Check-up Ireland: „BT Young Scientists“ – Vom Schulprojekt zum globalen Erfolg

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden zwölf Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

BT Young Scientist 2017 Shane Curran (adapted) (Image by BT Young Scientists Exhibition)
BT Young Scientist 2017 Shane Curran (adapted) (Image by BT Young Scientists Exhibition)

Als der 16-jährige Schüler Shane Curran vom Dubliner Terenure College vor wenigen Tagen zum Gewinner der 53. BT Young Scientists & Technology Exhibition (kurz BTYSTE) ernannt wurde, mag so manch einer „Na und?!“ gerufen haben, als die Preisverleihung live im Fernsehen übertragen wurde. Ähnliche Reaktionen folgten mit Sicherheit auch auf den Sieg eines gewissen Patrick Collison im Jahre 2005. Heute leitet Patrick gemeinsam mit seinem Bruder John in Silicon Valley das von ihnen gegründete Online Payment-Unternehmen Stripe mit über 1.000 Kunden weltweit und einem geschätzten Wert von fünf Milliarden US-Dollar: „Na, und was macht ihr so?!“

Mit seinem Projekt „qCrypt“, welches sich mit dauerhaft sicherer Datenspeicherung beschäftigt, konnte Shane Curran im vierten Anlauf den großen Preis erringen, der neben jeder Menge Neidern und Prestige auch einen Scheck über 5.000 Euro mit sich bringt. Der Weg zur Bühne mag zwar kurz gewesen sein, aber der Weg zum fertigen Produkt war umso länger. Zuerst kamen sechs Monate an Forschung, denen weitere fünf Monate folgten, um die Software seines „qCrypt“-Systems fertig zu entwickeln. Shane ist nach diesem Prozess fest davon überzeugt, dass die Software so sicher ist, dass sie nicht geknackt werden kann.

BT Young Scientist 2005 Patrick Collison (adapted) (Image by BT Young Scientists Exhibition)
BT Young Scientist 2005 Patrick Collison (adapted) (Image by BT Young Scientists Exhibition)

Wie kommt man überhaupt auf die Idee für dieses Projekt? Shane hatte einen Artikel darüber gelesen, wie das Boston College gerichtlich dazu gezwungen wurde, politisch brisante Interviews mit ehemaligen IRA-Terroristen freizugeben. Hätte das College dem Druck nicht nachgeben wollen, so wären die Daten – wenn sein „qCrypt“-System genutzt worden wäre – nach seiner Überzeugung selbst vor Geheimdiensten sicher gewesen.

Wie das? Das System beruht auf dem Prinzip, dass die Originaldaten aufgebrochen werden und die einzelnen Teile auf verschiedene Jurisdiktionen umverteilt werden. Somit würde es selbst unter massivem Druck eines Gerichts unmöglich, Datensätze wieder zum Original zusammenzubauen. Zweifelsohne wird dieser Ansatz in so manchem Tech-Unternehmen, das in Irland eines oder gar mehrere Datenzentren betreibt, als auch beim irischen Data Commissioner, wo so viele europäische Fäden zusammenlaufen, für Aufsehen sorgen. Diese Verantwortlichen haben mit Sicherheit ganz andere Fragen als „Na und?!“

Förderung benachteiligter Kommunen

In diesem Jahr wurde bei der „BTYSTE“ auch eine neue Initiative vorgestellt, bei der mit finanzieller Hilfe von BT das Active Communities Network (ACN) gemeinsam mit der Rio Ferdinand Foundation (RFF) des ehemaligen Manchester-United-Stars in benachteiligten Kommunen in Irland und Nordirland Projekte für Kinder und Jugendliche unterstützt. Gefördert werden sollen unternehmerische und technische Fähigkeiten sowie Führungsqualitäten. Das ACN ist bekannt für Projekte, bei denen junge Leute mittels Sport und Kultur Wissen in Erziehung, Mentoring und Training erwerben. Die RFF vermittelt berufliche Fähigkeiten, erhöht die berufliche Vermittelbarkeit und betreibt Beschäftigungsprogramme für Kinder und Jugendliche. Das Ziel der von BT unterstützten gemeinsamen Arbeit in Irland und Nordirland ist, Karrieren junger Menschen zu fördern, die bisher enorme Benachteiligung erfahren mussten was Zugang, Chancengleichheit oder Vorbilder anbetrifft.

Natürlich musste Rio Ferdinand bei seinem Auftritt in Dublin auch Fragen zu seinen Vorbildern auf dem Fußballfeld beantworten. Die eigentlich wichtigen Vorbilder – da waren sich der Star und das junge Publikum einig – sind aber Shane Curran und ehemalige Gewinner wie Patrick Collison, der bewiesen hat, dass für junge Menschen, die an Technologie interessiert sind, nichts unmöglich ist.


Image (adapted) „street“ by RyanMcGuire (CC0 Public Domain)


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Rainer Kiebat

Rainer Kiebat

arbeitet als freier Journalist in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach einem Rundflug über multinationale Unternehmen wie AOL und Google landete er 2013 wieder bei der “alten Liebe” Journalismus und berichtet seitdem für deutsche Medien wie die “Rheinische Post” und “Spiegel Online” aus Irland und Nordirland. Irische Medien wie die “Sunday Business Post”, der “Irish Independent”, sowie die “Sunday Times” & “The Times” (Irish Editions) gehören ebenfalls zu seinem Portfolio. Für die Netzpiloten wird Rainer von den Dubliner “Silicon Docks” - wo Google, Facebook, Twitter und zahlreiche Tech-StartUps sitzen – und aus anderen Tech-Clustern wie Cork, Galway oder Limerick berichten. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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