Crowdfunding muss dringlich wirken! Vier Lehren aus einer spannenden Kampagne

Nur einmal ganz mal kurz zum Dampf-Ablassen: Himmel, war das viel Arbeit! Und wie schade und verhext, dass wir die Zielsumme unserer Crowdfunding Kampagne für ein neues Berlin-Musical nicht erreicht haben! Wir hatten in den letzten Wochen über unsere Erfahrungen mit dem schönen Off-Theater-Projekt berichtet. Hier nun abschließend unsere persönlichen Learnings, die wir an alle diejenigen weitergeben, die ebenfalls mit Crowdfunding ihr Glück versuchen wollen:

1. CROWDFUNDING PRAKTIZIERT IN DEUTSCHLAND KAUM EINER

Jeder der schon eine Crowdfunding Kampagne gemacht hat, wird den Stoßseufzer auf den Lippen haben, wie viel Arbeit es macht, private Geldgeber für das Herzensprojekt zu aktivieren. Phasenweise ein Fulltime-Job! Vor allem dann, wenn es über ein reines Friends & Family-Projekt hinausgeht und man wildfremde Menschen zum Geldgeben überzeugen will. Im Falle des Off-Theater-Projekts Berlin Non Stop haben annähernd 100 freundliche und spendable Leute mit ihrem Ticket-Vorkauf den Traum vom neuen Berlin-Musical unterstützt. Darüber freuen wir uns natürlich – vor allem auch, weil wir jeden von ihnen persönlich kennen! Und genau darin liegt leider auch das Problem: Wir haben es trotz permanenter Social Media-Arbeit, trotz guter Presseresonanz, trotz Radio, trotz Plakaten und Flyern nicht geschafft, größere Kreise von Supportern zu aktivieren. – Und was haben wir uns den Mund fusselig geredet um zu erklären, wie man praktisch teilnehmen kann, was man als Gegenwert für sein Geld bekommt und dass Crowdfunding-Beiträge nur fällig werden, wenn die Zielsumme tatsächlich zusammenkommt. In Deutschland ist Crowdfunding ganz offensichtlich noch überhaupt keine weit verbreitete Kulturtechnik mit der Konsumenten sich an Produkten oder Produktionen beteiligen. Allen zukünftigen Crowdfundern empfehlen wir: Rechnet damit, dass ihr euren Familien, Freunden und Bekannten tüchtig nachhelfen müsst, bis sie tatsächlich ihren zugesagten Beitrag zahlen.

2. CROWDFUNDING-PLATTFORMEN SIND IN ERSTER LINIE TECHNISCHE PLATTFORMEN

Wir haben mit startnext wirklich angenehm zusammengearbeitet. Wir wurden beraten, betreut und mit Media-Leistungen unterstützt (Teaser, Newsletter, Interview, Social Media-Postings). Hatten wir die stille Hoffnung, dass auch aus der Crowdfunding-Community schöne Geldbeträge kämen, wurden wir enttäuscht. Ob es der Stoff war, der zu wenig Interesse weckte oder der fehlende „Gründer-Spirit“ unserer Kampagne, können wir nur raten. Allen zukünftigen Crowdfundern empfehlen wir: Erwartet nicht zuviel von der Plattform eurer Wahl. Es mag Einzelfälle geben, bei denen ein Projekt spektakulär durch die Fans der Plattform zum Fliegen gebracht wurde, aber rechnen sollte man mit diesen Mythen besser nicht.

3. BRANDS, FIRMEN UND KONZERNE INTERESSIEREN SICH NICHT SONDERLICH FÜR CROWDFUNDING

Unsere Ziel-Summe wurde in erster Linie mit Ticketverkäufen an Einzelpersonen kalkuliert. Zusätzlich standen hochdotierte Extra-Pakete bereit, die sich an Firmen richteten. Hierbei haben wir ganz klar unterschätzt, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, bis Unternehmen sich zu solchen Entscheidungen durchringen. Alles in allem erlebten wir eher Desinteresse an der Finanzierungsform. Allen zukünftigen Crowdfundern empfehlen wir: Solltet ihr Zugang zu Firmen haben, die euer Projekt unterstützen, solltet ihr sie bereits zum Start der Kampagne kooperationsbereit wissen.

4. EINE CROWDFUNDING-KAMPAGNE MUSS DRINGLICHKEIT AUSSTRAHLEN

Für Thomas war die Crowdfunding Kampagne ein Experiment, ob man auf diese Weise kleine und mittelgroße Off-Theater-Produktionen finanzieren könnte. Ihm bescherte der Ausgang dieser Aktion einen klare Absage. Vielleicht kam Berlin Non Stop zu wenig mittellos daher und keiner glaubte uns so recht, dass dieses gut aussehende, gut klingende, prominente Vorhaben tatsächlich die Unterstützung durch Crowdfunding braucht. Deshalb unser letzter und wichtigster Tipp an alle zukünftigen Crowdfunder: Macht eure Aktion dringlich! Erklärt allen Unterstützern aus eurem direkten Umfeld, dass die Dynamik der ersten Tage wichtig ist. Verpflichtet sie zu schneller Teilnahme und aktiver Weiterverbreitung an ihre Freunde und Bekannte. Dieser Effekt bringt die Kampagne in Schwung.

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Wolfgang Macht

Wolfgang Macht

ist Gründer und Vorstand der Netzpiloten und zählt zu den Pionieren der deutschen Internet-Macher. Er hat den Internet Boom seit 1995 mit allen Höhen und Tiefen erlebt. Die Plattform www.netzpiloten.de begleitet die digitale Revolution erst als virtueller Reiseführer für Netz-Neulinge (Webtouren) und heute als smartes Autoren-Magazin aus der Mitte der Digital-Szene. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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