Das Blogpiloten Blogger-ABC

Bloggen von A bis Z. Die wichtigsten Begriffe aus der Blogwelt: Von Abmahnung über Demenz bis zu Journalisten, Katzen und all dem anderen Zeug, das man kennen muss.

A
Abmahnung
Eines der Dinge, vor denen jeder Blogger Angst hat. Das ist wie Katzen und Wasser, wie Elefanten und Mäuse. Die Abmahnung ist der Stalker des unbekümmert lebenden Bloggers: Immer an der Ecke stehend und nur einen unbedachten Moment ausspähend, wann man ein Foto für die Klatschpresse schießen oder das Messer zum Wahnsinnsangriff zücken kann.

B
Blog, das – vielleicht auch der –
„das“ ist elitär, „der“ eher provokativ. Zumindest im Inneren des Blog-Kontinents. Wer „das“ sagt findet Blogs toll, nützlich und weltverändernd. Wer „der“ sagt, ist pubertär. Oder Journalist.

C
Chor
Oft einstimmig. Deswegen eher langweilig. Dafür allerdings mit hohem Hall-Anteil. Chorleiter sind meist so genannte A-Blogger, deren wunderbarer Sirenenstimme sich gern Heerscharen von Mitsingern anschließen, ohne den Liedtext zu kennen.

D
Demenz
Ernsthafte Krankheit, unter der ab und an auch Blogger leiden. Zumindest in einer schwachen Form. Oft nämlich ändern sich Meinungen im Internet schnell. Oder werden Erinnerungen unscharf, obwohl sie über eine einfache Suche im Weblog wiederzufinden wären.

E
Ego
Das größte Gewächs im Garten eines Bloggers. Andere Beweggründe ein Weblog zu starten als das täglich Wasser für diese Blume zu sammeln, gibt es selten. Das Ego ist neben der Abmahnung (s. o.) das andere der beiden existierenden Mittel, um Weblogs sterben zu lassen: Ohne Wasser (aka Aufmerksamkeit) geht das Pflänzchen irgendwann ein.

F
Frieden
Ein langweiliger Zustand. Doch Utopia gibt es auch in der Blogwelt nicht, weswegen es oft zu kleinen Grabenkämpfen um Aufmerksamkeit kommt. Erste Anlaufstelle für den konfliktbewussten Blogger ist die Blogbar.

G
Google
Ohne Google gäbe es das Internet nicht (auch ohne Al Gore nicht, allerdings bloggt der nicht). Und ohne Internet gäbe es keine Blogs. Daher gehört es zu den ersten Dingen, die ein Blogger nach seiner Geburt zu erledigen hat, einen Google-Altar zu bauen. Ebenso muss pflichtbewusst über jede Neuerung bei Google gebloggt werden.

H
Hierarchie
A-Blogger, B-Blogger, C-Blogger, … Man ergänze die Liste bitte bis zum ZZX-Blogger. Die Einteilung in Klassen begleitet den Blogger seit dem Kindergarten und so legt er sie auch in seiner neuen Netzwelt nicht ab. Derzeit noch selten: Podcasts oder Konferenzen nur mit C-Bloggern, so wie man das von Resterampen wie dem „Promi-Dinner“ bei VOX kennt.

I
Ironie
Etwas, durch das sich Blogger in der Regel auszeichnen. Dabei unterscheidet man zwischen bitterer, künstlicher und großzügiger Ironie. Das Problem des Bloggers: Nicht allen ist es gegeben, sie durch ihre Texte zu vermitteln. Dem Vorschlag, ein HTML-Tag „ironie“ einzuführen allerdings folgte das W3C (noch) nicht.

J
Journalist
Der natürliche Feind des Bloggers. Dabei geht es im Kampf Blogger vs. Journalist nicht um das „survival of the fittest“, sondern um kleine Machtspiele und den Wettbewerb um die beste Geschichte oder die schnellste Verröffentlichungs.

K
Katze
Das Lieblingshaustier des Bloggers. Kommt knapp vor dem Hund. In der *wirklichen* Welt kommt es allerdings recht selten vor, dass sich bunte Vögel Katzen halten. Sie meiden sie eher …
Katzenbilder sind die Quintessenz eines jeden Weblogs. Mangelt es an eigenen Katzen, lassen sich Exemplare dieser Spezies auch bei YouTube und Co. finden …

L
Licht
Geht so manchem dank einer Geschichte in Blogs auf. Manchmal geht aufgrund derer aber auch eines aus. Das allerdings weniger häufig. So berichten Blogs gern und häufig über Probleme mit Unternehmen, über neue Produkte und Lösungen im (Webwork-)Alltag. Nützlich können diese Tagebücher also auch sein.

M
Mamon
Weltläufig auch als Geld bezeichnet. Etwas, das nicht nur die Welt sondern auch die Blogosphäre spaltetfür . Die einen finden Kommerz in Weblogs prima, für die anderen ist es der lieblose Versuch, aus einem Underground-Thema dank Google Adsense 4,97 Dollar im Monat zu verdienen.

N
Neider
Gibt es weltweit ca. 5,5 Milliarden. Kommen immer dann in Weblog-Kommentaren zu Wort, wenn andere Blogger für lau Autos fahren dürfen, Handys oder lustige Wochenenden geschenkt bekommen.

O
Open Source
Wenn Blogger eine Familie wären, wäre OpenSource das Lieblingskind. Mit ihm würden sie all das unternehmen, das sie mit dem bösen Stiefkind Microsoft nicht machen: In den Freizeitpark gehen, ihm Geheimnisse erzählen und auch sonst eher liebevoll-antiautoritär erziehen…

P
Penetranz
Nur wer das gewisse Maß an Penetranz an den Tag legt, kommt weiter. Einer der Gründe, weshalb es regelmäßig Postkarten von Weblogs an andere Weblogschreiber gibt. Oder Blogzählungen. Oder Hitflip-Paraden. Passt aber: Aufmerksamkeit ist die wichtigste Währung im Bloggeschäft. Sagt man.

Q
Quantas
Bringt einen sicher und – relativ – schnell nach Australien. Ein Land am anderen Ende der Welt. Urlaub dort ist erholsam und aufgrund der vielen Kilometer zwischen hier und da muss man auch das Klappern der Abermillionen von deutschen Blogger-Tastaturen nicht mehr hören.
Vormerken für den Punkt des Blog-Ausstiegs.

R
Ranking
Was für Asterix der Zaubertrank von Miraculix, das sind für den Blogger die Statistiken des eigenen Blogs: Sie verleihen ihm Kraft. In Form von Wichtigkeit. Und mit Wichtigkeit lässt sich viel anstellen. Den AdSense-Monatsgewinn beispielsweise auf 5,78 Dollar hochschrauben.

S
Selbstreferenzialität
Schweres Wort, aber deutsche Blogger sprechen gern und ausführlich über schwere Worte und sich selbst. Dabei werfen sie sich gegenseitig vor, nur über sich selbst zu sprechen.

T
Trackback
Gibt es in zwei Ausführungen: Als technisches Kauderwelsch mittels dessen Weblogs miteinander reden können. Das andere ist eine samstägliche Radio-Sendung auf Radio FRITZ (auch im Netz als Podcast).

U
Unmut
Zieht man sich schnell zu. Vor allem als kommerzielle Welteroberungsmaschine oder unbedarfter Redner bzw. E-Mail-Schreiber. Die Blogwelt ist leicht zum Brodeln zu bringen: Einfach Blogger in den sanitären Bereich bringen oder aus dem Grundgesetzt werfen. Schon geschafft …

V
Videoblogs
Was die Pest für Menschen im Mittelalter war, ist YouTube für Blogger im Web 2.0. Okay, nicht halb so tödlich, breitet sich aber mindestens genauso schnell aus und zeigt ein unansehnliches Gesicht: Reichen die Ideen nicht mal für die täglichen zehn Worte über das Käsebrot vom Frühstück, dreht man mit der schlechten Handy-Kamera eben ein 5-Sekunden Video. Oder lässt es andere machen und bindet eines der Millionen Videos von YouTube und Co. ein.

W
Wordpress
Weblog-Software mit der intensivsten Hass-Liebe-Beziehung zwischen sich und Nutzern.
Man liebt es wegen seiner Simplizität und der Erweiterbarkeit. Man hasst es wegen der häufigen Updates, der schlechten Skalierbarkeit und der unterirdischen Programmierung.
Dabei gibt es Alternativen. Viele. Und g ute!

X
„via Blogger X“
Die Quellenbekundung ist der Ehrenkodex des Bloggers. Wer dem nicht folgt und erwischt wird, wird abgestraft. Mit einem Blog-Artikel und Tadel. Das ist wie der Eintrag des Lehrers im Hausaufgabenheft.

Y
Yin und Yang
Die Ausgeglichenheit zwischen Yin und Yan ist wichtig. Für Blogger scheint es oft nur das eine oder das andere zu geben. Wettern oder lobpreisen. Dazwischen ist es wie in Hamburg bei Ebbe: Viel weißer Sand und kaum Leben.

Z
Zeit
Mancher Blogger scheint davon recht viel zu haben. Vielleicht ist die Nutzung von Raum-Zeit-Phänomenen bereits Realität. Oder aber mancher kommt mit weit weniger Stunden Schlaf aus als den üblichen sechs, die Blogger sonst schlafen.

Thomas Gigold

Thomas Gigold

ist Journalist und Berufsblogger. Blogger ist Gigold bereits seit den letzten Dezembertagen des Jahres 2000, seit 2005 verdient er sein Geld mit Blogs und arbeitete u.a. für BMW, Auto.de und die Leipziger Messe. Selbst bloggt Gigold unter medienrauschen.de über Medienthemen.

More Posts - Website