Algorithmus

Es kam, wie es kommen musste. Der Algorithmus. Eine Handlungsvorschrift, die sequentiell, also nacheinander abgearbeitet wird, um ein Problem zu lösen bzw. eine Aufgabe zu erfüllen, wird zum Spielball der Dichter und Denker. Als Miriam Meckel darüber geschrieben hat - und nichts anderes fand als die fade recommendation engine aus dem eCommerce - war es mir der Mühe zu gering, darauf zu antworten. Als aber nun die geschätzte Kathrin Passig in der SZ sich bemüßigt sah, auf die am Boden argumentierende Meckel auch noch einzuschlagen, da wurde der Beschützerinstinkt in mir geweckt...

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Netzwerk

Um die Kulturtechnik Internet zu verbessern, sollten Programmierer und Nutzer sich besser verstehen. Viele Standardbegriffe verhindern dies jedoch. Vielleicht vernebeln sie sogar ganze Bedeutungsbereiche in Sachen Kommunikation.

Gerade Wörter wie Netzwerk oder Datenflut sind ständige Begleiter der Diskussionen über technologische Gegenwart und kulturelle Zukunft. Aber helfen uns diese Begriffe überhaupt beim Formulieren und Verstehen aktueller Probleme und Wünsche?

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Im Jahr 1890 hatten der amerikanische Richter Louis Brandeis und der Anwalt Samuel Warren den Begriff privacy zum ersten Mal als Recht formuliert, den Schutz des privaten Bereichs als Teil der persönlichen Freiheit durchzusetzen. Es handelte sich dabei vor allem um ein Abwehrrecht gegen die anstürmenden Kräfte der Presse, des Staates und öffentlicher Behörden. Denn zu jenem Zeitpunkt begann ein organisatorischer und technischer Fortschritt bei Medien und behörden den Bereich der persönlichen Aktivitäten zu beobachten, die vorher schlicht nicht der öffentlichen Hand zugänglich waren und auch die Presse bis dato unangetastet gelassen hatte. Zwar war das eigene Land und die körperliche Unversehrtheit schon vorher geschützt, die beiden Juristen sahen jedoch in der zunehmend ökonomisch agierenden Presse sowie den Aufzeichnungsmöglichkeiten für Bild und Ton eine neue Form des externen Übergriffs auf die persönliche Schutzzone. Sie mahnten daher an in ihrem Grundsatzartikel The Right To Privacy an, das Recht an der eigenen Person müsse angesichts der modernen invasiven Praktiken durch Staat und Firmen gestärkt werden, damit die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben gewahrt blieben...

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Kann die Kommunikation in Echtzeit unsere Vorstellungen von Information und Wissen wirklich sprengen? Der Philosoph Martin Heidegger würde auf unseren kulturellen Überlieferungen zurückschauen.

Subjekte - also die Träger von Bewusstsein - sind gerichtet auf Gegenstände wie Kaffeetassen, Freudenhäuser oder sündhaft teure Schuhe von Manolo Blahnik. Bewusstsein wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts verstanden als Ort der eigenen Absichten eines Menschen. Diese intentionale Bestimmung ist geschuldet der Distanz zwischen Subjekt und Objekt. Hier der Wunsch und dort das Chalet in der Schweiz oder der Porsche. Seit Descartes war dieses Verhältnis hauptsächlich ein Problem zwischen Ich und der räumlichen Umwelt. Erst im letzten Jahrhundert begann ein Deutscher die Zeit und ihre Auswirkungen grundlegend in den Blick zu nehmen...

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Bisher galten die Natur und die Kultur als unversöhnliche Geschwister der Schöpfung höherer Wesen. Aber in dem vermeintlichen Abgrund lebt eine Subkultur: Die Komplexität und die Emergenz.

Als Kain und Abel ihre Bruderzwistigkeiten ins dramatische Fach verlegten, hatten sie noch keine Vorstellung davon, dass ihre Urenkel Tausende Jahre später den alten Streit noch immer ausfechten müssen. Je nach Bedürfnislage kriegen sich die Streithähne über Ackerland, Vieh, Frauen und seit einigen Jahrhunderten sogar wegen ihrer Götter in die Haare. Und dass, obwohl bis zum heutigen Tag noch niemand einem Gott begegnet ist. Aber auch der Natur und der Kultur hat bis heute noch keiner die Hand geküsst oder ein Haar gekrümmt. Und doch ist das Tischtuch zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern zerschnitten – und zwar mit Gründen...

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Einige wenige Netz-Ideen krempeln die Gesellschaft um. Wikipedia etwa hat den Umgang mit öffentlichem Wissen verändert. Auch Bitcoin hat das Zeug, viel zu erreichen. Das Open-Source-Projekt hat sich einen großen Brocken vorgenommen, den es reformieren will: das weltweite Währungs- und Finanzsystem. Bitcoins könnten die neue Verkehrswährung im Netz werden.

1 Was leisten Bitcoins?

Bitcoins ermöglichen eine anonyme Transaktion von virtuellem Geld, direkt von Nutzer zu Nutzer. Sie kommen ohne eine vermittelnde Stelle wie PayPal oder ein Kreditkarten-Unternehmen aus, die Gebühren entfallen somit...

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Das Leben im Internet ist eine seltsame Sache: Auf-dem-Bildschirm-Starren, digitale „Kontakte“, Kommunikationsfragmenten und eine durch Links verbundene unendliche Abfolge von Dokumenten.

Anders als Fernsehen erfordert Online-Sein Aktivität: permanente Entscheidungen und sogar soziale Interaktionen. Doch nach der Arbeit vor dem Rechner kann sich das eigene Gehirn so weich anfühlen, als hätte man sich genau so lange durch‘s private Nachmittagsprogramm gezappt...

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Mit Professor Joseph Weizenbaum und Professor Wolfgang Wahlster disputierten vor einigen Jahren auf der Berliner Fachmesse „Call Center World“ zwei der profiliertesten Informatiker über Chancen und Grenzen der Mensch-Maschine-Kommunikation. Weizenbaum, der in den 60er-Jahren zu den bahnbrechenden Forschern auf dem Gebiet der Informatik zählte und unter anderem am Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitete, stellte sich im Lauf seiner Karriere immer kritischere Fragen über die gesellschaftlichen Folgen der Fortschritte in der Computertechnik. Was ihn im Kern immer mehr bewegte, war die Frage nach der Wechselwirkung zwischen technischer Entwicklung und gesellschaftlichen Veränderungen. Sein Hauptvorwurf: „Die Extremisten, die Ideologen der Künstlichen Intelligenz, versuchen, Gott zu spielen. Da muss man von Größenwahn, buchstäblich von Wahnsinn sprechen.“

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Durch das Leben des Bloggers Sascha Lobo zieht sich ein roter Faden, und es ist kein schöner. „Er taugt so gerade eben noch zum Kokettieren auf Partys, aber nur für ein paar Sekunden. Dann wird die Wirkung des Mitleids wieder vom Schmerz verdrängt. Dieser rote Faden ist das Scheitern am Gerät. Ein gerätebezogenes Lebensmotto von mir könnte sein: ‘Hier stehe ich, ich kann nicht.’ Und zwar weder so noch anders, sondern gar nicht“, schreibt Lobo in seiner Mensch-Maschine-Kolumne.

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Geburtstage sind nicht nur Anlass für Geschenke, oft sind sie mit Erinnerungen an die Vergangenheit verbunden. Das rückwärts gewandte Sinnen bringt so manch gern Vergessenes wieder ans Licht. In der Psychotherapie ist dies die Methode, um traumatische Erlebnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten. Nicht zu verwechseln mit dem Begriff der Vergangenheitsbewältigung, der in Deutschland und Österreich gewöhnlich die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus bezeichnet.

Bei den Geburtstag-Hymnen für den intellektuellen Popstar Marshall McLuhan war diese Begriffsvertauschung aber anzutreffen. So wurde vor einer Woche auf dem Titelblatt des Zeit-Feuilletons neben der Lobpreisung zum 100. Geburtstag die Vergangenheit von Marshall McLuhan ausgekramt. Denn mit Anfang 20 soll McLuhan Franco und Hitler gelobt haben: „Sie seien‚ auf dem richtigen Weg‘ zwischen der ‚Gier des Kapitalismus‘ und der ‚Entmännlichung durch den Sozialismus‘“. Das Hervorholen unliebsamer Erinnerungen scheint besonders zu einem runden Geburtstag Usus zu sein. So traf es auch den französischen Regisseur Jean-Luc Godard zu seinem 80. Geburtstag. Neben der Huldigungen für den glorreichen Vertreter der Nouvelle Vague fragte die FAZ, ob Godard ein Antisemit sei. Anlass dafür gaben verschiedene Hinweise in seinen Filmen. Die FAZ räumte selbst ein, dass die Frage nicht lösbar sei, aber interessant. Wohl interessant, aber nicht ernster zu nehmen als die Schlussfolgerung des dänischen Regisseurs Lars von Trier auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes: „Meine Vorfahren sind Deutsche, ich bin also ein Nazi.“...

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Ob uns das Internet nun dümmer oder schlauer macht, ob die Dominanz des Digitalen zu negativen neuronalen Effekten führt oder nicht, zählt zu den Fragen, die den Bildungsbürger Frank Schirrmacher seit einiger Zeit umtreiben. Sein jüngst entworfenes Szenario über bevorstehende Gedächtnis-Deformationen durch die Alleinherrschaft des Suchmaschinen-Giganten Google ist letztlich nur eine Fortsetzung der Thesen des liebwertesten FAZ-Gichtlings, die er in seinem Buch „Payback“ ausgebreitet hat. Es geht um die Vernetzung von Maschinen und Menschen zu Bedingungen, die von der Maschine diktiert werden. Es ist die Unterwelt der Benutzeroberfläche, die den FAZ-Herausgeber umtreibt: Maschinenräume im Silicon Valley, die ein Nichtinformatiker niemals zu sehen bekommt. Dort würden unsere digitalen Doppelgänger gebaut. In einer interessanten Disputation im sozialen Netzwerk Google+ ist Schirrmacher dann noch etwas deutlicher geworden.

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Craig Newmark, Gründer von craigslist.com (die Killerwebsite, die fast alle Kleinanzeigen amerikanischer Zeitungen absaugt). erklärte hier auf der #140conf sein Verständnis von Geben und Nehmen im digitalen Echtzeit-Universum und anderswo...

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Die Zahl der Internetnutzer wird sich zwischen 2010 und 2015 vervierfachen, prognostiziert das Telekommunikationsunternehmen CISCO Systems. CISCO hat einige interessante Daten und Zahlen für "Mashable" bereitgestellt, welche in dieser übersichtlichen Infografik aufbereitet wurden. Glaubt man der Grafik, werden Afrika und der mittlere Osten ihre Nutzerzahlen verdoppeln - viel Spass beim Staunen!

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Pendeln macht dumm. Pendeln macht arm, vor allem bei solchen Ölpreisen. Es verschwendet jedes Jahr Milliardensummen, die wir besser investieren könnten. Leider haben wir eine große Tradition darin, die falschen Töpfe mit Geld zu füllen.

Die Finanzkrise scheint vorbei. Alle Zeichen deuten daraufhin, dass es auch eine Bedeutungskrise war. Zuviel Entscheidungspotential wurde an automatisierte Intelligenz abgegeben. Wir nennen das gern Prozessautomation. So konnten Versicherungen und Banken viele Sachbearbeiter in Software gießen. Die Konsequenz in einer unsicheren Marktsituation war Folgendes: Kaskadenartig expandierten Fehlentscheidungen. MIT-Professor Peter Senge hatte doch die Lernende Organisation auf Rezept verschrieben. Wissen musste auf Teufel komm raus integriert werden. Leider glaubte man damals noch, dass Wissen in Datenbanken und Projektmanagementtools speicherbar sei. Leider glaubt man noch heute, dass mehr Wissen zu besseren Entscheidungen führt. Dabei ist ein heuristisches Vorgehen nach Intuition in unsicheren Zeit immer dem Sammeln von Fakten überlegen. Außerdem ist es deutlich schneller.

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Aus aktuellem Anlass der re:publica11 hier ein SEHR guter Vortrag vom Januar von Lawrence Lessig zum Thema Demokratie und der Einflußnahme einiger besonders Gleicher auf die Gesetzgebung (Lesiglative) am Beispiel des Essens . Es geht sogar mit meinem Lieblingsautor Thoreau los...:

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