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	<title>Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 &#187; Medien</title>
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	<description>Netzpiloten surfen oberhalb der Wolkendecke. Seit 1998 entdecken wir mit Euch, dass das Web mehr zu bieten hat als bedruckte Seiten hinter Glas.</description>
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		<title>Rezension: Interview – das neue Hochglanz-Magazin</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 08:45:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Mey</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Es gibt diese seltsamen Zeitschriften, bei denen man zwischen 5 und 10 Euro bezahlt und auf den ersten Seiten mit nichts als Werbung empfangen wird. Man muss sie durchblättern, um überhaupt auf den ersten redaktionellen Text zu stoßen. Das Faszinierende daran ist, dass diese Hochglanz-Anzeigen anders als sonst nicht stören. Vielmehr sind sie so schön, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/02/Interview-1-Cover.jpg" class="liimagelink"><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/02/Interview-No.1-Cover-Ausschnitt.jpg" alt="" title="Interview No.1 Cover (Ausschnitt)" width="640" height="357" class="aligncenter size-full wp-image-31573" /></a>Es gibt diese seltsamen Zeitschriften, bei denen man zwischen 5 und 10 Euro bezahlt und auf den ersten Seiten mit nichts als Werbung empfangen wird. Man muss sie durchblättern, um überhaupt auf den ersten redaktionellen Text zu stoßen. Das Faszinierende daran ist, dass diese Hochglanz-Anzeigen anders als sonst nicht stören. Vielmehr sind sie so schön, dass man sie sich herausreißen und an die Wand pinnen möchte. </p>
<p>Am letzten Freitag ist die erste Ausgabe eines neuen Hochglanz-Magazins an die Kioske gekommen. Nachdem man 26 Seiten Anzeigen durchblättert hat, begrüßt einen das Editorial. Dann folgen wieder Anzeigenstrecken, Impressum, Inhaltsverzeichnis, die Autorenübersicht und Anzeigen. Erst auf Seite 57 beginnt das Heft richtig&#8230;<br />
<span id="more-31572"></span></p>
<p>&#8220;Interview&#8221; greift ein legendäres Heft-Konzept von Andy Warhol auf. Statt klassisch jouurnalistischer Interviews sollte es von Zufällen geprägte Gespräche geben, zwischen Kollegen und Freunden auf Augenhöhe. Dieses Konzept begegnet uns auch hier. Ein Schauspieler interviewt eine Schauspielerin, ein Philosoph einen Regisseur und umgekehrt. Was dabei herauskommt ist manchmal mitreißend, manchmal banal. Zwischen diesen beiden Polen &#8211; Offenbarung und Belanglosigkeit &#8211; bewegen sich auch die Interviews, die den Kern des 265 Seiten starken Hefts ausmachen. </p>
<p>Klar zur ersten Kategorie zählt ein langes Gespräch zwischen dem Autoren Wladimir Kaminer und der Fernseh-Moderatorin Palina Rojinski über Russen in Deutschland. Es nimmt den Leser mit, die beiden Interviewpartner kommen sympathisch, ehrlich und klug rüber. Ebenso aufschlussreich ist ein Gespräch zwischen dem Regisseur René Pollesch und dem Kulturwissenschaftler Thomas Macho, die auf hohem Niveau und dazu noch unterhaltsam über Lügen, Liebe, Prominenz und Moral philosophieren. Beide Texten fühlen sich an, als ob man als Leser mit im Raum sitzt. Kein Journalist schafft störende Distanz. Er wird schlicht nicht gebraucht. </p>
<p>Der Reiz dieser Gespräche liegt darin, dass man den Prominenten bei einer unverkrampften, ehrlichen Konversation zuhören kann, was bei klassischen Interviews nur selten gelingt. Den sonst so fernen Stars (oder auch Sternchen) ist man auf einmal ganz nah. Das Fatale ist, dass man das auch schnell bereuen kann. Manche Prominente haben entweder nicht viel zu sagen, oder es stellt sich die Ehrlichkeit produzierende Unverkampftheit doch nicht wie gewünscht ein. So ist es bei einem Gespräch zwischen Clint Eastwood und Angelina Jolie über Jolies Regiedebüt, das aus der US-Ausgabe übernommen wurde. Es besteht aus gegenseitigen Komplimenten, die Fremdscham auslösen, ist pseudointellektuell und pseudolocker.</p>
<p>Um den Interview-Kern herum ist vor allem produktnahe Berichterstattung gestrickt: Kurz-Rezensionen und Ankündigungen zu CDs, Filmen, Büchern und Ausstellungen sowie Tests von Kosmetik-Produkten. Die auf den ersten 50 Seiten beworbenen, hochpreisigen Mode-Marken finden sich auf den aufwändig produzierten Fotos, die die Interviews illustrieren, wieder. Obwohl man es eigentlich gar nicht wissen will, erfährt man, dass Kaminer Prada-Schuhe trägt, Lana Del Reys Lippenstift aus dem Hause Tom Ford stammt und Scarlett Johannsson Plastik-Rock von Marc Jabobs designt wurde. Auf der visuellen Ebene gehen redaktioneller Inhalt und Produkt-Präsentation eine Verbindung ein, bei der allerdings der irritierende Eindruck entsteht, dass es genau so perfekt ist.</p>
<p>Es bleibt die Frage, ob das Heft 6 Euro wert ist. Ich würde sagen: ja. Die eigens für die deutsche Ausgabe geführten Interviews sind ausnahmslos gut, die Freakshow-Gespräche zwischen US-Prominenten haben zumindest einen gewissen Unterhaltungswert. Und auf der visuellen Ebene begegnen einem immer wieder Bilder, in die man versinken möchte.  </p>
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		<title>SZ-Relaunch: Die Kür macht die Pflicht erst möglich</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/01/13/sz-relaunch-die-kur-macht-die-pflicht-erst-moglich/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 08:45:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gastpilot</dc:creator>
		
	<dc:subject>Design</dc:subject>
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[„Internetseiten haben ihr Aussehen in den vergangenen Jahren so stark verändert, wie die Möglichkeiten der Technik gewachsen sind.“ Das schreibt Stefan Plöchinger in seinem Artikel „Wie Blattmachen online funktioniert“. Zu lesen ist dieser im von Christian Jakubetz initiierten Lehrbuch Universalcode, aber auch online in Plöchingers Blog. Wie seine Thesen in der Praxis aussehen können, kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/01/süddeutsche.gif" alt="" title="süddeutsche" width="650" height="137" class="alignleft size-full wp-image-30910" /></a><em>„Internetseiten haben ihr Aussehen in den vergangenen Jahren so stark verändert, wie die Möglichkeiten der Technik gewachsen sind.“ Das schreibt Stefan Plöchinger in seinem Artikel „Wie Blattmachen online funktioniert“.</em> Zu lesen ist dieser im <a href="http://www.youdaz.com/2011/11/24/christian-jakubetz-im-interview-es-gibt-journalistisches-leben-abseits-der-journalistenschulen/" target="_blank" class="liexternal">von Christian Jakubetz</a> initiierten Lehrbuch Universalcode, aber auch online in <a href="http://ploechinger.tumblr.com/post/6262366023/wie-blattmachen-online-funktioniert" target="_blank" class="liexternal">Plöchingers Blog.</a></p>
<p>Wie seine Thesen in der Praxis aussehen können, kann man derzeit bei <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank" class="liexternal">sueddeutsche.de</a> beobachten. Denn dort ist Plöchinger seit letztem Jahr Online-Chef. Das Meiste, was in seinem Universalcode-Kapitel beschrieben wird, ist handwerkliches Grundrüstzeug. Wie soll ein Teaser aussehen, wie ein Text? Wie das gelingt, ist logischer Weise auch bei sueddeutsche.de immer eine Momentaufnahme.</p>
<p>Diese Sachen nennt Plöchinger aber auch die <em>„Pflicht“</em>. Der Rest, neben dem Themenmix sind das vor allem Design und Funktionalität, seien die <em>„Kür“</em>. Die sticht besonders hervor:  Die Seite wirkt deutlich aufgeräumter als noch vor einem Jahr. Der sparsame Einsatz von Farbe macht die Seite angenehm schlicht. In <em>„Wie Blattmachen online funktioniert“</em> sagt Plöchinger dazu, man solle <em>„Seitenkopf, Navigation und Randspalte dezent halten“</em> und elegant sein. So können auch die Bilder besser wirken. Das Aufmacher-Bild soll zudem überraschen und ein Hingucker sein. <em>„Wenn Sie sie richtig machen, bekommen Sie einen tollen First Screen, eine auffällige Eröffnung für Ihre Seite.“</em></p>
<p><span id="more-30889"></span></p>
<p><strong>Keep scrollin‘, scrollin‘, scrollin‘, scrollin‘</strong></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/01/süddeutsche_spiegel_vergleich.gif" alt="süddeutsche_spiegel_vergleich" title="süddeutsche_spiegel_vergleich" width="364" height="495" class="right" /></a>Seit ich dieses Kapitel noch einmal gelesen habe, achte ich besonders darauf und glaube Plöchingers Handschrift zu erkennen: Meist gibt es ein gutes, häufig von der Norm abweichendes Foto als Aufmacher. Gerade aus Agenturmaterial geschieht es nicht selten, dass mehrere Nachrichtenseiten mit dem gleichen Bild aufmachen. Laaaaaaaaaangweilig! Stattdessen ertappte ich mich neulich dabei, bei der SZ vorbei zu schauen, weil ich wissen wollte, wie sie dieses Dilemma nach dem Wulf-Interview zu lösen versuchte. Es gelang. Ein paar Tage später hatten Spiegel Online und sueddeutsche.de dann jedoch Stunden lang das gleiche Aufmacher-Bild. Die Hamburger hatten es zuerst. Da hatte das Ganze wohl nicht funktioniert.</p>
<p>Abgesehen von diesem wohl eher unbeabsichtigten Kopieren von Spiegel Online gibt es im Layout von sueddeutsche.de einiges, das wohl eher gewollt an den Taktgeber im deutschen Online-Journalismus erinnert. Plöchinger: <em>„Nicht zu Unrecht spottet mancher, Spiegel Online habe den Deutschen durch jahrelange Dominanz das Klorollen-Scannen gelehrt, also das Lesen von oben nach unten über viele, viele Bildschirmseiten hinweg.“</em> Wenn ich mir meine Scroll-Balken anschaue, ist was das herunterscrollen angeht die SZ sogar noch drastischer als Spiegel Online. So weit nach unten scrollen konnte man in Deutschland nur selten. Ich selbst bin eigentlich kein großer Fan davon. Ich habe es auf anderen Seiten eher selten gemacht. Bei der SZ fange ich nun damit an. Besonders gefällt mir der Bereich der Ressorts, unter den Top-Meldungen.</p>
<p>Im Ressort-Bereich steckt jedoch noch mehr Potential. Es hört auf den Namen „mehr“. Ein kleiner Button mit dieser Aufschrift wartet nämlich bei jedem Resort auf der Startseite. Beim ersten Mal dachte ich „jawohl!“. Leider wurde ich beim Klick auf „mehr“ herbe enttäuscht: Drei weitere Meldungen erscheinen. Das war es.</p>
<p><strong>Das Design ist nicht die Kür</strong></p>
<p>Facebook und Google haben uns an Seiten gewöhnt, die nicht bei jedem Klick neu laden, sondern lediglich Elemente ausklappen lassen oder verschieben. Ajax heißt das Zauberwort. Das kleine „mehr“ könnte genau das auf Nachrichtenseiten übertragen. Ich träume von einer Seite mit einem Aufmacher und vielleicht noch zwei weiteren Top-Meldungen. Dann folgen die Ressorts mit ihrer jeweiligen Topmeldung und vielleicht zwei Zeilen mit weiteren News. So habe ich auf den ersten beiden Screens das Neuste aus allen Ressorts. Und wenn ich mehr aus zum Beispiel Politik wissen will, klicke ich auf </em>„mehr“ und das Politik-Ressort klappt auf. Ist nichts dabei, klappe ich es wieder zu und es stört mich nicht weiter.</p>
<p>Vielleicht werde ich in Zukunft damit überrascht. Denn: Die technischen Möglichkeiten sind bereits vorhanden, schließlich gibt es das „mehr“ mit dieser derzeit begrenzt genutzten Funktion bereits. Und Plöchinger schreibt in seinem Text, dass Seiten permanent weiter entwickelt werden sollten. Dadurch werde es unwahrscheinlicher, Leser mit zu krassen Änderungen zu verschrecken.</p>
<p>Genau daran hält sich sueddeutsche.de zurzeit. Anders verhielten sich Konkurrenten, die 2011 vieles auf einen Schlag umsetzen. Das mögen Verlage lieber. So kann man eine Pressemitteilung raus hauen und sich mit der gemachten Arbeit selbst beweihräuchern. Die <a href="http://www.youdaz.com/2011/10/03/zeitungslayout-im-internet-faz-net/" target="_blank" class="liexternal">FAZ</a> und <a href="http://www.youdaz.com/2011/12/16/echo-online-user-vor-der-paywall/" target="_blank" class="liexternal">im kleineren Maßstab das Darmstädter Echo</a> haben es vorgemacht. Mit eher mäßigem Erfolg.</p>
<p>In meinen Augen hat die SZ aktuell erstmals die Chance, Spiegel Online als Taktgeber abzulösen. Und zwar ironischer Weise, weil Plöchinger in einer Sache falsch liegt: Das Design ist eben nicht die Kür, sondern oberste Pflicht. Zumindest im deutschen Online-Journalismus. Zumindest für Online-Blattmacher.</p>
<p><strong>Alle orientieren sich an Spiegel Online. Nur Spiegel Online an Bild.de</strong></p>
<p>Plöchinger sitzt in einem Hochhaus mit welchen der besten deutschen Printjournalisten. Klar: Texte müssen für online anders aufbereitet werden. Aber auch dieses „anders“ ist journalistisches Grundgerüst. Das können SZ-Redakteure. Damit gute Print-Texte online funktionieren und vor allem wahrgenommen werden, müssen sie jedoch in einem angenehmen Umfeld präsentiert werden, das ich gerne besuche. Und das bedeutet: Erst die gute Kür ermöglicht es, dass die Pflicht überhaupt wahrgenommen wird.</p>
<p>Ich denke, Spiegel Online ist deshalb so weit vorne, weil es das eigene Potential in mehrerlei Hinsicht am besten nutzt. Der Nachteil ist, dass in der neuerdings Ericusspitze deshalb vermutlich weniger Luft nach oben ist, als etwa bei der SZ. Großes Potential haben auch andere:</p>
<p>
<ul>
<li>Zeit Online mit der Zeit im Rücken und einen sortierten Online-Auftritt</li>
</ul>
<p>
<ul>
<li>Die taz hat eine Reihe guter Analysten und häufig eigene Themen mit einem eigenen Zugang. Außerdem gibt es in der Rudi-Dutschke-Straße 23 flache Hierarchien, was für online vorteilhaft ist. Doch bei der taz schlummert viel des Potentials hinter einem technisch mittlerweile überholten Online Auftritt.</li>
</ul>
<p>
<ul>
<li>Die FAZ ist personell und fachlich sicher ähnlich gut bestückt wie die SZ. Doch die Frankfurter verstecken ihre„Pflicht“ hinter einem angelsächsischen Layout, welches Deutsche eher verwirrt. Bezeichnend, dass seit dem Relaunch, <a href="http://www.youdaz.com/2011/10/03/zeitungslayout-im-internet-faz-net/" target="_blank" class="liexternal">den Martin kommentiert hat</a>, bereits ein Stück weit zurückgerudert wurde.</li>
</ul>
<p>
<ul>
<li>Die ARD, bzw. tagesschau.de arbeitet wenig überraschend auch an einem Relaunch. Die Seite wurde lange von vielen meiner Kollegen gelobt, ist mittlerweile aber auch nicht mehr up to date.<br />
Spiegel Online bekommt Konkurrenz. Und das sind sie selber schuld. Alle deutschen Onlinemedien orientieren sich an Spiegel Online. Nur Spiegel Online orientiert sich an Bild.de. Lange hat man in Hamburg, wohl auch weil die Konkurrenz tatsächlich schlief, die Zeit und die SZ online nicht als Konkurrenz gesehen, dafür das erfolgreiche Bild.de. Deshalb hat man sich in diese Richtung entwickelt und so auf dem „seriösen Flügel“ Platz gelassen, wo nun Konkurrenz durchbrechen kann. Und genau das versuchen vor allem SZ, FAZ und die Zeit aktuell. Bezeichnend, dass sie dabei häufig ehemalige Spiegel Online-Leute an Bord haben.<br />
Qualitätssteigerung möglich</li>
</ul>
<p>Der Zeitpunkt ist günstig: 2010 war <a href="http://www.youdaz.com/2011/04/28/wikileaks-ein-auserst-ironischer-durchbruch-fur-den-datenjournalismus/" target="_blank" class="liexternal">Wikileaks und Datenjournalismus</a>. 2011 war das Jahr <a href="http://www.youdaz.com/2011/10/10/tick-tack-%e2%80%93-du-bist-doof/" target="_blank" class="liexternal">der Live-Ticker</a>. Ich glaube, 2012 könnte für den (Online)-Journalismus das Jahr der Analysen werden. Themen wie die Euro-Krise oder der Iran schreien nach Einordnung. Das sieht man aktuell auch bei der Debatte um den Bundespräsidenten. Die SZ, die Zeit und die FAZ sind bereits seit Jahren in ihren Printprodukten erfahren darin, Einordnung und Kommentierung zu liefern. Daher können sie 2012, die passende Online-„Kür“ vorausgesetzt, kräftig punkten.</p>
<p>Die neue Konkurrenzsituation wird im Idealfall die Qualität des deutschen Journalismus verbessern. Und sie könnte eine Chance für junge Journalisten sein. Im Netz ist die Markentreue geringer. Man wechselt schneller von Spiegel Online zur SZ, als das man ein Print-Abo ändert. Erfolg ist schneller messbar und der Druck, gut zu sein, höher. Das bedeutet im Idealfall, dass die Anbieter gezwungen sind, diejenigen einzustellen und gut zu bezahlen, die wirklich gute Arbeit leisten. Vitamin B und Seilschaften sieht der User im Frontend nicht. Sie fallen ihm zumindest nicht positiv auf.</p>
<p></p>
<p><strong>Über den Autor</strong></p>
<p><strong>Andreas Grieß</strong> studiert an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus und ist als freier Journalist tätig. Er ist, wenn man so will, der Gründer von <a href="http://www.youdaz.com" target="_blank" class="liexternal">youdaz.com</a>, von wo aus wir diesen <a href="http://www.youdaz.com/2012/01/09/sz-relaunch-die-kur-macht-die-pflicht-erst-moglich/" target="_blank" class="liexternal">Crosspost</a> mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen durften. Andreas Grieß beschäftigt sich unter anderen mit Medienwandel und dem Einfluss von Social Media. Homepage: <a href="http://www.andreasgriess.de/" target="_blank" class="liexternal">www.andreasgriess.de</a> Twitter: <a href="http://twitter.com/youdaz" target="_blank" class="liexternal">@youdaz</a></p>
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		<title>Paid Content: Wie es klappt</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 10:25:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Aus der Slowakei kommen gute Nachrichten für die Medienwelt: Paid Content funktioniert. Es gibt allerdings einen Haken, der keiner mehr ist, wenn der Bund Deutscher Zeitungsverleger einen großen Einfluß hätte. Alle Verleger ziehen an einem Strang. Die Idee von Pianomedia ist simpel, wie alles was gut funktioniert. Für 1,99 EURO im Monat pro Woche (oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus der Slowakei kommen gute Nachrichten für die Medienwelt: Paid Content funktioniert. Es gibt allerdings einen Haken, der keiner mehr ist, wenn der Bund Deutscher Zeitungsverleger einen großen Einfluß hätte. Alle Verleger ziehen an einem Strang. Die Idee von <a href="http://www.pianomedia.eu/text/piano-press-release-january-2012.php" target="_blank" class="liexternal">Pianomedia</a> ist simpel, wie alles was gut funktioniert. Für 1,99 EURO <del>im Monat</del> pro Woche  (oder 48,90 EUR pro Jahr) kann man im Piano-Abo fast alle wichtigen slowenischen Zeitungen im Internet lesen. Das Geld wird zentral eingesammelt. Die angeschlossenen Medienhäuser entscheiden selbständig, welche Inhalte kostenlos bleiben (wie tagesaktuelle Ereignisse etc.) und welche Inhalte nur für Pianomedia-Abonennten zugänglich sind. 9 Medienhäuser machen mit insgesamt 40 Marken mit. Bisher haben sie 1,3 Millionen Kunden geworben, was unglaubliche 65% der Bevölkerung in dem kleinen Land ausmacht, jetzt werden sie expandieren ins Nachbarland Slowenien.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Katzenbilder sind der Kitt der Gesellschaft&#8230;</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2011/12/28/katzenbilder-sind-der-kitt-der-gesellschaft/</link>
		<comments>http://www.netzpiloten.de/2011/12/28/katzenbilder-sind-der-kitt-der-gesellschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 08:45:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gastpilot</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[&#8230; oder: Die drei Arten von Information im Internetzeitalter &#8220;Indem der Zeitungsleser beobachtet, wie exakte Duplikate seiner Zeitung in der U-Bahn, beim Friseur, in seiner Nachbarschaft konsumiert werden, erhält er ununterbrochen die Gewißheit, daß die vorgestellte Welt sichtbar im Alltagsleben verwurzelt ist.&#8221; Benedict Anderson Lagerfeuer Zwei Sentenzen hört man immer wieder, wenn es um die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><big><big>&#8230; oder: Die drei Arten von Information im Internetzeitalter</big></big></p>
<p><em>&#8220;Indem der Zeitungsleser beobachtet,<br />
wie exakte Duplikate seiner Zeitung in der U-Bahn,<br />
beim Friseur, in seiner Nachbarschaft konsumiert werden,<br />
erhält er ununterbrochen die Gewißheit,<br />
daß die vorgestellte Welt sichtbar im Alltagsleben verwurzelt ist.&#8221;</em></p>
<p>Benedict Anderson</p>
<p><strong>Lagerfeuer</strong></p>
<p>Zwei Sentenzen hört man immer wieder, wenn es um die gesellschaftliche Funktion von Medien geht. Der erste Satz lautet: “Das Fernsehen ist das Lagerfeuer der Nation”. Je nachdem, aus welcher Generation man stammt, mögen die Assoziationen unterschiedlich sein und von Wandervögeln über Pfadfinder bis Indianern reichen. Impliziert sind aber immer die folgenden Dinge: Geselligkeit, Gesang, manchmal: Bohnen aus der Dose.</p>
<p>Immer jedoch geht es um ein Leuchten inmitten einer dunklen Nacht, das von irgendjemandem bewacht werden muss. Die kalte Einheit der Nation wird durch das Lagerfeuer zu einem spürbar warmen Zusammenhalt. So zumindest die Ideologie der Fernsehmacher, die diesen Satz gerne immer wieder aufwärmen.</p>
<p><span id="more-30523"></span></p>
<p><strong>Klebstoff</strong></p>
<p>Der zweite Satz lautet: “Informationen sind der Kitt der Gesellschaft.” Immerhin, dieser Satz kommt ohne das wärmende Feuer des Fernsehbildes aus und beschränkt sich auf die formale Feststellung, dass Informationen die Gesellschaft zusammenhalten. Geht man von einigermaßen orthodoxen Interpretationen der Systemtheorie aus, ist der Satz eine bloße Tautologie. Wenn Gesellschaft zum Beispiel nach Luhmann das größte soziale System darstellt und soziale Systeme aus Kommunikationen bestehen, versteht sich der Satz von selbst.</p>
<p>Aber meistens ist dieser Satz viel normativer gemeint (Luhmann würde diese normative Deutung nicht mit einer Zange anfassen). Dann geht es nämlich um den normativ guten Zusammenhalt, der bedroht ist, wenn die Information nicht mehr das leistet, was sie tut – integrieren. Das klingt bei <a href="http://www.zeit.de/campus/2012/01/sprechstunde-miriam-meckel/komplettansicht" target="_blank" class="liexternal"><u>Meckel</u></a> dann so:</p>
<p><em>&#8220;Es gäbe keinen kritischen Diskurs mehr, und damit würde unser System auseinanderfallen. Informationen sind der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. In meinem Buch treibe ich diese Idee auf die Spitze: Die Menschheit schafft sich durch die Perfektionierung der Algorithmen selbst ab.&#8221;</em></p>
<p>Je mehr die Algorithmen uns in einer Filterblase einlullen, desto geringer die Chance der systemintegrierenden Informationen, uns noch zu erreichen. Irgendwann fällt die Gesellschaft dann auseinander. An dieser Stelle wird es aber spannend. Meckel hat gar nicht einmal Unrecht mit der gesellschaftlichen Funktion der Medien. Medien stützen, ja schaffen sogar Gesellschaften. Die ersten Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts waren Drucksachen. Erst die massenhafte Vervielfältigung immer derselben Informationen schaffte in den Köpfen der Menschen eine homogene Vorstellung von Gesellschaft und Nation.</p>
<p>Aber Meckel verwendet die falsche Zeitform. Informationen waren dieser Kitt, haben diese Funktion aber in der Gegenwart verloren. Nach wie vor sind heute, im Informationszeitalter, Informationen eine Art Kitt. Aber, was dadurch zusammengeklebt wird, ist nicht mehr die eine Gesellschaft, sondern sind viele unterschiedliche, überlappende, große, kleinere, feste, lose Gemeinschaften. Oder wie es der Presseschauer formuliert: <a href="http://www.theeuropean.de/presseschauer/5394-bedeutungsverlust-der-zeitungen" target="_blank" class="liexternal"><u>Katzenbilder sind der Kitt der Gesellschaft</u></a>.</p>
<p>Vor allem hat sich die Art der Information verändert. Es geht nicht mehr um die journalistisch recherchierten und nach Maßgabe der Aufmerksamkeitsfaktoren aufbereiteten Nachrichten für ein <a href="http://blog.metaroll.de/2011/12/26/das-internet-die-gatekeeper-und-die-qualitat/" target="_blank" class="liexternal"><u>durchschnittliches allgemein-gebildetes Publikum</u></a>. Stattdessen spielen für die Gemeinschaften im Internetzeitalter folgende drei Formen der Information die zentrale Rolle:</p>
<p><strong>Die drei Arten von Information der Internetgesellschaft</strong></p>
<p>
<li><strong>Schwarmähnliche Status- und Positionsmeldungen</strong>, mit denen wir den anderen Mitgliedern unserer virtuellen Stämme mitteilen, wo wir uns gerade aufhalten und wie unsere Koordinaten relativ zu den anderen Mitgliedern aussehen. Diese Informationsaufnahme geschieht häufig gar nicht voll bewusst, sondern diese “<a href="http://blog.metaroll.de/2009/05/21/the-twitter-is-the-message-willkommen-in-der-reload-gesellschaft/" target="_blank" class="liexternal"><u>ambient intimacy</u></a>” wird reflexartig hergestellt. Wir merken vor allem das Fehlen eines Signals / einer Statusmeldung, zumal uns diese Aufmerksamkeit immer stärker von Technologien abgenommen wird. Wenn die Signale vorhanden sind, ist alles in Ordnung, die Gewissheit der (sozialen) Welt kann weiter bestehen.</li>
</p>
<p>
<li><strong>Hermetische Symbolkommunikation</strong>, also <a href="http://www.slow-media.net/memetic-turn" target="_blank" class="liexternal"><u>Meme</u></a>, die nur innerhalb einer bestimmten Community verständlich ist, außerhalb aber nur als Rauschen oder “Gibberish” wahrgenommen wird. Katzenbilder fallen in diese Kategorie, obwohl sie zu den exoterischsten Spielarten dieser Form von Informationen gehören. Sie können zumindest im Rahmen von Parametern wie “süß” oder “seltsam” auch außerhalb der Gemeinschaften dekodiert werden.</li>
</p>
<p><strong>
<li>Kommunikative Feedbackschleifen</strong>, die sehr schnell zu kreisenden oder sich aufschaukelnden und schließlich eskalierenden Erregungszuständen führen können. Zahlreiche jüngere Beispiele zeigen die systemzersetzende Wirkung dieser Kommunikationsform. Hier ist die Information alles andere als Kitt, sondern gesellschaftlicher Sprengstoff.</li>
</p>
<p>Alle drei Arten taugen nicht recht als gesellschaftlicher Kitt, sondern lösen gesellschaftliche Strukturen auf oder stärken tribale Formen der Vergemeinschaftung. Die Statusmeldungen, weil sie reflexartig ablaufen, die Meme, weil sie soziale Substrukturen fördern und die Feedbackschleifen auf Grund der Neigung zur Eskalation.</p>
<p><strong>Autor:</strong> Benedikt Koehler (<a href="" target="_blank">Twitter</a>), seine Tags lauten: Social Media, Big Data, Social Network Analysis (SNA), Informationsvisualisierung, Brandtweet, Slow Media. Er arbeite als Chief Operating Officer bei dem Social Media Intelligence- und Monitoringanbieter ethority in Hamburg und München. 2006 hat er bei Ulrich Beck in Soziologie promoviert.</p>
<p>Er betreibt den Blog &#8220;<a href="http://blog.metaroll.de" target="_blank" class="liexternal">http://blog.metaroll.de</a>&#8221; von wo aus wir diesen <a href="http://blog.metaroll.de/2011/12/27/katzenbilder-sind-der-kitt-der-gesellschaft/" target="_blank" class="liexternal">Crosspost</a> mit freundlicher Genehmigung Benedikt Koehlers veröffentlichen durften.</p>
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		<item>
		<title>WikiLeaks Reportage &#8211; Rebellen im Netz</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2011/11/21/wikileaks-reportage-rebellen-im-netz/</link>
		<comments>http://www.netzpiloten.de/2011/11/21/wikileaks-reportage-rebellen-im-netz/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 08:35:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Dass WikiLeaks aus Geldmangel gescheitert ist, macht mich persönlich sehr betroffen. Dass die Schließung eine vorübergehende Sache ist, hoffe ich dennoch. WikiLeaks galt lange Zeit als demokratischer, als die meisten Parlamente, die sich diesen Stempel aufsetzten. Chefredakteure der wichtigsten Zeitungen der Welt tummelten sich um Assange und sein Projekt. Regierungen kührten WikiLeaks und die Macher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2011/11/wlogo.png" alt="WikiLeaks Logo" title="WikiLeaks Logo" width="106" height="245" class="left" /></a>Dass <a href="http://www.wikileaks.org/" target="_blank" class="liexternal"><u>WikiLeaks</u></a> aus Geldmangel gescheitert ist, macht mich persönlich sehr betroffen. Dass die Schließung eine vorübergehende Sache ist, hoffe ich dennoch. WikiLeaks galt lange Zeit als demokratischer, als die meisten Parlamente, die sich diesen Stempel aufsetzten. Chefredakteure der wichtigsten Zeitungen der Welt tummelten sich um Assange und sein Projekt. Regierungen kührten WikiLeaks und die Macher zum Staatsfeind Nr. 1. Das Projekt jedoch gab vielen Menschen die Hoffnung zurück, dass man nicht nur etwas von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben verändern kann. Dass WikiLeaks in der Tat ein starkes Vermächtnis in den Gedanken der Menschen und im Umgang mit Demokratie hinterlassen hat, versuchen viele Kritiker und Realisten derzeit zu relativieren. Zum absoluten Bedauern meinerseits.</p>
<p>Diese 47-minütige Reportage, deren Link ich gestern mal wieder aus meinen Lesezeichen ausgegraben habe, spiegelt ganz gut die Geschichte Assanges und die von WikiLeaks von Beginn bis kurz vor Ende wider. Besonders schockierend ist dabei der Part des Colleteral Murder Videos, also die Aufnahmen des vorsätzlichen Mordes an Presseleuten und zivilen Bürgern, durch die Hand des amerikanischen Militärs. Die Veröffentlichung dieses Videos, dass einem jedes mal wieder einen Schauer über den Rücken laufen lässt, steht stellvertretend für sämtliche Missetaten, die durch WikiLeaks an die Oberfläche gebracht worden.</p>
<p>WikiLeaks hat viel erreicht und bedarf weiterer Unterstützung. Auch von euch!</p>
<p><span id="more-29426"></span></p>
<p><a href="http://shop.wikileaks.org/donate" target="_blank" class="liimagelink"><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2011/11/donate.jpg" alt="WikiLeaks Spende" title="donate" width="201" height="27" class="alignleft size-full wp-image-29451" /></a>
<p><iframe width="500" height="369" src="http://www.youtube.com/embed/TsIpuw7wN3k" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Journalismus heute – die richtige Denke</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2011/11/12/journalismus-heute-%e2%80%93-die-richtige-denke/</link>
		<comments>http://www.netzpiloten.de/2011/11/12/journalismus-heute-%e2%80%93-die-richtige-denke/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 12 Nov 2011 10:04:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gastpilot</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Vor allem nach den Umstürzen in der arabischen Welt und dem schweren Erdbeben in Japan hat sich die Haltung vieler Redakteure zu Social Media als Nachrichtenquelle geändert. Das Naserümpfen über Twitter und Facebook ist weniger geworden. Stattdessen fragen Kollegen, die einst am lautesten über das Internet schimpften, jetzt leicht verlegen an, wie man denn am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2011/11/Der-Journalist-von-heute-eine-eierlegende-Wollmilchsau.gif" alt="Journalismus heute – die richtige Denke" title="Der Journalist von heute - eine eierlegende Wollmilchsau?" width="500" height="361" class="alignleft size-full wp-image-29175" /></a>Vor allem nach den Umstürzen in der arabischen Welt und dem schweren Erdbeben in Japan hat sich die Haltung vieler Redakteure zu Social Media als Nachrichtenquelle geändert. Das Naserümpfen über Twitter und Facebook ist weniger geworden. Stattdessen fragen Kollegen, die einst am lautesten über das Internet schimpften, jetzt leicht verlegen an, wie man denn am besten in der “Onlinewelt” loslegen kann. Inzwischen ist vielen Journalisten klar geworden, dass sie gegenüber den neuen Entwicklungen eine Haltung einnehmen sollten, bei der sie sich nicht von der Frage leiten lassen, ob ihnen etwas gefällt oder nicht. Es geht vielmehr um Relevanz und um die Frage, inwiefern die Möglichkeiten des Internet den Journalismus besser machen können. Dieser Text richtet sich vor allem an jene, die einen Überblick darüber suchen, inwiefern das Internet denn nun konkret den Arbeitsalltag von Journalisten beeinflusst hat.</p>
<p><span id="more-29165"></span></p>
<p><big><strong>Die Rahmenbedingungen, in denen sich Journalismus abspielt, haben sich verändert:</strong></big></p>
<p></p>
<li>Jeder, der über einen Internetzugang verfügt, kann heute über Social Media in Sekundenschnelle Nachrichten verbreiten. Keine tonnenschweren Druckmaschinen, keine teure Sendetechnik ist mehr nötig. Ein Mobiltelefon genügt. Laut ITU gibt es weltweit über 5,3 Milliarden Mobiltelefone, jeder <a href="http://www.itu.int/ITU-D/ict/statistics/" target="_blank" class="liexternal">neunte Erdbewohner</a> hat Zugang zu einem mobilen Netzwerk.  Die Regel, dass Journalisten die wichtigsten Gatekeeper für Nachrichtenereignisse sind, gilt nicht mehr. <a href="http://scripting.com/stories/2009/05/15/sourcesGoDirect.html" target="_blank" class="liexternal">„Source kann go direct“</a>. Jeder, ob Privatperson, Politiker, Unternehmer oder Organisation kann sich direkt an das Publikum wenden, ohne Intervention von Journalisten.</li>
<li>Trotz Information Overload: Nie war das Suchen und Zusammentragen von Information leichter. Oft ist die Information nur einen Link entfernt. Das Internet bietet nicht nur mächtige Tools, um Information aufzuspüren, sondern auch um Information zu kuratieren und organisieren. Auch wenn Open Government immer noch ein fernes Ziel ist. Immer mehr Regierungen und Organisationen stellen frei zugänglich riesige Datensätze ins Netz (Beispiele sind das <a href="http://data.gov.uk/" target="_blank" class="liexternal">http://data.gov.uk/</a> Projekt der britischen Regierung oder das <a href="http://data.un.org/" target="_blank" class="liexternal">Datenportal der UNO</a>)</li>
<li>Die Kommunikation mit dem Publikum hat sich radikal verändert. Der Rückkanal im Kommunikationsmodell beschränkt sich nicht mehr auf Leserbriefe oder Zuschaueranrufe. Die Nutzer – oder wie Jay Rosen schreibt <a href="http://archive.pressthink.org/2006/06/27/ppl_frmr.html" target="_blank" class="liexternal">„People formerly known as audience“</a> – können unmittelbar, in Echtzeit mit Journalisten kommunizieren, sie bringen selbst Wissen ein. Andererseits können Journalisten das Wissen der Nutzer anzapfen. Der „Vater“ des Bürgerjournalismus und Autor des Buches <a href="http://www.authorama.com/we-the-media-1.html" target="_blank" class="liexternal">We the Media Dan Gillmor</a> bringt es so auf den Punkt: <em>„Big Media, in any event, treated the news as a lecture. (..)  Tomorrow’s news reporting and production will be more of a conversation, or a seminar.“</em> Das Wort Tomorrow sollte man aber inzwischen mit Today ersetzen.</li>
<li>Die Produktionsbedingungen für journalistische Produkte haben sich radikal verändert. Das Internet kennt keine Platzbeschränkung (das einzige Limit ist die Serverkapazität) und auch keinen Redaktionsschluss. Das Equipment für hochwertige Multimediaproduktionen ob Video, Ton oder Foto ist erheblich erschwinglicher geworden. Für Live-Berichterstattung reicht heute im Prinzip ein Smartphone aus. Das Internet ist deshalb eigentlich ein Medium der unbegrenzten Möglichkeiten. Neue Formen des Storytelling sind möglich.</li>
<p></p>
<p><big><strong>Diese Entwicklung verlangen Journalisten eine neue Denke ab. Hier sieben Empfehlungen:</strong></big></p>
<p></p>
<p><strong>1) Baue Dir deine personalisierte Nachrichtenagentur auf</strong></p>
<p>Du suchst relevante Stimmen nicht nur in den klassischen Kanälen. Breaking News kommen nicht mehr zwangsläufig über den Ticker der Nachrichtenagenturen oder von klassischen Medienmarken. Twitter, Facebook und Blogs können interessante, alternative Nachrichtenquellen sein. Sie sind so seriös und unseriös wie jede andere Quelle auch, d.h. sie müssen verifiziert werden. Deshalb lohnt es sich, sich einen Social Circle seines Vertrauens aufzubauen. Wie effizient man das machen kann, hat der NPR-Journalist Andy Carvin in der <a href="http://www.cjr.org/behind_the_news/is_this_the_worlds_best_twitter_account.php" target="_blank" class="liexternal">Berichterstattung über die Umstürze in Nordafrika</a> bewiesen. Die sozialen Netzwerke sind voll mit  Experten zu allen möglichen Themen.</p>
<p><strong>2) Du suchst den Dialog auf Augenhöhe mit den Nutzern</strong></p>
<p>Nach wie vor fällt es vielen Journalisten schwer, Selbstkritik zu üben. Hier wäre ein wenig mehr Demut und Kritikfähigkeit gefragt. Davon kann ein Journalist nur profitieren. Denn das Nutzerfeedback gibt oft interessante Anstöße, um neue Themen zu finden oder auch Lücken in der Recherche zu entdecken. Der Austausch mit dem Publikum hilft auch, die Bindung an das eigene Medium zu erhöhen.</p>
<p><strong>3) Du nutzt die Weisheit deiner Leser</strong></p>
<p>Über die Leser der New York Times hat <a href="http://jayrosen.posterous.com/the-journalists-formerly-known-as-the-media-m" target="_blank" class="liexternal">Jay Rosen einmal gesagt:</a> <em>„The most valuable thing the New York Times owns is its name and reputation. The second most valuable thing it has: the talent and experience of its staff. The third most valuable thing the Times “owns” is the knowledge and sophistication of its users.“</em> Unter den Nutzern befinden sich Experten aller Coleur: Anwälte, Ärzte, Lehrer, Unternehmer. Sie verfügen häufig über Fachwissen, das das der Journalisten weit übersteigt. Andererseits sind die Nutzer häufig da, wo der Journalist gerade nicht sein kann. Zapfe also das Wissen deiner Leser an. Betreibe Crowdsourcing. Wie gut das funktionieren kann hat der Guardian bewiesen. Ein eindrucksvolles Beispiel lieferte die britische Tageszeitung, als sie Hunderttausende <a href="http://eu.techcrunch.com/2009/06/18/guardian-releases-crowd-sourcing-app-to-pick-over-mps-expenses/" target="_blank" class="liexternal">Spesenabrechnungen britischer Abgeordneter</a> von seinen Lesern prüfen ließ.</p>
<p><strong>4) Du machst deinen Arbeitsprozess transparent</strong></p>
<p><a href="http://www.hyperorg.com/blogger/2009/07/19/transparency-is-the-new-objectivity/" target="_blank" class="liexternal">David Weinberger</a> hat dargelegt, warum das Konzept der Objektivität im Zeitalter des Internet überkommen  ist. Er kommt zu dem Schluss: <em>Transparency ist the new objectivity</em>. Vertrauen schaffen Journalisten in der verlinkten Welt von heute nicht mehr allein, indem sie schlicht behaupten, dass eine Information richtig ist. Sie schaffen es vielmehr, indem sie offenlegen, warum sie zu einer bestimmten Position gelangt sind. Dazu gehört es auch, soweit möglich, relevante Quellen zu verlinken.</p>
<p><strong>5) Du kuratierst Information und managest den Information-Overload durch eine kritische Nutzung von Filtern (Suchmaschinen, Social Media, News Aggregatoren)</strong></p>
<p>Der Journalist von heute muss in der Lage sein, den gewaltigen Informationsstrom zu bändigen. Das Kuratieren ist ja gerade das, was professioneller Journalismus heute leisten muss. Vertrauensvolle, relevante Information herauszufiltern. Dazu gehört das Bewusstein, dass die Filter durch die automatisierte Auswahlverfahren zu verzerrten Ergebnissen führen können. Hier sei eine Auseinandersetzung mit <a href="http://www.ted.com/talks/eli_pariser_beware_online_filter_bubbles.html" target="_blank" class="liexternal">Eli Parisers Theorie der “Filter Bubble”</a> empfohlen.</p>
<p><strong>6) Du begreifst Journalismus als Prozess</strong></p>
<p>Das Internet kennt keinen Redaktionsschluss. <a href="http://www.buzzmachine.com/2009/06/07/processjournalism/" target="_blank" class="liexternal">Process Journalismus</a> geht im Gegensatz zum Produktjournalismus davon aus, dass Geschichten kein eindeutiges Ende haben. Der Chefredakteur des <a href="http://www.poynter.org/latest-news/106389/rusbridger-openness-collaboration-key-to-new-information-ecosystem/" target="_blank" class="liexternal">Guardian Alan Rusbridger hat das ganz gut auf den Punkt gebracht</a>. <em>“A reporter may choose not to write a story at all, but to blog it. A blog need not “report” a story in the conventional way: It can link to other reports and to source materials. Within minutes of publication most stories will be subject to challenge or addition or clarification or correction. How we react to, or incorporate, that challenge is of basic concern. A “story,” thus told, may have no obvious natural finishing point. The resulting piece of journalism is more fluid than its predecessors. It more closely resembles the real world, which is rarely about neatly cut and dried events with only one narrative version and a finite ending.”</em></p>
<p>Journalismus wird hier als Work in Progress verstanden, in dem schon früh die Nutzer mit einbezogen werden. Deshalb muss bloggen oder twittern auch kein Zeitfresser sein. Im Gegenteil: ein Blog ist ja oft nichts anderes, als ein öffentlicher Notizblog, der dem Reporter hilft, sein Wissen zu mehren und seine Kompetenz zu stärken sowie sich von Nutzern Anregungen zu holen.</p>
<p><strong>7) Du betreibst Storytelling  auf mehreren Kanälen</strong></p>
<p>Das Radio lebt, das TV auch und die Zeitung ist nicht tot. Das Internet bedeutet nicht das Ende der klassischen Medienformen. Es erweitert aber die Möglichkeiten, wie ich Geschichten erzähle. Wem daran liegt, seine Stories unters Publikum zu bringen, der wird diese Möglichkeiten nutzen. Man sollte sich fragen, auf welchen Kanäle man wie seine Story erzählen soll. Macht es Sinn, bereits einen Rechercheblog zu starten, lohnt sich die Einbindung der Nutzer über Social Media und wie präsentiere ich meine Geschichte letztendlich im Internet. Dabei sollte die visuelle Aufarbeitung der Story eine prioritäre Rolle spielen. Internet ist vor allem ein Medium fürs Auge. Das heißt keineswegs, dass wir nun immer Videos machen. Doch das visuelle Denken fängt schon beim Texten an: Es muss ja nicht immer der „lange Riemen“ sein. Warum nicht einmal ein Pro-Kontra- oder ein Frage-Antwort-Text, eine Chronologie, etc.. Wie man die Kraft der Fotografie nutzt zeigt beispielsweise das inzwischen viel kopierte Format des Bosten Globe Big Picture. Immer größer wird das Thema der <a href="http://datajournalism.stanford.edu/" target="_blank" class="liexternal">Visualisierung von Datensätzen</a>. Hier entstehen neue Berufsfelder in der Programmierer und Journalisten sich an einen Tisch setzen. Das Internet bietet Journalisten Freiräume für Kreativität. Deshalb sollte man sich bei jeder Geschichte die Frage neu stellen: Gibt es noch eine bessere, visuelle Idee die Geschichte zu erzählen.</p>
</p>
<p><strong>Autor:</strong> <a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3073180,00.html" target="_blank" class="liexternal">Steffen Leidel</a> ist DW-World.de-Experte für Bolivien, Kolumbien, Venezuela und Peru mit den Schwerpunktthemen Entwicklungspolitik, Armutsbekämpfung, Drogenpolitik sowie Erdölwirtschaft und Energiepolitik. Außerdem ist er Experte für Europa in Sachen Migration (speziell Spanien).</p>
<p>Er betreibt zusammen mit Marcus Bösch den Gemeinschaftsblog <a href="http://training.dw-world.de/ausbildung/blogs/lab/" target="_blank" class="liexternal">„lab“</a> von wo aus wir diesen <a href="http://training.dw-world.de/ausbildung/blogs/lab/?p=2455" target="_blank" class="liexternal">Crosspost</a> mit freundlicher Genehmigung Steffen Leidels veröffentlichen durften.</p>
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		<title>Transparenz in den Medien</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2011/10/13/transparenz-in-den-medien/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 07:35:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Wer hatte sich das nicht schon immer gewünscht: Auf Zeitungen könnten nun nette Labels prangen, die potentielle Leser auf die Verhältnisse hinweisen, wie bestimmte Inhalte in Zeitungen und Magazinen entstehen. Wer sich diese hilfreichen Etiketten herunter laden will, der findet hier mehr Beispiele und ein PDF, das direkt auf Avery-Etiketten ausdruckbar ist&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2011/10/warning-agentur.jpg" class="liimagelink"><img class="alignleft size-full wp-image-27824" title="warning-agentur" src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2011/10/warning-agentur.jpg" alt="" width="495" height="270" /></a><br />
Wer hatte sich das nicht schon immer gewünscht: Auf Zeitungen könnten nun nette Labels prangen, die potentielle Leser auf die Verhältnisse hinweisen, wie bestimmte Inhalte in Zeitungen und Magazinen entstehen. Wer sich diese hilfreichen Etiketten herunter laden will, der findet <a href="http://www.tomscott.com/warnings/" target="_blank" class="liexternal">hier mehr Beispiele und ein PDF</a>, das direkt auf Avery-Etiketten ausdruckbar ist&#8230;</p>
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		<item>
		<title>Kann ein Blog ein Qualitätsmedium sein?</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2011/10/10/kann-ein-blog-ein-qualitatsmedium-sein/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 07:45:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Am Donnerstag besuchte ich eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Zukunft der Presse im digitalen Zeitalter“, im Rahmen einer Vorführung der Dokumentation „Page One – Inside The New York Times“, auf dem Filmfest Hamburg. Ich erhoffte mir einen Einblick hinter die Kulisse der klassischen Printmedien und besonders durch das Gespräch der Gäste ein paar Denkanstöße, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2011/10/Qualitätsmedium-Blog.gif" alt="Qualitätsmedium Blog" title="Qualitätsmedium Blog" width="290" height="149" class="left" /></a>Am Donnerstag besuchte ich eine <a href="http://www.netzpiloten.de/2011/10/01/page-one-inside-the-new-york-times-doku/" target="_blank" class="liinternal"><u>Podiumsdiskussion</u></a> zum Thema „Die Zukunft der Presse im digitalen Zeitalter“, im Rahmen einer Vorführung der Dokumentation „Page One – Inside The New York Times“, auf dem Filmfest Hamburg. Ich erhoffte mir einen Einblick hinter die Kulisse der klassischen Printmedien und besonders durch das Gespräch der Gäste ein paar Denkanstöße, wie Qualitätsmedien und die Anforderungen des Internets zusammen funktionieren könnten. Anstatt aber über mögliche Wege und Strategien zu sprechen, wurde ein Großteil der knappen Zeit leider dafür verwendet, die Dokumentation zu kommentieren und zu erklären, warum klassische Qualitätsmedien und digitale Medien unterschiedlicher nicht sein können&#8230;<span id="more-27522"></span></p>
<p>Was mir dabei bereits nach kurzer Zeit aufgefallen ist, war die einstimmige Meinung der beiden teilnehmenden Journalisten Frau <a href="http://www.simone-schellhammer.de/" target="_blank" class="liexternal"><u>Simone Schellhammer</u></a> und Herr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Lilienthal" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia"><u>Prof. Dr. Volker Lilienthal</u></a>, die beide die Rolle des Blogs als qualitatives Meinungsmedium tendenziell eher verneint haben. Ein Haltung, die ich in Anbetracht viel gelesener und einflussreicher Blogs wie <a href="http://netzpolitik.org/" target="_blank" class="liexternal"><u>Netzpolitik.org</u></a> oder <a href="http://www.lawblog.de/" target="_blank" class="liexternal"><u>Lawblog.de</u></a> im ersten Moment und auch nach etwas längerem Nachdenken nicht teile.</p>
<p>Bei meiner Suche nach einer konkreten oder einheitlichen Definition, was ein Qualitätsmedium eigentlich genau sei und was es kennzeichnet, bin ich nicht eindeutig fündig geworden. Eine klare Aussage zu dem Begriff gibt es nicht. <em>„When asked to define it, journalists and others have difficulties articulating its elements“</em> stellte <a href="http://www.robertpicard.net/Picard.html" target="_blank" class="liexternal"><u>Robert G. Picard</u></a> einmal in seinem Artikel <a href="http://findarticles.com/p/articles/mi_qa3677/is_200401/ai_n9353039/" target=_blank" class="liexternal"><u>„Commercialism and Newspaper Quality“</u></a> fest. Und genau darin liegt wahrscheinlich auch das Problem. Das Gütesiegel wird im Grunde selber verliehen von denjenigen, die denken es verdient zu haben. Dabei ist auffällig, dass gerade etablierte Printmedien und die dahinter stehenden Journalisten diese Bezeichnung gerne vereinnahmen und sich als das Maß aller Dinge begreifen. Kriterien wie investigativ, originell sowie sorgfältig und vollständig recherchiert, sind die Indikatoren, die oftmals einstimmig von der Allgemeinheit genannt werden. Doch können diese Kriterien nicht von Bloggern erfüllt werden? Sind Blogartikel schlecht recherchierte und einfach dahin gerotzte Beiträge, die man nicht ernst nehmen kann, weil sie jeglichem Qualitätsanspruch nicht gerecht werden? Natürlich kann man nicht jeden Blog als qualitativ hochwertig bezeichnen, genauso wenig wie man jede Berichterstattung einer Tageszeitung als qualitativ hochwertig bezeichnen kann. Oftmals wird nur verlautbart, was sich im Tagesgeschäft der Nachrichten so tut. Was hier und dort auf der Welt passiert. Kalttexte, die mit der „heißen Nadel“ geschrieben worden, sind in den Printmedien wie der <a href="http://www.faz.net/" target=_blank" class="liexternal"><u>FAZ</u></a> oder der <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target=_blank" class="liexternal"><u>Süddeutschen Zeitung</u></a> genauso allgegenwärtig, wie auf so manch einem Blog. Und genauso verhält es sich auch mit hochwertigen Texten.</p>
<p>Wer an einen Blog denkt, der geht meistens erstmal davon aus, dass er von einer Person geschrieben wird. Diese Person nutzt dieses Medium dann –  in den Gedanken der Leute – lediglich um seine eigenen Meinungen preiszugeben oder um es als digitale Visitenkarte zu betreiben, damit andere auf denjenigen aufmerksam werden. Der zweite Gedanke geht dann oftmals in die Richtung Corporate Blogs. Also Firmen-Blogs, die darauf ausgerichtet sind, mithilfe des Mediums eine größere Reputation ihrer Marke auszulösen. Ein Blog, auch wenn er sich mit gesellschaftlichen Themen oder Nachrichten beschäftigt, passt für die meisten nicht wirklich ins Bild des Qualitätsanspruches einer Tages- oder Wochenzeitung. Diese bieten nämlich eine breite Masse an größtenteils gut recherchierter Themen verschiedener Ressorts an und auch das ist ein (nirgends fundiertes) Kriterium, das Prof. Dr. Lilienthal einem Qualitätsmedium zu schreibt. <em>„Ein Qualitätsmedium hat dem Leser eine breite Fülle verschiedener Themen anzubieten“</em> und <em>„Blogs berichten zu einseitig“</em>, entgegnete er mir auf die Frage hin, ob er sich vorstellen könne, dass Blogs vielleicht zukünftig zu Qualitätsmedien werden können. Für mich persönlich macht dieses zusätzliche Kriterium, dass der Journalistik-Professor der Universität Hamburg hervorbrachte lediglich aus, ob es sich um ein Massenmedium handelt, jedoch macht es kein Qualitätsmedium aus. Zumindest nicht dann wenn die Qualität des Inhaltes, also des darin enthaltenen Artikels, im Fokus des Betrachters liegt.</p>
<p>Dass Blogs auch und gerade wegen Ihrer Neigung zu einem bestimmten Ressort durchaus einen hohen Qualitätsanspruch aufweisen können und damit sogar Skandale identifizieren, die von dem klassischen Medien ungesehen bleiben, bewies nicht zu letzt auch der Fall Horst Köhler. Der Skandal um die Formulierung der „freien Handelswege“, mit der Köhler militärische Mittel rechtfertigte, kostete dem Bundespräsidenten a. D. im Endeffekt sogar sein Amt. Die Debatte wurde hier maßgeblich durch den Blogger Stefan Gauke von <a href="http://www.unpolitik.de/" target="_blank" class="liexternal"><u>Unpolitik.de</u></a> losgetreten, der das Köhler-Interview auf Deutschlandfunk aufgriff und die Äußerungen unter dem Titel „<a href="http://www.unpolitik.de/2010/05/22/unser-volk-braucht-markt/" target="_blank" class="liexternal"><u>Unser Volk braucht Markt!</u></a>“ in Frage stellte. Kurz darauf wurde das Thema von etlichen anderen Blogs u.a. einem Blog vom <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/mcmac/uns-horst-verliert-die-maskenkontrolle" target="_blank" class="liexternal"><u>Freitag</u></a> und auch dem <a href="http://www.querblog.de/2010/05/22/wie-bitte-herr-khler/" target="_blank" class="liexternal"><u>Querblog</u></a> aufgefasst und thematisiert. Bis dahin gab es noch keine Regung der klassischen Medien dazu. Die Beobachter in den Redaktionen waren wohl voll beschäftigt mit dem Rücktritt Roland Kochs oder vielleicht war die Äußerung nicht wichtig genug. Laut Prof. Dr. Lilienthal waren die Redaktionen sogar <em>„im Wochenende!“</em>.</p>
<p>Ein anderes aktuelleres Beispiel dafür, das Blogs mit Ihren Recherchen auch investigativ sein können, beweist die „Causa Kauder“. Der CDU-Politiker <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/K/kauder_siegfried.html" target="_blank" class="liexternal"><u>Siegfried Kauder</u></a>, der mithilfe des sogenannten „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Three_strikes" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia"><u>Three-Strikes-Modell</u></a>“ Urheberrechtsverletzern im Web den Zugang zum Netz sperren will, ging nach seiner Bekanntgabe des Vorhabens ebenfalls einem findigen Blogger auf den Leim. <a href="http://tobias-raff.org/" target="_blank" class="liexternal"><u>Tobias Raff</u></a> empörte sich an diesem Vorhaben so stark, dass er dem Vorsitzenden des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages aufgrund eigener Verstöße des Urheberrechtes anzeigte. Der Blogger fand zuvor heraus, dass Kauder nicht-lizenzierte Bilder auf seiner eigenen Homepage veröffentlichte. Dieses Thema wäre wohl kaum zur Debatte gekommen ohne die ernstzunehmenden Vorwürfe Raffs und womöglich sogar vollkommen untergegangen. Dabei hat dieses Unterfangen weit mehr ausgelöst, als die pure Zurschaustellung der Unfähigkeit Siegfried Kauders. Es zeigt auch wie schnell man in <a href="http://www.netzpiloten.de/2011/09/28/das-three-strikes-modell-und-die-urheberrechtsfalle/" target="_blank" class="liinternal"><u>Urheberrechtsfallen</u></a> treten kann – selbst als Jurist – und wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht.</p>
<p>Der klassische Journalist und der zumeist unterschätzte Blogger geraten bei der Qualitätsfrage oft aneinander. „Internetschreiberling“ schimpft der eine, „Graue Eminenz“ schimpft der andere. Beide jedoch, bezeichnen sie sich selber gerne als „dritte Instanz“ und verdienen diese Bezeichnung auch. Schaut man sich um, dann wirkt dieses Zusammenspiel der beiden „Instanzen“ wie das Vater-Sohn-Verhältnis zweier konkurrierender Platzhirsche. Der Ältere fühlt sich bedroht durch den Anspruch auf Anerkennung des Jüngeren und der Jüngere fühlt sich denunziert durch das Niederreden seiner Leistungen durch den Älteren. Es ist ein Getue, wie man es eigentlich nur von rebellierenden Jungen und konservativen Alten erwarten würde. Dabei ist dieser Typus Mensch sich ähnlicher, als beide Parteien glauben, denn es fließt das gleiche Blut in deren Venen. Eine engere Zusammenarbeit jedenfalls könnte nicht schaden.</p>
<p>Was nun tatsächlich ein Qualitätsmedium ist oder nicht, vermag auch ich nicht zu sagen. Ich sehe Qualität in beiden Gestalten. Sowohl im Blog als nach wie vor in den klassischen Medien. Wichtig ist für mich, womit sich das Medium beschäftigt, welchen Anspruch es an sich selber hat und wer da über was schreibt. Gerade bei dem Thema Internet und neue Medien, sehe ich jedenfalls höhere Kompetenzen bei den nennenswerten Bloggern wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Beckedahl" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia"><u>Markus Beckedahl</u></a>, als bei den klassischen Journalisten. Gleichwohl gibt es aber auch Themen, die ich eher der <a href="http://www.zeit.de/index" target="_blank" class="liexternal"><u>ZEIT</u></a> oder dem <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank" class="liexternal"><u>Spiegel</u></a> zuschreiben würde.</p>
<p>Zum Ende hin würde mich nun einmal interessieren, was für euch Qualitätsmedien sind. Und ob Ihr Blogs zukünftig eine größere Bedeutung im Bezug auf die politische und gesellschaftliche Öffentlichkeit zuschreiben würdet. Kann ein Blog außerdem zum Qualitätsmedium werden? Ich bin sehr gespannt auf eure Meinung!</p>
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		<title>Warum man auf Blogger nicht scheißen sollte</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2011/09/20/warum-man-auf-blogger-nicht-scheisen-sollte/</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 08:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Wenn Twitter im Alltag der Journalisten unbekannt ist, dann nehmen sie die Wirklichkeit nicht mehr wahr. Zeit für die Medien, sich selbst weniger wichtig zu nehmen und das Internet zu verstehen. Die liebwertesten Gichtlinge in Politik und Wirtschaft sollten Blogger nicht mehr unterschätzen. Ein Lehrbeispiel präsentierte der Journalist Richard Gutjahr auf dem DJV-Fachkongress „Besser Online“ im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Twitter im Alltag der Journalisten unbekannt ist, dann nehmen sie die Wirklichkeit nicht mehr wahr. Zeit für die Medien, sich selbst weniger wichtig zu nehmen und das Internet zu verstehen.</p>
<p><span id="more-26143"></span></p>
<p>Die liebwertesten Gichtlinge in Politik und Wirtschaft sollten Blogger nicht mehr unterschätzen. Ein Lehrbeispiel präsentierte der Journalist Richard Gutjahr auf dem DJV-Fachkongress „Besser Online“ im Bonner Post-Tower. Landläufig herrsche die Auffassung, dass Organisationen nur bei Anfragen etablierter Medien wichtige Informationen preisgeben. Gutjahr verwies auf die Besonderheit des Veranstaltungsortes. „Ich habe vor rund einem Jahr bei der Deutschen Post angerufen, bevor ich in die Sommerferien geflogen bin. In dem Telefonat mit der Pressestelle sagte ich, dass ich zwar für den Bayerischen Rundfunk arbeite, aber die Anfrage als Blogger stelle“, so Gutjahr. Die Recherche drehte sich um den legendären E-Postbrief mit dem Versprechen des Gelben Riesen, das Briefgeheimnis ins Internet zu bringen. Kompliziert, teuer und nicht besonders sicher, lautete das erste Urteil der Stiftung Warentest. Gutjahr wollte etwas zu den AGBs wissen. „Denn die verkaufen nämlich die Adressen der vermeintlich sicheren Geschäftsidee. Dann gab mir der Konzern-Pressesprecher sinngemäß folgende Antwort: ‚Wenn Sie für die ARD anrufen, gebe ich Ihnen eine Auskunft. Blogger interessieren uns nicht.‘ Dann habe ich denen danach noch einen Fragenkatalog per E-Mail geschickt und telefonisch nachgehakt. Der Herr hat nicht mehr reagiert“, erläuterte Gutjahr.</p>
<h2>Ignoranz führt zum Shitstorm</h2>
<p>Er teilte der Post mit, den Beitrag auch ohne eine Stellungnahme des DAX-Konzerns auf seinem Blog zu veröffentlichen. Wieder keine Reaktion. „Auf dem Weg zum Flughafen drückte ich den Publish-Button auf meinem iPhone. Als ich aus dem Flieger am Urlaubsort ausstieg, war der Server zusammengebrochen. Lesen Sie mal meinen Blogpost <a href="http://gutjahr.biz/blog/2010/07/die-gelbe-gefahr/" target="_blank" class="liexternal">‚Der E-Postbrief – Die Gelbe Gefahr?‘</a>. Das ist ein Paradebeispiel, wie man auf keinen Fall mit Bloggern umgehen sollte“, sagte Gutjahr. Die Post habe an diesem Tag eine Menge Geld verballert, weil sie einem Blogger kein Interview geben wollte. Im Kommentarverlauf könne man sehr gut nachvollziehen, wie der Shitstorm sich ausbreitete und nicht mehr gekontert werden konnte. „Die mussten ihre AGBs ändern und eine sündhaft teure Kampagne hinterherschieben. So etwas wird denen nicht mehr passieren. Mittlerweile beantwortet die Post jede Blogger-Anfrage.“</p>
<p>Mittlerweile gebe es einige DAX-Konzerne, die ihren Pressestellen und Kundenberatern sogarDIN A3 große Flow-Charts an die Hand geben, damit sie wissen, wie man mit xy umgehen muss, wenn er eine Frage via Telefon, E-Mail, Twitter oder Facebook stellt, bestätigte der Berater und Blogger Don Dahlmann in der Gesprächsrunde zum Thema „Ich bin drin – und jetzt? Selbstvermarktung und Social Media“.</p>
<p>Das Instrument der Abmahnung einzusetzen, um sich kritische Blogger vom Leib zu halten, sei wenig ratsam. „Das führt zum berühmten Streisand-Effekt. Im Moment der Abmahnung geht der Shitstorm erst so richtig los. Wer einen Blogger abmahnen will, kann ihm auch direkt auf den Rasen scheißen. Das kommt auf das Gleiche raus. Es führt zu einer Solidarisierung der Blogszene“, weiß Dahlmann. Da seien einige Firmen schon ganz böse hingefallen. Aber nicht nur Konzernsprecher unterschätzen die Möglichkeiten der digitalen Welt. Das gilt überraschenderweise auch für den journalistischen Nachwuchs.</p>
<h2>Digitale Inkompetenz im Journalismus</h2>
<p>„Junge Leute, die zur Journalistenschule kommen, sind nicht per se bei Twitter oder Facebook. Ich wundere mich, wie wenig die sozialen Netzwerke in den Arbeitsalltag integriert werden. Das gilt vor allem für Twitter. Als journalistisches Medium ist es unbekannt. Facebook ist für alle selbstverständlich – aber eher für die private Nutzung“, erklärte Matthias Spielkamp von iRights.info im Abschlussplenum von „Besser Online“. Der deutsche Journalismus im Umgang mit den neuen Medien sei noch sehr unterentwickelt, kritisierte Stefan Plöchinger von sueddeutsche.de. Das Selbstbildnis vom allwissenden Journalisten habe sich durch die Social-Media-Ausdrucksformen in angelsächsischen Ländern schon sehr gut reduziert. Hier gebe es sehr interessante und kluge Ansätze für einen kuratierenden und moderierenden Charakter des Journalismus. „Es ist erstaunlich, dass wir das im Jahr 2011 in Deutschland noch nicht entdeckt haben. Wir reden über neue Kulturtechniken, die Journalisten erlernen müssen. Wir befinden uns in einem Ökosystem, das sich permanent ändert. Ich bekomme einen kalten Schauer, wenn ich in der Klasse einer Journalistenschule stehe und nach den Berufswünschen frage“, so Plöchinger. Die Hälfte wolle nicht digital arbeiten, sondern eher das berühmte Stück auf Seite drei schreiben. „Die haben aber noch 40 Jahre vor sich. Das wird nicht mehr passieren. Man wird digital arbeiten. Man wird sich damit auseinandersetzen müssen.“</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Crosspost von <a href="http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/8072-blogger-und-journalisten" target="_blank" class="liexternal">theeuropean</a></p>
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		<title>Rezension: Wired auf deutsch</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2011/09/09/rezension-wired-auf-deutsch/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Sep 2011 08:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Mey</dc:creator>
		
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Wild, wilder, Wired Die deutsche Zeitschriften-Landschaft ist im internationalen Vergleich außerordentlich beweglich. Neue Objekte werden gegründet, andere gehen ein, und meistens geschieht das außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Doch dann gibt es ab und zu Magazin-Projekte, auf die alle schauen, so als würde sich hier die Zukunft einer ganzen Branche entscheiden. Das Neon war eines und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2011/09/Wirred-No.-1-Cover-Ausschnitt.jpg" alt="" title="Wirred No. 1 Cover (Ausschnitt)" width="456" height="166" class="alignleft size-full wp-image-25511" /></a></p>
<p><strong>Wild, wilder, Wired</strong></p>
<p>Die deutsche Zeitschriften-Landschaft ist im internationalen Vergleich außerordentlich beweglich. Neue Objekte werden gegründet, andere gehen ein, und meistens geschieht das außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Doch dann gibt es ab und zu Magazin-Projekte, auf die alle schauen, so als würde sich hier die Zukunft einer ganzen Branche entscheiden. Das <em>Neon</em> war eines und die in Deutschland glücklose <em>Vanity Fair</em>. Jetzt ist es wieder so weit. Eine deutsche Ausgabe des <span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.wired.de/" target="_blank" class="liexternal"><em>Wired</em></a></span></span>-Magazins wurde aus dem Boden gestampft&#8230;</p>
<p><span id="more-25510"></span></p>
<p>Seit gestern liegt sie, als Test-Pilot, dem Herren-Magazin <em>GQ</em> bei. Sie erscheint im Condé-Nast-Verlag, der sich erfolgreich auf Hochglanz-Magazine spezialisiert hat, Neben <em>Vanity Fair</em>, erscheint hier auch die einflussreiche Mode-Gazette <em>Vogue</em>. Der Chefredakteur der neuen Verlags-Tochter ist ein alter Bekannter der Blogosphäre: Thomas Knüwer war einmal Handelsblatt-Redakteur und betrieb dort den erfolgreichen Blog „Indiskretion Ehrensache“. Dann hat er gekündigt, um sich als freiberuflicher Blogger und vor allem <span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.kpunktnull.de/kpunktnull/" target="_blank" class="liexternal">als Berater</a></span></span> selbständig zu machen.</p>
<p>Das Heft ist spannend – und respektabel: 130 Seiten, die einen klaren thematischen Fokus haben (das Web, das Web, und nochmals das Web). Innerhalb dieses Kosmos wird aber eine Vielfalt geboten, für die im klassischen Print-Journalismus der Platz und vor allem das Gespür fehlt. Die bunte und breite Online-Welt wird gespiegelt durch soliden und sorgfältig recherchierten Journalismus. Und daran fehlt es vielen Blogs. Hier schließt sich der Kreis. <em>Neon</em> meets <em>Netzwertig</em>.</p>
<p>Im Heft trifft man viele der üblichen Verdächtigen: die bloggenden Journalisten Richard Gutjahr und Mario Sixtus sowie der IBM-Wunderknabe Gunter Dueck schreiben als Kolumnisten. Über Markus Beckedahl wird berichtet, der unausweichliche Jeff Jarvis sinniert über Johannes Gutenberg und das Silicon Valley.</p>
<p>Es sind einige richtig gute Sachen dabei. Freche und sinnvoll konzipierte Grafiken informieren über die Globalisierung des Verbrechens, die Demontage vom Atom-Kraftwerken und das Oktoberfest.</p>
<p>Das Highlight ist ein Bericht über Dark Nets, den finsteren, illegalen Underground des Netzes. Doch leider ist der Artikel mit zwei großzügig gelayouteten Seiten viel zu kurz. Einen längeren Text hätte man dem Leser schon zumuten können.</p>
<p>Das Heft ist in Ressorts unterteils, die ganz den aktuellen Magazin-Gepflogenheiten folgen, das heißt hip und lebendig klingen: „View“, „Think“, „Fetisch“, „Play“ … Allerdings tragen die Ressort-Namen nicht unbedingt zur Klarheit bei, weswegen das (noch dazu visuell überfrachtete) Inhaltsverzeichnis mehr verwirrt als erhellt. Vom <em>Neon</em>-Magazin mit seinen intuitiven Ressort-Namen könnte da noch einiges gelernt werden.</p>
<p><strong>Zukunftsaussichten</strong></p>
<p>Definitiv füllt das deutsche <em>Wired </em>eine Lücke. Es gibt das <em>t3n</em>-Magazin, doch das ist sehr, sehr technisch, die zwei-wöchentlich erscheinende <em>Internet World Busines </em>hat hingegen einen reinen Wirtschafts-Fokus, und das „Business-Lifestyle“-Magazin <em>Business Punk</em> hat einen interessanten Ansatz, die Umsetzung ist aber einfach nur albern.</p>
<p>Die große Frage ist, ob sich die Wired in Deutschland halten kann. Zumindest dafür,  dass sich Werbekunden hier wohl fühlen, wird gesorgt: eine Produktstrecke mit Gadgets im Hochpreis-Segment sorgt für die richtige Stimmung bei der Leserschaft. Wenn das nicht reicht, gibt es ein Advertorial-Format, mit dem Anzeigen den Look eines regulären Artikels verpasst bekommen. In Heft 1 etwa wird der BMW i, ein Canon-Drucker und das Bezahlfernsehen Sky Go im Rahmen einer jeweils mehrseitigen „Wired Promotion“ vorgestellt. Im BMWi-Artikel heißt es zum Beispiel.: „Noch nie waren sich pure Fahrfreude und verantwortungsvolle Mobilität so nahe.“</p>
<p>Wie der Lesermarkt reagiert, lässt sich schwer voraussagen. Das Scheitern der mit viel Talent und einem riesigen Marketing-Budget gestarteten <em>Vanity Fair</em> hängt als Damoklesschwert über jedem ambitionierten Zeitschriften-Projekt. Ich wünsche viel Glück und hoffe, dass ich die deutsche <em>Wired</em> No. 2, No. 3, No. 4 bald in den Händen halten kann.</p>
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