Check-up Ireland: Die MoneyConf kommt nach Dublin

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als “Tech” ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im November habe ich damit begonnen, die “Tech-Insel” ein Jahr lang aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Zuletzt hatte ich im zweiten Teil meines irischen Startup-ABC ein Unternehmen vorgestellt, dessen App ein “Instagram meets Money”-Konzept umsetzt. Das Startup taucht – wenn auch nur kurz – in dieser Kolumne erneut auf.

Was das wohl für den großen Bruder “Web Summit” bedeutet

“Plynk”, “Plynk”, “Plynk” – und das gleich 25 Millionen Mal. Ich hatte in dieser Kolumne vor zwei Wochen auch Plynk vorgestellt. Mit der Money-Messenger-App des Startups kann einer finanziellen Transaktion Kontext gegeben werden. Die Nachricht, die die Mitarbeiter von Plynk zuletzt aus Madrid erreichte, stammte von ihren Bossen, die dort im Rahmen der MoneyConf eine erfolgreiche funding-round in Höhe von 25 Millionen Euro bekanntgaben. Vom Kontext dieser Nachricht her betrachtet, konnte der Ort kaum besser gewählt sein, da Plynk Spanien und das benachbarte Portugal als die nächsten Märkte in der EU angreifen wird. Für das Vorhaben sollen 30 neue Leute eingestellt werden.

Das Plynk-HQ ist in Dublin beheimatet, wo auch der Web Summit-HQ zuhause ist. Die Macher des “Web Summit sind auch die Organisatoren der MoneyConf. Die Truppe um Paddy Cosgrave hatte in Madrid auch große Nachrichten zu verkünden. Ganz im Sinne von “Komm zu Mama!” wird MoneyConf 2018 in Dublin stattfinden. Der genaue Veranstaltungsort steht noch nicht fest, aber wahrscheinlich wird es das RDS werden, wo über Jahre der Web Summit stattfand, bevor nach vielen Diskussionen (im Bezug auf irische Regierungsmitglieder muss man aber eher von Kämpfen sprechen) der Umzug nach Lissabon erfolgte, wo der Web Summit Anfang November erneut stattfindet.

Im Bezug auf die MoneyConf finden die Organisatoren Erklärungen, die einem schon etwas bekannt vorkommen. So soll zum Beispiel die Kapazität von jetzt 1.800 Gästen auf 5.000 erhöht werden. Immer wieder neue Besucher-Rekorde zu setzen ist bei Cosgrave & Co. Methode und hatte letztendlich dazu geführt, dass das RDS zu klein für den Web Summit wurde – oder aber wie viele hier vor Ort sagen: “Web Summit? Too big for its own good!”

Die MoneyConf sei nicht der Web Summit, lautet jetzt das Mantra der Organisatoren. Dublin als ein etablierter Standort für Fintech sei ideal für diese Konferenz. Im Übrigen habe der MoneyConf-Anteil des Web Summit lediglich zehn Prozent betragen und für die verbliebenen 90 Prozent sei das RDS einfach nicht mehr tragbar gewesen. “Was die Infrastruktur anbetrifft, kann Dublin den Web Summit nicht verkraften.”, heisst es. Und dann folgte die interessante Beifügung “in seiner JETZIGEN Größe”. MoneyConf war ja aus dem eigentlichen Web Summit heraus zu einer Konferenz erwachsen, die auf eigenen Füßen steht, was sich wenn die Bedingungen denn stimmen, durchaus auch auf andere Teile wie Sport oder SaaS übertragen liesse.

Ausgliedern und Wachsen bdeutet Gesundschrumpfen. Heisst das, der Web Summit kommt zurück nach Dublin? Ich persönlich finde es interessant, dass die Organisatoren zwei Bereiche als mögliche Kandidaten für weitere Ableger nennen, die in den vergangenen zwölf Monaten bereits in Dublin mit Tech-Konferenzen abgedeckt wurden. Man könnte die Aussagen der Organisatoren wohl in zweierlei Hinsicht interpretieren – als Aufgeben (was diese Bereiche anbetrifft) und als Anerkennen, dass Konkurrenten gute Konferenzen organisieren; oder aber als Kampfansage an die Konkurrenz. Ich wage einfach mal eine Prognose – Cosgrave & Co. werden mit Teilbereichen erst mal testen und kleine Kämpfe führen, bevor man ernsthaft über die eigentliche Konkurrenz in Dublin nachdenkt, die man in der Zwischenzeit beobachten wird. Mein Plan für den 18. & 19. April 2018 beim Dublin Tech Summit sieht wie folgt aus: “Mr. Cosgrave! Rainer Kiebat, representing NETZPILOTEN from Germany. Do you have a minute?”


Image (adapted) „Day 3 of the Web Summit (Dublin 2015) 109985“ by William Murphy (CC BY-SA 2.0)


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Rainer Kiebat

Rainer Kiebat

arbeitet als freier Journalist in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach einem Rundflug über multinationale Unternehmen wie AOL und Google landete er 2013 wieder bei der “alten Liebe” Journalismus und berichtet seitdem für deutsche Medien wie die “Rheinische Post” und “Spiegel Online” aus Irland und Nordirland. Irische Medien wie die “Sunday Business Post”, der “Irish Independent”, sowie die “Sunday Times” & “The Times” (Irish Editions) gehören ebenfalls zu seinem Portfolio. Für die Netzpiloten wird Rainer von den Dubliner “Silicon Docks” - wo Google, Facebook, Twitter und zahlreiche Tech-StartUps sitzen – und aus anderen Tech-Clustern wie Cork, Galway oder Limerick berichten. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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