Chatprotokoll: Videoblogger Tim Bruns von OniPepper

Am Mittwoch war Tim Bruns von OniPepper zu Gast in der Blogsprechstunde der Blogpiloten in Zusammenarbeit mit politik-digital. Mit unseren Chattern sprach er über den kulturellen Wert von Videogames, den tobenden Kampf zwischen PC und Konsolen und das beste Videogame aller Zeiten.

Moderator: Hallo und herzlich willkommen in der Blogsprechstunde, dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten. Heute ist Tim Bruns unser Gast. Er bloggt bei OniPepper.de über die bunte Welt der Videospiele. Ab 17:00 Uhr geht es los, Ihre Fragen können Sie gerne auch jetzt schon stellen. So, bei uns ist es jetzt 17:00 Uhr. Kurze Frage an unseren Gast: Können wir starten?

Tim Bruns: Ja, ich bin bereit und gespannt!

Piranha: Was ist dein persönliches Lieblingsspiel aller Zeiten?

Tim Bruns: Fangen wir also gleich mit einer schwierigen Frage an. Ich kann mich nicht auf ein Spiel festlegen. Drei Titel, die mich auf verschiedenen Ebenen sehr bewegt haben, müssen hier erwähnt werden: Ersten Silent Hill 2 – das erste Videospiel, dessen Geschichte mich so ergriffen hat, dass ich beim Abspann Tränen in den Augen hatte. Zweitens Killer 7 – das wohl verstörenste Videospiel aller Zeiten. Drittens Soulcalibur – der größte Multiplayer Spaß, den ich bislang erlebt habe.

Moderator: Das führt direkt zur nächsten Frage, die damit teilweise schon beantwortet sein könnte:

SamFisher: Welche drei Spiele (egal welcher Plattform) würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Tim Bruns: Das tut mir leid, dass ich schon vorgegriffen habe, aber ich denke auf eine einsame Insel würde ich keine Spiele mitnehmen, die nur eine Geschichte haben, die nur zu zweit richtig Spaß machen oder zu verstörend sind. Da würde ich eher zu Animal Crossing, Wii Fit und R-Type greifen.

Moderator: Unsere Chatter interessieren sich sehr für die Frage „Konsolen oder PC“:

Jimbo: Wo siehst du Vorteile und Nachteile der Konsolen? Werden sie PCs nicht immer ähnlicher?

Tim Bruns: Konsolen sind für das Wohnzimmer gemacht. Man kann sich hinlümmeln wie man will und es gibt keine anstrengenden Betriebssystem- und Treiberprobleme.Wenn man sich an die analoge Controllersteuerung gewöhnt hat – das setzt bei den meisten Leuten nach zwei Jahren ein – dann mag man die digitale Tastatursteuerung kombiniert mit der hektischen Maus nicht mehr. Hinsichtlich ihrer Leistung nähern sich die PCs eher den Konsolen an als andersherum. Beim PC muss man aus Videospielsicht vom Durchschnittssystem ausgehen und der Durchschnitt im PC-Bereich ist deutlich niedriger als die aktuelle next generation Rechenleistung (wenn wir mal die wii übersehen). Wenn ein Videospiel für mehrere Plattformen entwickelt werden soll, dann geraten die PCs genau deshalb ins Hintertreffen. Xbox 360, PS3 & CO haben jeweils eine vereinheitlichte Hardware. Der PC ist so variabel, dass sich die Entwickler mit enormen kompatibilitäts Problemen herumschlagen müssen. Nachteile bei Konsolen als Videospielplattform kann ich nicht sehen.

Moderator: Passend dazu:

Zockerseele: Das Ende des PCs wurde schon oft prophezeit – glaubst du daran?

Tim Bruns: Nein, auf keinen Fall. Erst einmal: Alle Videospiele werden auf PCs entwickelt und das würde ja auch das Ende der Videospiele einläuten. :) Der PC ist ein wunderbares Fahrzeug für independent Entwickler. Konsolenspiele zu entwickeln und zu produzieren, ist mittlerweile nur noch großen Konzernen vorbehalten. Auf dem PC hat jeder die Möglichkeit, eigene Projekte zu starten und mit Guerilla-Taktiken Aufmerksamkeit zu erringen, aber das ist nur eine Seite des PCs. Auf dem PC kann man einen Blick auf die Zukunft der Videospiele erahnen. Ich spreche hier von den Browser-basierten Spielen. Damit meine ich eigentlich nicht die einfachen php-basierten Spiele, sondern ich spreche von den vielen Flash- und Java-Spielen, die plattformübergreifend auf jedem PC und auch Mac und auch Linuxrechnern spielbar sind. Ich gehe davon aus, dass es weder einen Tod der Konsolen, noch einen PC-Tod geben wird. Es wird eine Verschmelzung geben.

Moderator: Unsere Nutzer konnten schon im Vorfeld Fragen stellen und bewerten. Diese Frage wurde am besten bewertet:

phlo: Welchen kulturellen Stellenwert haben Videospiele mittlerweile erreicht?

Tim Bruns: Videospiele generieren seit einigen Jahren einen deutlich höheren Umsatz als die Filmindustrie und Musikindustrie, aber das nur am Rande. Die Wichtigkeit und Bedeutung eines neuen Mediums kann man besonders gut an der öffentlichen Resonanz ablesen. Als die Fotografie erfunden wurde, war sie ein Werk des Teufels und alle Welt zeigte mit erhobenem Finger auf die wenigen pornografischen Werke, die natürlich sofort auftauchten. Genauso erging es dem bewegten Bild, dem Rock’n Roll und in direkter Folge der Heavy Metal Musik. Die Möglichkeit mittels VHS- Rekordern auch Filme zu Hause sehen zu können, entflammte die Gewaltdiskussion. Und so ist der Stand der Videospiele: Videospiele sind der neue Rock’n Roll.

Simply: Wie ist Deine Meinung zum Ende der Games Convention in Leipzig?

Tim Bruns: Ich bedauere das sehr, weil ich die Stadt sehr gerne mochte. Ich war zweimal als Aussteller dort und mochte alles dort – bis auf das Geschrei der hereinstürmenden, minderjährigen Besucher. Köln mag zwar ein leichter zu erreichender Standort sein, aber für Leipzig ist es ein großer Verlust.

Moderator: Drei Fragen zu Sonys Playstation 3:

God_of_War: Lohnt sich die PS3 bisher überhaupt? Sind doch noch kaum gute Spiele dafür draußen, oder?

Chapman: Wird GTA IV Kaufgrund genug für die PS3 sein?

Genja: Lohnt sich die PS3 allein wegen BlueRay schon?

Tim Bruns: Ich liebe meine PS3, weil sie leise ist und keine Turbine wie die 360. GTA IV ist sicherlich kein Kaufgrund, denn das wird mit Extra-inhalten auch auf der 360 erscheinen. Es gibt allerdings einige Perlen auf der PS3 und auch Exklusivtitel, die den Kauf rechtfertigen: Metal Gear Solid, Ratchet & Clank, Uncharted und natürlich das neue Final Fantasy. Die PS3 eignet sich hervorragend als Multimediaserver für das Wohnzimmer, sie streamt wundervoll reibungslos die Medienbibliothek des PCs ins Wohnzimmer und wer einen Full-HD-Fernseher sein Eigen nennt, der mag auch nicht mehr auf BlueRay Filme verzichten.

phlo: Was erwartet uns 2008?

Moderator: …in der Videospielwelt, soll es sicher heißen :-)

Tim Bruns: Mist, ich wollte gerade eine allumfassende Antwort schreiben. In der Welt der Videospiele erwartet uns wenig Innovation. Nintendo wird mit Wii Fit ein neues Hoch erleben und den Wohnzimmersport wieder zum Thema machen. Die Playstation 3 wird stark vorrücken durch diverse exklusiv Titel. Nvidia und Radeon werden versuchen, viel zu teure Highend Grafikkarten an Spieler zu verkaufen und GTA IV wird ruckeln.

Moderator: Kommen wir zum Blog unseres Gastes:

Kazaak: Wie kam es zu dem Blog?

Kerni: Wieso heißt ihr eigentlich OniPepper?

Tim Bruns: Oni Pepper ist eine hübsche Japanerin, die total auf Videospiele abfährt. Ihr Name ist ein Wortspiel, ein Anagramm aus Pepperoni. In Zukunft wird Oni eine deutlich größere und auch visuell ersichtliche Rolle bei uns spielen. Wir, ich mache den Blog nicht alleine, haben uns seit Jahren durch die Videospiele-Webseiten aus aller Welt gewühlt und sind dabei auf großartige Webseiten gestoßen, die wir immer noch regelmäßig abgrasen. Wir fanden es sehr bedauerlich, dass in Deutschland im Großen und Ganzen sehr verkrampft und verbissen ernsthaft mit diesem Thema umgegangen wird. Wir wollten einen Videospiele-Blog, der auch den Lifestyle transportiert. Im deutschsprachigen Raum war nichts Vergleichbares zu finden und dann schlug mein Kollege Michi_dV mit der Faust auf den Tisch und sagte „Einfach machen!“ …und jetzt machen wir einfach.

Beeblebrox: Können Game-Blogs mit „richtigen“ Online-Redaktionen wie 4players mithalten?

Tim Bruns: Keine Frage. Das übersichtliche Bloglayout ermöglicht ein komfortables Erfassen aller neuen Beiträge, ein Blog kann so leicht zu lesen sein wie die Bild-Zeitung. Keine komplizierte und unübersichtliche Portalplattform. Als Blogschreiber unterwerfen wir uns nicht dem Diktat von Geldgebern, wir sind unabhängig und erstaunlich schnell im Veröffentlichen von Neuigkeiten, also flexibler als eine Redaktion. Wir sind unabhängige Schreiber, die ihre eigene Meinung vertreten und das ohne Absprache. Wir können polarisieren und das macht das Blogformat so interessant für uns. Ein Blog lebt durch die direkte Kommunikation mit dem Leser, so kann dann schneller reagiert werden und auf das Begehren des Lesers grundsätzlich eingegangen werden.Die permanente Miteinbeziehung des Lesers führt zu dynamischen Berichten – dadurch, dass der Leser selbst gut informiert ist, muss ein Blog permanent up-to-date sein und ist einfach dadurch als Newsquelle allererste Wahl. Diese direkte Kommunikation mit dem Leser gibt einem Blog auch den Einblick, was der Zeitgeist so treibt und was die Leute interessiert und was sie lesen wollen.Ein Blog ist ein Mikrokosmos – ein soziales Gefüge – eine Kommunikationszentrale – ein Blog lebt – es wird diskutiert!

Carlos: Hallo Tim! Wie viel Zeit steckt ihr eigentlich in euren Blog?

Tim Bruns: Täglich mindestens fünf Stunden aktiv, aber auch die restlichen 19 Stunden kreisen immer um OniPepper.

Kazaak: Was plant Ihr zukünftig für Onipepper?

Tim Bruns: Für die Zukunft ist einiges geplant, vieles möchte ich noch nicht von mir geben, aber eine Anmutung schon einmal: Bessere Technik, neues Design, Forum, Videos, Reviews, abgedrehte Interviews & Events.

Moderator: Zum Abschluss die Frage, die wer weiß wie vielen tausend Spielern schlaflose Nächte bereitet:

ElSceptico: Wann kommt Duke Nukem Forever?

Tim Bruns: Laut der wichtigsten Informationsquelle für Gerüchte im Internet, dem SurferGirl, wird Duke Nukem forever noch dieses Jahr bei uns eintrudeln, aber ich halte mich da auch sehr gerne an die Aussage der Entwickler: „When it’s done.“

Moderator: So, das waren 60 Minuten Blogsprechstunde. Vielen Dank an unsere Nutzer für die vielen Fragen. Und ganz besonderen Dank an unseren Gast Tim Bruns. Das Protokoll dieses Chats können Sie in Kürze auf den Seiten von politik-digital.de und bei den Blogpiloten nachlesen. Das letzte Wort für heute hat unser Gast:

Tim Bruns: Videospieler sind die Rockstars von morgen und wir sind mit dabei!

Moderator: Das Chat-Team wünscht allen noch einen schönen Abend! Auf Wiedersehen!

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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