Cuil gegen Google: das Duell der Suchmaschinen

Seit Jahren schon dominiert Google die Suche im Web. Seit Sonntag Abend hat sich nun ein neuer Konkurrent in die Reihe der Herausforderer gestellt: Cuil. Der Neuling behauptet, mit 120 Milliarden den größten Index aller Suchmaschinen vorweisen zu können. Google schweigt über die Größe seines Indexes, kennt aber angeblich eine Billion (in Zahlen: 1.000.000.000.000) URLs mit unterschiedlichen Inhalten.

Reine Zahlenspiele helfen den Nutzern jedoch nur bedingt weiter: was für ihn zählt, ist die Relevanz der Ergebnisse. Auch hier behauptet Cuil, die Nase vorn zu haben. Ein Beitrag über Cuil in Techcrunch erklärt, wie das funktionieren soll: Man indiziere nicht nur die reinen Schlagwörter, sondern beziehe auch das Verhältnis der Wörter zueinander ein. Dementsprechend organisiere man die Webseiten in Kategorien. So ergäben sich Sinnketten wie „Frankreich – Käse – Wein“. Was ist von diesen Aussagen zu halten?

Wie funktioniert Cuil?

Cuil präsentiert sich im schlichten Look mit einem zentralen Eingabefeld auf schwarzem Grund. Suchergebnisse werden in zwei oder drei Spalten mit Bild präsentiert. Über die Optionen lässt sich eine sichere Suche (Pornografie und andere unerwünschte Ergebnisse werden ausgelassen) und eine Tippfehlerkorrektur an- und abschalten. Sollte ein Begriff mehrere Bedeutungen haben, werden sie in unterschiedlichen Tabs dargestellt.

 

Bei allgemeinen Suchbegriffen wie „Hund“ oder „Auto“ spielt Cuil eine weitere Stärke aus: unter „Explore by Category“ kann man die Cuil-Kategorien durchsuchen.

Der Test: Cuil gegen Google

Es ist äußerst schwierig, zwei Suchmaschinen mit überschaubarem Aufwand zu untersuchen – besonders, wenn man nicht auf die hinter den Ergebnisse stehende Technologie Zugriff hat. Ein solcher Test kann daher nicht mehr als grobe Anhaltspunkte liefern. Im Folgenden wurde nach einigen speziellen und einigen allgemeinen Suchbegriffen gesucht und die Ergebnisse verglichen. Im Gegensatz zum ähnlich angelegten Techcrunch-Test wurde dabei auf deutsche Begriffe gesetzt. Namentlich kamen folgende Begriffe zum Einsatz: „Hund“, „Meilenstein“ und „Arbeit“ (allgemein) sowie „Blogpiloten“ und „Hermeneutik“ (speziell).

Allgemeine Begriffe: In Punkto Anzahl der Suchergebnisse geht die allgemeine Runde 3:0 an Google: der etablierte Suchdienst hat die Nase einfach vorn („Hund“: 39.000.000 gegenüber 8.800.000, „Meilenstein“: 2.350.000 gegenüber 200.000, „Arbeit“: 95.300.000 gegenüber 23.400.000). Relevanz ist schwer zu messen, doch scheint auch hier Google einen Vorsprung zu haben: Google verweist bei „Hund“ auf Wikipedia und spezialisierte Hunde-Seiten, Cuil listet auf der ersten Ergebnisseite keine einzige deutsche Quelle auf – dafür auf der zweiten allerdings mehrmals Informationen zu einer Band namens „Der Hund am Strand“. Dafür punktet der Dienst allerdings mit seiner „Explore by Category“-Funktion und listet übersichtlich deutsche Physiker mit dem Namen „Hund“ auf. Ähnliches bei „Meilenstein“: Google hat Wikipedia und URLs, die das Wort enthalten; Cuil dagegen Pressemitteilungen. Unter den Kategorien führt es die besten Alben von Emmylou Harris als Meilensteine auf – nicht jedoch die anderer Musiker. Und „Arbeit“ lieferte bei Cuil auf der ersten Trefferseite Informationen zum Nazi-Spruch am Eingang der KZs.

Doch liefert Cuil nicht nur alle Ergebnisse auf einmal – die Ergebnisse lassen sich über die Tabs einschränken, wenn ein Begriff mehrere Bedeutungen hat. Im Falle von „Hund“ waren diese Bedeutungen noch lückenhaft: „Urlaub mit Hund“, „Bob Hund“ sowie „Wild und Hund“ wurden angeboten. Im Falle von „Arbeit“ erschlossen sich über die Tabs weitere Bedeutungen des Wortes.

Spezielle Begriffe: Auch hier liegt Google vorne, was die Anzahl der Treffer angeht. In Bezug auf die Relevanz geht es diesmal enger zu: beide Dienste finden unseren Blog unter „Blogpiloten“. Google gibt jedoch eine aussagekräftigere Beschreibung, während Cuil oft nur das Schlagwort „Blogpiloten“ bei verschiedenen Diensten listet. „Hermeneutik“ liefert eine Wikipedia-Definition an erster Stelle bei Google, jedoch vorrangig Buchtitel bei Cuil.

An wen richtet sich Cuil?

Der Test macht deutlich: Cuil ist für deutsche Suchbegriffe zur Zeit noch kaum zu gebrauchen. Allerdings sollte fairerweise gesagt werden, dass der Dienst auch noch keine deutsche Seite hat und sich somit folglich vorrangig an den englischsprachigen Raum richtet. Einen Test mit englischen Begriffen hat Techcrunch vorgelegt, doch auch hier lag Google am Ende knapp vorne.

Blogpiloten-Urteil

Dennoch: Cuil ist ein hochinteressanter Dienst. Denn es gilt zwei Dinge zu bedenken:

  1. Cuil ist in englischer Oberfläche und unter amerikanischer Domain: nicht verwunderlich also, dass deutsche Begriffe (noch) keine guten Ergebnisse liefern.
  2. Cuil ist Sonntag Abend gestartet, Google hat jedoch schon mehrere Jahre an seiner Suchengine arbeiten können.

Außerdem sollte bedacht werden, dass Cuil einige hochinteressante Features bietet: über Tabs lassen sich unterschiedlichste Bedeutungen mit einem Klick aufrufen, um die Ergebnisse einzuschränken. Die Kategorien liefern Zusatzinformationen und erlauben die weitere Navigation. So könnte man sich, wie die PC-Welt im Test vormacht, über den Begriff „Caesar“ zum römischen Imperator „Julius Caesar“ (und nicht etwa dem Caesar-Salat) und von dort aus zur römischen Adelsfamilie „Julius“ vorklicken. Cuil könnte also die Möglichkeit bieten, nach Begriffen zu suchen, die man nur mittels einer Assoziation benennen kann, indem man die vielen Ergebnisse vom Anfang immer stärker einschränkt. Dass derartige Features noch nicht bis ins letzte Detail ausgereift sind, sollte man einem Dienst nach so kurzer Bestehenszeit noch zugestehen.

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Björn Rohles

Björn Rohles

ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor („Grundkurs Gutes Webdesign“) und Berater den digitalen Wandel. Seine Themenschwerpunkte sind User Experience, anwenderfreundliches Design und digitale Strategien. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide.

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