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	<title>Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 &#187; Netzkultur</title>
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	<description>Netzpiloten surfen oberhalb der Wolkendecke. Seit 1998 entdecken wir mit Euch, dass das Web mehr zu bieten hat als bedruckte Seiten hinter Glas.</description>
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		<title>Kampf um das Copyright &#8211; Bestraft uns</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 08:50:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>The European</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Die Gesternbranchen blasen zur letzten Jagd auf die, die sie Raubkopierer nennen. Dabei überspielt der ganze Trubel doch nur, dass sich die Manager im kollektiven Dornröschenschlaf befunden haben. Profitieren werden nun andere, insbesondere Apple. Der liebwerteste Zeit-Gichtling Adam Soboczynski ist ein heldenhafter Kämpfer für die Rechte von geknechteten, gebeutelten und verarmten Künstlern, die in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><big>Die Gesternbranchen blasen zur letzten Jagd auf die, die sie Raubkopierer nennen. Dabei überspielt der ganze Trubel doch nur, dass sich die Manager im kollektiven Dornröschenschlaf befunden haben. Profitieren werden nun andere, insbesondere Apple.</big></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/01/justiceIII.jpg" alt="Kampf um das Copyright - Bestraft uns" title="Kampf um das Copyright - Bestraft uns" width="650" height="266" class="alignleft size-full wp-image-31518" /></p>
<p>Der liebwerteste Zeit-Gichtling Adam Soboczynski ist ein heldenhafter Kämpfer für die Rechte von geknechteten, gebeutelten und verarmten Künstlern, die in den Fängen von freibeuterischen Piraten bald ein Dasein am Hungertuch fristen müssen. Die Wochenblatt-Edelfeder macht sich wenig Gedanken, wie das Vollzugsdefizit des Urheberrechtes beseitigt werden kann und schreibt in unnachahmlicher Klarheit, dass sich die Künstler mit ihrer Protestnote „Wir sind die Urheber“ bemerkenswert kompromisslos in Szene setzen. Achtung, ich verdinge mich jetzt als Kopist und zitiere Sobo in Auszügen, bitte nicht abmahnen:</p>
<p><span id="more-35721"></span></p>
<ul><em>„Sie zielen nicht auf bereits diskutierte Modelle wie etwa Kultur-Flatrates oder freiwillige Bezahlsysteme, die das Urheberrecht ersetzen könnten, sondern unmissverständlich auf die Stärkung desselben unter den neuen digitalen Gegebenheiten – mit welchen Mitteln auch immer.“</em></ul>
<p>Mit welchen Mitteln auch immer. Da sind doch Bedenkenträger wie Dirk von Gehlen oder Frank Schirrmacher völlig fehl am Platz. Sie reden einfach zu viel von den Kehrseiten der Urheber- und Verwerter-Herrlichkeit sowie von den digitalen Irrläufen der etablierten Industrien, die sich in ihren analogen Erdlöchern verschanzen zur Vorbereitung der finalen Abwehrschlacht gegen Filesharing-Piraten.</p>
<p><strong>Nachdenken könnte Künstler verwirren</strong></p>
<p>Warum sollten sich auch Künstler die Finger schmutzig machen mit Recherchen über die Abmahn-Gichtlinge dieser Republik, die in unsäglich aufwendigen Verfahren IP-Adressen identifizieren, jeden noch so kleinen Regelverstoß ahnden, grotesk überhöhte Strafzölle mit einer Durchschnittssumme von 1000 Euro erheben und damit, „wie Constanze Kurz in der ,FAZ‘ schrieb, allein 2011 Einnahmen in Höhe von 190 Millionen Euro generierte, die in Anwaltskanzleien und Eintreiberbüros größtenteils versickern“, so Frank Schirrmacher. Bislang konzentriert sich die Gebühren-Abzocke noch auf die Musikbranche. Im Literaturbetrieb geht es gerade erst los, wie der „FAZ“-Herausgeber in seinem Opus <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/urheberrechtsdebatte-schluss-mit-dem-hass-11749057.html" target="_blank" class="liexternal">„Schluss mit dem Hass“</a> konstatiert. Da ist es Sobo und Co. wohl wurscht, wenn man nur die Dummen erwischt und die schlauen Kopisten an ihrem bösen Treiben auch in Zukunft nicht hindern kann. Hauptsache, die Kasse klingelt.</p>
<p>Warum sollten die Protest-Künstler überhaupt nur in Ansätzen differenziert über Ursache und Wirkung der vernetzten Ökonomie nachdenken? Das von den Verwertern aufgeführte Untergangsdrama folgt einem bewährten Drehbuch, wie Dirk von Gehlen in seinem Buch „Mashup“ darlegt: In der ersten Phase singt der Klagechor vom Sterben einer ganzen Branche – hier dienen die Musikmanager als profilierte Regisseure: „In der zweiten Phase versucht man dann, durch technische Mittel wie das sogenannte Digitale Rechtemanagement (DRM) nicht nur das Vagabundieren der Kopien, sondern das Kopieren an sich zu unterbinden; und schließlich gehen die Konzerne dazu über, juristische Schritte gegen den kopierenden Verbraucher einzuleiten, um so ein Klima der Abschreckung zu schaffen. Diese dritte Phase ist verbunden mit Lobbyarbeit bei Politikern und Parlamentariern, die diese für eine Verschärfung des Urheberrechts gewinnen soll“, erläutert „SZ“-Redakteur Dirk von Gehlen.</p>
<p><strong>Die Empörung der „Funk-Jockeys“</strong></p>
<p>Dann stößt man die Medienarbeit an mit Überschriften wie „Die Musikindustrie steht vor ihrer gefährlichsten Krise“ oder „Umsatzverlust von mehr als einer Milliarde“. Diese Headlines kann man mit dem Zufallsgenerator aus dem Zeitungsarchiv gewinnen. Bei der Umsatzverlust-Story habe ich etwas geschwindelt und die Währung unterschlagen. Es war von „Mark“ die Rede und man blickte in den 1970er-Jahren sorgenvoll auf die Partisanen und Piraten des verschworenen Ordens der Cassetten-Raubkopierer, zu denen auch ich damals zählte. „Funk-Jockeys“ wie Frank Elstner und Thomas Gottschalk sowie der damalige Jupiter-Rekord-Chef Ralph Siegel bildeten die Speerspitze der Schallplattenindustrie. Die Totschlagformel „Umsonstkultur“ war noch nicht erfunden. Damals ging es um „Hits zum Nulltarif“. Heute wohl semantisch etwas zu kompliziert für die PR der Verwerter und Urheber. Da liebt man es derber und formuliert nicht mehr allzu komplizierte Sätze wie „Hometaping is killing music“. Besser ist: „Raubkopierer sind Verbrecher“ oder „Aufruf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“.</p>
<p>Die Aufruf-Künstler mögen es monokausal. Wer den starken Staat gegen digitale Hausierer und Kopisten in Stellung bringen will, darf nicht zurückblicken auf die <a href="http://www.absatzwirtschaft.de/content/online-marketing/news/_b=76839,_p=1003186,_t=fthighlight,highlightkey=Tim+Renner" target="_blank" class="liexternal">Fehler der Gesternbranchen</a>, wie ich sie in dem Fachmagazin „Absatzwirtschaft“ beschrieben habe: Da geht es um die Musikindustrie, die zu lange an der Vermarktung von CDs festgehalten und den Umschwung zu MP3 verpennt hat – im Gegensatz zum branchenfremden Anbieter Apple. Hier wurden die industriell ausgerichteten Verwertungsketten schon vor einigen Jahren gesprengt: Beim Download fallen weder Herstellung noch Lagerhaltung, Transport oder Rücktransport sowie Vernichtung an. Ähnliches passiert jetzt mit DVDs. Und wer hat da die Nase vorn? Richtig. Apple mit der TV-Box. Wenn Apple in nächster Zeit vernünftige Preise für neue Filme zum Ausleihen kalkuliert, können die Videotheken dichtmachen.</p>
<p>Und schon breitet sich der nächste Trend massenweise aus: Streaming wird das Geschäft mit Inhalten noch mehr aufmischen. Beim Download bekommt man faktisch eine Kopie eines Datensatzes als Eigentum. Bei den Streaming-Diensten erwirbt man lediglich das Zugriffsrecht auf die Datenbänke – Beispiel Spotify. Forderung im Urheberrecht: Jede einzelne Nutzung eines Titels muss mit einem festen Satz vergütet werden.</p>
<p><strong>Wer seine Kunden nicht versteht, muss sie härter bestrafen</strong></p>
<p>Die Musikindustrie hat ihre Kunden im Netz nicht ernst genommen und wird dafür abgestraft. Das begann schon vor 15 Jahren, als Napster startete. Der Dienst bediente in erster Linie das Bedürfnis der Menschen nach einem bequemen und unmittelbaren Zugriff auf Entertainment-Inhalte. Statt sich mit dem Grundbedürfnis der Internet-Nutzer auseinanderzusetzen, empörten sich die Industriebosse über Internet-Piraterie. Als der Musikmanager Tim Renner in einer hitzigen Debatte des Bundesverbandes Musikindustrie die Chefs der großen Plattenfirmen fragte, wer denn schon einmal Napster genutzt habe, hob kein einziger Sitzungsteilnehmer die Hand.</p>
<p>Genau hier fängt das Problem der Gestern-Manager an: „Alle Musik war dank Napster jederzeit verfügbar. Das und nicht der Fakt, dass man nichts zahlte, machte den Dienst zum Erlebnis. Das Gefühl war dabei wie beim ‚Kohlenklau‘ – man tat es mangels anderer Möglichkeit, war aber mitnichten stolz auf sich. Hätte man sich seitens der Musikindustrie inhaltlich mit dem illegalen Konkurrenten beschäftigt, statt ihn ungesehen und ungenutzt zu verdammen, hätten wirkliche, legale Alternativen nicht fünf (iTunes), respektive zehn (Spotify) Jahre nach Napster auf sich warten lassen“, sagt Renner. Die Musikindustrie habe ihre Kunden im Internet entweder gar nicht oder schlecht bedient – aus Unkenntnis oder Ignoranz. Und das wird auch so bleiben. Ähnlich desaströs ist das Versagen der Verlage bei der Einrichtung von einfachen und komfortablen Bezahlmodellen. Micropayment als Stichwort. Nachzulesen in meinem Blogpost: Das Schlafen der Verlage: <a href="http://ichsagmal.com/2010/01/31/das-schlafen-der-verlage-warum-die-e-commerce-modelle-der-massenmedien-schrott-sind/" target="_blank" class="liexternal">„Warum die E-Commerce-Modelle der Massenmedien Schrott sind“</a>.</p>
<p>Macht also in Euren Künstler-Hütten weiter Bubu-Heiaheia und überlasst die Drecksarbeit den Abmahnfabriken und Staatsanwälten. Als Sünder habe ich mich jetzt in der Facebook-Gruppe <a href="https://www.facebook.com/groups/356488057747489/" target="_blank" class="liexternal">„Wir sind die Kriminellen“</a> geoutet und folgende Abstrafungsmaßnahmen vorgeschlagen: mittelalterliche Foltermethoden, heilige Inquisition, Pfählen, Narrenkappe aufsetzen, zum Schämen in die Ecke stellen, Gründung einer Urheberrechtspolizei, Zuständigkeit der Knöllchenjäger erweitern, Staatstrojaner im Kampf für Künstlerhonorare einsetzen (auf Erfahrungen der Schulverlage zurückgreifen). Als Ergänzung schlägt ein anderes Gruppenmitglied noch vor, „Three Strikes“ neu auszulegen und die Betroffenen dreimal öffentlich auszupeitschen. Bestraft uns endlich.</p>
<hr />
<p>Mehr zu Themen des Netzes und dem digitalen Wandel gibt es auch vom European-Kolumnisten Lars Mensel in seinem aktuellen Artikel <a href="http://www.theeuropean.de/lars-mensel/11000-werbung-im-internet" target="_blank" class="liexternal">&#8220;Werbung im Internet &#8211; Lasst uns doch zahlen&#8221;</a>.</p>
<hr />
<p>Quellen:</p>
<ul>
<p>Text: Der Artikel <a href="http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/11042-kampf-um-das-copyright" target="_blank" class="liexternal">&#8220;Kampf um das Copyright &#8211; Bestraft uns&#8221;</a> von Gunnar Sohn ist zuerst erschienen auf <a href="http://theeuropean.de/" target="_blank" class="liexternal">www.theeuropean.de</a></p>
<p>Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/ssalonso/3989418655/sizes/l/in/photostream/" target="_blank" class="liexternal">Image by ssalonso</a> (<a href="hhttp://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.en" target="_blank" class="liinternal">Some rights reserved</a>)</p>
</ul>
<hr />
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		<item>
		<title>Pia Ziefle: &#8220;Mein Standpunkt ist der des autonomen Urhebers&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 07:47:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Interview</dc:subject>
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Das Urheberrecht ist derzeit mal wieder Thema Nummer Eins. Es streiten sich Urheber, Verwerter und Nutzer zugleich. Dabei reden viele auch einfach aneinander vorbei und für einige ist es derzeit nur noch schwer nachvollziehbar, wer eigentlich welche Positionen vertritt. Ich habe unter all den vielen Künstlern, die Buchautorin des Romans „Suna“, Pia Ziefle, einmal für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Urheberrecht ist derzeit mal wieder Thema Nummer Eins. Es streiten sich Urheber, Verwerter und Nutzer zugleich. Dabei reden viele auch einfach aneinander vorbei und für einige ist es derzeit nur noch schwer nachvollziehbar, wer eigentlich welche Positionen vertritt. Ich habe unter all den vielen Künstlern, die Buchautorin des Romans „Suna“, Pia Ziefle, einmal für ein Interview begeistern können und wollte nunmehr Ihre Sicht der Dinge zu der aktuellen Debatte erfahren sowie einen Einblick ihrer persönlichen Erfahrungen bekommen. Heraus kam ein sehr interessantes Gespräch.</p>
<hr />
<p><strong>Hallo Pia, schön dass du heute Zeit für mich gefunden hast.</strong></p>
<p>Hi Andreas, sehr gerne!</p>
<p><strong>Die Debatte um das Urheberrecht unterliegt derzeit einer ziemlich heftigen Diskussion, die weit über das Handeln von Politikern und Rechtsexperten hinausgeht. Der Spiegel zählte jüngst mehr als 1.500 prominente Autoren, Künstler und Schauspieler, die vor der Abschaffung des Urheberrechts warnen. Müssen sich Kreative tatsächlich vor dem Ende des Urheberrechts fürchten? Oder glaubst du da werden mehr Ängste geschürt, als tatsächlich notwendig sind? Welchen Standpunkt vertrittst du selber, als Buchautorin, in dieser Debatte?</strong></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/05/zuschnitt_08.jpq_.png" alt="Pia Ziefle" title="Pia Ziefle" width="200" height="217" class="left" />Es wird kein Ende des Urheberrechtes geben &#8211; am Ende des Tages werden alle ums Lagerfeuer sitzen und sich einig geworden sein. Es schwirren viele Kampfbegriffe herum, und noch mehr Halbwissen aus einem einfachen Grund: Das Urheberrecht in seiner bestehenden Form gibt einen Handlungsrahmen vor, innerhalb dessen Urheber, Verwerter und Nutzer agieren können. Dieser Rahmen ist sehr weit gesteckt und lässt sehr sehr viel Spielraum für individuelle vertragliche Regelungen. Das hat unter anderem zur Folge, dass wir unglaublich viele Gruppen von Urhebern haben, die unter dem Dach des Urheberrechtes vereint, die ganze Zeit aneinander vorbei reden. Die einen sind Sachbuchautoren, die zweiten Musiker, die dritten Wissenschaftler, Fotografen etc. Dazu kommt, dass alle Urheber ihre Werke in verschiedenen Arbeitssituationen schaffen: die einen sind angestellt, die anderen frei, sie schaffen im Auftrag, oder sie schaffen ein Werk und verkaufen es dann. Jede dieser Situationen benötigt andere vertragliche Regelungen, um Sicherheit zu schaffen für Auftraggeber, Nutzer und Urheber.</p>
<p>Mein Standpunkt ist der des autonomen Urhebers, der seinen Markt und dessen Gesetze kennt, für den die Verträge die er unterschreibt keine Bücher mit sieben Siegeln sind, und der mit den Verwertern seiner Werke auf Augenhöhe agieren kann.</p>
<p><span id="more-35702"></span></p>
<p><strong>Dem entnehme ich dass du selber das derzeitige Urheberrecht kritisierst? Wie kann es deiner Meinung nach sein, dass ein Urheberrecht, dass in seiner Grundform eigentlich schon viele Jahre existiert, erst jetzt zu dieser hitzigen Debatte geführt hat. Sachbuchautoren, Musiker, Wissenschaftler usw. die frei oder als Angestellte Werke veröffentlichen, gibt es doch nicht erst seit gestern? Hat man da in der Vergangenheit sich zu wenig mit auseinandergesetzt? Alte Strukturen quasi nicht in Frage gestellt?</strong></p>
<p>Ich kritisiere die oft sehr schlechten Bedingungen, mit denen Urheber konfrontiert sind, obwohl ihnen das Urheberrecht eigentlich eine viel stärkere Position gibt. Ich glaube, das ist auch der wahre Grund für die Auseinandersetzung, die jetzt aus verschiedenen Richtungen geführt wird. Viele Urheber haben sich ohnmächtig gefühlt gegenüber Auftraggebern, die immer weniger bezahlen und sich immer mehr Rechte übertragen ließen. Oder Wissenschaftler, die auf Veröffentlichungen angewiesen sind, und enorm hohe Kosten tragen müssen, weil &#8220;Verlage&#8221; eigentlich nur ihren Namen auf Bücher drucken, die sie weder lektoriert noch gesetzt haben, aber dennoch sämtliche Nutzungsrechte einkassiert haben. Jetzt ist das Thema auf dem Tisch, und manche Urheber setzen sich zum ersten Mal überhaupt mit ihren Rechten auseinander, nachdem sie die Arbeitsbedingungen bisher hingenommen haben, ja. Es kann nur positiv sein, wenn die Urheber miteinander ins Gespräch kommen. Aber ich will auch die Verwerter bitten, in ihrem eigenen Interesse sowohl den Urhebern als auch den Käufern gegenüber, besser zu erklären, was sie tatsächlich für ihre Autoren und Musiker tun.</p>
<p><strong>Ein weiterer Grund warum das Urheberrecht derzeit so ins Visier genommen wird, ist auch der Umstand des Filesharings im Web. Dass Musik, Filme, eBooks usw. frei im Netz getauscht werden. Glaubst du dass das Filesharing die Geschäftsmodelle der Urheber bedroht oder führt es eher dazu dass der Vertrieb der Werke dadurch beflügelt wird? Auch hier gehen die Meinungen der Künstler, aber auch die der Experten oft auseinander.</strong></p>
<p>Schwierige Frage und ich habe keine Zahlen parat. Ich möchte gern auf jeden Fall erreichen, dass wir nicht über Quatsch wie &#8220;es ist doch nur eine Kopie&#8221; und &#8220;das ist kein Diebstahl&#8221; sprechen.  Wenn filesharing Verkäufe verhindert, dann fehlt mir ganz reales Geld an diesem Projekt. Darüber hinaus bin ich auf erfolgreiche Verkäufe angewiesen, um weitere Verträge zu bekommen, da hilft es nichts dem Verlag zu sagen: schaut, mein Content kommt super an, nur zahlen die Leute halt nicht so gern was dafür. Ich weiß aber nicht, von welchen Dimensionen wir sprechen, insofern habe ich keine fertige Meinung, ob filesharing mit dem guten alten Kassettenkopieren vergleichbar ist, das wir alle gemacht haben solange wir kein Geld hatten und dann als Werbung aufgefasst werden kann. Oder ob es nicht doch darüber hinausgeht. Einzige Lösung: Filesharing überflüssig zu machen durch totalen Kundenservice. eBook Standards, realistisches Pricing, einfache Plattformen. Und (wahrscheinlich) kein Kopierschutz. Weil Kopierschutz beim ganz normalen ehrlichen Nutzer zu Frust führt, wenn sich bezahlte Dateien nicht öffnen lassen. Alles andere ist ein moralisches Problem, kein technisches.</p>
<p><strong>Schaut man sich beispielsweise die Umsätze der US-Musikindustrie oder der US-Filmindustrie an, sind diese im Vergleich der Vorjahre auf jeden Fall konstant geblieben. Die beiden Industrien haben zusammen laut Bureau of Economic Analysis des US-Handelsministeriums in den Jahren 2004 bis 2010 sogar zugelegt. Von 92,1 Milliarden auf 102,1 Milliarden Dollar. Das sagt natürlich nichts darüber aus, ob es ohne Filesharing nicht mehr gewesen wäre, aber es zeigt dass es den Verwertern bei weitem nicht so schlecht geht, wie es oftmals offeriert wird.</strong></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/05/Pia-Ziefle-Suna.jpg" alt="Pia Ziefle - Suna" title="Pia Ziefle - Suna" width="200" height="328" class="left" />Der US-Markt ist mit unserem hier schlecht vergleichbar, im Buchbereich schon gar nicht, weil er z.B. keine Buchpreisbindung kennt wie in Deutschland. Und wenn sich dann Verschiebungen ergeben, oder lange für Umsatzgaranten gehaltene Modelle doch nicht so erfolgreich sind, Buchhandelsketten schwächeln, Filialen großer Händler geschlossen, verkleinert oder gar nicht erst eröffnet werden, und das eben trotz des Schutzes durch die festen Preise, dann schaut man natürlich lieber, ob man nicht einen Bösewicht ausmachen kann, dem man die Schuld geben kann. Fakt ist: Bücher werden in Tauschbörsen angeboten, sogar meins war 11 Tage nach Veröffentlichung in einer Tauschbörse nachgefragt worden &#8211; da kann man schon kurz Angst bekommen. Aber wie auch Frank Schirrmacher in der FAS am vergangenen Sonntag sagte, wenn er von der &#8220;Trägheit der Industrie&#8221; spricht: wir brauchen schlicht schnelle, einfache digitale Vertriebswege. Wir Contentlieferanten und wir Nutzer. Und wir Künstler müssen ebenfalls die Chancen nutzen, die das Netz uns bietet, indem wir nämlich genauso vorgehen wie eine Band, die nachmittags umsonst in der Fußgängerzone spielt, um auf das bezahlte Konzert im Club am Abend aufmerksam zu machen: Wir müssen sichtbar sein und möglichst viele unserer Beiträge frei teilen. Dann werden wir für den Teil, den wir verkaufen wollen, auch unsere Bezahlung bekommen. Von begeisterten Verwertern, denen wir mit ganz anderem Preisbewusstsein gegenübertreten können, und von glücklichen Kunden.</p>
<p><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/urheberrechtsdebatte-schluss-mit-dem-hass-11749057.html" target="_blank" class="liexternal">Den Schirrmacher-Artikel</a> habe ich auch gelesen. Er sagt ja auch, dass die Abmahnindustrie dahinter eigentlich nicht minder so ein wenig die Wurzel allen Übels in der Debatte ist, weil sie mit Ihren Anzeigen und ihren Strafen, den Nutzer auf der einen Seite kriminalisiert und auf der anderen Seite auch kräftig das Geld aus den Taschen leiert. Wie gehst du selber dagegen vor, wenn du siehst dass deine Bücher in Tauschbörsen nicht nur nachgefragt, sondern auch angeboten werden. </strong></p>
<p>Ich leite das an den Verlag weiter, dessen Rechtsabteilung die Bewertung vornimmt und gegebenenfalls Schritte einleitet &#8211; sehr gegebenenfalls. Einfach hinnehmen kann ich es persönlich nicht, aber ich möchte auch nicht, dass jemand, der das nur im allerkleinsten Stile tut, dafür exorbitante Strafen bezahlen muss. Mir reicht es, wenn demjenigen deutlich wird, dass wir das bemerken. Etwas anderes wären größere Dimensionen &#8211; und etwas ganz anderes sind die systematischen Abmahner, die da eine lukrative Einnahmequelle entdeckt haben. Das ist für mich überhaupt nicht akzeptabel.</p>
<p><strong>Was ich mich in dem Kontext dann immer frage ist, ob der Urheber von diesen Abmahnungen eigentlich auch nur einen Cent sieht? Nun haben viele Verlage ja schon, wie du selber bemerkt hast, oftmals viele Rechte und zahlen wenig. Behalten diese dann auch noch die Strafen ein? Kennst du Personen, bei denen solch ein Fall eingetreten ist, oder ist bei dir selber schon solch ein Fall eingetreten?</strong></p>
<p>Üblicherweise werden Verwerter, also in meinem Fall der Verlag, mit der Wahrnehmung der urheberrechtlichen Nutzungs- und Leistungsschutzrechte an einem Werk beauftragt. Die Erlöse aus dieser Wahrnehmung werden entweder zu festgesetzten oder &#8220;zu branchenüblichen&#8221; Anteilen geteilt. Der Logik folgend sind Abmahnungserlöse ebenfalls Verwertungen, und wenn ich z.B. Jan Delay richtig verstanden habe, bekommt er Geld von seiner Plattenfirma und verschenkt es. Ich habe noch nie welches bekommen, aber ich bin nun nicht gerade die auflagenstärkste Autorin bei Ullstein. Es wäre interessant, dort mal direkt nachzufragen.</p>
<p><strong>Lass uns noch einmal kurz auf politisches Terrain zu gehen. Um die teuren Abmahnungen zu vermeiden, schlagen viele Politiker schon seit längerer Zeit vor Warnmodelle einzuführen. Die Stichworte „Two-Strikes“ oder „Three-Strikes“ sind dir sicher bestens bekannt. Die Filesharer bekommen zwei oder drei Warnungen, bevor die Abmahnung ausgesprochen wird, oder sie sogar ihren Internetanschluss gesperrt bekommen. Hältst du diese Methoden für eine gelungene Alternative um den Abmahnwahn einzudämmen und den Nutzer zu erziehen?</strong></p>
<p>Naja, an sich klingt das ja vernünftig, man fährt zu schnell, wird verwarnt, bezahlt Strafzettel und verliert irgendwann den Führerschein für eine Weile. Aber die Analogie ist ein bisschen zu eindimensional, denn der springende Punkt ist ja: WER misst die Geschwindigkeit? Derjenige, der mir das Auto verkauft hat? Baut der Autohersteller ein Bordsystem ein, das automatisch meine Geschwindigkeit mit der erlaubten abgleicht und schaltet mir bei zu schnellem Fahren den Motor ab?</p>
<p>Nein, wir haben eine Polizei, und die misst nur. Strafe wird vor Gericht verhängt, oder nach Bußgeldkatalog, das gehört zu unserer Vorstellung von Gesellschaft und Demokratie. Wahrscheinlich ist der letzte Wunsch, der nach einer  Internetpolizei, wie soll das auch gehen in einem weltweiten Netz? Ein paar Monate Finnland, ein paar Monate Syrien? Und nach welchen Gesetzen? Ich bin unbeirrbar: ich glaube fest an die Vernunft und daran, dass man immer zuerst miteinander sprechen kann. Weltweit. Freundliche Verwarnungen können ja ausgesprochen werden, vielleicht auch von Anwälten, aber ebenso wie im Straßenverkehr muss man nicht gleich 1.000 Euro, sondern erst mal nur 10 bezahlen. Übrigens werden Bußgelder an soziale Einrichtungen ausgeschüttet, so als Nebengedanke gar nicht so schlecht, denke ich gerade spontan und ganz unjuristisch.</p>
<p><strong>Dass diese Debatte jedenfalls bald vernünftige Züge annimmt und im Sinne aller geregelt wird, bleibt zu hoffen. Da wir nun auch schon am Ende der Zeit angekommen sind, bedanke ich mich bis hier hin bei dir für dieses interessante Gespräch. </strong></p>
<p>Ich danke dir!</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Petition für ein neues Urheberrecht &#8211; ich unterstütze das!</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 09:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Eigentlich versuchen wir Netzpiloten uns unparteiisch zu geben. Keine direkte Werbung für irgendwelche Parteien. Keine Heroisierung irgendwelcher Polit-Meister und ihrer Adepten. Bestenfalls berichten wir und stellen so manche Sache auch mal in Frage. Das ist unser Anspruch. Was die Haltung in der Urheberrechtsdebatte angeht, sind wir aber geprägt und haben eine klare Meinung, die wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><big>Eigentlich versuchen wir Netzpiloten uns unparteiisch zu geben. Keine direkte Werbung für irgendwelche Parteien. Keine Heroisierung irgendwelcher Polit-Meister und ihrer Adepten. Bestenfalls berichten wir und stellen so manche Sache auch mal in Frage. Das ist unser Anspruch.</big></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/05/wirurheber.jpg" alt="Wir Urheber" border="1" title="Wir Urheber" width="650" height="325" class="alignleft size-full wp-image-35615" /></p>
<p>Was die Haltung in der Urheberrechtsdebatte angeht, sind wir aber geprägt und haben eine klare Meinung, die wir auch nicht immer für uns behalten (wollen!).<br />
Seit dem das Handelsblatt und seit gestern auch die ZEIT mit propagandistischer Finesse dem geneigten Leser „die“ Urheber vorstellte, die gegen ein neues Urheberrecht sind, versucht auch der betroffene Bürger, sich in irgendeiner Weise eine Stimme zu verschaffen. Zumeist über Blogs bzw. über Meinungsträger im offenen Web. </p>
<p><span id="more-35614"></span></p>
<p>Seit heute Morgen, gibt es zudem auch eine Petition, die einerseits zeigen soll, dass viele Konsumenten eine andere Politik vertreten, als die der „meinungsbildenden“ Medien und zum anderen aber auch klarstellen möchten, dass der Vorwurf der „Umsonstkultur“ nicht gerechtfertigt ist und geistiges Eigentum sehr wohl schützenswert ist.</p>
<p>Das klare Statement und der Leitgedanke dieser Petition: „Wir möchten ein Urheberrecht und reichen deshalb allen Kreativen und ihren Geschäftspartnern die Hand. Lassen Sie uns gemeinsam nach Lösungen suchen, die das Recht der Urheber, über das eigene Werk zu verfügen genauso respektieren wie das Recht aller Menschen, frei von Repression und Überwachung zu leben.“</p>
<p>Seit die Petition gestartet ist haben bereits einige tausend Menschen sich für ein neues angepasstes Urheberrecht ausgesprochen. Darunter auch Medienakteure, Autoren und andere Kreative, die mit Ihrer Arbeit mitten im Brennpunkt stehen. </p>
<p>Wer sich dem oben genannten Leitgedanken verpflichtend gegenüber stehen sieht und auch selber seine Stimme abgeben oder sich nur einmal informieren möchte, über die Forderungen der Mitbürger, der kann dies nun unter <a href="http://wir-sind-die-buerger.de/" target="_blank" class="liexternal"><u>www.wir-sind-die-buerger.de</u></a> tun. Ich unterstütze das!</p>
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		<title>Die Lautsprecher der Gestern-Branchen</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/24/die-lautsprecher-der-gestern-branchen/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 07:40:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>The European</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Im Streit um geistiges Eigentum geht es auch um den Erhalt von alten Verwertungsketten. Das Urheberrecht ist jedoch auch Profitbremse – wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. In Anlehnung an Hagen Rether wird jetzt gesungen: „Die Verwertungskette darf nicht unterbrochen werden.“ „Die Verwertungskette darf nicht unterbrochen werden.“ „Die Verwertungskette darf nicht unterbrochen werden.“ Oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><big>Im Streit um geistiges Eigentum geht es auch um den Erhalt von alten Verwertungsketten. Das Urheberrecht ist jedoch auch Profitbremse – wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.</big></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/kindle.jpg" alt="Die Lautsprecher der Gestern-Branchen" title="Die Lautsprecher der Gestern-Branchen" width="650" height="378" class="alignleft size-full wp-image-34985" /></p>
<p>In Anlehnung an Hagen Rether wird jetzt gesungen: „Die Verwertungskette darf nicht unterbrochen werden.“ „Die Verwertungskette darf nicht unterbrochen werden.“ „Die Verwertungskette darf nicht unterbrochen werden.“ Oder vielleicht doch? Was passiert, wenn Urheber von Büchern, Musik, Kunst, Design, Software oder Produkten das Geschäft nicht mehr mit Maklern, Beratern, Agenten, Vertriebsorganisationen, Gebühreneintreibern oder Zwischenhändlern machen? Die Urheber werden nicht mehr mit mickrigen Tantiemen oder irgendwelchen Brosamen der Verwerter abgespeist, sondern können direkt am Verkauf ihrer Werke partizipieren – mit geringeren Overhead-Kosten und viel höherer Rendite. Das schmeckt natürlich den Machtmonopolisten in den alten Industrien überhaupt nicht. Nehmen wir die E-Books von Amazon, die mit einem Kampfpreis von 9,99 Dollar verkauft werden. Nach der Kostenlogik der Verlagskonzerne ist das Preisdumping. In Wahrheit spart man sich die Produktion von teuren Hardcover-Ausgaben und die Autoren werden sogar mit viel höheren Honoraren entlohnt und müssen sich nicht mehr mit den Knebelverträgen der Verleger herumschlagen. Die Verwertungskette ist eben sehr viel kürzer und die Zwischenverdiener machen keinen Reibach mehr – aber: „Die Verwertungskette darf nicht unterbrochen werden.“</p>
<p><span id="more-34978"></span></p>
<p>Geht es beim Streit um „geistiges Eigentum“ wirklich um die Interessen der Urheber oder um die Konservierung von Konzernstrukturen aus dem Zeitalter des Fordismus? Mit den klassischen Instrumentarien aus der Zeit der industriellen Massenproduktion und des Massenkonsums kommt man aber nicht mehr weiter. In der Webwelt des Long Tail gelten andere Regeln. Mit reinen Skaleneffekten ist die Gewinnmaschine der Konzerne nicht mehr am Leben zu erhalten. Der Leitspruch „one size fits all“ gehört in die Mottenkiste und kann auch nicht mehr mit Abmahnorgien verteidigt werden – <a href="http://ichsagmal.com/2012/04/19/abmahn-gichtlinge-warum-mich-die-blockadepolitik-von-union-und-musikindustrie-nicht-uberrascht/" target="_blank" class="liexternal">auch wenn das die liebwertesten Abmahn-Gichtlinge in der Musikindustrie nicht wahrhaben wollen.</a></p>
<p><strong>Gierige Konzern-Lobbyisten</strong></p>
<p>Es geht also nicht um „schnorrende Endverbraucher und die unentgeltlich nutznießende Netzindustrie“, die sich nach Ansicht des „Welt“-Redakteurs Ulrich Clauss angeblich alle unter dem Dach der Piratenpartei organisieren, sondern es geht um die Interessen der Urheber, die sich ohne Flankenschutz der Verwertungsindustrie wirtschaftlich betätigen wollen. Die Lautsprecher der Gestern-Branchen sollten sich mal die Verkaufszahlen der Werke von Goethe im 19. Jahrhundert heranziehen und sich fragen, warum Reclam beispielsweise mit dem „Faust“ so erfolgreich war. Ja richtig, es lag an dem quasi nicht existenten Urheberrecht in Deutschland: Das strenge Copyright im Vereinigten Königreich wurde bereits 1710 eingeführt und würgte die Buchproduktion ab. In Deutschland hingegen gab es einen rechtlichen Flickenteppich. Preußen führte das Urheberrecht zwar 1837 ein. Doch wegen der Kleinstaaterei bis 1871 war das Gesetz deutschlandweit ohne große Wirkung. So wurden die Werke der vor dem 9. November 1837 verstorbenen Klassiker am 9. November 1867 gemeinfrei.</p>
<p><strong>Warum sich die „Grundsätze der Ledergerberei“ besser verkauften als „Frankenstein“</strong></p>
<p>„Kaum lief der Schutz aus, wurden Hunderttausende von günstigen Büchern verkauft. Reclam beispielsweise brachte ,Faust‘ unter Ausnutzung der modernen Drucktechniken zum Preis von zwei Groschen – ein Bruchteil des Preises der Ausgabe Cottas – auf den Markt und verkaufte innerhalb weniger Monate zwanzigtausend Exemplare. Zugleich bot Hempel in Berlin die Gedichte Bürgers an; 150.000 Subskribenten und offenbar innerhalb von einigen Monaten insgesamt 300.000 verkaufte Exemplare sprechen eine deutliche Sprache“, schreibt der Wissenschaftler Eckhard Höffner in seinem zweibändigen Werk „Geschichte und Wesen des Urheberrechts“ (Verlag Europäische Wirtschaft).</p>
<p>Es gab eine riesige Nachfrage, die infolge des Urheberrechts unbefriedigt blieb. So erzielte 1806 der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sigismund_Friedrich_Hermbst%C3%A4dt" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia">Chemie-Professor Sigismund Hermbstädt</a> mit seinem drögen Werk „Grundsätze der Ledergerberei“ in Deutschland ohne urheberrechtliche Flankierung ein höheres Honorar als die britische Autorin Mary Shelley mit ihrem bis heute berühmten Horrorstück „Frankenstein“ – das passt natürlich nicht zu den Schreckensvisionen der Netz-Allergiker.</p>
<p><strong>Verschenken und upgraden</strong></p>
<p>Man muss heute mit neuen Modellen experimentieren. Seth Godin äußert sich zum Niedergang des traditionellen Marketings. Einen Test für neue Wege hat er schon vor zehn Jahren mit seinem „Unleashing the Ideavirus“-Opus gewagt. Zum Start hat er es einfach verschenkt und trotzdem Geld verdient. „Mein Buch handelt davon, wie sich Ideen verbreiten. Ideen sind ansteckend wie ein Virus. Und je mehr Leute einer Idee ausgesetzt sind, desto schneller verbreitet sie sich. Genau das wollte ich zeigen, als ich das Buch kostenlos ins Internet stellte. Und die Zahlen zeigen: Es funktioniert.“ In kürzester Zeit wurde der Text von Hunderttausenden Lesern heruntergeladen. Für Wirtschaftsbücher gilt schon eine Auflage von 20.000 bis 30.000 als Riesenerfolg.”</p>
<p>In gebundener Form hat er das Buch für 40 Dollar verkauft. „Wer das Buch nur lesen will, kann das im Internet gratis tun. Wer aber eine gedruckte Ausgabe als Souvenir will, kann es kaufen. Das ist wie mit T-Shirts: Die gibt es im Kaufhaus für ein paar Dollar im Zehnerpack. Wer aber eins mit dem Aufdruck der Freiheitsstatue haben will, muss dafür 40 Dollar hinblättern.“ Innerhalb von fünf Wochen hat er mit dieser Strategie mehr Geld verdient als mit seinem ersten Buch in 18 Monaten. Free heißt eben nicht kostenlos. Wenn ein Dienst in einer Grundversion nichts kostet und bei den Kunden einschlägt wie eine Bombe, wollen die Anwender mehr davon haben und sind auch bereit, für die Upgrades zu zahlen.</p>
<p>Das habe ich beispielsweise bei WordPress auch getan, um Audio-Dateien in meinem Ich sag mal-Blog zu präsentieren. Mit dem kostenlosen Content-Management-System bin ich seit Jahren sehr zufrieden und war daher auch bereit, in sinnvolle Erweiterungen zu investieren. Also muss das Pflichtprogramm die Nutzer überzeugen, um dann in der Kür entsprechend Geld zu verlangen, liebe Verleger. Ihr seid ja noch nicht mal in der Lage, vernünftige Micropayment-Dienste zu entwickeln. Aber: „Die Verwertungskette darf nicht unterbrochen werden.“ Mag ja sein, <a href="http://theeuropean.de/lars-mensel/10804-gerichtsurteil-zu-youtube-und-gema" target="_blank" class="liexternal">liebe GEMA</a>. Trotzdem ist es Schwachsinn, irgendwelche Musikvideos aus Youtube rauszukicken, <a href="http://theeuropean.de/lars-mensel/10804-gerichtsurteil-zu-youtube-und-gema" target="_blank" class="liexternal">die Mashup-Variante</a> ist eh besser.</p>
<hr />
<p>Mehr zu Themen des Netzes und dem digitalen Wandel gibt es auch vom European-Kolumnisten Lars Mensel in seinem neuesten Artikel <a href="http://www.theeuropean.de/lars-mensel/10804-gerichtsurteil-zu-youtube-und-gema" target="_blank" class="liexternal">&#8220;Gema nicht zu Youtube&#8221;</a>.</p>
<hr />
<p>Quellen:</p>
<ul>
<p>Text: Der Artikel <a href="http://theeuropean.de/gunnar-sohn/10812-medienzukunft-ohne-zwischenhaendler" target="_blank" class="liexternal">&#8220;Die Lautsprecher der Gestern-Branchen&#8221;</a> von Gunnar Sohn ist zuerst erschienen auf <a href="http://theeuropean.de/" target="_blank" class="liexternal">www.theeuropean.de</a></p>
<p>Bild: Image by <a href="http://www.flickr.com/photos/kodomut/5145399499/" target="_blank" class="liexternal">kodomut</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" class="liexternal">Some rights reserved</a>)</p>
</ul>
<hr />
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		<title>Video-Interviews mit VertreterInnen einer neuen globalen Bewegung</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 09:52:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Die Berliner Gazette-Redakteurin Leonie Geiger hat zwei anonyme Künstler getroffen, die eine Reihe von spontanen Videointerviews mit dem Namen Systemfrage 2011+ gefertigt haben und zukünftig weiterführen werden. Es ist interessant und immer wieder erfrischend von solchen Projekten zu lesen und deshalb bekommt Ihr hier, liebe Leser, noch einmal einen gesonderten Lesetipp nachgeschoben. Um was es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Berliner Gazette-Redakteurin Leonie Geiger hat zwei anonyme Künstler getroffen, die eine Reihe von spontanen Videointerviews mit dem Namen Systemfrage 2011+ gefertigt haben und zukünftig weiterführen werden. Es ist interessant und immer wieder erfrischend von solchen Projekten zu lesen und deshalb bekommt Ihr hier, liebe Leser, noch einmal einen gesonderten Lesetipp nachgeschoben. Um was es bei dem Projekt genau geht, lest Ihr im Folgenden.</p>
<hr />
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/videoatonale_screenshot1.jpg" alt="videoatonale" title="videoatonale" width="296" height="170" class="left" /><em>Der Arabische Frühling, die Bewegung Occupy Wallstreet und die weltweiten Anti-AKW-Demonstrationen &#8211; 2011 war das Jahr des politischen Protests. Zwei Künstler haben ihn seit vergangenem Sommer begleitet. Bislang haben sie rund 80 Videoclips gemacht: Interviews mit Demonstranten, die die Geschehnisse in der Politik hinterfragen. Sie alle kommen zu Wort, ohne unterbrochen oder geschnitten zu werden. Berliner Gazette-Gastredakteurin Leonie Geiger hat die beiden Künstler getroffen, die anonym bleiben wollen, damit nicht sie, sondern das Projekt im Vordergrund steht. Ein Interview&#8230;</em></p>
<p><a href="http://berlinergazette.de/politischer-protest-im-o-ton/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+BerlinerGazette+%28Berliner+Gazette%29" target="_blank" class="liexternal">Das ganze Interview weiterlesen auf berlinergazette.de</a><span id="more-34687"></span></p>
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		<title>ACTA – Ein Überblick</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/12/acta-%e2%80%93-ein-uberblick/</link>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 09:19:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anne Hoffmann</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>Netzpolitik</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Image by zigazou76 (Some rights reserved) Das Handelsabkommen ACTA (Anti Counterfeiting Trade Agreement) – seit 2007 verhandelt u.a. von der EU, den USA, Japan und Kanada – sorgt für Wirbel. Die Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern spitzen sich in Deutschland zu. Seit Januar 2012 wird ACTA von allen Medien vermehrt thematisiert und zieht die Aufmerksamkeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/acta-ein-überblick.gif" alt="acta ein überblick" title="acta ein überblick" width="650" height="292" class="alignleft size-full wp-image-34517" /><small><a href="http://www.flickr.com/photos/zigazou76/6970293579/" target="_blank" class="liexternal">Image by zigazou76</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" class="liexternal">Some rights reserved</a>)</small></p>
<p>Das Handelsabkommen ACTA (Anti Counterfeiting Trade Agreement) – seit 2007 verhandelt u.a. von der EU, den USA, Japan und Kanada – sorgt für Wirbel. Die Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern spitzen sich in Deutschland zu. Seit Januar 2012 wird ACTA von allen Medien vermehrt thematisiert und zieht die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit auf sich.</p>
<p>Das Anti-Piraterie-Abkommen ist für die Einen – insbesondere für die Verwertungsindustrie und Wirtschaftsverbände – eine Chance, die Produkt- und Markenpiraterie auf internationaler Ebene einzudämmen. Für die Anderen ist ACTA eine Gefahr für die Meinungsfreiheit und den Datenschutz im Internet.</p>
<p>Gestern und heute finden <a href="http://netzpolitik.org/2012/acta-anhorungen-im-europaparlament/" target="_blank" class="liexternal">ACTA-Anhörungen</a> von einigen Fraktionen im Europäischen Parlament statt. Die Diskussionen sind also noch nicht vorbei. Um sich eingehend über das umstrittene Handelsabkommen informieren und sich eine Meinung bilden zu können, werden hier ein paar Links zusammengeführt, die einen <a href="http://www.ikosom.de/2012/04/12/acta-ein-uberblick/" target="_blank" class="liexternal">Überblick über ACTA</a> geben sollen.</p>
<p><span id="more-34513"></span></p>
<h2>Einstieg in ACTA:</h2>
<ul>
<li>Hilfreiche Erstinformationen: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia">Wikipedia-Eintrag zu ACTA.</a></li>
<li>Um die Diskussionen über ACTA nachvollziehen zu können, empfiehlt es sich, den Vertragstext in <a href="http://www.ikosom.de/wp-admin/www.international.gc.ca/trade-agreements-accords-commerciaux/assets/pdfs/acta-crc_apr15-2011_eng.pdf" target="_blank" rel="nofollow" class="lipdf">englischer</a> und/oder <a href="http://www.ikosom.de/wp-admin/register.consilium.europa.eu/pdf/de/11/st12/st12196.de11.pdf" target="_blank" rel="nofollow" class="lipdf">deutscher</a> Version (pdf) zu lesen.</li>
<li>EU-Parlament: <a href="http://www.laquadrature.net/files/INTA%20-%20ACTA%20assessment.pdf" target="_blank" class="lipdf">Studie/Gutachten zu ACTA</a> (pdf, en)</li>
<li>Einführung in ACTA von NDR-Zapp: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=JhmbVt8E9X4&#038;feature=related" target="_blank" class="liexternal">ACTA, das Netz und die Urheber</a></li>
<li><a href="http://www.tiki-toki.com/timeline/entry/26886/ACTA-Timeline/" target="_blank" class="liexternal">Timeline ACTA</a></li>
<li>Sachverständige erklären die Artikel des Handelsabkommen in der FAZ: <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/acta-exegese-ist-es-nun-das-ende-des-freien-internet-oder-nicht-11660030.html" target="_blank" class="liexternal">Ist es nun das Ende des freien Internet oder nicht?</a></li>
<li>Digitale Gesellschaft e.V. gibt einen <a href="http://acta.digitalegesellschaft.de/" target="_blank" class="liexternal">Überblick über die Positionen der Abgeordneten</a></li>
</ul>
<h2>Pro ACTA:</h2>
<p><strong>Blogs:</strong></p>
<ul>
<li>EU-Abgeordneter der CDU Daniel Caspary spricht sich in seinem Blog für ACTA aus: <a href="http://caspary.de/politik/themen/handel/acta" target="_blank" class="liexternal">ACTA ist ein wichtiger Schritt im weltweiten Kampf gegen Marken – und Produktpiraterie</a></li>
<li>der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU Günther Krings nimmt Stellung für ACTA: <a href="http://www.guenter-krings.de/Standpunkt/Pressemitteilungen4Quartal2009/PM20100426TagdesgeistigenEigentums.aspx" target="_blank" class="liexternal">Geistiges Eigentum schützen</a></li>
<li>Jurist Jens Ferner erklärt, dass kaum gesetzliche Änderungen für Deutschland erfolgen werden: <a href="http://www.ferner-alsdorf.de/2012/02/das-anti-counterfeiting-trade-agreement-acta-und-das-deutsche-recht/wettbewerbsrecht/strafrecht/rechtsanwalt/verkehrsrecht/" target="_blank" class="liexternal">ACTA und das deutsche Recht</a></li>
</ul>
<p><strong>Medienberichte:</strong></p>
<ul>
<li>Karel de Gucht (Mitglied der EU-Kommission) verteidigt ACTA: <a href="http://www.guenter-krings.de/Standpunkt/Pressemitteilungen4Quartal2009/PM20100426TagdesgeistigenEigentums.aspx" target="_blank" class="liexternal">Statement by Commissioner Karel De Gucht on ACTA</a>,  <a href="http://www.guenter-krings.de/Standpunkt/Pressemitteilungen4Quartal2009/PM20100426TagdesgeistigenEigentums.aspx" target="_blank" class="liexternal">Why we need ACTA</a></li>
<li>Der Bundesverband der deutschen Industrie <a href="http://www.guenter-krings.de/Standpunkt/Pressemitteilungen4Quartal2009/PM20100426TagdesgeistigenEigentums.aspx" target="_blank" class="liexternal">unterstützt ACTA</a></li>
<li>Angelika Polenz im Handelsblatt hält ACTA für die Verwertungsindustrie notwendig:<a href="http://www.guenter-krings.de/Standpunkt/Pressemitteilungen4Quartal2009/PM20100426TagdesgeistigenEigentums.aspx" target="_blank" class="liexternal"> Den Ängsten nicht nachgeben</a></li>
<li>Christiane von Hardenberg, Timo Brücken und Benjamin Diercks beleuchten ACTA aus Sicht der Wirtschaft in der Financial Times: <a href="http://www.guenter-krings.de/Standpunkt/Pressemitteilungen4Quartal2009/PM20100426TagdesgeistigenEigentums.aspx" target="_blank" class="liexternal">Deutsche Wirtschaft fürchtet Aus für ACTA</a></li>
</ul>
<h2>Contra ACTA:</h2>
<p><strong>Material:</strong></p>
<ul>
<li>Digitale Gesellschaft e.V.: <a href="http://www.google.de/url?sa=t&#038;rct=j&#038;q=&#038;esrc=s&#038;source=web&#038;cd=10&#038;ved=0CG8QFjAJ&#038;url=http%3A%2F%2Fdigitalegesellschaft.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2011%2F10%2Facta-edri-broschuere-deutsche-uebersetzung.pdf&#038;ei=ot9yT9WcPIHktQavs-zTDQ&#038;usg=AFQjCNE_kyQc31ReOxAjS3q2XWHcWIe5Ow&#038;sig2=i1DlS_ErP-_eTprq782ijQ" target="_blank" class="liexternal">Warum ist ACTA so umstritten?</a> (pdf)</li>
<li>Juristen bewerten ACTA negativ: <a href="http://www.google.de/url?sa=t&#038;rct=j&#038;q=&#038;esrc=s&#038;source=web&#038;cd=2&#038;ved=0CDcQFjAB&#038;url=http%3A%2F%2Fwww.iri.uni-hannover.de%2Ftl_files%2Fpdf%2FACTA_opinion_110211_DH2.pdf&#038;ei=IsN6T4rrFMvBtAabqd3NAQ&#038;usg=AFQjCNFQcGvk4wuh9EYiJZqdpXeQF2r0nw&#038;sig2=JQMdfb5c9QrXhHOfMufpgA" target="_blank" class="liexternal">Opinion of European Academics on ACTA (pdf)</a></li>
<li>Ärzte ohne Grenzen: <a href="http://rfc.act-on-acta.eu/access-to-medicines" target="_blank" class="liexternal">Eingriffe bei Verdachtsfällen können legalen Medikamentenhandel einschränken: ACTA and Access to Medicines (eng)</a></li>
</ul>
<p><strong>Blogs:</strong></p>
<ul>
<li>Das Blog <a href="http://www.stopacta.de/" target="_blank" class="liexternal">http://www.stopacta.de/</a> richtet sich gegen ACTA</li>
<li>Das Blog <a href="http://netzpolitik.org/?s=acta&#038;searchsubmit=Suchen" target="_blank" class="liexternal">netzpolitik.org nimmt die Gegenposition zu ACTA ein</a></li>
<li>Grünen-Politiker Wolfgang Wettach <a href="http://gruene.wettach.org/?tag=ACTA" target="_blank" class="liexternal">bloggt gegen ACTA</a></li>
<li>Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar <a href="https://www.bfdi.bund.de/bfdi_forum/showthread.php?3062-ACTA-und-der-Datenschutz" target="_blank" class="liexternal">kritisiert ACTA</a> im Datenschutz Forum</li>
</ul>
<p><strong>Medienberichte:</strong></p>
<ul>
<li>Zeit Online: <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2009-11/acta-verhandlungen-zugangssperren" target="_blank class="liexternal">Netzsperren durch die internationale Hintertür</a></li>
<li>Axel Metzger im Interview über ACTA: <a href="http://acta.iri-hannover.de/wp-content/uploads/2011/04/02_NJW_aktuell_18_2011_Interview_fertig.pdf" target="_blank class="lipdf">Widerstand gegen mehr Kontrolle</a></li>
<li>Stefan Krempl auf heise online: <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Parlamentsberichterstatter-zweifelt-am-Erfolg-von-ACTA-1517310.html" target="_blank class="liexternal">EU-Parlamtentsberichterstatter David Martin zweifelt am Erfolg von ACTA</a></li>
</ul>
<p><strong>Videos:</strong></p>
<ul>
<li>Bruno Kramm mit der Videoübersetzung: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=yWqta3S9vcc" target="_blank" class="liexternal">Was ist ACTA?</a></li>
<li><a href="http://www.youtube.com/watch?v=YFpwt4e3zI4&#038;feature=youtu.be" target="_blank" class="liexternal">Internationaler Aktionstag gegen ACTA</a></li>
<li>La Quadrature du Net: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=citzRjwk-sQ" target="_blank" class="liexternal">Say No to ACTA (eng)</a></li>
</ul>
<h2>Abstimmung über ACTA:</h2>
<p><strong>ACTA-Ratifizierung in Deutschland abhängig von Abstimmung im EU-Parlament:</strong></p>
<ul>
<li>Spiegel Online: <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,814527,00.html" target="_blank" class="liexternal">Deutschland verschiebt Acta-Ratifizierung</a></li>
<li>Susanne Höll auf Süddeutsche.de: <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/anti-piraterie-abkommen-was-die-deutsche-acta-unterzeichnung-stoppte-1.1282314" target="_blank" class="liexternal">Was die deutsche Acta-Unterzeichnung stoppte</a></li>
<li>Patrick Beuth auf ZEIT Online: <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2012-04/acta-eu-parlament-eugh" target="_blank" class="liexternal">EU-Parlament stimmt noch im Sommer über ACTA ab</a></li>
<li>Welt Online: <a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/article106157492/Spaetere-ACTA-Abstimmung-moeglich.html" target="_blank" class="liexternal">Spätere ACTA-Abstimmung möglich</a></li>
<li>ZDF heute: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=TkHeZH2uCKQ&#038;list=UUyVCt3CM0PPJ69PVHgNsNnQ&#038;index=2&#038;feature=plcp" target="_blank" class="liexternal">Streit um ACTA</a></li>
</ul>
<p><strong>Petitionen gegen ACTA:</strong></p>
<ul>
<li>fast 2,8 Mio Menschen haben bei Avaaz.org gegen ACTA unterschrieben: <a href="https://secure.avaaz.org/de/eu_save_the_internet_spread/?fp" target="_blank" class="liexternal">ACTA – Die neue Gefahr fürs Netz</a></li>
<li>Deutscher Bundestag: Petition: <a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=22697" target="_blank" class="liexternal">Urheberrecht – Aussetzen der Ratifizierung von ACTA vom 10.02.2012</a></li>
</ul>
<hr />
The <a href="http://www.ikosom.de/2012/04/12/acta-ein-uberblick/" target="_blank" class="liexternal">ACTA – Ein Überblick</a> by <a href="http://www.ikosom.de/" target="_blank" class="liexternal">Institut für Kommunikation in sozialen Medien</a>, unless otherwise expressly stated, is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" target="_blank" class="liexternal">Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Germany License</a>.</p>
<hr />
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		<item>
		<title>Die Irrtümer der Verwertungsindustrie und ihrer Adepten</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 16:54:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Verlage, Musikindustrie und Künstler wehren sich in einer Kampagne gegen die “Umsonstkultur” des Netzes, die es allerdings in der behaupteten Form gar nicht gibt. Die Adepten der Verwertungsindustrie laufen den falschen Ideen hinterher. Das hat der Kulturwissenschaftler und Mitherausgeber des Sammelbandes “Vergessene Zukunft – Radikale Netzkulturen in Europa” Felix Stadler im Interview mit tagesschau.de deutlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/Die-Irrtümer-der-Verwertungsindustrie-und-ihrer-Adepten-–-Aktive-Fans-statt-Urheberrechtskontrolle.gif" alt="Die Irrtümer der Verwertungsindustrie und ihrer Adepten – Aktive Fans statt Urheberrechtskontrolle" title="Die Irrtümer der Verwertungsindustrie und ihrer Adepten – Aktive Fans statt Urheberrechtskontrolle" width="650" height="439" class="alignleft size-full wp-image-34500" /></p>
<p>Verlage, Musikindustrie und Künstler wehren sich in einer Kampagne gegen die “Umsonstkultur” des Netzes, die es allerdings in der behaupteten Form gar nicht gibt. Die Adepten der Verwertungsindustrie laufen den falschen Ideen hinterher. <a href="http://www.tagesschau.de/inland/kinoto108.html" target="_blank" class="liexternal">Das hat der Kulturwissenschaftler und Mitherausgeber des Sammelbandes “Vergessene Zukunft – Radikale Netzkulturen in Europa” Felix Stadler im Interview mit tagesschau.de deutlich gemacht</a>. Die alten Bezahlmodelle seien am Ende – die Zukunft der Kultur liege im Schwarm:</p>
<p>
<ul><em>“Bislang waren wir als Leser oder Zuhörer dazu verdammt, passiv zu konsumieren. Durch die neuen Medien verschwimmen die Rollen zwischen Autor und Publikum und Zuhörer aber immer mehr”</em>, so Stadler.</ul>
</p>
<p>Wichtiger Punkt, der bei dieser gesamten massenmedial ausgerichteten Sender-Empfänger-Propaganda schön unter den Tisch gekehrt wird.</p>
<p>Die Gesellschaft verkomme nicht, betont Stadler. Sie stelle sich nur die Frage: Was ist wertvoll?</p>
<p><span id="more-34498"></span></p>
<p>
<ul><em>“Wir sehen im Internet einerseits ein generelles Überangebot, andererseits eine intensive Kultur der Wertschätzung innerhalb kleiner oder großer Nischen. Und das nicht nur auf einer künstlerischen Ebene, sondern es geht auch ganz konkret um finanzielle Werte. Wenn zum Beispiel Künstler durch Spenden finanziert werden. Wir sehen aktuell zwei Modelle in der Kultur, die miteinander konkurrieren: Einerseits der exklusive Produzent, der ein Produkt für eine große, passive Masse herstellt. Andererseits Künstler und Fans, die näher zusammenrücken.”</em></ul>
</p>
<p>Sven Regner hat das wohl nicht kapiert. Dazu Stadler:</p>
<p>
<ul><em>“Im klassischen Mäzenatentum des Mittelalters war der Künstler vollkommen abhängig von der Gunst eines Mäzens. Das war ein hierarchisches Verhältnis. Heute ist es eher ein kooperatives Verhältnis. Das alte Modell funktioniert nur noch für eine Minderheit, zu der auch Regener gehört. Das ist eine prominente Minderheit, die von den verkauften Kopien profitiert und davon leben kann. Es ist nicht so, dass auf der einen Seite Fans und Künstler stehen und auf der anderen Seite die bösen Verlage. Hier wird auch Hand in Hand gearbeitet, weil es in diesem Kultur-Modell darum geht, dass eigentlich die Kopie eines Werkes bezahlt wird, nicht der Inhalt.”</em></ul>
</p>
<p>Bei den Crowdfunding-Modellen sei das anders: Ein Künstler stelle seine Idee vor oder hatte bereits einen tollen Roman geschrieben, eine gute CD gemacht, und wirbt um Unterstützer, die das Projekt mit Spenden oder anderen Leistungen ermöglichen. “Dass ein Künstler für sein Publikum und zusammen mit seinen Fans arbeitet, das ist per se nichts Schlimmes. Wir werden in Zukunft vermutlich häufiger solche Projekte erleben”, sagt Stadler.</p>
<p>Jo. Richtig. Aber das ist Leuten wie Sven Regener wahrscheinlich viel zu anstrengend. Aber die Aufmerksamkeit muss man sich im Netz verdienen und kann sich nicht hinter dem Apparat der Verwertungsindustrie bequem verkriechen.</p>
<p>Die Masse der Künstler bekommt von den Verwertungsbubis noch nicht einmal ein Taschengeld. Auch was VG Wort für Publizisten ausschüttet ist lächerlich – da bekam ich jüngst schlappe 46 Euro. Wahnsinn. Stadler sieht das ähnlich.</p>
<p>
<ul><em>“In der Schweiz bekommen viele Mitglieder der Verwertungsgesellschaft gar nichts, dreiviertel Peanuts, ein paar verdienen ganz gut und ganz wenige richtig viel – das sind die klassischen Bestseller. Das ist in Deutschland durchaus vergleichbar. Die neuen Modelle setzen genau dort an, wo es nicht mehr um die Kontrolle der Kopie geht, sondern um die künstlerische Idee. Der Niedergang der alten Modelle, die auf starker Urheberrechtskontrolle beruhen, ist begleitet von einem Aufblühen alternativer Ideen, eben zum Beispiel durch Crowdfunding, kooperative Produktionen, aktive Fans.”</em></ul>
</p>
<p>Sogar Unternehmensberater können nicht mehr nach den alten Modellen arbeiten und die sind sicherlich andere Honorare gewöhnt: Schutzwälle für Verwertungsmonopole und gesetzlich initiierte Konjunkturprogramme für Abmahnanwälte zählen sicherlich nicht zu den innovativen Antworten auf die vernetzte Ökonomie. Die Altverleger-Weisheiten, die in der Mein-Kopf-gehört-mir-Aktion zum Ausdruck kommen, sind eher Rückzugsgefechte, so Bernhard Steimel von der Future Management Group im Ich sag mal-Bibliotheksgespräch.</p>
<p><iframe width="650" height="360" src="http://www.youtube.com/embed/UX2hd6mqXjU" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>
<ul><em>„Am Ende einer Ära sieht man immer krisenhafte Zuspitzungen. Die Verlagswelt hat in den vergangenen zehn Jahren festgestellt, dass die herkömmlichen Abonnentenmodelle nicht mehr funktionieren. Ich kann das auch in meiner Funktion als Studienautor erkennen. Vor zehn Jahren habe ich eine Studie klassisch verkauft und habe dafür einen fünfstelligen Betrag verlangt. Diese Zeiten sind vorbei. Was da als Umsonstkultur bezeichnet wird, ist nur eine Verschiebung in andere Geschäftsmodelle. Unsere neue Abhandlung über Social Commerce wird beispielsweise gegen Registrierung kostenfrei angeboten. Deswegen arbeite ich aber nicht umsonst“</em>, sagt Steimel.</ul>
</p>
<p>Finanziert werden solche Projekte über Sponsoren, Vorträge und Werbung. Der Erfolg der Piraten sei ein Signal für die Umwälzungen der digitalen Welt: „Diese Partei arbeitet mit sozialen Technologien und hat auf diesem Feld einen klaren Kompetenzvorsprung“, resümiert Steimel. Die polemische Agitation der Etablierten würde in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu kurz greifen.</p>
<p><strong>Größere Rolle der Nische</strong></p>
<p>Je mehr Güter ihre materiellen Eigenschaften verlieren und in digitalisierter Form vorliegen, desto mehr spiele die Nische eine große Rolle – Chris Anderson spricht vom Long-Tail-Effekt. Umso wichtiger werden im E-Commerce die sozialen Filter – also die Kultur der Weiterempfehlung. Für Unternehmen, die es gewohnt sind, alle Karten in der Hand zu halten, ist die neue Macht der Kunden ein furchterregender Zustand. Entsprechend haben sie als Anbieter zwei Möglichkeiten, auf die neue Situation zu reagieren: Die liebwertesten Gichtlinge der Gesternwelt können versuchen, einer Kontrollillusion anheimzufallen und den Anschluss an die vernetzte Ökonomie zu verlieren oder:</p>
<p><em>„Sie gehen den Erfolg versprechenden Weg und geben den Kunden Zugriff auf ihre Daten und die Chance, mit den Mitarbeitern des Unternehmens zu interagieren“</em>, so die von Steimel betreute Social-Commerce-Studie, die in Kooperation mit dem Fachmagazin absatzwirtschaft erstellt wurde.</p>
<hr />
<p>Dieser Artikel von Gunnar Sohn ist zuerst erschienen auf seinem Blog <a href="http://ichsagmal.com/2012/04/11/die-irrtumer-der-verwertungsindustrie-und-ihrer-adepten-aktive-fans-statt-urheberrechtskontrolle/" target="_blank" class="liexternal">&#8220;ichsagmal.com&#8221;</a>.</p>
<hr />
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		</item>
		<item>
		<title>Wir sind alle Kriminelle &#8211; unser groteskes Urheberrecht</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/10/wir-sind-alle-kriminelle-unser-groteskes-urheberrecht/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 15:18:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>Recht</dc:subject>
	<dc:subject>Social Media</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Ja, schon wieder einer dieser Artikel über das Urheberrecht. Lesern, Hörern und Zuschauern geht es so langsam ein wenig auf die Nerven. Urheberrecht hier, Umsonstkultur da und mitten drinnen äußern sich immer wieder Personen, deren Objektivität man nun wirklich nicht mehr einschätzen kann. Tatsächlich ist die Debatte um das Urheberrecht schon lange keine Debatte mehr, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/Facebook-Abmahnung-Pinnwand.gif" alt="" title="Facebook Abmahnung Pinnwand" width="650" height="314" class="alignleft size-full wp-image-34431" /></p>
<p>Ja, schon wieder einer dieser Artikel über das Urheberrecht. Lesern, Hörern und Zuschauern geht es so langsam ein wenig auf die Nerven. Urheberrecht hier, Umsonstkultur da und mitten drinnen äußern sich immer wieder Personen, deren Objektivität man nun wirklich nicht mehr einschätzen kann. Tatsächlich ist die Debatte um das Urheberrecht schon lange keine Debatte mehr, sondern verkommt allmählich immer mehr zur Schlammschlacht. <a href="http://www.netzpiloten.de/2012/04/05/mein-betonkopf-gehort-mir/" target="_blank" class="liinternal">„Das ist billige Propaganda“</a> erklärte uns Gunnar Sohn zum Beispiel vor einigen Tagen, als er sich zur Handelsblatt-Depesche „Mein Kopf gehört mir!“ geäußert hat, die sich gegen die sogenannte Umsonstkultur richten sollte. Kein Tag vergeht, an dem man nicht irgendeinen „Spezialisten“ dazu reden hört.</p>
<p>Angefangen mit Sven Regner, der sich fühlt als würde man ihm<a href="http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/regener_interview100.html" target="_blank" class="liexternal"> „ins Gesicht pinkeln“</a>, über eine GEZ-geneigte Kolonne von Tatort-Autoren, die sich durch die <a href="http://www.drehbuchautoren.de/nachrichten/2012/03/offener-brief-von-51-tatort-autoren-0" target="_blank" class="liexternal">„Lebenslügen“</a> im Internet bedroht fühlen, bis hin zu solch „Experten“ wie Hans-Peter Friedrich, Jette Joop und Philipp Rösler, die sich in der oben genannten Kampagne als <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/mein-kopf-gehoert-mir-ueber-160-statements-zum-urheberrecht/6484234.html" target="_blank" class="liexternal">„kreative Köpfe“</a> ihrer Interessen beraubt sehen. Der neueste Clou kam aber von DJ und Labelboss Paul van Dyk. Dieser äußerte sich im <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/paul-van-dyk-im-interview-paul-van-dyk-glaubt-dass-hinter-dem-erfolg-der-piraten-pseudo-protest-steckt/6489578-2.html" target="_blank" class="liexternal">Tagesspiegel-Interview zu ACTA und der Piratenpartei kritisch</a>: </p>
<p><span id="more-34422"></span></p>
<p>Zu ACTA:</p>
<p>
<ul><em>„Es geht dabei nur ganz am Rande darum, ob einer einen Hollywood-Film oder ein Musikstück runterlädt. Worum es geht, ist Kriminalität, um Datenklau.“</em></ul>
<ul></ul>
</p>
<p>Zu den Piraten:</p>
<p>
<ul><em>„Die Grünen haben zwar auch als wilder Haufen angefangen, aber die wollten wirklich was, nämlich Umweltschutz. Aber zum Internet gibt es in den etablierten Parteien längst große Arbeitsgruppen. Deshalb glaube ich, wir brauchen die Piraten nicht.“</em></ul>
</p>
<p>Im Gegensatz dazu liest man kritische Stimmen wie die Markus Beckedahls häufig in Bezug auf ACTA, dem Fundament, des von der Contentlobby gewünschten Urheberrechts, sagen:</p>
<p>
<ul><em>&#8220;Acta könnte zu größerer Überwachung der Nutzer führen&#8221;</em> (<a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2012-01/interview-markus-beckedahl-acta-sopa" target="_blank" class="liexternal">ZEIT Online</a>).</ul>
<ul></ul>
</p>
<p>Oder:</p>
<p>
<ul><em>&#8220;ACTA ist ein intransparentes, schädliches und undemokratisch verhandeltes Abkommen auf internationaler Ebene, was das bestehende Urheberrecht zementieren wird.&#8221;</em> (<a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/internet/acta109.html" target="_blank" class="liexternal">NDR/zapp</a>).</ul>
</p>
<p>Wem soll man denn da noch glauben? Und vor allem, was geht mich das an denken sicherlich viele. Wie unser derzeitiges Urheberrecht gestrickt ist, geht jedoch nicht nur Künstler und Produzenten etwas an. So wurde vor einigen Stunden zum Beispiel bekannt, dass es eine erste <a href="http://www.lhr-law.de/lbr-blog/urheberrecht/sie-ist-da-die-erste-facebook-abmahnung-wegen-eines-fremden-fotos-an-der-pinnwand" target="_blank" class="liexternal">Abmahnung für ein gepostetes Lichtbild</a> an eine Facebook-Pinnwand durch Dritte gegeben habe. Man schätzte vorab schon, dass die <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,813571,00.html" target="_blank" class="liexternal">durchschnittliche Pinnwand eines 16-Jährgen einen Abmahnwert von 10.000 Euro habe</a>. Wenn man sich dann noch vorstellt, dass die überragende Mehrheit der deutschen Jugendlichen auf Facebook ist und ohne Bedenken jederzeit in solch eine Abmahnfalle treten kann, dann sollten den Menschen klar sein, wie schlecht das Urheberrecht derzeit nicht nur Urheber, sondern auch Konsumenten schützt.<br />
Wir erinnern uns, ACTA fundamentiert das derzeitige Urheberrecht. Wollen wir das? </p>
<p>Wer dem Geschwafel einiger Experten nicht mehr glauben mag bzw. der Schlammschlacht leid ist, der möge sich doch fortan einfach fragen, wie es denn im eigenen Lebensmodell aussieht. Wie das Gesetz das eigene Leben beeinflusst und was es mit einem macht. Das groteske Urheberrecht macht uns zu Kriminellen. Manchmal sogar dann, wenn wir gar nicht direkt am „Verbrechen“ beteiligt sind, sondern uns nur in der Nähe des Tatortes befinden, wie man am obigen Beispiel sehen kann. </p>
<hr />
<a href="http://www.flickr.com/photos/power_on/4715307139/" target="_blank" class="liexternal">Image by poweron</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en" target="_blank" class="liexternal">Some rights reserved</a>)</p>
<hr />
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		<title>Kommentar zu den 100 Köpfen</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/08/kommentar-zu-den-100-kopfen/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 11:24:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Hier mal noch ein gesonderter Linktipp zum Blog von Bruno Kramm. Herr Kramm hat sich tatsächlich mal die Mühe gemacht, jedem &#8220;Urheber&#8221; der 100 Köpfe aus der Handelsblatt-Depesche zu antworten. Außerdem gibt er einen Einblick in die Vorgeschichte dieser Kampagne. &#8220;Bevor man sich im Detail mit der propagandistischen Großinquisition des Handelsblattes „Kreative hört die Signale“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier mal noch ein gesonderter Linktipp zum Blog von Bruno Kramm. Herr Kramm hat sich tatsächlich mal die Mühe gemacht, jedem <em>&#8220;Urheber&#8221;</em> der 100 Köpfe aus der Handelsblatt-Depesche zu antworten. Außerdem gibt er einen Einblick in die Vorgeschichte dieser Kampagne.</p>
<hr />
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/Kommentar-zu-den-100-Köpfen.gif" alt="Kommentar zu den 100 Köpfen" title="Kommentar zu den 100 Köpfen" width="650" height="241" class="alignleft size-full wp-image-34348" /></p>
<p><em>&#8220;Bevor man sich im Detail mit der propagandistischen Großinquisition des Handelsblattes „Kreative hört die Signale“ und „Mein Kopf gehört mir“ auseinander setzen kann, muss man die Vorgeschichte beleuchten, aus welcher die Initiative zu dieser und noch vielen folgenden Beiträgen hervorging und die Fehlinformationen bewusst in Kauf nehmend, einsetzt.&#8221;</em></p>
<p><span id="more-34347"></span></p>
<p>Weiterlesen auf <a href="http://brunokramm.wordpress.com/2012/04/07/kommentar-zu-den-100-kopfen/" target="_blank" class="liexternal">brunokramm.wordpress.com.</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mein Betonkopf gehört mir&#8230;</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/05/mein-betonkopf-gehort-mir/</link>
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		<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 11:18:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
	<dc:subject>Netztheorie</dc:subject>
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		<description><![CDATA[#Umsonstkultur #Piraten #Verlegerinteressen #Lobby Da haben sich die Verleger aber eine hübsche Kampagne ausgedacht, die jetzt in Etappen über die klassischen Massenmedien ausgegossen wird. Nach der Wutrede von Sveni Regner und dem offenen Brief der GEZ-beseelten Tatort-Autoren werden nun im Handelsblatt 100 “kreative” Schriftsteller, Sänger, Künstler, Werber, Softwareentwickler und Unternehmer in Szene gesetzt, um gegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>#Umsonstkultur #Piraten #Verlegerinteressen #Lobby</h2>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/betonkopf-004.jpg" alt="Mein Kopf gehört mir..." title="Mein Kopf gehört mir..." width="650" height="435" class="alignleft size-full wp-image-34259" /></p>
</p>
<p>Da haben sich die Verleger aber eine hübsche Kampagne ausgedacht, die jetzt in Etappen über die klassischen Massenmedien ausgegossen wird. Nach der Wutrede von Sveni Regner und dem offenen Brief der GEZ-beseelten Tatort-Autoren werden nun im Handelsblatt 100 “kreative” Schriftsteller, Sänger, Künstler, Werber, Softwareentwickler und Unternehmer in Szene gesetzt, um gegen die “Umsonstkultur” im Internet und deren politischen Protagonisten, die Piraten, zu protestieren. Das ist wohl ein bislang einmaliger Vorgang in der Untergangsgeschichte des medialen Establishments, dass sich Meinungsbildner nicht nur vor den Karren von Lobbyinteressen spannen lassen, sondern expliziert gegen eine politische Partei lamentieren, die in Deutschland noch nirgendwo in der politischen Verantwortung steht. Peinlich auch der verkrampfte 68er-Habitus der Handelsblatt-Titelseite: “Mein Kopf gehört mir!”</p>
<p><span id="more-34258"></span></p>
<p>Der Aufmacher auf der Innenseite wird dann noch mit der Überschrift “Kreative, hört die Signale” versehen. Fehlt eigentlich nur noch ein Gruppenfoto der 100 Kreativköpfe mit Che Guevara-T-Shirts. Da gibt es ja schon legendäre Vorbilder wie den automobilen Top-Manager mitbekommen, der vor einem Plakat des Revolutionskämpfer in Las Vegas hintergründige Analysen über den Kommunismus vorgetragen hat. Ein wahrer Car Sharing-Revolutionär, der sich als „Chief Guerilla Officer“ profilierte. Ähnlich subtil ist die Analogie zum Bekenntnis von Frauen vor gut 40 Jahren: „Mein Bauch gehört mir… “. Nur damals gehörte Mut dazu, sich in der Abtreibungsdebatte zum Selbstbestimmungsrecht der Frauen zu bekennen.</p>
<p>
<ul><em>“Wir haben abgetrieben!”, titelt der stern am 6. Juni 1971. Und schreibt unter das Selbstbekenntnis von 374 Frauen: “Dies ist kein Aufstand gegen das Recht, sondern ein Protest gegen die Verlogenheit eines Paragrafen, an den selbst Richter nicht mehr glauben. Klagt uns an, sperrt uns ein, wenn ihr den Mut dazu habt.”</em></ul>
</p>
<p>Im Unterschied dazu sind die Kalendersprüche der 100 Betonköpfe, die substanzlose Sätzchen zum Schutz des geistigen Eigentums loslassen, eine lauwarme Brühe. Selbst Google-Justiziar von Google-Nordeuropa hat sich in die Ahnengalerie aufnehmen lassen. Er hätte vielleicht vorher mal recherchieren sollen, um was es bei dieser Kampagne geht und in welcher Gesellschaft er sich befindet. Etwa mit so fortschrittlichen Geistern wie Thomas Middelhoff, der ja bei der Sanierung von Karstadt unglaublich erfolgreich bewährt hat.</p>
<p>Oder der Einschaltquoten-Erfinder Helmut Thoma. Oder der honorige Bert Rürup, Vorstand der MaschmeyerRürup AG. Oder Utz Claassen, Ex-Chef von EnBW, der sich mit Sicherheit Sorgen um Verwertungsrechte machen muss bei den spärlichen Abfindungen, die er kassiert hat. Maria Furtwängler darf nicht fehlen – Stichwort Burda. Bernd Buchholz, Vorstandschef von Gruner + Jahr. Jette Joop, die wahrscheinlich kein Oktoberfest mehr auslassen wird, um ihren Unwillen gegen Netzanarchie zu proklamieren.</p>
<p>Springer-Mann Christoph Keese, der sicher mit stolz geschwellter Brust die Kampagne begleitet. Pater Anselm Grün als digitale Avantgarde. SAP-Chefe Jim Hagemann-Snabe, der Erfahrung mitbringt bei der Vergabe von Lizenzen – da können einige Mittelständler ein kostspieliges Lied singen. Froschkönig Philipp Rösler, der noch als Vizekanzler unterzeichnet. CSU-Starker-Staat-Staastrojaner-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich – warum ist der eigentlich ein Kreativkopf?</p>
<p>In den 100 Sinnsprüchen findet man kaum eine Silbe über das Leistungsschutzrecht und die Interessen der Verleger. Das ist billige Propaganda: Umsonstkultur = Piraten. Auf diese Formel scheinen sich die Lobbyisten eingependelt zu haben. Hier wird in den Rückzugsgefechten der Gestern-Manager eine Leimspur gelegt. Niemand macht sich die Mühe, über die überkommenen Geschäftsmodelle des analogen Industriekapitalismus nachzudenken.</p>
<p><a href="http://ichsagmal.com/2010/11/10/warum-frankenstein-kein-bestseller-wurde-und-die-printjunger-ins-abseits-marschieren/" target="_blank" class="liexternal">Setzt Euch mit wirklich kreativen Köpfen wie Chris Anderson</a> zusammen und lasst die fordistischen Gerontologen links liegen. Mit den 100 Betonköpfen ist kein Staat mehr zu machen.</p>
<hr />
Dieser Artikel von Gunnar Sohn ist zuerst erschienen auf seinem Blog <a href="http://ichsagmal.com/2012/04/05/mein-betonkopf-gehort-mir-umsonstkultur-piraten-verlegerinteressen-lobby/" target="_blank" class="liexternal">&#8220;ichsagmal.com&#8221;</a>.</p>
<hr />
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