Check-Up Ireland: Irland forscht

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im November habe ich damit begonnen, die „Tech-Insel“ ein Jahr lang aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Mein Blick nach vorn was die Förderung von Forschung anbetrifft geht hier in gleich vier Richtungen.

114 Millionen Euro, 650 Forscher und 80 Projekte in gleich 4 neuen Forschungszentren – beeindruckende Zahlen, die gerade die Science Foundation Ireland bei der Vorstellung eben jener vier neuen Forschungszentren genannt hat. Das Geld kommt sowohl vom Staat als auch von der Industrie. Die € 114 Millionen sollen helfen, so Ministerpräsident Leo Varadkar, sich die Welt der Zukunft vorzustellen.

Der ambitionierte Plan, den der junge Politiker vorstellte, dem man eher abnimmt, dass ihn neue Ideen faszinieren, sieht vor, dass irische und internationale Forscher in Kollaboration mit Privatfirmen helfen, hochkarätige Jobs und stetes Wachstum zu generieren.

Die Forschungszentren werden Universitäten angegliedert sein und die 650 Forscher werden in den nächsten 6 Jahren an über 80 Projekten arbeiten. Was die Fördergelder anbetrifft, die über die 6 Jahre Laufzeit des ambitionierten Plans zur Verfügung stehen, so kommen diese sowohl von der Industrie (€ 40 Millionen) als auch vom Wirtschaftsministerium (€ 74 Millionen). Die SFI-Zentren repräsentieren laut Leo Varadkar ein bemerkenswertes Dreieck aus Regierung, Industrie und Höherer Bildung: „Die Zentren beweisen, was alles möglich ist, wenn es eine gemeinsame Vision über die Art von Ambition gibt, die wir realisieren können.“

    Die vier neuen Forschungszentren sind:

  • CONFIRM – UL (University of Limerick) – hat das Ziel, die irische Industrie zu transformieren. Irland soll zu einer der führenden Nationen im Bereich „Smart Manufacturing“ (inklusive Robotics) werden. Schon jetzt generiert der Sektor 110 Milliarden Euro an Exporten, aber AI & stets verbesserte IT-Lösungen sollen helfen, dass die Industrie noch „smarter“ wird und für stetes Wachstum gesorgt ist.

  • BEACON – UCD (University College Dublin) – das Bioeconomy Research Centre reagiert auf schwindende fossile Energiequellen mit der Entwicklung von alternativen Technologien, die auf biologisch-wiederverwertbaren Resourcen basieren. Hier kommen Irland die Massen von (glücklichen) Kühen zugute, deren reine, weisse „Ausscheidungen“ zu Butter verarbeitet nach Deutschland oder zu Milchpulver verarbeitet nach China exportiert werden. Was die „anderen“ Ausscheidungen und Abgase anbetrifft, die Irland zurecht Sorgen bereiten, was die Klimaziele des Landes anbetrifft, so kann jetzt damit begonnen werden, in der Herausforderung auch Chancen zu sehen.

  • I-FORM – ebenfalls UCD – wird im Industriesektor vor allem im Bereich 3D-Druck aktiv sein und Firmen mit maßgeschneiderten Komponenten unterstützen.

  • FutureNeuro – RCSI (Royal College of Surgeons Dublin) – wird sich schwerpunktmässig mit der sozio-ökonomischen Belastung durch neurologische Erkrankungen beschäftigen, mit denen in Irland 700,000 Menschen zu leben haben. Ganz abgesehen von der Last an Schmerzen, die die Erkrankungen mit sich bringen, werden die Kosten (Gesundheits- & Wirtschafts-Kosten) jährlich auf 3 Milliarden Euro beziffert.

Die vier Forschungszentren werden zudem mit zahlreichen Partnern in den Bereichen Höhere Bildung (vor allem die ITs = Institutes of Technology = Fachhochschulen) und Krankenhäuser (Beaumont Hospital, Mater Hospital, Temple Street Childrens Hospital) kollaborieren. Sie sind somit eine willkommene Erweiterung zu den bereits bestehenden, Dutzenden von Forschungszentren, die landesweit 4.200 Forscher unterstützen. Eine Investition, die laut Frances Fitzgerald, der Ministerin für Wirtschaft, Jobs und Innovation, ein höchst wichtiger Teil der langfristigen Planung der Regierung bis 2020 darstellt. „Die vier neuen Zentren werden ihren wichtigen Platz neben ihren Schwester-Institutionen einnehmen und unserem Land in Zukunft zahlreiche Jobs, enorme wirtschaftliche Vorteile und auch kaum messbare, aber dennoch wichtige soziale Vorteile bringen“, so die Ministerin.

Die 114 Millionen Euro seien gut angelegt, ergänzte am Schluss noch ihr Stellvertreter Staatsminister John Halligan. Der internationale Wettbewerb um innovative Unternehmen und um die besten Wissenschaftler werde immer härter – man müsse sich nur die jüngsten Entwicklungen in den USA anschauen, wo Trump mit der Karotte niedrigerer Steuern wedelt, und über die irische See und vor allem hoch nach Nordirland blicken, wo das Vereinigte Königreich mit dem Knüppel rumfuchtelt – BANG! BREXIT!


Image (adapted) „Microscop“ by PublicDomainPictures (CC0 Public Domain)


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Rainer Kiebat

Rainer Kiebat

arbeitet als freier Journalist in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach einem Rundflug über multinationale Unternehmen wie AOL und Google landete er 2013 wieder bei der “alten Liebe” Journalismus und berichtet seitdem für deutsche Medien wie die “Rheinische Post” und “Spiegel Online” aus Irland und Nordirland. Irische Medien wie die “Sunday Business Post”, der “Irish Independent”, sowie die “Sunday Times” & “The Times” (Irish Editions) gehören ebenfalls zu seinem Portfolio. Für die Netzpiloten wird Rainer von den Dubliner “Silicon Docks” - wo Google, Facebook, Twitter und zahlreiche Tech-StartUps sitzen – und aus anderen Tech-Clustern wie Cork, Galway oder Limerick berichten. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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