Coding da Vinci Nord: Der Kultur-Hackathon kommt nach Hamburg

Coding da Vinci ist ein Event aus Berlin, das sich seit 2014 dafür einsetzt, dass digitalisierte Informationen von Kulturinstitutionen – wie beispielsweise Museen – für alle frei zugänglich und nutzbar gemacht werden. 2016 wird es unter dem Namen „Coding da Vinci Nord“ erstmals in Hamburg stattfinden. Ziel des Projektes ist die Vernetzung von Kulturinstitutionen mit Entwickler_innen, Designer_innen, Geisteswissenschaftler_innen und Künstler_innen: Im Rahmen von Kultur-Hackathons, die vom Kick-off-Wochende bis zur Präsentation der Projekte mehrere Wochen dauern, entstehen aus diesen frei nutzbaren Kulturdaten Apps, Dienste, Spiele und Visualisierungen. Das bringt für die Teilnehmer_innen vor allem Spaß an der Entwicklung mit ungewöhnlichen, nicht-kommerziellen Daten und Erfahrungsaustausch mit anderen.

 

Das ist der Hackathon, der wirklich Spaß macht, weil mal kein Business, sondern Kultur im Vordergrund steht – einfach Klasse!“, meinte Coding da Vinci-Teilnehmer Eric schon im vergangenen Jahr.

Die Projekte, die im Rahmen der Berliner Hackathons 2014 und 2015 entstanden sind, kann man sich auf der Website von Coding da Vinci ansehen. Darunter ist beispielsweise eine App zur Bestimmung von Pflanzenarten, welche Daten des Botanischen Gartens nutzt oder eine Anwendung, welche den Nutzer anhand von Bildern aus dem Stadtmuseum Berlin auf einen historischen Streifzug schickt. Auch Hardwareprojekte wie der Cyberbeetle oder der verspielte zzZwitscherwecker sind bei Coding da Vinci entstanden.

Ab in den Norden

Am 17. und 18. September startet Coding da Vinci Nord in Hamburg mit einem Auftakt-Event, zu dem ca. 125 Teilnehmer_innen erwartet werden. Im Anschluss können die Teams, die sich vor Ort finden, sechs Wochen lang an ihren Projekten tüfteln, bevor sie in einer Abschlussveranstaltung unter Beisein der Öffentlichkeit prämiert werden. Coding da Vinci Nord wird von einem Team von neun ehrenamtlichen Mitarbeiter_innen organisiert. Das Projektmanagement in der Hansestadt übernimmt Philipp Geisler, der auch bei „Code for Hamburg“ ehrenamtlich tätig ist.

CDV-Nord_Kacheln-2016

Im Unterschied zu den Berliner Veranstaltungen werden die Institutionen und Teilnehmer dieses Jahr vorwiegend aus dem norddeutschen Raum und nicht mehr aus ganz Deutschland stammen. „Die regionale Ausrichtung des Hackathons soll für mehr Nachhaltigkeit in den Beziehungen zwischen den Kulturinstitutionen und den Entwickler_innen sorgen“, erklärt Geisler den lokaleren Fokus. „Wir können den Entwicklerteams aus der Region persönliche Treffen und Workshops vor und während der Hackathon-Phase bieten.“ Auch die Unterstützung von kleineren Institutionen bei der Aufbereitung der Datensets sei so einfacher umsetzbar: „Kulturinstitutionen sind oft noch unsicher, ob sie ihre Daten freigeben sollen“, so Geisler. „Coding da Vinci ist auch entstanden, um diese Angst abzubauen.“

Hanseatisch hacken

Der Standort Hamburg für das erste lokale Event hat sich laut Philipp Geisler daraus ergeben, dass die hier angesiedelten Museen schon recht weit sind in der Digitalisierung ihrer Daten. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe hat beispielsweise seine Sammlung, soweit sie bereits digitalisiert wurde, öffentlich ins Netz gestellt und stellt diejenigen Werke unter Public Domain, bei denen die ursprünglichen Urheberrechte ausgelaufen sind. Neben dem Museum für Kunst und Gewerbe werden auch das Archäologische Museum Hamburg, die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky und das Museum der Arbeit beim Hackathon im September dabei sein. Aktuell ist das Team um Geisler damit beschäftigt, weitere Institutionen bei der Bereitstellung von Datensets zu unterstützen sowie finanzielle Mittel für das Projekt zu sichern.

Für Hamburg selbst bietet die Veranstaltung großes Potenzial. Philipp Geisler meint:

Coding da Vinci macht die Diskussion rund um offene Daten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich und und bringt durch die Vernetzung zwischen der Kultur- und Entwicklerszene sowie durch unsere Beratung etwas Schwung in die Entwicklung.

Auch werden unter den Projekten naturgemäß einige sein, die sich mit hanseatischer Historie auseinandersetzen und den Bürgern einen neuen Zugang zur Geschichte der eigenen Stadt ermöglichen.

Wer nun Lust bekommen hat, das Ganze selbst auszuprobieren, kann sich ab Ende Juni per Mail hier anmelden. Wir wünschen frohes Hacken!


Image by Kathrin Kaufmann
Beitragsbild „Coding da Vinci 2015 – Auftakt“ by Open Knowledge Foundation Deutschland [CC by 2.0]


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Kathrin Kaufmann

Kathrin Kaufmann

arbeitete einige Jahre als Kultur-Journalistin, bevor es sie in eine Digitalagentur verschlug, wo sie Kommunikationsstrategien mit Schwerpunkt Social Media entwickelt. Wenn sie nicht arbeitet, leitet sie das Hamburger Quartier der Digital Media Women, hängt auf Konferenzen oder Konzerten ab und bloggt über urbanes Leben, Gesellschaft und Kultur. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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