten aus Kalifornien. Mit diesem System kann man seine Kreditkarten einscannen oder auch die NFC-Daten auf das iPhone übertragen um so, mit einem Fingerabdruck gesichert, in Geschäften schnell und einfach bezahlen zu können. Dafür wird das iPhone 6 oder iPhone 6 Plus einfach an ein NFC-fähiges Bezahlgerät gehalten und der gespeicherte Finger auf den Scanner des Touch Ids gelegt und schon ist der Einkauf bezahlt.

Aber auch für Verkäufer bringt das neue System einen großen Vorteil: Normalerweise behielten Kreditkartenfirmen ein bis drei Prozent der Verkaufssumme ein, um so ihre Kosten zu decken. Bei Apple Pay sind dies wohl nur 15 Cent pro 100 Dollar Einkauf, welches bei der Menge an Kartenzahlungen vor allem in den USA viel Geld sparen könnte. Außerdem waren die Anschaffungskosten für die meisten Geschäft gleich 0, da diese bereits NFC-fähige Bezahlsysteme hatten, die meist ohne zutun mit Apple Pay genutzt werden konnten. Also wieso wehrt man sich dann so gegen die Implementierung?

„Wissen ist Macht“

Das zumindest scheinen sich die amerikanischen Supermarkt- und Drogerieketten Walmart, Best Buy, Rite Aid, CVS, und weitere gedacht zu haben, als sie sich gegen die Nutzung von Apple Pay ausgesprochen haben. Da Apple alle Zahldaten anonymisiert und lediglich einen Token zur Verifizierung der Kreditkartendaten übermittelt, wurde das Tracking der Offline-Händler signifikant geschmälert. Eigene Kreditkartenangebote oder Treueprogramme wurden somit schlichtweg umgangen und somit wurde die komplette Datenüberwachung verhindert.

Um diese Macht nun zurück zu erlangen sind manche Ketten mehr oder weniger drastische Wege gegangen: In den meisten Fällen wurde die NFC Funktion jener Bezahlterminals einfach ausgestellt. In manchen Fällen jedoch, wurden diese Terminals jedoch von ihren eigentlichen Plätzen entfernt und durch ältere Geräte ausgetauscht, um so die Bezahlung über Apple Pay zu verhindern.

Kein Wunder, wurden die Daten doch zur Versendung personalisierter Newsletter genutzt, um so das Kaufverhalten der Käufern maßgeblich zu beeinflussen. Doch auch zur Optimierung der jeweiligen Verkaufsstätten, der Bedarfs Vorhersage und der Absatzkontrolle wurden diese Daten genutzt. Zusammengefasst geschieht dies wohl in einem solchen Umfang, dass die Kostenersparnis durch die Nutzung von Apple Pay, jenes wohl nicht aufzufangen scheint.

Die Alternative CurrentC

Als Alternative zu Apple Pay stellten die Verkäufer selbst ein eigenes System namens „CurrentC“ vor, welches neben der Bezahlfunktion auch als Treueprogramm agieren soll. Dieses ist jedoch bisher nicht ausgereift und bietet nicht die Komfortabilität, die Apple Pay dem Nutzer geboten hat. Zur Bezahlung muss die App erst einmal geöffnet werden, ein QR-Code mit dem Smartphone abfotografiert und danach ein weiterer QR Code vom Bildschirm des Smartphones durch das Kassenpersonal eingescannt werden. Ein ziemliches hin und her und wohl nicht im Interesse des Nutzers.

Das sieht der Zusammenschluss hinter CurrentC aber anders, genau jener Einzelhandelsverbund der gerade Apple Pay ausgeschlossen hat. CurrentC soll nah am Kunden sein und ihm das bestmögliche Kauferlebnis bieten. Verwunderlich nur, dass so Daten wieder ausgelesen werden können und die Transaktionssumme auf 0 Dollar pro Verkauf fällt – mit Sicherheit also ein selbstloses Kundeninteresse!

Die Auswirkungen auf den deutschen Markt

Ob sich dieses Szenario eins zu eins auf dem deutschen Markt reproduzieren wird ist fraglich. Dies liegt aber größtenteils an der bisher noch nicht wirklich ausgeprägten Trackingnutzung des deutschen Einzelhandels. Zwar werden Payback-Karten und die DeutschlandCard immer präsenter und die Nachfrage in den Geschäften immer penetranter, jedoch sind wir noch weit entfernt vom amerikanischen Niveau der Datenanreicherung.

Dennoch spiegelt das Apple Pay Beispiel das Verkäufer-, Kundenverhältnis gut wider: Oft werden die Interessen des Handels über die des Kunden gestellt. Das Motto „Der Kunde ist König“ scheint der Vergangenheit anzugehören, und das in einer Welt in der sich der Offlinehandel eigentlich mit diesem Charme vom Online Retailing distanzieren sollte.

Dieser Artikel ist ein Ergebnis der Kooperation von Netzpiloten.de mit dem renommierten Apple-Watchblog Appleunity.de. Appleunity ist auch auf Facebook, YouTube, Google+ und Twitter zu finden.


Teaser & Image by Apple


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Philipp Biel

Philipp Biel

war Geschäftsführer vom Apple Online Magazin appleunity.de, ist nun Geschäftsführer einer Videoberatung für klein und mittelständische Unternehmen und schließt gerade seinen Bachelor an der WHU - Otto Beisheim School of Management ab.

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