„Das ‚Einspielergebnis‘ ist ein (schlechter) Witz“

Er gilt als der „Spaßblogger“ schlechthin und schafft es mit kleinen Aktionen immer wieder, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach dem Verkauf seiner Community Spotleid vor einem Jahr, verkaufte er nun sein Weblog struktour bei eBay. Nach sieben biblischen Tagen erreichte die Auktion einen Endstand von 655 Euro.
Die Blogpiloten sprachen mit Stephan „Fabu“ Günther über seindafen Ausverkauf der Eitelkeit.

Stell Dich bitte doch kurz vor: Wer bist Du, was machst Du?
Fabu, 31, Hamburg, Hans Dampf in allen Sackgassen.

Was war der Auslöser dafür, Dein Blog auf eBay zu versteigern?
Möglichst viele Backlinks ernten zum Wohle des Pageranks und der Platzierung in den deutschen Blogcharts. ;-)
Aber im Ernst: Neuanfang, Experimentierfreudigkeit, Spieltrieb und ein überzogener Dispo.

Der erste Grund war sicherlich nicht der Gewinn, den Du damit machst; bist Du mit dem Ergebnis trotzdem zufrieden?
Nein, das „Einspielergebnis“ ist ein (schlechter) Witz, über den ich anfangs nicht lachen konnte.

Wie kann man den „Marktwert“ eines Blog bestimmen?
(Pi * Daumen) * (PR * 100) + Glück²
Keine Ahnung. Letztendlich zählen wohl einfach die nackten Zahlen (Pagerank, Anzahl der indexierten Seiten, Relevanz, Pageviews, …) und nicht die Qualität der Inhalte.

Wir reden derzeit viel über Werbung in Blogs, was denkst Du darüber? Auch in Hinsicht auf adical?
Ich finde Werbung in Blogs vollkommen legitim als Entlohnung für investierte Zeit und Arbeit. Ich bin mir natürlich über die „Gefahren“ im Klaren: Einfluss gepaart mit Werbung fördert Manipulation. Trotzdem kann ich die Predigten und gehobenen Zeigefinger der selbsternannten Gutmenschen nur mit einem gehobenen Mittelfinger beantworten. Zu Adical sage ich nichts, weil ich mit einer teilnehmenden Person liiert bin und mir eine Klausel im (imaginären) Ehevertrag Äußerungen bezüglich Adical untersagt.

Werden wir Fabu weiterhin als Blogger erleben?
Ja, auf jeden Fall. Allerdings ist noch unklar, wann, wo und wie ich wieder bloggen werde. Priorität hat erstmal mein Community-Projekt Supertopic.de, mit dem wir in Kürze online gehen.

Was bedeutet das Bloggen für Dich?
Selbstdarstellung, Zeitvertreib, Provokation, Interaktion, Eigeninitiative und viele weitere wohlklingende Nomen, die den Lesern dieses Interviews das Gefühl vermitteln, ich sei rebellisch und überdurchschnittlich talentiert.

Was hälst Du von der deutschen Blogwelt, wo steht sie und wo geht sie hin?
Ich finde die deutsche Blogszene größtenteils langweilig bis bedeutungslos. Eigeninitiative, Kreativität und Charme sind – jedenfalls empfinde ich das so – eher die Ausnahme. Hinzu kommt natürlich, dass die Reichweite im Vergleich zu internationalen Blogs geradezu lächerlich ist. Eigentlich kann es nur besser werden.

Nochmal zum Verkauf Deines Weblog: Kennst Du den Käufer?
Ja.

Was hat dieser mit dem Blog vor, oder willst Du es lieber nicht wissen?
Nachdem ich ihm die Domain überschrieben habe, wird er das Blog schließen und vermutlich Werbung platzieren. Aber… da es eh irgendwann rauskäme, spiele ich direkt mit offenen Karten: als ich sah, dass die Auktion so schlecht läuft, bat ich einen Freund, die Seite zu ersteigern. Die 655 EUR zahlt er mir in 655 Raten a 1 EUR. Verwirrend, hm?

Du verkaufst das Blog inklusive aller Inhalte und Kommentare. Gab es auch kritische Kommentare Deiner Leser, vor allem was Datenschutz oder dergleichen anbelangt?
Ohne meinen Anwalt sage ich gar nichts mehr.

Danke für das Interview, war ein Vergnügen!

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Thomas Gigold

Thomas Gigold

ist Journalist und Berufsblogger. Blogger ist Gigold bereits seit den letzten Dezembertagen des Jahres 2000, seit 2005 verdient er sein Geld mit Blogs und arbeitete u.a. für BMW, Auto.de und die Leipziger Messe. Selbst bloggt Gigold unter medienrauschen.de über Medienthemen.

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