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	<title>Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 &#187; Netztheorie</title>
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	<description>Netzpiloten surfen oberhalb der Wolkendecke. Seit 1998 entdecken wir mit Euch, dass das Web mehr zu bieten hat als bedruckte Seiten hinter Glas.</description>
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		<title>Wir sind Facebook</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 07:21:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
	<dc:subject>The European</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Das Internet ist der Dorfplatz der Moderne – doch weil dieses neue Dorf global ist, gelangen die alten Modelle an ihre Grenzen. Es ist an der Zeit, transparent zu ermitteln, welche Regeln in der neuen Netzöffentlichkeit gelten sollen. Dürfen Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) von Internet-Giganten wie Google oder Facebook den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><big>Das Internet ist der Dorfplatz der Moderne – doch weil dieses neue Dorf global ist, gelangen die alten Modelle an ihre Grenzen. Es ist an der Zeit, transparent zu ermitteln, welche Regeln in der neuen Netzöffentlichkeit gelten sollen.</big></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/05/facebook-sascha-lobo.jpg" alt="Wir sind Facebook" title="facebook sascha lobo" width="650" height="400" class="alignleft size-full wp-image-35486" /></p>
<p>Dürfen Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) von Internet-Giganten wie Google oder Facebook den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs im Netz beeinflussen? Diese Frage verhandelte ein Expertenpanel am zweiten Tag der Berliner Bloggerkonferenz Republica unter dem Titel: <a href="http://re-publica.de/12/panel/der-digitale-dorfplatz-privat-oder-offentlich/#day03" target="_blank" class="liexternal">„Der digitale Dorfplatz: Privat oder öffentlich?“</a>.</p>
<p>Kommerzielle Plattformen könnten sich zu einem Rohrkrepierer für virtuelle Menschenrechte entwickeln, wenn Accounts willkürlich gelöscht oder geschäftspolitisch über die Zulässigkeit von Meinungsäußerungen entschieden wird. Es muss ja nicht gleich das von Sascha Lobo ins Spiel gebrachte Profilbild mit erigiertem Penis sein, der zu einem Exitus der eigenen Facebook-Präsenz führt. Nacktheit bringt bei amerikanischen Konzernen auf Knopfdruck die Hohepriester von Sittlichkeit und Moral auf den Plan. Aber genau hier muss der Meinungsstreit anfangen. Beispielsweise über die anmaßende Haltung von Infrastruktur-Anbietern, die uns den Zugang zum Internet gewähren und nach Gusto wieder nehmen können.</p>
<p><span id="more-35485"></span></p>
<p><strong>Neue Definition von Öffentlichkeit im Netz</strong></p>
<p>Man müsse im Netz zu einer neuen Definition von Öffentlichkeit gelangen, so Sascha Lobo. Dass Twitter, Facebook und Google öffentlich seien, dürfte wohl unbestritten sein. Aber sind sie auch Öffentlichkeit? Hier gebe es große Unterschiede zwischen den USA und Europa. „Es gibt in Europa das Gefühl der Öffentlichkeit auf einem Platz. Das ist historisch entstanden. Da wurde dieser alte Marktplatz irgendwie zusammengemorpht. Bei der Dorf-Metapher schwingt die Allmende mit. Das ist ja etwas, was alle benutzen können und allen gehört. Und der Marktplatz ist etwas, wo eine Öffentlichkeit stattfindet. Der Besitz ist dabei zweitrangig – ob nun staatlich oder privat. Genau so eine Definition der Öffentlichkeit brauchen wir für die digitale Welt. Wenn ich postuliere, Facebook ist Öffentlichkeit, dann ist das eine emotionale Definition“, sagt Lobo. Hier gibt es einen Grundkonflikt, zwischen dem Gespür der über 900 Millionen Facebook-Nutzer und den juristischen Tatsachen.</p>
<p>Dabei sollte man aber nicht nur auf Facebook und Google schauen, die nur rund ein Siebtel aller Visits im Internet ausmachen, erklärte der Unternehmensberater Christoph Kappes: „Wenn ich mir die weitere technische Entwicklung anschaue, sollte man nicht von Plattformen, sondern vom Social Layer insgesamt sprechen. Wir reden also von einem Anspruch gegen alle Anbieter von Diensten im Internet.“ Die kritikwürdige Zentralisierung, die derzeitig stattfindet, liege auch an den wirtschaftlichen Aufwendungen, die für Plattformen aufgebracht werden müssen. „Wenn man sich die Geschichte der Informationstechnologie anschaut, geht es immer hin und her. Auf Zentralisierung folgt Dezentralisierung und umgekehrt. Ich bin relativ sicher, dass wir in zehn Jahren eher dezentrale Strukturen haben werden“, prognostiziert Kappes. Schließlich könnten die digitalen Geschäftsmodelle mit geringen Kosten kopiert werden. Und wie „SZ“-Redakteur Dirk von Gehlen in seinem Vortrag belegte, <a href="http://soundcloud.com/gsohn/die-kriminalisierung-des" target="_blank" class="liexternal">leben wir ja im Zeitalter der unendlichen Reproduzierbarkeit von digitalen Inhalten</a>.</p>
<p>Der kluge Lawrence Lessig hat den Spruch geprägt „Code is Law“. „Genau das muss der Kern der neuen Debatte sein. Wir müssen Gesetze haben, um den Raum und die Funktion der Öffentlichkeit zu fassen. Das geht bis zum preußischen Wasserrecht, wo Öffentlichkeit an Seeufern definiert wurde. Da gibt es Tausende von Fragmenten, die gesetzlich festgelegt haben, wie diese gesellschaftliche und politische Funktion der Öffentlichkeit zu wirken hat. Und jetzt kommen wir in eine Phase, die über Code geprägt wird“, betont Lobo. Mit den alten Metaphern würde man scheitern. Das Gefühl, dass Twitter eine Öffentlichkeit repräsentiere, stimmt und stimmt doch nicht ganz. Man brauche für eine Lösung des Problems wohl Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen: von Ethik, Recht bis Technologie. Etwa eine Ethik-Kommission für virtuelle Öffentlichkeit. Man benötige einen fairen Interessenausgleich.</p>
<p><strong>Grundgesetz oder AGB?</strong></p>
<p>Ansonsten spitzt sich die Frage zu, ob nun das Grundgesetz gilt oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook. Wenn der politische Meinungsbildungsprozess auf privaten Servern stattfindet und Mark Zuckerberg nach Lust und Laune virtuelle Existenzen ein- oder ausschalten kann, dann sieht man das Konfliktpotenzial für die Netz-Gesellschaft. Hier brauchen wir neue Regeln und zwar international. Sascha Lobo brachte die UN ins Spiel. Und in der Tat geht es um ein völkerrechtliches Problem. Es geht um Weltfragen.</p>
<p>„Theoretisch können heute fünf Milliarden Menschen das Internet nutzen, wenn man den Mobilfunk einschließt. So ein gigantisches Wachstum hat es in der Menschheitsgeschichte vorher nie gegeben. Deswegen sind viele politische Akteure überfordert, weil sie zur Regelung von Weltfragen nur das System der zwischenstaatlichen Organisationen haben – etwa die Vereinten Nationen, der G8-Gipfel, die Europäische Union oder die OECD. Hier findet alles hinter verschlossenen Türen statt. Es wird von oben nach unten hinter verschlossenen Türen entschieden“, bemängelt Professor Wolfgang Kleinwächter in dem Republica-Panel <a href="http://re-publica.de/12/panel/hacking-the-map-of-internet-governance/#day03" target="_blank" class="liexternal">„Hacking the Map of Internet Governance“</a>. Man bekomme keinen Zugang zu Dokumenten, ACTA-Verhandlungen laufen unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit und Einflüsterungen von Lobbyisten bei Gesetzesinitiativen erreichen nicht das Licht der Öffentlichkeit.</p>
<p><strong>ICANN und die Kultur der Beteiligung</strong></p>
<p>Mit der geheimen Kabinettspolitik der liebwertesten Netzsperren-ACTA-Staatstrojaner-Gichtlinge kommen wir vom freiheitsfeindlichen und willkürlichen AGB-Regen in die digitale Kontrollsucht-Jauche. Gefragt ist jetzt eine kollaborative, transparente und durchlässige Entscheidungsfindung in Internet-Governance-Gremien wie ICANN. „Hier können auch kleine Unternehmen und Privatpersonen ihre Interessen vortragen. Das nächste ICANN-Meeting ist in Prag und für jeden mit kleinem Aufwand zu erreichen. Jeder kann hinfahren und ans Mikrofon treten und seine Meinung zu bestimmten Punkten äußern. Demokratie bei ICANN fängt damit an, dass jedes Meeting und jede wichtige Session gestreamt werden. Jede Sitzung wird transkribiert. Jeder kann nachlesen, was Teilnehmer wortwörtlich gesagt haben. Es gibt Diskussionsforen, bei denen man sich einklinken kann. Man wird rechtzeitig eingeladen. Es gibt Fristen, die eingehalten werden müssen“, <a href="http://soundcloud.com/gsohn/acta-und-die-geheime" target="_blank" class="liexternal">so die Erfahrung von DOTZON-Berater Dirk Krischenowksi, der regelmäßig an Konferenzen von ICANN teilnimmt</a>.</p>
<p>„Regierung, Privatsektor und Zivilgesellschaft müssen gleichberechtigt an der Gestaltung der Netzöffentlichkeit mitwirken können. Internet kann nur dann global funktionieren, wenn alle in die Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden. Nur mit geteilten Entscheidungsgewalten ist das möglich“, resümiert Kleinwächter, der an der Universität Aarhus Internet-Politik und -Regulierung lehrt. Es gibt weiteren Diskussionsbedarf. Der kann schon am 9. Mai auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare in dem Panel „Obi Wan Kenobi und das Future Internet“ gestillt werden. Moderiert von Hörfunkjournalist Heinrich Bruns und meiner Wenigkeit. Einen kleinen Vorgeschmack liefert einer der Diskussionsteilnehmer in einem <a href="http://hrbruns.de/blog/?p=2023" target="_blank" class="liexternal">Telefoninterview</a>.</p>
<hr />
<p>Mehr zu Themen des Netzes und dem digitalen Wandel gibt es auch vom European-Kolumnisten Lars Mensel in seinem aktuellen Artikel <a href="http://www.theeuropean.de/lars-mensel/10804-gerichtsurteil-zu-youtube-und-gema" target="_blank" class="liexternal">&#8220;Gema nicht zu Youtube&#8221;</a>.</p>
<hr />
<p>Quellen:</p>
<ul>
<p>Text: Der Artikel <a href="http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/10963-netzoeffentlichkeit-zwischen-zensur-willkuer-und-kontrollsucht" target="_blank" class="liexternal">&#8220;Wir sind Facebook&#8221;</a> von Gunnar Sohn ist zuerst erschienen auf <a href="http://theeuropean.de/" target="_blank" class="liexternal">www.theeuropean.de</a></p>
<p>Bild: Screenshoot <a href="https://www.facebook.com/profile.php?id=685101756" target="_blank" class="liexternal">Facebook-Profil von Sascha Lobo</a></p>
</ul>
<hr />
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		<title>Liquide Demokratie statt Mauer-Taktik: Flüssiges Wissen</title>
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		<pubDate>Tue, 01 May 2012 07:08:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
	<dc:subject>The European</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Liquide Demokratie ist unglaublich anstrengend – aber sie lohnt sich, denn im Schwarm gibt es wertvolles Expertenwissen. Wie groß der Widerstand gegen diese Art der Entscheidungsfindung ist, sieht man beim Blick auf die Transparenz-Debatte. „Zeit“-Autorin Susanne Gaschke sieht die Piraten als ideologische Partei. Wer auf elektronisch verbundene Schwarmintelligenz setzt, zerstöre die repräsentative Demokratie. Liquide Demokratie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><big>Liquide Demokratie ist unglaublich anstrengend – aber sie lohnt sich, denn im Schwarm gibt es wertvolles Expertenwissen. Wie groß der Widerstand gegen diese Art der Entscheidungsfindung ist, sieht man beim Blick auf die Transparenz-Debatte.</big></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/05/water-drops.jpg" alt="water drops" title="water drops" width="650" height="319" class="alignleft size-full wp-image-35221" /></p>
<p>„Zeit“-Autorin Susanne Gaschke sieht die Piraten als ideologische Partei. Wer auf elektronisch verbundene Schwarmintelligenz setzt, zerstöre die repräsentative Demokratie. Liquide Demokratie ist für sie ein Albtraum. Man brauche doch auch Antworten und die beruhen auf Interessen, Werten, Konflikten und Lebensstilen. Deshalb sei es Aufgabe professioneller Politik, zwischen all diesen erträglichen Kompromissen zu vermitteln. „Die richtige Welt ist ein unordentlicher Ort und mit technikfixiertem Objektivismus nicht in den Griff zu kriegen.“</p>
<p><span id="more-35220"></span></p>
<p><strong>Hinterzimmer wichtiger als Weisheit der vielen</strong></p>
<p>Also wie gehabt auf Hinterzimmer, Gremien und Kungeleien setzen und auf Polit-Profis, die mit 14 politisch aktiv werden, später in der Regel Jura studieren und ihre berufliche Karriere als Parlamentsabgeordnete starten. So bekommt man Berufs- und Lebensweisheit, was interessiert da die Weisheit der vielen im Netz. In diesem Zusammenhang wird auch gerne auf die Legende vom Massenselbstmord der Lemminge verwiesen, um die Blödheit des digitalen Mobs zu untermauern: Lemminge sollen angeblich eine höchst ungewöhnliche Methode zur Bevölkerungskontrolle praktizieren. Sobald sie feststellen, dass sie sich zu stark vermehrt haben, treffen sie die drastische Entscheidung, sich zu einer Horde zusammenzurotten und kollektiv von der nächsten Klippe zu springen. Das Ganze ist natürlich reiner Blödsinn. Kommt in der Natur nicht vor. Ähnlich fragwürdig wird die „Weisheit der vielen“ definiert. Es geht nicht um die Klugheit der Masse.</p>
<p>Mit den Möglichkeiten der Vernetzung im Web erhöht sich allerdings die Wahrscheinlichkeit enorm, auf kluge und weise Menschen zu stoßen, die einen hilfreichen Beitrag zu einem Thema leisten können. Es reduziert die Möglichkeiten der Meinungsdiktatoren in Wirtschaft, Politik und Medien, Wissen zu horten und über monopolisiertes Wissen Macht auszuüben. Das Ganze ist unglaublich anstrengend. Wer sich gegen die vielen Stimmen im Netz durchsetzen will, muss sehr gute Argumente haben und ein wahrer Überzeugungskünstler sein beim Bohren dicker Bretter, wie es Max Weber formuliert hat. Bedenkenträger sind aber unverzichtbar, um Innovationen und neue Ideen durchzusetzen, <a href="http://soundcloud.com/gsohn/die-nackten-kuscheltier" target="_blank" class="liexternal">so der Organisationswissenschaftler Gerhard Wohland</a>.</p>
<p>Liquide Demokratie ist anstrengend. Genauso anstrengend wie Transparenz, um politische Entscheidungen aus den Hinterzimmern herauszuholen. Für Susanne Gaschke ist diese Transparenzforderung „ein totalitärer Anspruch an Politik“. <a href="http://www.service-insiders.de/artikel-maschinen-und-anlagenbau/show/1347/Ueber-die-Verunglimpfung-der-Netzoeffentlichkeit-Das-Shitstorm-Anonymitaets-Klagelied-des-Establishments" target="_blank" class="liexternal">Da fehlt in der Argumentationskette eigentlich nur noch das Shitstorm-Anonymitäts-Klagelied</a>.</p>
<p>Liebe Frau Gaschke, in Deutschland sind wir in der politischen Sphäre von Transparenz so weit entfernt wie der Papst von der Abschaffung des Zölibats.</p>
<p><strong>Die Kunst des Abwimmelns</strong></p>
<p>So wurde uns mit großem Getöse versprochen, dass jeder Bürger mit dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) einen voraussetzungslosen Rechtsanspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden bekommt: „Eine Begründung durch Interesse rechtlicher, wirtschaftlicher oder sonstiger Art ist nicht erforderlich.“ Hört sich toll an. Hurra, die liebenswertesten Gichtlinge des Bundes gewähren Transparenz. Sechs Jahre nach dem Inkrafttreten des IFG spricht die Bilanz eine andere Sprache. Bei Anfragen von Journalisten und Bürgern überbieten sich die Behörden in der Kunst des Abwimmelns. Die Gummiparagrafen des IFG machen es möglich. Der Exekutive wird es leicht gemacht, unliebsam Fragende in die Schranken zu weisen. Ein stattlicher Anteil der insgesamt 13 Paragrafen regelt, wie man den Bürger wieder los wird: Etwa Paragraf 3: Schutz von besonderen öffentlichen Belangen, Paragraf 4: Schutz des behördlichen Entscheidungsprozesses, Paragraf 5: Schutz personenbezogener Daten oder Paragraf 6: Schutz des geistigen Eigentums und von Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen.</p>
<p>Sehen sich die Behörden mit besonders hartnäckigen Fällen konfrontiert, die sich nicht abblocken lassen und auf ihrem Recht auf Informationsfreiheit bestehen, greifen die liebwertesten Beamten-Gichtlinge zur Allzweckwaffe: Paragraf 10: Gebühren und Auslagen. Wie hoch diese tatsächlich sein können, liegt im Ermessen der Behörde und variiert je nach Hartnäckigkeitsgrad. Also für Bürgeranfragen schwer kalkulierbar. Die Abschreckung wirkt erstaunlich gut. Wer nicht über entsprechende Budgets verfügt, zieht die Anfrage lieber zurück. Eine bürgernahe Verwaltung sieht anders aus. Ein Auftrag zum Ändern.</p>
<hr />
<p>Mehr zu Themen des Netzes und dem digitalen Wandel gibt es auch vom European-Kolumnisten Lars Mensel in seinem aktuellsten Artikel <a href="http://www.theeuropean.de/lars-mensel/10804-gerichtsurteil-zu-youtube-und-gema" target="_blank" class="liexternal">&#8220;Gema nicht zu Youtube&#8221;</a>.</p>
<hr />
<p>Quellen:</p>
<ul>
<p>Text: Der Artikel <a href="http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/10884-liquide-demokratie-statt-mauer-taktik" target="_blank" class="liexternal">&#8220;Liquide Demokratie statt Mauer-Taktik: Flüssiges Wissen&#8221;</a> von Gunnar Sohn ist zuerst erschienen auf <a href="http://theeuropean.de/" target="_blank" class="liexternal">www.theeuropean.de</a></p>
<p>Bild: Image by <a href="http://www.flickr.com/photos/akorchev/6728180939/" target="_blank" class="liexternal">Atanas Korchev</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en" target="_blank" class="liexternal">Some rights reserved</a>)</p>
</ul>
<hr />
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		</item>
		<item>
		<title>Studie von Google-Ergebnissen: SEO durch die Augen der Nutzer</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/17/studie-von-google-ergebnissen-seo-durch-die-augen-der-nutzer/</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 10:11:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Rohles</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Suchmaschinenoptimierung, tägliches Brot und mit Vorurteilen gespicktes Hassobjekt, spielt täglich in unserem Netzleben eine große Rolle. Hendrik Terbeck hat nun unter dem Titel „Der Einfluss sozialer Empfehlungen auf das Selektionsverhalten in Suchmaschinen“ eine Bachelorarbeit vorgelegt, die mittels Blickaufzeichnung und problemzentrierter Nutzerbefragung Antworten auf brennende SEO-Fragen geben möchte. Suche: keine Muster mehr, sondern heterogene Strategien Zunächst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/droids-are-google.jpg" alt="The droids we’re googling for" title="The droids we’re googling for" width="650" height="427" border="1" class="alignleft size-full wp-image-34632" />Suchmaschinenoptimierung, tägliches Brot und mit Vorurteilen gespicktes Hassobjekt, spielt täglich in unserem Netzleben eine große Rolle. Hendrik Terbeck hat nun unter dem Titel „<a href="http://hendrik-terbeck.de/bachelorarbeit/" target="_blank" class="liexternal"><strong>Der Einfluss sozialer Empfehlungen auf das Selektionsverhalten in Suchmaschinen</strong></a>“ eine Bachelorarbeit vorgelegt, die mittels Blickaufzeichnung und problemzentrierter Nutzerbefragung Antworten auf brennende SEO-Fragen geben möchte.</p>
<p><strong>Suche: keine Muster mehr, sondern heterogene Strategien</strong></p>
<p>Zunächst einmal widmet er sich bekannten und oft gestellten Fragen: Wonach selektieren Nutzerinnen Inhalte bei der Suche? Welche Elemente animieren sie zum Klick? Gibt es Muster in der Ergebnisselektion?</p>
<p>Wenig Bedeutung kommt der Studie zufolge älteren Modellen wie dem <a href="http://www.useit.com/alertbox/reading_pattern.html" target="_blank" class="liexternal">F-Muster</a> oder dem <a href="http://eyetools.com/research_google_eyetracking_heatmap.html" target="_blank" class="liexternal">goldenen Dreieck</a> zu, da Suchende angesichts der immer vielfältiger werdenden Ergebnisdarstellungen heterogene Strategien wählen – wenn Suchmaschinen von reinen Textlinks zur Darstellung von Bildern, Anzeigen, lokalen Ergebnisse, sozialen Empfehlungen und vielem mehr übergehen, haben alte Selektionsmuster wenig Bestand. Wichtig sind vielmehr neben der Position der Ergebnisse (Hypothese 5, wenngleich nicht uneingeschränkt, wie in den Hypothesen 12 bis 14 gezeigt wird) die Bekanntheit der Marke (Hypothese 6) und besonders Titel (Hypothese 4) und URL (Hypothese 7) – ein Grund mehr für ein flexibles Content-Management-System wie etwa <a href="http://wordpress.org/" target="_blank" class="liwp">WordPress</a>, das die freie Anpassung dieser Elemente erlaubt.</p>
<p>Bis zu diesem Punkt ist die Studie ein interessante Beleg für bereits bekannte oder stark vermutete Erkenntnisse. Richtig spannend werden jedoch die folgenden Fragen zu den sozialen Empfehlungen.</p>
<p><span id="more-34631"></span></p>
<p><strong>Soziale Empfehlungen: noch wenig bekannt, aber effektiv</strong></p>
<p>Die Rolle sozialer Empfehlungen bei der Suche ist noch immer ein brandaktuelles Thema – Google hat das Feature noch immer nicht offiziell auf Deutschland ausgerollt (wenngleich man es trotzdem aktivieren kann).</p>
<p>Zunächst einmal bestätigen die Daten, dass Links mit sozialen Empfehlungen mehr Aufmerksamkeit bekommen als andere Links – wenig überraschend finde ich, erhalten sie doch ein zusätzliches visuelles Element, das aus der Textfülle heraussticht. Ein wenig erhöht sich zudem die Klickrate – allerdings nicht signifikant, wobei der Hendrik Terbeck hier anmerkt, dass die Nutzerinnen keine realen Freunde gesehen haben, so dass die Klickrate im „echten Leben“ höher sein dürfte (63).</p>
<p>Sehr spannend ist die Frage, ob Facebooks Gefällt-Mir-Button dank seines Daumen-Piktogramms einen Vorteil gegenüber der typografischen Darstellung von Google hat. Tatsächlich scheint der Daumen hier einen Vorteil zu haben – jedoch sind die Ergebnisse vorsichtig zu werten, da Google+ zum Zeitpunkt der Studie noch in der geschlossenen Beta-Phase und wesentlich weniger bekannt war.</p>
<p>Soziale Elemente in der Suche sind dabei keineswegs unumstritten. Die Nutzer werten soziale Empfehlungen als eher mittelmäßig hilfreich für die Entscheidungsfindung und machen dies insbesondere von der konkreten Frage abhängig – bei einem Roman vertrauen sie Empfehlungen eher als bei Entscheidungen mit größerer Tragweite.</p>
<p>Große Unterschiede gibt es in der Bewertung der Datenschutzbedenken – hier zeigen sich einmal mehr die unterschiedlichen Meinungen, die ich damals bei meinem kurzen <a href="http://jorni.de/2011/11/02/medianetz-2011-social-media-%e2%80%93-herausforderung-und-chance-fur-pr/" target="_blank" class="liexternal">Bericht zur Social-Media-Diskussion bei Medianetz</a> erwähnt hatte.</p>
<p><strong>Werbung: Transaktionen retten Werbebudgets</strong></p>
<p>Wenig Grund zur Freude machen die Erkenntnisse zur Werbung: Die Anzeigen rechts werden selten fixiert und kaum geklickt – wobei dies „weniger der Banner Blindness als grundsätzlich der Positionierung abseits der organischen und gesponserten Top-Treffer geschuldet“ (77) sei. Gerettet werden die Werbebudgets durch die Erkenntnis, dass transaktionsorientierte Suchen wesentlich höhere Werbeklickraten aufweisen (Hypothese 17).</p>
<p>42 % der Teilnehmer wussten übrigens gar nicht, dass Google Werbung nur an bestimmten Stellen anzeigt – hier zeigt sich ein sehr lückenhaftes Wissen über die Suchmaschine, wie es mir schon in der <a href="http://jorni.de/2012/03/05/leistungsschutzrecht/" target="_blank" class="liexternal">Diskussion um das Leistungsschutzrecht</a> aufgefallen ist.</p>
<p>Nicht ganz klar geworden ist mir, ob die Studie geeignet ist herauszufinden, ob die Teilnehmer überhaupt Werbung erkennen. Denn obwohl Hendrik Terbeck schreibt, dass nur „etwas mehr als die Hälfte der Testpersonen weiß, dass Werbeanzeigen auf der Suchergebnisseite angezeigt werden“ (79), fragt er im Interview, ob sie auf Werbung geklickt haben und wo Google Werbung anzeige (Anhang C). Dabei fehlt mir eine Frage wie „Haben Sie Werbung auf den Ergebnisseiten gesehen?“, die erst einmal ganz offen evaluiert, ob die Probanden überhaupt Werbung wahrgenommen haben.</p>
<p><strong>Methodik: sauber, aktuell – und schade</strong></p>
<p>Spannend ist auch der kurze Abriss zum Stand der Forschung, und das methodische Vorgehen ist sauber. Eine Entscheidung finde ich schade: der Autor hat sich entschlossen, „keine geschlechterspezifische Auswertung“ (35) vorzunehmen. Damit entgeht ihm meiner Ansicht nach eine große Chance, zumal er ja selbst erwähnt, dass „sich zwischen Männern und Frauen ein abweichendes Evaluations- und Entscheidungsverhalten im Suchprozess festmachen lässt (vgl. MAGHFERAT &#038; STOCK 2010)“ (35). Wie spannend wäre es gewesen herauszufinden, ob Frauen sozialen Empfehlungen mehr oder weniger Beachtung schenken als Männer… Ich kann verstehen, dass geschlechterspezifische Unterschiede nicht die Fragestellung sind und sich die Gruppen nur in einem Faktor unterscheiden sollen. Wenn die Daten jedoch sowieso erfasst werden, hätte eine kurze Auswertung einen spannenden Ausblick geben können.</p>
<p>Wenn ihr euch für wissenschaftliche Studien von Suchmaschinen begeistern könnt, solltet ihr euch die Arbeit unbedingt anschauen – wichtige Daten für das nächste Kundengespräch sind garantiert. Was haltet ihr von der Studie? Helfen euch solche Studien bei eurer täglichen Arbeit?</p>
<hr />
<p>Quellen:</p>
<ul>
<li>Text: Dieser Post von Björn Rohles ist zu erst erschienen auf <a href="http://jorni.de/2012/04/17/eyetracking-seo-studie/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+jorni+%28jorni.de%29" target="_blank" class="liexternal">www.jorni.de</a> und steht unter der <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" class="liexternal">Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</li>
<li>Bildnachweis: <a href="http://www.flickr.com/photos/st3f4n/3951143570/" target="_blank" class="liexternal">„The droids we’re googling for“</a> von StÃ©fan, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de" target="_blank" class="liexternal">CC BY NC SA</a></li>
</ul>
<hr />
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		</item>
		<item>
		<title>Kommentar zu den 100 Köpfen</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/08/kommentar-zu-den-100-kopfen/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 11:24:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Hier mal noch ein gesonderter Linktipp zum Blog von Bruno Kramm. Herr Kramm hat sich tatsächlich mal die Mühe gemacht, jedem &#8220;Urheber&#8221; der 100 Köpfe aus der Handelsblatt-Depesche zu antworten. Außerdem gibt er einen Einblick in die Vorgeschichte dieser Kampagne. &#8220;Bevor man sich im Detail mit der propagandistischen Großinquisition des Handelsblattes „Kreative hört die Signale“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier mal noch ein gesonderter Linktipp zum Blog von Bruno Kramm. Herr Kramm hat sich tatsächlich mal die Mühe gemacht, jedem <em>&#8220;Urheber&#8221;</em> der 100 Köpfe aus der Handelsblatt-Depesche zu antworten. Außerdem gibt er einen Einblick in die Vorgeschichte dieser Kampagne.</p>
<hr />
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/Kommentar-zu-den-100-Köpfen.gif" alt="Kommentar zu den 100 Köpfen" title="Kommentar zu den 100 Köpfen" width="650" height="241" class="alignleft size-full wp-image-34348" /></p>
<p><em>&#8220;Bevor man sich im Detail mit der propagandistischen Großinquisition des Handelsblattes „Kreative hört die Signale“ und „Mein Kopf gehört mir“ auseinander setzen kann, muss man die Vorgeschichte beleuchten, aus welcher die Initiative zu dieser und noch vielen folgenden Beiträgen hervorging und die Fehlinformationen bewusst in Kauf nehmend, einsetzt.&#8221;</em></p>
<p><span id="more-34347"></span></p>
<p>Weiterlesen auf <a href="http://brunokramm.wordpress.com/2012/04/07/kommentar-zu-den-100-kopfen/" target="_blank" class="liexternal">brunokramm.wordpress.com.</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mein Betonkopf gehört mir&#8230;</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/05/mein-betonkopf-gehort-mir/</link>
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		<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 11:18:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[#Umsonstkultur #Piraten #Verlegerinteressen #Lobby Da haben sich die Verleger aber eine hübsche Kampagne ausgedacht, die jetzt in Etappen über die klassischen Massenmedien ausgegossen wird. Nach der Wutrede von Sveni Regner und dem offenen Brief der GEZ-beseelten Tatort-Autoren werden nun im Handelsblatt 100 “kreative” Schriftsteller, Sänger, Künstler, Werber, Softwareentwickler und Unternehmer in Szene gesetzt, um gegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>#Umsonstkultur #Piraten #Verlegerinteressen #Lobby</h2>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/betonkopf-004.jpg" alt="Mein Kopf gehört mir..." title="Mein Kopf gehört mir..." width="650" height="435" class="alignleft size-full wp-image-34259" /></p>
</p>
<p>Da haben sich die Verleger aber eine hübsche Kampagne ausgedacht, die jetzt in Etappen über die klassischen Massenmedien ausgegossen wird. Nach der Wutrede von Sveni Regner und dem offenen Brief der GEZ-beseelten Tatort-Autoren werden nun im Handelsblatt 100 “kreative” Schriftsteller, Sänger, Künstler, Werber, Softwareentwickler und Unternehmer in Szene gesetzt, um gegen die “Umsonstkultur” im Internet und deren politischen Protagonisten, die Piraten, zu protestieren. Das ist wohl ein bislang einmaliger Vorgang in der Untergangsgeschichte des medialen Establishments, dass sich Meinungsbildner nicht nur vor den Karren von Lobbyinteressen spannen lassen, sondern expliziert gegen eine politische Partei lamentieren, die in Deutschland noch nirgendwo in der politischen Verantwortung steht. Peinlich auch der verkrampfte 68er-Habitus der Handelsblatt-Titelseite: “Mein Kopf gehört mir!”</p>
<p><span id="more-34258"></span></p>
<p>Der Aufmacher auf der Innenseite wird dann noch mit der Überschrift “Kreative, hört die Signale” versehen. Fehlt eigentlich nur noch ein Gruppenfoto der 100 Kreativköpfe mit Che Guevara-T-Shirts. Da gibt es ja schon legendäre Vorbilder wie den automobilen Top-Manager mitbekommen, der vor einem Plakat des Revolutionskämpfer in Las Vegas hintergründige Analysen über den Kommunismus vorgetragen hat. Ein wahrer Car Sharing-Revolutionär, der sich als „Chief Guerilla Officer“ profilierte. Ähnlich subtil ist die Analogie zum Bekenntnis von Frauen vor gut 40 Jahren: „Mein Bauch gehört mir… “. Nur damals gehörte Mut dazu, sich in der Abtreibungsdebatte zum Selbstbestimmungsrecht der Frauen zu bekennen.</p>
<p>
<ul><em>“Wir haben abgetrieben!”, titelt der stern am 6. Juni 1971. Und schreibt unter das Selbstbekenntnis von 374 Frauen: “Dies ist kein Aufstand gegen das Recht, sondern ein Protest gegen die Verlogenheit eines Paragrafen, an den selbst Richter nicht mehr glauben. Klagt uns an, sperrt uns ein, wenn ihr den Mut dazu habt.”</em></ul>
</p>
<p>Im Unterschied dazu sind die Kalendersprüche der 100 Betonköpfe, die substanzlose Sätzchen zum Schutz des geistigen Eigentums loslassen, eine lauwarme Brühe. Selbst Google-Justiziar von Google-Nordeuropa hat sich in die Ahnengalerie aufnehmen lassen. Er hätte vielleicht vorher mal recherchieren sollen, um was es bei dieser Kampagne geht und in welcher Gesellschaft er sich befindet. Etwa mit so fortschrittlichen Geistern wie Thomas Middelhoff, der ja bei der Sanierung von Karstadt unglaublich erfolgreich bewährt hat.</p>
<p>Oder der Einschaltquoten-Erfinder Helmut Thoma. Oder der honorige Bert Rürup, Vorstand der MaschmeyerRürup AG. Oder Utz Claassen, Ex-Chef von EnBW, der sich mit Sicherheit Sorgen um Verwertungsrechte machen muss bei den spärlichen Abfindungen, die er kassiert hat. Maria Furtwängler darf nicht fehlen – Stichwort Burda. Bernd Buchholz, Vorstandschef von Gruner + Jahr. Jette Joop, die wahrscheinlich kein Oktoberfest mehr auslassen wird, um ihren Unwillen gegen Netzanarchie zu proklamieren.</p>
<p>Springer-Mann Christoph Keese, der sicher mit stolz geschwellter Brust die Kampagne begleitet. Pater Anselm Grün als digitale Avantgarde. SAP-Chefe Jim Hagemann-Snabe, der Erfahrung mitbringt bei der Vergabe von Lizenzen – da können einige Mittelständler ein kostspieliges Lied singen. Froschkönig Philipp Rösler, der noch als Vizekanzler unterzeichnet. CSU-Starker-Staat-Staastrojaner-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich – warum ist der eigentlich ein Kreativkopf?</p>
<p>In den 100 Sinnsprüchen findet man kaum eine Silbe über das Leistungsschutzrecht und die Interessen der Verleger. Das ist billige Propaganda: Umsonstkultur = Piraten. Auf diese Formel scheinen sich die Lobbyisten eingependelt zu haben. Hier wird in den Rückzugsgefechten der Gestern-Manager eine Leimspur gelegt. Niemand macht sich die Mühe, über die überkommenen Geschäftsmodelle des analogen Industriekapitalismus nachzudenken.</p>
<p><a href="http://ichsagmal.com/2010/11/10/warum-frankenstein-kein-bestseller-wurde-und-die-printjunger-ins-abseits-marschieren/" target="_blank" class="liexternal">Setzt Euch mit wirklich kreativen Köpfen wie Chris Anderson</a> zusammen und lasst die fordistischen Gerontologen links liegen. Mit den 100 Betonköpfen ist kein Staat mehr zu machen.</p>
<hr />
Dieser Artikel von Gunnar Sohn ist zuerst erschienen auf seinem Blog <a href="http://ichsagmal.com/2012/04/05/mein-betonkopf-gehort-mir-umsonstkultur-piraten-verlegerinteressen-lobby/" target="_blank" class="liexternal">&#8220;ichsagmal.com&#8221;</a>.</p>
<hr />
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		</item>
		<item>
		<title>Die letzten 2,5 Jahre&#8230;</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/03/30/die-letzten-25-jahre/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 07:15:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Hier müsste eigentlich der Wochenrückblick stehen. Ob Google eine gute Strategie fährt mit seiner Neuausrichtung, ob sich die Sonstigen (früher bekannt unter dem Namen FDP) einen Gefallen getan haben mit dem Bashing der Piratenwähler, ob am Ende Facebook bald eine valide Alternative mit Good Privacy erhalten wird, sowas würde hier eigentlich stehen&#8230; Über all dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/03/Jahre-im-Web.jpg" alt="" title="Jahre im Web" width="650" height="205" class="alignleft size-full wp-image-33999" />
</p>
<p>Hier müsste eigentlich der Wochenrückblick stehen. Ob Google eine gute Strategie fährt mit seiner Neuausrichtung, ob sich die Sonstigen (früher bekannt unter dem Namen FDP) einen Gefallen getan haben mit dem Bashing der Piratenwähler, ob am Ende Facebook bald eine valide Alternative mit Good Privacy erhalten wird, sowas würde hier eigentlich stehen&#8230;</p>
<p>Über all dieses und noch viel mehr hätte ich gern weiter geschrieben. Aber heute ist mein letzter Tag als Redaktionsleiter bei netzpiloten.de (früher blogpiloten.de) und ich schaue wehmütig auf die letzten 30 Monate zurück. Es gibt Tage, da gehen mir die Nabelschauen der Internetexperten und ihrer Vasallen gehörig auf den Geist. Es gibt Tage, da erreicht die Relevanz des Internet für mich kaum die Höhe eines Flohsprungs. Aber im Grunde bin ich noch immer beeindruckt von der Wucht, die vom Web ausstrahlt.</p>
<p>In anderen Ländern, da ist aus dem Internet eine Medienmasse geworden. Ganze Volksgruppen oder gar Völker betrachten sich selbst in den 1000 Spiegeln, die die Unzahl an Webseiten darstellt. Ich habe das Netz vor einem Jahr bei telepolis als <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/34/34191/1.html" target="_blank" class="liexternal">Massenvergewisserungswaffe</a> bezeichnet. In vielen Ländern, deren Kultur auf arachischen Stammesstrukturen basiert, entdecken die Frauen das Web als Mittel der Befreiung&#8230;</p>
<p><span id="more-33955"></span></p>
<p>In vielen Ländern, die keine freie Presse haben, übernehmen Blogger und Bloggerinnen oft unter Lebensgefahr diese Aufgabe. Kein Wunder, dass etablierte Journalisten und Verlage so eine Entwicklung mit Skepsis betrachten. Vor allem auch deshalb, weil man binnen kürzester Zeit im Web zum Millionär oder gar Milliardär werden kann. Das liegt aber nicht primär am Internet oder dem Web selbst sondern an all den Milliarden Dollar, die täglich um die Welt geistern, um ein valides Investment zu finden. Verlage und Zeitungshäuser haben offenbar nicht mehr den Charme, um diese Summen an Zukunftswetten anzuziehen. </p>
<p>Man könnte meinen, der Finanzmarkt hat über deren Aussichten den Mantel des Schweigens ausgebreitet. Und doch verdienen nicht wenige Verlage trotz vieler Unkenrufe Millionen im Web. Das Jammern ist der Morgengruß des Kaufmanns. So verwundert es nicht, dass die Kaufleute aus diesem Umfeld solange gejammert haben, bis sie ein neues Leistungsschutzrecht bekommen, die Industrie ihr weltweites ACTA-Armageddon aufziehen kann und Politiker vor neuen Strukturen zittern, die mit den Piraten aufkommen. Denn Geld und Macht werden neu verteilt.</p>
<p>Warum ich aufhöre, wollt ihr wissen? Aus demselben Grund. Es gibt aktuell zuwenig Geld für uns. Wir haben alle gekämpft, dass diese Plattform, die seit 1998 täglich Neues aus dem Netz zeigt und selbst vorstellt, in dieser Form weiter lebt. Aber für die nächsten Monate müssen wir ein bißchen kleinere Brötchen backen. Ich werde zwar hier noch schreiben, aber eine Redaktion wie jetzt können wir uns nicht mehr leisten. Aber wir kommen wieder, wenn wir mehr Geld in der Kriegskasse haben. Und dann wird wieder in die Tasten gehauen&#8230;</p>
<p>Frohe Ostern</p>
<p>Bis bald</p>
<p>Euer</p>
<p>Jörg Wittkewitz</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Rezension: Too Big to know von D. Weinberger</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/03/30/rezension-too-big-to-know/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 07:00:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Harvard-Forscher David Weinberger legt ein profundes Buch vor über die digitale Republik der Buchstaben und die Auswirkungen auf unseren Umgang mit Wissen. Wir brauchen mehr Fähigkeiten im Jiu-Jitsu, wenn es um die Informationsflut im Web geht. Denn laut Dr. Weinberger lehrt uns die asiatische Kampfkunst, in die permanenten Handkantenschläge der Millionen Informationen einzutauchen, um aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="Buchtitel: David Weinbergers neues Buch" src="http://www.toobigtoknow.com/images/cover-small.png" title="Buchtitel: David Weinbergers neues Buch" class="left" width="150" height="227" />
</p>
<p>Harvard-Forscher David Weinberger legt ein profundes Buch vor über die digitale Republik der Buchstaben und die Auswirkungen auf unseren Umgang mit Wissen.</p>
<p>Wir brauchen mehr Fähigkeiten im Jiu-Jitsu, wenn es um die Informationsflut im Web geht. Denn laut Dr. Weinberger lehrt uns die asiatische Kampfkunst, in die permanenten Handkantenschläge der Millionen Informationen einzutauchen, um aus dem Datenstrom den eigenen Schwung zu entwickeln. Konsequent breitet er auf rund zweihundert Seiten seine Theorie aus, laut der wir zukünftig eine angstlose und offene Hinwendung zum Internet brauchen. Denn nur dort lauert all das Wissen, was wir für die Lösung unserer Probleme brauchen.</p>
<p>Bisher war für die meisten von uns das Wissen eine Art Stoppschild für unser Hirn. Erst wenn Fragen beantwortet wurden, kam unser Geist zur Ruhe. Damit soll es nun vorbei sein. Denn genau genommen war diese Art, Wissen zu nutzen schon vor dem Web zum Scheitern verurteilt. Wissen war immer begrenzt durch Regalplatz, eine strenge Auswahl an Mitgliedern eines Fachbereichs in einer Universität und nicht zuletzt durch die Bildung, also die akademischen Meriten. Hier geht der freundlich Harvard-Experte leider gar nicht auf die begrenzten mentalen Fähigkeiten einiger Zeitgenossen ein. Aus seiner Sicht sind alle potentiell schlau&#8230;</p>
<p><span id="more-33923"></span></p>
<p>Weinberger ist sich der Tatsache bewusst, dass es eine umfassende Diskussion darüber gibt, ob das Gehirn nicht Schaden nimmt angesichts der permanent heranflutenden Informationen auf allen Kanälen. Das eigentliche Problem liegt jedoch aus seiner Sicht woanders. Früher glaubten wir, das Wissen wäre ein Spiegel der Welt, sozusagen ein Einblick in den Bauplan Gottes. Seit der modernen Wissenschaftstheorie ist uns jedoch klar geworden, dass Wissen eingebettet ist in Machtverhältnisse, historische Denktraditionen und ganze Weltbilder. Wer einer Einsicht widerspricht, der tut das meist aus einem fremden Kontext. Genau darüber müssen wir reden &#8211; auch und vor allem über die Grenzen der akademischen Fachbereiche hinweg. Der zugeknöpfte Elfenbeinturm der Wissenschaften täte gut daran, sich für externe Ideen zu öffnen. Dazu braucht man aber eine niedrigschwellige und demokratische Plattform, um die Umstände und Hintergründe von Erkenntnissen besser einschätzen zu können. Und diese Funktionen bietet das weltweite Netz. Es ist zwar fern davon, perfekt angepasst zu sein an unseren Wissensdurst, aber es ist ein Rahmen, der mehr Austausch ermöglicht, als teure Wissenschaftspublikationen oder dicke Bücher, die im stillen Kämmerlein entstanden sind. </p>
<p><strong>Ist Wissen menschlicher geworden?</strong></p>
<p>Das vernetzte Wissen ist weniger gesichert, aber dafür ist es menschlicher und damit zugänglicher. Dieser Wertewandel schlägt sich nieder in einem neuen Kriterium für die Qualität von Wissen. Wo man früher von etwas sprach, dass gewusst werden muss, sollte man nun davon reden, was es wert ist, mit anderen geteilt zu werden. Aus der Stopfunktion des Wissens, bei der die Denktätigkeit zum Ende kommt, ist nun ein Anknüpfungspunkt geworden. Im Netz wird mit anderen diskutiert, Dinge werden hinterfragt und neue Fakten gesucht. Wir sollten dazu unsere Strategie ändern, wie wir mit Wissen umgehen. Wissen durch Reduktion wird ersetzt durch Wissen, das integriert wird in breitere Kontexte. </p>
<p>Der Siegeszug der modernen Wissenschaften begann laut Weinberger vor allem rund um Sozialpolitik. Das Elend der Arbeiter in der industrialisierten Gesellschaft wurde faktenbasiert begründet. Zur gleichen Zeit begann der Siegeszug des Wissens, dass Menschen dienlich ist und nicht bloß spekulativ dem geheimen Bauplan eines Schöpfers auf die Schliche kommen will. Dann jedoch übernahmen die Fakten zunehmend das Steuer. Wir dümpeln seither in einem Zustand, der permanenten Überversorgung mit Daten aller Art. Das beste Mittel gegen dieses Überangebot sieht der Senior Researcher am Harvard Berkman Center for Internet &#038; Society in den Filtern, die uns Netzwerke aus Menschen zur Verfügung stellen. Denn die Menschen filtern nicht das überflüssige aus, sondern leiten das Wesentliche weiter an Bekannte, Freunde und Kollegen, denen man einen besseren Gebrauch der Daten unterstellt oder von denen man weiß, dass sie genau diese Inhalte brauchen. </p>
<p>Die überbordende Fülle an Fakten spiegelt dabei nicht Gottes Plan sondern die Komplexität der Welt wieder. Es ist gar nicht möglich, grundlegende Gesetze zu ergründen, ohne vorher die Erscheinungen des Gegebenen ausführlich und umfänglich zu studieren. Der schiere Überfluss an Daten ist dabei ein Gradmesser für die Gefahr, an Information irre zu werden. Wer in der Prä-Internet-Ära in einer großen Bibliothek war, dem ist auch schon damals bewusst geworden, wie gering sein Wissen jemals sein konnte. Und einfach drauflos zu lesen hilft auch heute noch sehr wenig angesichts des Wissenswerten. Daher verbreitet Weinberger die Einsicht, dass ein kluger Umgang mit dem Netz darin liege, sich mit anderen Menschen zu vernetzen. Er hält viel davon, dabei darauf zu achten, auch und gerade mit Menschen in Kontakt zu kommen, die divergierende Ansichten und fremde Weltbilder vertreten. Das gelingt nirgendwo besser als im Internet. Denn anders als Bücher und Zeitungen ist dieses Medium nicht nur in der Lage unvorstellbare Mengen an Daten und Fakten zu horten, es kann auch unzählige Menschen verbinden. Zu diesem Zweck möchte Weinberger die Streitkultur in konstruktivere Bahnen lenken. Digitale Medienkompetenz liegt folglich weniger in einem Fokus auf das Digitale als viel mehr in dem Bewusstsein, dass wir direkt neben uns eine völlig neue Weltsicht vorfinden, die potenziell genau die wesentlichen Informationen für uns bereithält, die wir brauchen. Ohne Offenheit ist dieser Schatz jedoch vor uns verborgen und schlummert hinter weltanschaulichen Mauern. </p>
<p><strong>Dumme werden dümmer und Kluge werden klüger</strong></p>
<p>Seit dem Siegeszug der Fakten im Neunzehnten Jahrhundert, wurden Daten über Details immer zurückgehalten. Erst die Schlussfolgerungen haben den Weg in die Öffentlichkeit gefunden über akademische Publikationen. Und noch heute ist dieser Flaschenhals am Werk. Weinberger plädiert für einen offenen Umgang mit den Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit, indem er anregt, die Open Access Bewegung zu unterstützen, die wissenschaftliche Publikationen auf der Basis öffentlicher Finanzierung auch der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung stellen will. Denn das Zeitalter der Daten ist vorbei. Damals waren alle Fakten eingeschlossen in Tabellen und universitären Datenbanken. Jetzt im Zeitalter des weltweiten Netzes wird es Zeit, sie über das Linked Data Format zu befreien, damit junge Forscher und Firmen freien Zugang zu wichtigen Forschungsdaten haben. Und es sollte bei allen Publikationen von Erkenntnissen immer und überall auf all die Inhalte verlinkt werden, die sie ermöglicht haben. Schon Charles Darwin hatte seine jahrelangen Studien zur Evolutionstheorie nicht aus dem luftleeren Raum oder der Seepocke gesaugt. Er hatte auf seinen jahrelangen Reisen mit dem Forschungsschiff Beagle ein geologisches Fachbuch an seiner Seite, dass ihn zu der Analogie inspirierte, dass auch im belebten Teil der Natur sehr langsame Entwicklungsprozesse zur Gestaltbildung führen können.  </p>
<p>Weinberger ist sich bewusst, dass wir in Sachen Wissen in einer Krisenzeit leben. Er hat schlagende Argumente für einen positiven Umgang mit dem Netz. Auch die kritischen Faktoren sind ihm bewusst. Denn wie beim Fernsehen auch, entscheidet die Vorbildung über Wohl und Wehe des Internet. Aber sein Buch enthält luzide Einsichten, die sowohl Manager als auch Eltern und Lehrkräfte gewinnbringend einsetzen können. Nebenbei erhalten sie eine kleine Einführung in Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie zum Nulltarif. Seine Ansicht, dass Wissen zunehmend eine Eigenschaft des Netzes wird und weniger ein Charakteristikum für Individuen, könnte allerdings noch lange in den Hallen des akademischen Betriebs ohne Echo nachhallen. Das Ego ist ein behäbiges Tier, dass nicht selten nach den höchsten akademischen Weihen an Kraft verliert. Das Netz offenbart solche Schwächen schonungslos, wie ehemalige Doktoren aus dem politischen Umfeld schmerzlich erfahren mussten.  </p>
<p>Insgesamt wirkt das Buch wie aus einem Guß. Leider fehlen ihm Hinweise auf all die essentiellen, zumeist unbewussten Vorgänge in uns, die Entscheidungen vorbereiten oder gar auslösen. Und so erkennen wir auch bei ihm die vielfach gelesene, unspektakuläre Ansicht, dass niedergeschriebenes Wissen in den meisten Fällen des Lebens eine große Hilfe ist. Dieser Fetischcharakter des Wissens, der weder durch den Fokus auf Fakten noch auf den Dialog mit Zeitgenossen eine bessere Begründung erfährt, eröffnet jedoch keine neue Perspektive durch das Web. Es scheint, dass das Internet aktuell nichts weiter ist als ein Ersatz für Bibliotheksraum und tagelange Reisen zu Konferenzen. Eine wirklich neue Dimension hat auch David Weinberger im weltweiten Netz nicht entdeckt.</p>
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		<title>Dem Algorithmus ein natürlicher Feind sein?</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/01/11/dem-algorithmus-ein-naturlicher-feind-sein/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 08:45:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Es kam, wie es kommen musste. Der Algorithmus. Eine Handlungsvorschrift, die sequentiell, also nacheinander abgearbeitet wird, um ein Problem zu lösen bzw. eine Aufgabe zu erfüllen, wird zum Spielball der Dichter und Denker. Als Miriam Meckel darüber geschrieben hat &#8211; und nichts anderes fand als die fade recommendation engine aus dem eCommerce &#8211; war es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/01/rodin-der-denker.gif" alt="Algorithmus" width="650" height="225" class="alignleft size-full wp-image-30853" /></p>
<p>Es kam, wie es kommen musste. Der Algorithmus. Eine Handlungsvorschrift, die sequentiell, also nacheinander abgearbeitet wird, um ein Problem zu lösen bzw. eine Aufgabe zu erfüllen, wird zum Spielball der Dichter und Denker. Als Miriam Meckel darüber geschrieben hat &#8211; und nichts anderes fand als die fade recommendation engine aus dem eCommerce &#8211; war es mir der Mühe zu gering, darauf zu antworten. Als aber nun die geschätzte <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/zur-kritik-an-algorithmen-warum-wurde-mir-ausgerechnet-das-empfohlen-1.1253390" target="_blank" class="liexternal">Kathrin Passig in der SZ</a> sich bemüßigt sah, auf die am Boden argumentierende Meckel auch noch einzuschlagen, da wurde der Beschützerinstinkt in mir geweckt&#8230;<span id="more-30795"></span></p>
<p>Liebe Kinder und Kinderinnen, es ist nicht an dem. Ich freue mich ja, wenn normale Leute sich mit mathematischen Verfahren abmühen oder zumindest deren ingenieursmäßige Ausbeutung in der Informatik betrachten. Aber mal unter uns: Tausende Sachbearbeiter in Banken und Versicherungen wurden entlassen, weil die automatische Posteingangsbearbeitung und Klassifikation die Schadensbearbeitung und viel trivialere Aufgaben in wenigen Jahren in die Hände von Robotern legten. Der Hochfrequenzhandel ist ein dicker Brocken bei der Ursachenforschung rund um die Finanzkrise. Und Überwachung im großen Stil geht ohne algorithmische Textanalyse gar nicht mehr. Manche können sich ja bis heute nicht vorstellen, dass der Einzug der Roboter in der Industrie nur ein Fliegenschiß war gegenüber dem, was in der Dienstleistungswelt passiert und noch passieren wird. Da war das sarkastische Wort vom Bildschirmrückseitenberater von Günter Dueck auf der re:publica nur ein geschniegelter Anfang der Entlassungswelle, die schon länger durch den dritten Sektor rollt. Und alle die mit ihm darüber gelacht haben, werden sich noch umschauen, was es heißt, wenn die IBMs und HPs dieser Welt die Arbeitswelt vollständig umgekrempelt haben, auf dass nur noch Experten und 400-EURO-Jobber übrig bleiben.  </p>
<p>Eine Recommendation Engine steckt in jeder Suchmaschine, die den Namen verdient und analysiert das Bedienerverhalten und optimiert daraufhin seine Ergebnislisten, was Eli Pariser zu der so schönen wie falschen Annahme verleitet hat, dass wir alle im Web in einer Filter Blase vegetieren. Wir tun das sowieso schon immer in der Medienwelt, weil sie eine vermittelte Welt ist. Das eigentliche Problem, das er gar nicht erkannt hatte und das hier weder bei Meckel noch bei Passig auftaucht, ist die Frage, wie wir vernetzte Informationen überhaupt sinnvoll einsetzen können &#8211; und zwar in bezug auf aktuelle und künftige Aufgaben. </p>
<p>Denn unser Gehirn filtert freundlicherweise fast alle aktuellen Informationen aus. Die Intuition behandelt die Gegenwart und reagiert, das Bewußtsein ist nur für die Planung, also die Zukunft zuständig. Philosophen und Neurowissenschaftler behandeln im Zuge des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Libet-Experiment" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia">Libet-Experiments</a> dieses selbe Problem mit der unzureichenden Frage nach dem freien Willen. Es geht aber nur um Gegenwart und Zukunft. Und das ist auch der Kern bei den Algorithmen. Würden wir im Web frei agieren, gäbe es keine Vorbehalte gegenüber den unsichtbaren Regelwerken. Aber im Web wird unser zukünftiges Handeln extrapoliert, nachdem unsere Intuition die Software der Webdienste mit Daten über unser unbewusstes und vorbewusstes Entscheiden füttert. Die reflektierende Ebene ist ein Automat geworden.</p>
<p>Die Vorwürfe der Kulturjournalisten gegenüber den Algorithmen sind bisher einfach schlecht formulierte und unzureichend durchdachte, aber intutiv richtig erfasste Ängste gegenüber einer Black Box, also einem unkontrollierbaren Verfahren namens Algorithmus, das unseren Entscheidungen im Web in einer Schleife Informationen entnimmt und damit neuronale Netze füttert, die ihrerseits die Gestalt und die Inhalte im Web neu strukturieren, um uns angepasster zu sein. Diese Form der gelenkten Evolution ist aber keineswegs eine Selektion, die erwünschte gesellschaftliche Entwicklungen verstärkt. Es geht dabei also nicht um das Abbilden unserer gemeinschaftlichen Schlenker, die wir als soziales Wesen vollführen. Es geht um kommerzielles Verfügbarmachen und Optimieren der Strukturen im Web unter der Knute des Populären. Damit wird der Kern des Web falsch bewertet und vom Wesentlichen abglenkt. Denn das Web ist der erste Kulminationspunkt, in dem eine orale und eine schriftliche Kultur zusammenfallen. Es ist damit die Essenz der letzten Jahrtausende unserer Kulturgeschichte. Der Algorithmus jedoch ist ein Hersteller künstlicher Düfte und Aromen, die uns zu etwas locken sollen. Die Folgen sind unabsehbar für die Gärtnertätigkeit bei geistigen Schöpfungen. Es geht im Zweifel alles das verloren, was uns an unvermittelter Kommunikation bleibt. Im Mindesten wird diese fantastische Hochzeit von Sprach- und Schriftkultur einfach im Optimierungswahn der Werbewelt zu einer Las-Vegas-Hochzeit mit Elvis-Presley-Double und Musik vom Band.  </p>
<p>Es geht also darum schlauer zu werden und den Algorithmen auf die Finger zu schauen. Transparenz? Nee, so platt kommt ihr mir nicht davon. Es muss eine Diskussion geben darüber wie unsere Gesellschaft das Web strukturieren und nutzen will. Die Anbieter müssen ihre Pfründe bekommen, meinetwegen Milliarden, aber wir müssen das Erbe der Menschheit pflegen: Sprache und Schrift und nicht zuletzt unser Nachdenken über unsere eigene Zukunft. Und das soll nicht allein an unseren unbewußten Entscheidungen im Web ausgerichtet werden sondern an Visionen, Werten und einem breiten Diskurs.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Netzwerk oder Stahlwerk?</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2011/12/12/netzwerk-oder-stahlwerk/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 09:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
		<guid isPermaLink="false">http://www.netzpiloten.de/?p=30099</guid>
		<description><![CDATA[Um die Kulturtechnik Internet zu verbessern, sollten Programmierer und Nutzer sich besser verstehen. Viele Standardbegriffe verhindern dies jedoch. Vielleicht vernebeln sie sogar ganze Bedeutungsbereiche in Sachen Kommunikation. Gerade Wörter wie Netzwerk oder Datenflut sind ständige Begleiter der Diskussionen über technologische Gegenwart und kulturelle Zukunft. Aber helfen uns diese Begriffe überhaupt beim Formulieren und Verstehen aktueller [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/64260010@N07/5853564761/" title="Netzwerk by Karrierebibel.de, on Flickr" target="_blank" class="liimagelink"><img src="http://farm6.staticflickr.com/5273/5853564761_fb4dc7df52.jpg" width="500" height="400" alt="Netzwerk"></a></p>
<p>Um die Kulturtechnik Internet zu verbessern, sollten Programmierer und Nutzer sich besser verstehen. Viele Standardbegriffe verhindern dies jedoch. Vielleicht vernebeln sie sogar ganze Bedeutungsbereiche in Sachen Kommunikation.</p>
<p>Gerade Wörter wie Netzwerk oder Datenflut sind ständige Begleiter der Diskussionen über technologische Gegenwart und kulturelle Zukunft. Aber helfen uns diese Begriffe überhaupt beim Formulieren und Verstehen aktueller Probleme und Wünsche?<span id="more-30099"></span></p>
<p>Will man ein Netzwerk beschreiben, muss man in die Tiefen der Mathematik hinabsteigen: in die Graphentheorie. Dieser Teil der Mathematik ist nicht ganz zufällig die Basis vieler Algorithmen oder der Komplexitätstheorie. Damit sind wir im Kern der Informatik. Aber auch das Zusammenleben der Menschen wird auf diese Weise formuliert. Graphentheoretische Modelle bildeten die erste Grundlage für Soziologen, um Soziale Netzwerke zu analysieren. Auf diese Weise haben Wissenschaftler eine naturwissenschaftlich fundierte Struktur an der Hand, um die soziale Ordnung einer Gruppe nachvollziehbar zu beschreiben. Die einzelnen Akteure solcher Gemeinschaften werden dabei als Knoten (vertices) betrachtet. Ihre Beziehungen zueinander werden als Kanten (edges) formuliert.  Diese beiden Elemente bilden gemeinsam große oder kleine Strukturen: die Netzwerke. Schon lange vor der Soziologie wurden in der Ethnologie Verwandtschaftsverhältnisse bei Naturvölkern auf diese Weise aufgezeichnet. Die Vorläufer solcher Analysen stammen von britischen Forschern, die afrikanische Stämme untersuchten. Heutzutage schauen wir differenzierter auf Beziehungen als nur unter dem Aspekt der Verwandtschaft.</p>
<p>Denn neben den Sozialwissenschaften und der Psychologie haben auch die Wirtschaftswissenschaften und die Systemtheorie diesen Begriff in ihren Methodenkanon aufgenommen. Interessant ist dabei vor allem der Blick auf die Betriebswirtschaftslehre, die als Netzwerkorganisation einen informellen Zusammenschluss von Menschen mit ähnlichen Interessen beschreibt, die voneinander profitieren. Doch genau das fehlt in der Beschreibungswelt der Graphentheorie: Eine Dimension der Organisation, also eine inhaltliche Beschreibung der Motive und Handlungen der ordnenden Hand. Denn Graphen sind eine Menge von Punkten. Zugegeben, die Knoten als Verbindung mehrerer Graphen sind besondere Elemente, aber wie weit reicht diese Metapher des Netzwerks, um aktuelle Zustände oder zukünftige Vorhaben zu gestalten?</p>
<p>Denn anders als die Institution der Organisation ist der Prozess des Organisierens eine ganz andere Kategorie, die nicht als Element oder Struktur beschreibbar ist, sondern auf beide einwirkt.  Die Handlungen der Beteiligten sind an dieser Stelle eine mögliche Dimension. Deutlich interessanter muss für uns jedoch der Aspekt des Sinns sein, der diese steuernden Handlungen lenkt. </p>
<p>Dieser Blick wird besonders gern unterschlagen, wenn Datennetzwerke zur Diskussion stehen. Ob Datenschutz, Bundestrojaner oder Terroristendateien – in den allermeisten Fällen werden Beziehungen und Knotenpunkte diskutiert. Die Knoten sind entweder private Datenendeinrichtungen, die aus geschäftlichen Gründen geheim bleiben sollen oder es sind persönliche Kommunikationsapparate einer Privatperson, die dort einen geschützten Raum für ihre persönlichsten Informationen wünscht. Wenn Datennetzwerke und soziale Netzwerke ineinander fallen wie bei Facebook oder Google+, dann wird aus dem Fachbegriff Netzwerk eine metaphorische Beschwörungsformel, die zu allerlei Spekulationen Anlass liefert. Leider fallen in vielen Talkshows und Podiumsdiskussionen vor allem die Experten mit einem metaphorischen Gebrauch von basalen Fachtermini wie Daten oder Netzwerke auf. Denn je ungenauer die Knoten, Verbindungen und Daten beschrieben werden, desto eher verkommen die Begriffe zu reiner Wortmalerei.</p>
<p>Die Diskussionen um Facebook-Parties, Datenschutz, Fotos mit betrunkenen Jugendlichen und den Abermilliarden an Werbeeinnahmen werden durch schwammige Begriffe wie eben das Netzwerk weder verständlicher noch präziser. Denn die sogenannten social networks vornehmlich amerikanischer Herkunft sind ein Goldesel, der uns verkleidet als hölzernes Pferd ins Dorf geschoben wurde mit dem Hinweis, dass wir mit dieser Software Identitätsmanagement betreiben können. Der Nutzer listet seine Freunde (Knoten) auf und die Kanten werden durch die Interaktionen mit diesen Leuten täglich präziser beschrieben. Fragt sich nur, für wen die Präzision zunimmt.   </p>
<p>Aber die Organisation solcher Netzwerke bleibt unsichtbar und undiskutiert. Jeden Monat kommen neue Funktionen hinzu. Ihre Aufgabe ist es, den einzelnen Knoten – sei es der Nutzer oder ein Inhalt wie verlinkte Artikel oder Videos – besser zu beschreiben. Die Sinnhaftigkeit und die Präzision geben die Programmierer vor. Jedes Mal wenn wir gegenüber Vertretern der Webgiganten wie Facebook und Google die Interessen der Nutzer einklagen wollen, kommt es nur zu einem Austausch über die Elemente und Verbindungen. Die Sinnebene erreichen wir nicht. Die Sprache fehlt.</p>
<p>Das liegt aber auch an uns. Denn innerhalb der Gesellschaft brauchen wird Denker und Praktiker, die die neue Kulturtechnik der Echtzeitkommunikation mitten in einer mobilen Bücherei mit Abermillionen von Dokumenten und Kommentaren mit uns und für uns gestalten. Wenn Sicherheitsbehörden, Politiker, Funktionäre und Firmenlenker unisono von anhaltenden Kommunikationsproblemen sprechen, während wir alle gemeinsam in dieser mobilen, allwissenden Datenhalde stehen, die Dutzende Megawatt Storm täglich verschlingt, dann müssen wir den Programmierern offenbar bessere Aufträge erteilen und unsere Wünsche angemessener ausdrücken.</p>
<p>Leider entwickeln die Computerfreaks meistens ohne unser Zutun, weil wir einfach nicht richtig unseren Bedarf formulieren. Und leider beschreiben sie gern alle Aufgaben im Rahmen der Graphentheorie. Auf diese Weise kann man zwar phantastische Routenplaner erstellen, aber schon die Aufgabe, ein Rundreise zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu errechnen, die kurze Fahrzeiten beachtet, also möglichst wenig gefahrene Kilometer zum Ziel hat, ist eine schier unlösbare Aufgabe. Wenn man also Sinn hinzufügen will zu den Kanten und Knoten, dann purzeln die mathematischen Verfahren durcheinander und Computer-Software als das Land der unbegrenzbaren Wirklichkeiten wird schnell zum Flaschenhals für einfach menschliche Bedürfnisse. </p>
<p>Eine ähnliche Betrachtung kann man auch für den Begriff der Datenflut anstellen. Hierbei handelt es sich um die Tatsache, dass eine unvorstellbare Anzahl an Buchstaben und Zahlen weltweit auf Computern gespeichert ist, die alle an das Internet angeschlossen sind. Wer aber den Speicherort nicht kennt, wird nie auf diese Flut zugreifen können. Suchmaschinen durchsuchen jede Sekunde das gesamte Datennetz und ermöglichen erst das Wissen über die Unzahl an möglichen Informationen &#8211; die man ohne sie nie erfahren hätte. Dann erst haben sie ihre Existenzberechtigung, indem sie uns erklären, dass ihre Arbeit darin liegt, die einzelnen Treffer zu gewichten. Sie schaffen also erst das Problem, dass sie nachher großzügig lösen. Zumindest sollen wir glauben, dass sie das Problem lösen. Da sie nicht wissen, was für uns wichtig ist, müssen sie auch noch Informationen über unsere Interessen sammeln, damit sie uns präzisere Lösungen für Probleme anbieten können, die wir ohne sie nicht hätten. Auch hier begegnen wir wieder dem Phänomen, dass die Sinnebene gar nicht erörtert wird. Denn die Pioniere haben das weltweite Datennetz früher auch ohne globale Suchmaschine genutzt: Sie haben mit anderen kommuniziert. Gemeinsam hat man Lösungen gefunden. Das hat zwar länger gedauert als einfach ein paar Worte zu googeln, aber wer sagt denn, dass mehr Geschwindigkeit ein erstrebenswertes Ziel ist.    </p>
<p>Es wäre an der Zeit, dass wir Talkshows, Stammtischsitzungen und Familienmeetings nutzen, um über Sinn und Unsinn der digitalen Informationswelt und deren Nutzen im Alltag zu diskutieren. Tausende Firmen mussten ihre Arbeitsprozesse an Betriebssoftware anpassen. Das passiert nicht immer zum Wohl der Firma. Und auch das Anpassen der Kommunikationsgewohnheiten an die Modellierfähigkeiten der Programmierer findet nicht immer uneingeschränkte Zustimmung. Auf der anderen Seite steht der Unwillen vieler Nutzer, sich auf die neuen Herausforderungen offen einzulassen und neue Fähigkeiten und einen verantwortungsvollen Umgang mit Technik auszubilden. Denn man kann ein Smartphone am Wochenende einfach ausstellen. Und dann zählen wieder so archaische Kantenbeziehungen wie Verwandtschaft und Freundschaft.</p>
<p>Will man jedoch, dass die Ängste und Unsicherheiten rund um digitale Kommunikation und Arbeitsorganisation eingedämmt werden, dann muss ein offener Austausch über Wünsche und Möglichkeiten stattfinden. Viele Begriffe der Webexperten kommen aber weder im Alltag noch in der Vorstellungswelt der Nutzer vor. Genau genommen entstammen sie zumeist einer technischen Herkunft. Und so reden weiter alle aneinander vorbei, wenn sie überhaupt reden. Denn vor der Technikfolgenabschätzung haben die höheren Wesen die Entwickler und Ingenieure gesetzt. Der Kunde oder Nutzer darf höchsten beim Testen dabei sein, ob die Erfindungen bedienbar sind. Und man darf dem Nutzer bis auf die Innenseite der Fußsohle schauen &#8211; zu seiner Sicherheit. Da ist das Gerede von der schlimmen Datenflut ein Hohn. Und das Netzwerke andere Produkte als Stahlwerke ausstoßen, dürfte auch klar sein. </p>
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		<title>Der Begriff Privacy</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Nov 2011 09:10:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Im Jahr 1890 hatten der amerikanische Richter Louis Brandeis und der Anwalt Samuel Warren den Begriff privacy zum ersten Mal als Recht formuliert, den Schutz des privaten Bereichs als Teil der persönlichen Freiheit durchzusetzen. Es handelte sich dabei vor allem um ein Abwehrrecht gegen die anstürmenden Kräfte der Presse, des Staates und öffentlicher Behörden. Denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahr 1890 hatten der amerikanische Richter Louis Brandeis und der Anwalt Samuel Warren den Begriff <em>privacy</em> zum ersten Mal als Recht formuliert, den Schutz des privaten Bereichs als Teil der persönlichen Freiheit durchzusetzen. Es handelte sich dabei vor allem um ein Abwehrrecht gegen die anstürmenden Kräfte der Presse, des Staates und öffentlicher Behörden. Denn zu jenem Zeitpunkt begann ein organisatorischer und technischer Fortschritt bei Medien und behörden den Bereich der persönlichen Aktivitäten zu beobachten, die vorher schlicht nicht der öffentlichen Hand zugänglich waren und auch die Presse bis dato unangetastet gelassen hatte. Zwar war das eigene Land und die körperliche Unversehrtheit schon vorher geschützt, die beiden Juristen sahen jedoch in der zunehmend ökonomisch agierenden Presse sowie den Aufzeichnungsmöglichkeiten für Bild und Ton eine neue Form des externen Übergriffs auf die persönliche Schutzzone. Sie mahnten daher an in ihrem Grundsatzartikel <a href="http://faculty.uml.edu/sgallagher/Brandeisprivacy.htm" target="_blank" class="liexternal">The Right To Privacy</a> an, das Recht an der eigenen Person müsse angesichts der modernen invasiven Praktiken durch Staat und Firmen gestärkt werden, damit die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben gewahrt blieben&#8230;</p>
<p><span id="more-29619"></span></p>
<p>Heutzutage wird an dieser Stelle oft und gerne über Datenschutz gesprochen und geschrieben. Allerlei abenteuerliche historisch oft einseitige Herleitungen für diesen Schutz persönlicher Informationen werden bemüht, um einen künstlichen Keil zwischen die Selbstbestimmung des Menschen über seine Daten und die invasiven und zum großen Teil stillen Aktionen von Firmen zu treiben, um an eben diese persönlichen Daten zu kommen. Dabei werden oft aktive und passive Aktionen miteinander verwechselt oder gar nicht erst differenziert. </p>
<p>Vergessen wird dabei nicht selten, dass es einen großen Unterschied zwischen öffentlichem Leben und Öffentlichkeit gibt. Analog werden auch Privatheit und privates Leben vermengt. Habermas sieht in der Öffentlichkeit im weitesten Sinne das Publikum als mehr oder weniger große Masse von Menschen mit mehr oder weniger koordiniertem Willen zur Meinungsbildung über die Dinge, die alle etwas angehen. Das Private umfasst eher den willkürlichen Bereich des Lebensnotwendigen. Wenn man in Betracht zieht, dass beide Sphären im Lebensvollzug erst ihren Wert für die Person erhalten, dann bekommt die theoretische Diskussion überhaupt erst einen praktischen Sinn, nämlich einen ethischen. Hierbei ist dann zu bedenken, welche Informationen wem dienen sollen. Die Interessenlage der Person muss sich dabei nicht gegenüber dem öffentlichen Leben begründen. Es muss reichen, dass im allgemeinen Persönlichkeitsrecht festgelegt ist, dass bei Personen, die nicht im öffentlichen Leben stehen (Politiker, Schauspieler etc.) alle privaten Informationen schützenswert sind. </p>
<p>Wer nun denkt, dass jeder, der im Internet seine Fotos oder Statusmeldungen verbreitet, damit ein Angebot an das öffentliche Leben unterbreitet, ein ähnliches Interesse an der Person zu entwickeln wie wir es bei Hollywood-Stars unterstellen, der begeht einen kategorialen Fehler. Denn es ist im allgemeinen Fall davon auszugehen, dass er oder sie dies nur gegenüber seinen Freunden tun möchte, die er präzise zu diesem Zweck in seine Liste im Sozialen Netzwerk eingeladen hat. </p>
<p>Noch offensichtlicher sind staatliche Eingriffe wie das SWIFT-Abkommen über Bankdaten oder der Austausch von Reisedaten mit den USA. Dort kommen immer wieder höhere Werte als Begründung vor, um die Datenübermittlung einzuordnen. Was Brandeis und Warren noch auf die moderne Presse und das mechanische Bannen von Menschen und ihren Worten bezogen (in dieser Linie können wir ihre Argumente um Google und Facebook erweitern), muss nun aber vor allem auf die Geheimdienste und transnationalen Intermediäre wie etwa SWIFT übertragen werden. Einfach nur darzulegen, dass jederzeit alle versierten Informatiker jedes Datum, das an das Internet angeschlossen ist, immer und überall ausgelesen können, liefert keine positive oder negative Bestimmung einer Grenze des privaten Lebens. Es sei denn, man negiert diese Grenze für das Internet. Dann allerdings bedarf es einer konstruktiven Zusammenschau beider Sphären. Denn dann ist das Netz ein Drittes. Besonderen Reiz dürfte in diesem Fall eine Ethik dieser neuen Sphäre ausüben auf alle, die sowieso Abgrenzungsprobleme haben. Dies könnte psychologische Gründe haben. Hoffen, wir dass die Diskussionen rund um post-privacy nicht auf diese Weise motiviert sind. </p>
<p>Ein Erörtern der Frage, ob der persönliche Computer oder das Smaprtphone nun dem eigenen Haushalt zuzuordnen ist, klingt verlockend historisch. Aber es geht dabei wieder nicht um das Leben sondern nur um die Sphären in denen es sich abspielt. Eine umfassende Diskussion sollte aber nicht nur Element und Strukturen eines Phänomens betrachten sondern vor allem die Organisation derselben. Das ist in diesem Fall der Wille der Person und der Wille des Staates bzw. der Firma. Eine Willkür der Firma mit ihrem Geschäftsmodell zu erklären hat in etwa denselben erklärenden Gehalt wie das Morden eines Serientäters mit dem Vorhandensein seiner Waffe zu begründen. Analog sollten wir den persönlichen Schutzwillen bzw. den behördlichen Willen zum Datenaustausch diskutieren. Alle. Bald.</p>
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