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	<title>Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 &#187; Gesellschaft</title>
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	<description>Netzpiloten surfen oberhalb der Wolkendecke. Seit 1998 entdecken wir mit Euch, dass das Web mehr zu bieten hat als bedruckte Seiten hinter Glas.</description>
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		<title>Publiziere oder stirb!</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/05/07/publiziere-oder-stirb/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 07:50:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Netzpiloten-Kolumne</dc:subject>
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		<description><![CDATA[In den Wissenschaften wird das Problem schon lange diskutiert: Wer nicht publiziert, hat keine Chance etwas vom schrumpfenden Kuchen der akademischen Existenzsicherung in Universitäten und Forschungs- einrichtungen abzubekommen. Analog dazu verhält es sich mit Texten im Netz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/05/Treppe.jpg" alt="Publiziere oder stirb!" title="Publiziere oder stirb!" width="650" height="345" border="1" class="alignleft size-full wp-image-35456" /></p>
<p>In den Wissenschaften wird das Problem schon lange diskutiert: Wer nicht publiziert, hat keine Chance etwas vom schrumpfenden Kuchen der akademischen Existenzsicherung in Universitäten und Forschungseinrichtungen abzubekommen. Also werden die Fachzeitungen mit Artikeln geradezu bombardiert. Peer Review, das fachlich versierte Drübersehen von Kollegen zur Qualitätssicherung, ist weder in der Lage, die Mengen angemessen zu beurteilen noch gibt es überhaupt objektivierbare Gründe, eine Veröffentlichung gutzuheißen oder zu verneinen &#8211; abgesehen von offensichtlich falschen Annahmen oder Ergebnissen bzw. lächerlichen Forschungsmethodiken. </p>
<p>Aber da liegt der Hase schon im Pfeffer: Was heute lächerlich sein mag, kann morgen zum traditionellen Kanon eines Fachbereichs gehören. Und wo liegen die Perlen in der inflationären Forschungsproduktion? Analog dazu verhält es sich mit Texten im Netz. Immer mehr beruflich oder privat ambitionierte Schreiber verfassen immer mehr Buchstabensalat. Aber wer soll das alles essen und vor allem &#8211; warum? Ist Google ein gelungenes Werkzeug Peer Review zu simulieren?</p>
<p><span id="more-35445"></span></p>
<p>Bei jeder größeren Konferenz wird klar, dass die Besucher nur noch kommen, um sich selbst zu feiern. Die meisten Vorträge sind nur noch Anlass und nicht mehr Ziel eines Besuchs. Diese narzisstische Art von Inhaltekonsum hat den tiefsten Niederschlag bei sozialen Netzwerken aller Art. Wert erhält dort die viel gerühmte Resonanz eines Texts. Inhaltliche Diskussionen finden vielleicht noch bei Google+ statt, aber schon bei Facebook ist zu beobachten, dass meistens nur noch ein Abdrücken des eigenen Senfs stattfindet. Mehr kann man auch gar nicht mehr schaffen.</p>
<p>Bevor also die Schirrmachersche Gehirnvermanschung eingetreten ist, sind bereits jetzt allerorten Ermüdungserscheinungen sichtbar. Im Bereich der Wissenschaften ist das Hamsterrad so schnell geworden, dass oft nur noch zerhäckselter Dung in der Gemeinschaft der Forscher ankommt. Kleinstelemente aus den abstracts. So als würde man ein umfassendes White Paper nur noch in der Art lesen, dass man nur den allerletzten Absatz der executive summary an seine grauen Zellen lässt.</p>
<p>Hier von einem Zeitproblem oder Vereinfachung zu sprechen, greift zu kurz. Denn genauso wie beim wissenschaftlichen Publizieren ein falscher abstract-Text eine akademische Karriere ruinieren kann, so kann auch im Netz die Geschmeidigkeit eines Texts über innere Schwächen hinweg täuschen. Dass im Gegenzug die Qualitätsmedien gern einen verquasten Stil pflegen, um Bildung und damit Seriösität zu simulieren, kann nicht zufrieden stellen. </p>
<p>Denn es geht gar nicht darum, dem Leser Zucker um den Mund zu schmieren. Es geht darum, eine Aussage zu formulieren, die vorher gar nicht oder noch nicht mit dieser Perpektive formuliert wurde. Dann übrigens findet auch Google den Text irgendwann toll. Zumindest wenn er im Web besprochen und verlinkt wird. Den Search Engine Optimization heißt eigentlich Human Attraction Optimization. Der Algorithmus von Google basiert nämlich auf Soziometrie. Es geht dort um die Darstellung der Beziehungen zwischen Menschen und wie gut sie in einer Gruppe integriert sind. Gute Texte erkennen Menschen wie auch Algorithmen daran, dass sie breit diskutiert werden. Google bewertet sogar die Autoren, die sich auf einen Text beziehen. Wenn man noch einen Schritt weiter geht, dann wird die Güte eines Autors daran gemessen, welchen Einfluss er auf andere Texte ausübt. Und da hilft einem Text eben nur Originalität der Gedanken. Ein Herumschrauben an Schlüsselwörtern im Netz, ein Aufpolieren von Texten mit Elementen der humanistischen Bildung auf Papier helfen da rein gar nichts. Sie sind Schmuck am Nachthemd, oder um es mit den Worten des berühmten Philosophen Jörg Wittkewitz zu sagen: Es sind eingebildete Geländer an einer sehr steilen Treppe. </p>
<hr />
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/51119016@N04/5932946253/sizes/z/in/photostream/" target="_blank" class="liexternal">AngieD.</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" class="liexternal">Some rights reserved</a>)</p>
<hr />
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		<title>Is Anyone up? Ein Shitstorm wird zum Epic-Thunder</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 10:32:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Medien</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Is Anyone up? werden in Deutschland eher wenige kennen. In den Staaten dafür umso mehr. Kaum eine Seite hat dort mehr Kritik und negatives Aufsehen erhalten wie dieses Webseiten-Projekt. Und das will was heißen in einem Staat, indem sich mächtige erzkonservative Republikaner und eine ganze Generation durchgedrehter Collegeboys und wild feiernde Teenagerinnen mit gottgegebener Internet-Affinität, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/isanyoneup_into.jpg" alt="isanyoneup" title="isanyoneup" border="1" width="650" height="413" class="alignleft size-full wp-image-34934" />Is Anyone up? werden in Deutschland eher wenige kennen. In den Staaten dafür umso mehr. Kaum eine Seite hat dort mehr Kritik und negatives Aufsehen erhalten wie dieses Webseiten-Projekt. Und das will was heißen in einem Staat, indem sich mächtige erzkonservative Republikaner und eine ganze Generation durchgedrehter Collegeboys und wild feiernde Teenagerinnen mit gottgegebener Internet-Affinität, die Klinke in die Hand geben. Der Graben zwischen amerikanischen Tugenden und verlotternder Moral klafft tief im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. </p>
<p><span id="more-34920"></span></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/isanyoneup.jpg" alt="isanyoneup" title="isanyoneup" width="259" height="194" class="left" />Is Anyone up? ist eines dieser Paradebeispiele. Der Gründer Hunter Moore hat mit dieser Webseite eine Plattform geschaffen, in der rachsüchtige Exfreunde, verletzte Partner oder einfach nur exhibitionistische (und manchmal offensichtlich betrunkene) Teenager sich ihren niedersten Gelüsten hingeben konnten, indem man Nacktbilder (nicht selten mit pornografischen Avancen) vermeintlicher Mobbing-Opfer und seiner selbst einschickte, damit die dann fein-säuberlich kategorisiert veröffentlicht werden konnten. Das führte zu unglaublichen 500 Millionen Page Views.</p>
<p>Die Webseite übernahm die Funktion eines Prangers und hatte in Ihren Bestzeiten mehr Klagen wütender Väter auf dem Konto als Ölkonzerne Klagen von Umweltschützern. Moore machte sich auch daraus einen Spaß und veröffentlichte diese Mails, Facebook-Nachrichten und Briefe der Klagenden ganz stolz in einer eigenen Kategorie. </p>
<p>Seit nun ein paar Tagen ist Schluss mit diesem Gebaren wie <a href="http://abcnews.go.com/US/anti-bullying-website-takes-shuts-revenge-porn-website/story?id=16174425#.T5UqslS4Ta5" target="_blank" class="liexternal">abcnews.go.com</a> letzte Woche berichtete. Die Frage nach dem „Warum?“ scheint dabei aber nur weniger geklärt. Fakt ist die Seite wurde verkauft und zwar an einen Käufer, der sich genau dem gegenteiligen Geschäft widmet. Die „Sexual-Bullying“-Website wurde kurzerhand zu einer „Anti-Bullying“-Website umgeformt. Genauer gesagt wird man derzeit von IsAnyoneUp.com auf Bullyville.com weitergeleitet.</p>
<p>Im amerikanischen Web reist die Kritik trotzdem nicht ab. Denn obwohl der sprichwörtliche Dorn im Auge nun verschwunden ist, ist die Debatte über Gewissen oder Profit erneut und fast sogar noch ein Stück heftiger entflammt. Schuld daran ist Hunter Moores öffentliche Stellungnahme zum Verkauf. Denn anstatt unternehmerische Interessen ging es dem schwarzen Schaf einzig und alleine um ein reines Gewissen. <a href="http://www.bullyville.com/?page=articles&#038;id=358" target="_blank" class="liexternal">Zumindest laut seinem, auf Bullyville.com, veröffentlichen Brief.</a></p>
<p>Darin heißt es in einem Auszug:</p>
<ul>
<p><em>“Since we launched Isanyoneup.com a year ago, we received over 500 million page views.  Girls got naked of all sizes at the IAU parties; we did it from Canada to Vegas. You made it possible for me to have the best life and made me realize what people will do for a few extra friend requests &#038; followers on twitter.  I’ll miss a lot of things but mostly the community. I never got to take in everything while it was happening because it was going so fast even though there was drama and lots of tears and pissed off parents, I feel blessed and thankful for all of you who came here to support me.  I’ve become friends with the founder of BullyVille, CupidVille, CheaterVille and KarmaVille and he helped me realize that my talents in the programming and social networking world could be channeled in a positive way and we spoke about ways to move on, which is ultimately what I’ve decided to do.  I might do some writing on bullyville.com to help people who have been bullied; I’ve been on both sides of the fence. I am putting this message up on Bullyville.com to stand up for underage bullying.”</em></p>
</ul>
<p>Klingt für uns nobel, oder? Für einige amerikanische Bürger jedoch unglaubwürdig. Hunter Moore scheint neben seinem Talent zum Programmieren und zum Netzwerken, noch eine ganz andere Expertise zu besitzen… nämlich das Talent Shitstorms zu erzeugen.</p>
<p>Es dauerte nicht lange bis die warmen Worte auf wütendes Getöse stießen. Twitter-Meldungen wie <em>„Dear @Huntermoore, your letter is a joke. You&#8217;re a scumbag and a horrible human being. Attempting to salvage your soul is pointless. Lulz.“</em> von dem Twitter-Nutzer Spaghetti-Jesus gehörten da noch eher zur jugendfreien Äußerung. </p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/hunter-moore.gif" alt="hunter moore" title="hunter moore" width="191" height="160" class="left" />Was an der Debatte jedoch am meisten interessiert, ist die Entwicklung. Denn Hunter Moore hat es geschafft, neben seine bisherigen Feinde, mit seiner augenscheinlichen Ehrlichkeit, auch seine bisherigen Freunde, gegen sich aufzubringen. Neben den für ihn normalen Hasstiraden gegen seine Unmenschlichkeit und fehlender Moral, weht nun auch ein Shitstorm um seine Person herum, die ihn als Heuchler und Verräter brandmarkt. Ein Paukenschlag, der aus enttäuschten Fans herrührt? Wie man es macht, macht man es scheinbar falsch!</p>
<p>Doch bleibt zu erwarten, dass die unbekannte Summe, die der Mitzwanziger erhalten hat, über dieses laue Lüftchen hinwegtröstet. Also doch alles richtig gemacht, oder?</p>
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		<title>Warum die Blockade von Union und Musikindustrie nicht überrascht</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Apr 2012 15:38:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunnar Sohn</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Netzpolitik</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Rechtsanwälte, Wettbewerbs- und Abmahnvereine machen seit Ewigkeiten richtig dicke Kohle mit dem Abmahngeschäft. Das Ganze ist ein reiner Papierkrieg mit richtig schöner Rendite. Ohne viel Aufwand wird eine Software im Internet eingesetzt, um Verstöße gegen Urheberrecht oder gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb zu erforschen. Das Standardschreiben ist immer gleich, nur Name und Adresse des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/Warum-mich-die-Blockadepolitik-von-Union-und-Musikindustrie-nicht-überrascht.png" alt="Warum mich die Blockadepolitik von Union und Musikindustrie nicht überrascht" title="Warum mich die Blockadepolitik von Union und Musikindustrie nicht überrascht" width="650" height="440" class="alignleft size-full wp-image-34783" />Rechtsanwälte, Wettbewerbs- und Abmahnvereine machen seit Ewigkeiten richtig dicke Kohle mit dem Abmahngeschäft. Das Ganze ist ein reiner Papierkrieg mit richtig schöner Rendite. Ohne viel Aufwand wird eine Software im Internet eingesetzt, um Verstöße gegen Urheberrecht oder gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb zu erforschen. Das Standardschreiben ist immer gleich, nur Name und Adresse des „Rechercheopfers“ und den Sachverhalt eintragen, frankieren, eine eklig kurze Frist für die Unterlassungserklärung setzen und raus das Ding mit einer Kostenberechnung, die pro Abmahnung mehrere hundert Euro beträgt – natürlich wird der Streitwert richtig hoch angesetzt, damit man die Abmahnsummen nach oben treiben kann.</p>
<p>Diese Abmahnfabriken können mit der Angst der Empfänger kalkulieren. Lieber eine Unterlassungserklärung außergerichtlich akzeptieren, als den unkalkulierbaren Fortgang der Geschehnisse abwarten und noch auf eigene Rechnung einen Rechtsanwalt einschalten. Es könnte ja vor Gericht gehen mit der Gefahr, den Prozess zu verlieren.</p>
<p><span id="more-34776"></span></p>
<p>Es gibt sogar Verbände, die sich auf bestimmte Branchen spezialisiert haben und richtig fette Jahresumsätze mit der Angst der Menschen einfahren. Ausgestattet mit dutzenden Anwälten und mehreren Geschäftsführern spüren sie gnadenlos jeden Scheißdreck im realen und digitalen Leben auf, um die Interessen ihrer Auftraggeber zu erfüllen. In der Regel sind es Großkonzerne etablierter Industrien, die mit der Abmahnkeule ihre Besitzstände verteidigen – ohne Rücksicht auf Verluste. Ich nenne hier bewusst mal keine konkreten Verbandsnamen, um nicht direkt von einer Kanzlei abgemeiert zu werden – den Gefallen werde ich Euch nicht tun. Aber soviel kann ich doch sagen.</p>
<p><a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Koalition-streitet-auch-ueber-Gesetz-gegen-Abmahn-Missbrauch-1542523.html" target="_blank" class="liexternal">Mich wundert die Meldung von heute früh überhaupt nicht, dass Union und Musikindustrie den Gesetzentwurf des Justizministeriums zur Eindämmung des Abmahn-Missbrauchs des Justizministeriums blockieren.</a></p>
<p>Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-CSU-Bundestagsfraktion, Günter Krings, verlangte nach einem heise-Bericht eine “grundlegende Überarbeitung” des Gesetzentwurfs.</p>
<p>
<ul><em>“Es bleibt komplett unbeachtet, dass das geistige Eigentum im Internet mit den Füßen getreten wird”, sagte Krings der Zeitung. Aus Regierungskreisen verlautete zudem laut Frankfurter Rundschau, dass die Union den Abstimmungsprozess komplett angehalten habe und nicht einmal bereit sei, über einzelne Punkte des Gesetzentwurfs zu verhandeln.</em></ul>
</p>
<p>Ein Sprecher des Bundesverbandes Musikindustrie warnte davor, die Rechtsdurchsetzung im Urheberbereich werde durch die Beschränkung faktisch unmöglich gemacht und sprach von einem “inakzeptablen Signal”. Der Entwurf habe eine “falsche Stoßrichtung”. Damit ist klar, für was die Musikindustrie das Leistungsschutzrecht herbeisehnt. Es geht nicht um geistiges Eigentum oder um einen besseren Schutz von Urhebern, sondern um ein Kampfmittel für weitere Abmahn-Orgien unter dem Deckmantel einer entsprechenden Verwertungsgesellschaft. Es geht um Lobbyinteressen und nicht um das Wohl und Wehe von Künstlern, werter Sven Regner.</p>
<p>Egal, was rechtlich passiert. Eines hassen die Abmahn-Fabrikanten: Öffentlichkeit.</p>
<p>Abmahnungen bringen das Social Web aber so richtig in Wallung. Und das ist gut so. Schlecht für grobschlächtige Schreihälse, autoritäre Gerichtshansel und rechthaberische Trotzköpfchen.</p>
<p>Wenn Unternehmen glauben, sie könnten sich durch Abmahnungen, Unterlassungsklagen und Lösch-Gesuche noch über Wasser halten, sind sie wohl auf dem Holzweg. Was im Netz an der Tagesordnung ist, gab es übrigens auch in der Renaissance-Literatur. Sie war geprägt von einer Verkehrung der offiziellen Welt der Herrscher und Duckmäuser. Sie verspottete Dogmen, plädierte für Offenheit, war Vorbild für eine fröhliche Anarchie, demontierte Autoritäten und althergebrachte Hierarchien. Prägende Renaissance-Geistesgrössen waren François Rabelais, der den humoristischen Romanzyklus Gargantua und Pantaguel schrieb, Erasmus von Rotterdam mit seinem Lob der Torheit und Ulrich von Hutten mit den Dunkelmännerbriefen. Ihr Forum war der Marktplatz. Ihre Waffe war der Humor und ihre Wirkung war der Wandel von unten. Ähnliches spielt sich heute im Internet ab. Ja, ja, liebwerteste Abmahn-Gichtlinge, dat Netz bekommt ihr nicht in den Griff.</p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,826871,00.html" target="_blank" class="liexternal">Christoph Kappes hat übrigens einen sehr interessanten Beitrag für Spiegel Online zu diesem Komplex geschrieben: Kopiermaschine Internet.</a></p>
<hr />
<p>Dieser Artikel von Gunnar Sohn ist zuerst erschienen auf seinem Blog <a href="http://ichsagmal.com/2012/04/19/abmahn-gichtlinge-warum-mich-die-blockadepolitik-von-union-und-musikindustrie-nicht-uberrascht/" target="_blank" class="liexternal">&#8220;ichsagmal.com&#8221;</a>.</p>
<hr />
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		<title>Video-Interviews mit VertreterInnen einer neuen globalen Bewegung</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 09:52:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Netzkultur</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Die Berliner Gazette-Redakteurin Leonie Geiger hat zwei anonyme Künstler getroffen, die eine Reihe von spontanen Videointerviews mit dem Namen Systemfrage 2011+ gefertigt haben und zukünftig weiterführen werden. Es ist interessant und immer wieder erfrischend von solchen Projekten zu lesen und deshalb bekommt Ihr hier, liebe Leser, noch einmal einen gesonderten Lesetipp nachgeschoben. Um was es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Berliner Gazette-Redakteurin Leonie Geiger hat zwei anonyme Künstler getroffen, die eine Reihe von spontanen Videointerviews mit dem Namen Systemfrage 2011+ gefertigt haben und zukünftig weiterführen werden. Es ist interessant und immer wieder erfrischend von solchen Projekten zu lesen und deshalb bekommt Ihr hier, liebe Leser, noch einmal einen gesonderten Lesetipp nachgeschoben. Um was es bei dem Projekt genau geht, lest Ihr im Folgenden.</p>
<hr />
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/videoatonale_screenshot1.jpg" alt="videoatonale" title="videoatonale" width="296" height="170" class="left" /><em>Der Arabische Frühling, die Bewegung Occupy Wallstreet und die weltweiten Anti-AKW-Demonstrationen &#8211; 2011 war das Jahr des politischen Protests. Zwei Künstler haben ihn seit vergangenem Sommer begleitet. Bislang haben sie rund 80 Videoclips gemacht: Interviews mit Demonstranten, die die Geschehnisse in der Politik hinterfragen. Sie alle kommen zu Wort, ohne unterbrochen oder geschnitten zu werden. Berliner Gazette-Gastredakteurin Leonie Geiger hat die beiden Künstler getroffen, die anonym bleiben wollen, damit nicht sie, sondern das Projekt im Vordergrund steht. Ein Interview&#8230;</em></p>
<p><a href="http://berlinergazette.de/politischer-protest-im-o-ton/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+BerlinerGazette+%28Berliner+Gazette%29" target="_blank" class="liexternal">Das ganze Interview weiterlesen auf berlinergazette.de</a><span id="more-34687"></span></p>
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		<title>Demonstrantenmieten.de – ich verkaufe meine Rechte</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/04/03/demonstrantenmieten-de-%e2%80%93-ich-verkaufe-meine-rechte/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 06:45:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Markt</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Ich bin ja ein jemand, der dafür plädiert sich mehr zu engagieren. Sich mehr um die gesellschaftlichen Belange in unserem kleinen Staate zu kümmern und nicht alles durchzuwinken, was uns so diktiert wird. Ich glaube daran, dass man Macht auch von unten nach oben, anstatt nur von oben nach unten ausüben kann. Doch ich weiß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/Demonstrationen.gif" alt="Demonstrationen" title="Demonstrationen" width="639" height="259" class="alignleft size-full wp-image-34154" />Ich bin ja ein jemand, der dafür plädiert sich mehr zu engagieren. Sich mehr um die gesellschaftlichen Belange in unserem kleinen Staate zu kümmern und nicht alles durchzuwinken, was uns so diktiert wird. Ich glaube daran, dass man Macht auch von unten nach oben, anstatt nur von oben nach unten ausüben kann. Doch ich weiß auch, dass es nicht Wenigen egal ist, bzw. – nein – dass es vielen an Anreizen fehlt, sich tatsächlich an einem Sonntagmittag aufzuraffen, um seine kostbare Freizeit auf einem städtischen Platz damit zu verbringen, ein gebasteltes Schild in die Höhe zu halten. „Bringt doch eh nichts!“, behaupten zynische Mitbürger, wenn sie beispielsweise an Demos denken. Eine neue Plattform könnte dem nun Abhilfe leisten, denn über <a href="http://www.demonstrantenmieten.de/" target="_blank" class="liexternal">www.demonstrantenmieten.de</a>, kann man nun für seinen Einsatz entlohnt werden.</p>
<p>Dabei scheint die Idee gar nicht so neu, <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2012/04/02/der-ewige-1-april/" target="_blank" class="liexternal">wie Jürgen Vielmeier von BasicThinking feststellte</a>. Laut Vielmeier gab es da zum Beispiel schon 2006 den Ärztestreik, für den Mediziner tatsächlich Arbeitslose engagierten, um mit den Göttern in Weiß zu marschieren. Oder auch einen Fall, bei dem ein Jahr später eine Agentur auf Erento angeblich Demonstranten für den New-York-Besuch von Mahmud Ahmadinedschad gesucht hat. Alles hat seinen Preis.</p>
<p><span id="more-34137"></span></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/04/frida-jolt.gif" alt="Demonstrantenmieten.de - Frida Jold" title="Demonstrantenmieten.de - Frida Jold" width="150" height="470" class="left" />Demonstrantenmieten.de springt also scheinbar nur auf einen Trend auf und vermietet Personen für <a href="http://www.tip-berlin.de/kultur-und-freizeit-stadtleben-und-leute/demonstranten-im-web-mieten" target="_blank" class="liexternal">Stundensätze ab 10 EUR bis hin zu einer Tagespauschale von 250 EUR</a> (+ Vermittlungsgebühr). So kann man, wenn man denn Angst hat, dass mit der eigenen Demo nicht genug Resonanz bewirkt wird, dafür sorgen das Personen wie z.B. Frida Jold für ein Honorar von 60 EUR pro halbe Stunde vorbeischauen, um gegen Milchpreise, Tierversuche oder Pelzmäntel zu protestieren. Und wer jetzt glaubt, dass dieser Preis ganz schön teuer sei, der irrt gewaltig. Denn das Demonstranten-Rundum-Sorglospaket von Frida beinhaltet ferner, dass sie sogar „Interview-tauglich“ ist. Hört hört.</p>
<p>Hinter dem Projekt steht übrigens Tim Rohrer. Dem Verantwortlichen kam die Idee als er davon las, dass eine Frau hauptberuflich Demonstrantin ist. Rohrer zählte eins und eins zusammen und entwickelte kurzerhand die Page zur Eingebung. Dass nun leider nicht jede Anfrage nach Demonstranten erstgemeint ist, liegt auf der Hand. Ist die Idee doch so unglaublich, dass sie die gedankliche Dimension einiger zu sprengen vermag. Der Entwickler aber, geht mit gutem Beispiel voran und bietet sich selber für 10 EUR die Stunde an. Im Dienste der Sache, versteht sich. </p>
<p>Doch was für ein Beispiel soll das eigentlich sein? Was bewirkt eine Demo, die keine echten Demonstranten vereint? Und zieht man damit nicht sogar das Engagement derer, die es ernst meinen, wenn sie gegen Atomlobby oder ACTA ins Feld ziehen, ins Lächerliche? Ich sehe vor meinem inneren Auge schon die üblichen Politiker sich ins Fäustchen lachen, wenn sie auf Massendemonstrationen mit frisierten Argumenten, die die tatsächliche Besucherzahl relativieren sollen, entgegnen: „ACTA-Protestler? Ist doch nur ein Haufen von Rentnern und Schülern, die  sich was dazu verdienen wollen“. </p>
<p>Um es mal ganz klar zu sagen. Ich prangere solch Kommerzialisierungen von unseren Mitteln zur Durchsetzung unserer Rechte an. Was kommt als nächstes? Wählermieten.de? Vielleicht sehe ich das zu eng. Vielleicht hat eine Seite, wie diese keine Zukunft, weil der Bürger sich vielleicht doch schämen würde, wenn er auf ein solches Angebot eingeht. Vielleicht ist das nur gerade wieder eine dieser Säue, die mit harten Peitschenhieben durch das Dorf gescheucht wird. Doch wenn nicht, dann brauchen wir uns bald nicht mehr wundern, dass uns die Politik an der Nase herumführt. Denn dann haben wir es auch nicht anders verdient.</p>
<hr />
<a href="http://www.flickr.com/photos/popiet/4308865778/" target="_blank" class="liexternal">Image by Sylvain Raybaud</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en" target="_blank" class="liexternal">Some rights reserved</a>)</p>
<hr />
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		<title>Video: Männer für die Quote</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/03/27/video-manner-fur-die-quote/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 07:20:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Hier hat einmal die Creme de la Creme der deutschen Journalisten-Elite sich zur Frauenquote in Führungspositionen geäußert. Wie steht Ihr zu der Quote?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier hat einmal die Creme de la Creme der deutschen Journalisten-Elite sich zur Frauenquote in Führungspositionen geäußert. Wie steht Ihr zu der Quote?</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/39231522?color=363535" width="651" height="366" frameborder="0" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe></p>
<p><span id="more-33822"></span></p>
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		<title>Griechenland: Rote Rosen aus Athen</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/03/21/griechenland-rote-rosen-aus-athen/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 09:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gastpilot</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Am 25. März begeht Griechenland seinen Nationalfeiertag, den Jahrestag des Beginns der Griechischen Revolution 1821. Zum Feiern scheint in Athen derzeit aber kaum jemandem in Stimmung zu sein &#8211; zur Revolution schon eher. Gewerkschaften, Parteien, Studentengruppen und Neue Soziale Bewegungen rufen für diesen Tag zu Kundgebungen, Streiks und Demonstrationen auf. Eskalationen der Gewalt sind vorhersehbar. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/03/Athen_Immigranten.jpg" class="liimagelink"><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/03/Alltag-in-Athen_Immigranten-auf-der-Suche-nach-Verwertbarem-300x224.jpg" alt="" title="Alltag in Athen_Immigranten auf der Suche nach Verwertbarem" width="279" height="208" class="left" /></a>
<p>Am 25. März begeht Griechenland seinen Nationalfeiertag, den Jahrestag des Beginns der Griechischen Revolution 1821. Zum Feiern scheint in Athen derzeit aber kaum jemandem in Stimmung zu sein &#8211; zur Revolution schon eher.</p>
<p>Gewerkschaften, Parteien, Studentengruppen und Neue Soziale Bewegungen rufen für diesen Tag zu Kundgebungen, Streiks und Demonstrationen auf. Eskalationen der Gewalt sind vorhersehbar. Sie richten sich vor allem gegen die derzeitige Interimsregierung unter Loukas Papadimos sowie gegen die rigiden  von EU, IWF und Weltbank  auferlegten , und von der Regierung exekutierten Sparmaßnahmen.</p>
<p>Eine stetig sinkende Wirtschaftsleistung, steigende Preise, Kürzungen von Sozialleistungen, eine explodierende Arbeitslosenquote von 22 % in der Gesamtbevölkerung und 50% bei den 18-24 jährigen haben dem Land stark zugesetzt&#8230;</p>
<p><span id="more-33511"></span></p>
<p>„Das Land ist nicht nur wirtschaftlich in eine  Depression verfallen “, meint die dreiundreißigjährige Fenia, die in Österreich lebt und gerade auf Besuch bei ihren Eltern in Athen ist. Innerhalb weniger Monate musste die Bevölkerung Lohnkürzungen von bis zu 40% hinnehmen. “Der Mindestlohn wurde auf knapp 500 Euro brutto herabgesesetzt und gleichzeitig steigen auch die  Lebenserhaltungskosten rasant an. Die Griechen sind im Grunde ein sehr fröhliches Volk, aber derzeit sieht man davon wenig.“</p>
<p>Für einen  Liter griechisches  Olivenöl bezahlt man im Athener Supermarkt mittlerweile sechs  Euro. Solche Preise will und kann sich hier keiner Leisten. Aus diesem Grund fahren immer mehr Bauern in die Städte und verkaufen ihre Ware direkt an die Konsumenten.Nicht nur Olivenöl, sondern vor allem auch Kartoffeln, Zwiebeln, Oliven,  Orangen und anderes Gemüse  landen so unter Umgehung der Zwischenhändler &#8211; für Produzenten wie Konsumenten gleichermaßen profitabel &#8211; auf den Tellern. Der Liter Olivenöl kostet lediglich zwei Euro. Mittlerweile haben sich aber auch die Zwischenhändler organisiert und versuchen die amtierende Regierung von Maßnahmen gegen den Direktverkauf zu überzeugen. Viele sind gezwungen ihre Wertgegenstände  gegen Bares zu tauschen. Welche Blüten der  Krisen bedingte Goldrausch treibt, zeigt ein Besuch bei einem Goldhändler im von Armut gebeutelten Athener Stadtteil Omonia: Die Kunden bekommen lediglich ein Drittel des Tageskurses ausbezahlt. Sie verkaufen dennoch.</p>
<p>Nördlich von Athen, in der 80.000 Einwohner zählenden Hafenstadt Volos geht man andere Wege. Schon seit mehr als einem Jahr regiert hier neben dem Euro der sogenannte “Tems“. Der Tems ist eine virtuelle Zahlungseinheit im Tauschnetzwerk. Wer möchte kann hier Dienstleistung gegen Ware, Ware gegen Ware oder Dienstleistung gegen Dienstleistung tauschen. Verrechnet wird über ein zentrales, internetbasiertes Verwaltungssystem. Es beschränkt die Menge an Tems die jemand sparen und schulden darf. Die Menschen müssen den Tems benutzen und im Gegenzug ihre Dienstleistungen wie kleinere Reparaturarbieten, Unterricht, Kinderbetreuung etc. anbieten. Wer sich den täglichen Lebensbedarf mit Tems erwirtschaftet, lebt oft bis zu 50% günstiger als mit dem Euro.</p>
<p>Dass es eng wird auf dem sozialen Parkett zeigt auch, dass immer mehr sozial benachteiligte Gruppierungen als Projektionsflächen für die Ursachen der derzeitigen Situation herhalten müssen. Konstantin, 65,  Rezeptionist und Opfer eines Raubüberfalls in Metaxourghio  meint: “Vor 5 Jahren konnte ich hier noch ohne Angst nachts zu Fuß durch die Straßen gehen, jetzt bin ich nicht einmal mehr im Auto sicher. Die EU hat uns mit den Immigranten einfach im Stich gelassen.“ Im Mai soll gewählt werden. Die Interrimsregierung, deren Berufung hier von vielen als Coup d‘ Etat bezeichnet wird, müsste den Termin spätestens 40 Tage vor dem Wahltermin ankündigen, aber die Angst vor der Wahl ist groß:  vor allem EU und IWF, die größten Kreditgeber Griechenlands, befürchten den swahrscheinlichen Sieg der traditionell sehr starken Linksparteien, der zu Zahlungsverweigerungen sowie einem freiwilligen Austritt Griechenlands aus der Eurozone  führen könnte.</p>
<p>Wie die Zukunft aussieht traut sich kaum jemand zu fragen. „Die Menschen haben begonnen von einem Tag auf den nächsten zu hoffen“ ,  sagt Jorgo, ein Bankangestellter und Syndikalistischer Gewerkschafter. Er ergänzt: “Die Leute ertragen die Sparmaßnahmen schon jetzt nicht mehr  und die neuen Sparmaßnahmen, die im Gegenzug zu dem letzte Woche verabschiedeten 130 Milliarden schweren Hilfspaket vereinbart wurden, stehen erst auf dem Papier und sind noch nicht bei den Menschen angekommen. Greifen sie dann erstmal, wird hier nichts mehr wie früher sein“. Nur Elias, ein freischaffender Journalist, kann der Krise auch positive Seiten abgewinnen: „ Auf den Staat ist kein Verlass mehr, und die Menschen werden lernen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen“.</p>
<p>[Text und Fotos: Robert Jolly]</p>
<p>Links: </p>
<p><a href="http://www.tem-magnisia.gr" target="_blank" class="liexternal">Webseite der Alternativwährung TEMS</a> (griechisch)<br />
<a href="https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/gr.html " target="_blank" class="liexternal">CIA World factbook</a> [englisch]<br />
 <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home" target="_blank" class="liexternal">Europäisches Statistikamt</a></p>
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		<title>KONY2012 provoziert ugandische Bürger</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Mar 2012 15:39:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Gestern haben NGO-Mitglieder von dem African Youth Initiative Network (AYINET), einmal das Webvideo KONY2012 im Public-Viewing den Ugandern präsentiert. Anders als bei uns, haben viele dort nämlich keinen Internetzugang und kennen den Hype um das Video nur aus den Nachrichten. Al Jazeera war vor Ort und hat die Reaktionen einmal aufgenommen. Scheinbar sind Bürger und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/03/Kony_poster.jpg" alt="Kony Poster" title="Kony Poster" width="118" height="180" class="left" />Gestern haben NGO-Mitglieder von dem African Youth Initiative Network (AYINET), einmal das Webvideo KONY2012 im Public-Viewing den Ugandern präsentiert. Anders als bei uns, haben viele dort nämlich keinen Internetzugang und kennen den Hype um das Video nur aus den Nachrichten. Al Jazeera war vor Ort und hat die Reaktionen einmal aufgenommen. Scheinbar sind Bürger und Opfer sich weitestgehend einig über die Kampagne. Postive Worte hatten sie kaum übrig. So entgegnet einer der Anwesenden: <em>&#8220;If people in those countries care about us, they will not wear t-shirts of Joseph Kony for any reason&#8221;</em>. Weitherin meint er: <em>&#8220;That would celebrate our suffering&#8221;</em>. Hier seht Ihr einmal den kompletten Beitrag:</p>
<p><span id="more-33391"></span></p>
<p><iframe width="650" height="360" src="http://www.youtube.com/embed/rU_1jnrj5VI" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>BMWi verhandelt Warnhinweismodell ohne die Öffentlichkeit</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Mar 2012 16:15:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Netzpolitik</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Am kommenden Donnerstag verhandeln das Bundeswirtschaftsministerium,  Vertreter der Inhalte-Industrie und Internetanbieter über die Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen im Internet. Erklärtes Ziel dieses &#8220;Wirtschaftsdialoges“ ist eine Selbstverpflichtung der Zugangsanbieter: Diese sollen zukünftig freiwillig auf Anforderung der Rechteinhaber und ohne rechtsstaatliche Kontrolle Abmahnungen, genannt Warnhinweise, an ihre Kunden verschicken. Wie der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur jetzt kritisiert, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/03/tür.jpg" alt="BMWi verhandelt Warnhinweismodell ohne die Öffentlichkeit" title="BMWi verhandelt Warnhinweismodell ohne die Öffentlichkeit" width="156" height="230" class="left" />Am kommenden Donnerstag verhandeln das Bundeswirtschaftsministerium,  Vertreter der Inhalte-Industrie und Internetanbieter über die Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen im Internet. Erklärtes Ziel dieses &#8220;Wirtschaftsdialoges“ ist eine Selbstverpflichtung der Zugangsanbieter: Diese sollen zukünftig freiwillig auf Anforderung der Rechteinhaber und ohne rechtsstaatliche Kontrolle Abmahnungen, genannt Warnhinweise, an ihre Kunden verschicken. Wie der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur jetzt kritisiert, kann von einem echten Dialog nicht die Rede sein: Vertreter aus der Netzgemeinschaft dürfen auch nach auf mehrfacher Nachfrage nicht an den Gesprächen teilnehmen&#8230;<span id="more-33272"></span></p>
</div>
<div id="more">
<p>Alvar Freude, Mitglied im AK Zensur und Mitglied der Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages, kommentiert: &#8220;Es ist erstaunlich, dass die Bundesregierung aus dem ACTA-Desaster nichts gelernt hat. Noch während der anhaltenden Debatte um die intransparenten Inhalte des ACTA-Abkommens sollen die Internetnutzer erneut keinen Platz am Verhandlungstisch haben. Obwohl über Zukunftsfragen entschieden werden soll.&#8221;</p>
<p>Franziska Heine, Initiatorin der mit über 130.000 Unterzeichnern erfolgreichen Petition gegen Internetsperren, meint: &#8220;Ein vom FDP-Vorsitzenden Rösler geführtes Ministerium sollte nicht erst ermahnt werden müssen, dass gerade in netzpolitischen Fragen die Beteiligung der Bürger und Internetnutzer unumgänglich ist, wenn man akzeptierte Lösungen finden will.&#8221;</p>
<p>Der AK Zensur warnt zugleich vor dem Warnhinweismodell selbst. Die mit dem Warnhinweismodell einhergehende Privatisierung der Rechtsverfolgung im Urheberrecht bringe die Zugangsanbieter als &#8220;Hilfssheriffs&#8221; der Inhalteindustrie gegen Internetnutzer in Stellung. Gegen entsprechende Modelle bestehen vielfältige Bedenken &#8211; auch verfassungsrechtlicher Art. So kommt eine von Prof. Hoeren von der Universität Münster erarbeitete Studie zu dem Schluss, dass gegen das vom BMWi präferierte Modell &#8220;sowohl aus  politischer, praktischer, technischer als auch aus rechtlicher Sicht  erhebliche Bedenken&#8221; bestehen. Alvar Freude: &#8220;Die Politik täte besser daran, dem grassierenden Abmahnunwesen Einhalt zu gebieten. Wenn Rechteinhaber kostenlose Warnhinweise verschicken wollten, dann hätten sie selbst dies seit Jahren tun können.&#8221; Urheberrechtsverletzungen im Internet würden ohnehin am besten durch bequem nutzbare und faire legale Angebote bekämpft.</p>
<hr />
<h2>Hintergrund:</h2>
<p>Bereits seit geraumer Zeit verhandeln Bundeswirtschaftsministerium, Vertreter der Inhalte-Industrie und Internet-Zugangs-Anbieter über Warnhinweise gegen Urheberrechtsverletzungen. Die Rechteinhaber fordern diese schon lange in unterschiedlichen Varianten. Frischen Schwung in der Debatte erhoffte sich das Wirtschaftsministerium durch eine neue Auftragsstudie. Prof. Schwartmann von der Fachhochschule Köln bescheinigte[1] jüngst dem Warnhinweismodell des BMWi rechtliche Unbedenklichkeit.</p>
<p>Ein Gegengutachten von Prof. Dr. Thomas Hoeren von der Uni Münster kommt zu dem gegenteiligen Ergebnis.[2] Über dieses Gutachten und das Warnhinweismodell soll nunmehr mit der Industrie verhandelt werden. Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur, dem verschiedene Organisationen aus der Bürgerrechtsbewegung ebenso wie Blogger, Anwälte, Urheber verschiedener Branchen und ganz normale Internetnutzer angehören, hatte sich zu diesem Dialog beim Bundeswirtschaftsministerium angekündigt. Das Ministerium hat aber die Teilnahme – wie auch die anderer Vertreter der Internetnutzer – abgelehnt. Teilnehmer außerhalb der Industrie seien nicht erwünscht.</p>
<hr />
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>[1] <a href="http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,did=474202.html">http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,did=474202.html<br />
</a>[2] <a href="http://politik.eco.de/files/2012/03/20120227-Hoeren-eco-Gutachten_final-2702.pdf" class="lipdf">http://politik.eco.de/files/2012/03/20120227-Hoeren-eco-Gutachten_final-2702.pdf</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://ak-zensur.de/2012/03/geheimverhandlungen.html" title="PI AK Zensur" target="_blank" class="liexternal">Pressemitteilung des AK Zensur</a></p>
<p>Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/wanderlinse/4376718773/sizes/m/in/photostream/" target="_blank" class="liexternal">Image by Wanderlinse</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" class="liexternal">Some rights reserved</a>)</p>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Von PR, Propaganda und dem Hype um einen Schlächter</title>
		<link>http://www.netzpiloten.de/2012/03/09/von-pr-propaganda-und-dem-hype-um-einen-schlachter/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Mar 2012 16:59:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
		
	<dc:subject>Gesellschaft</dc:subject>
	<dc:subject>Social Media</dc:subject>
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		<description><![CDATA[Wenn unter dem Deckmantel der politischen Bildung, PR betrieben wird, dann ist der Begriff Propaganda meist nicht weit entfernt. Und während die PR, sich als Branchenzweig, mit dem Ruf „sexy“ zu sein schmückt, ist der Begriff Propaganda als Überbleibsel der Nazi-Zeit ein verrufener Begriff. Doch eigentlich trennt die beiden Vokabulare nichts. Denn PR ist Propaganda [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/03/kony2012.jpg" alt="kony2012" title="kony2012" width="650" height="243" class="alignleft size-full wp-image-33050" />Wenn unter dem Deckmantel der politischen Bildung, PR betrieben wird, dann ist der Begriff Propaganda meist nicht weit entfernt. Und während die PR, sich als Branchenzweig, mit dem Ruf „sexy“ zu sein schmückt, ist der Begriff Propaganda als Überbleibsel der Nazi-Zeit ein verrufener Begriff. Doch eigentlich trennt die beiden Vokabulare nichts. Denn PR ist Propaganda und Propaganda ist PR. Und beides führt dahin, Menschen zu manipulieren und sie zu (ver)leiten.</p>
<p>Wenn man heutzutage einen PR-Film einer Kampagne, eines Unternehmens oder eines Projektes sieht, dann hat man zumeist eine hochwertige Produktion vor sich. Ein Stück Bewegtbild, welches mit Trends der Popkultur hantiert und durch seine Coolness für Aufsehen sorgt. Bedient man sich dann noch einem ideologischen Ansatz, ist das Augenmerk perfekt. Man möchte gar nicht anders als der Sache seinen Segen geben. Trinken für den Regenwald. Kaufen für das Wirtschaftswachstum und eine Marke anhimmeln, die vermeintliche Grenzen sprengen soll. Das ist PR im Zeichen des Guten. PR im Zeichen der Sache. PR als Teil etwas Großen. Das kann nicht schlecht sein. Das muss gut sein. Ich bin dafür, denken nicht Wenige. So werden viele durch Kampagnen von Unternehmen, aber auch durch politische Kampagne wie dem „Krieg gegen den Terror“ vereinnahmt und liefern, getrieben durch die manipulative Meinungsmache, den Konsens zur Legitimation zumeist fragwürdiger Aktionen. </p>
<p><span id="more-33073"></span></p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/03/Kony_poster.jpg" alt="Kampagnen-Plakat KONY2012" title="Kampagnen-Plakat KONY2012" width="187" height="288" class="left" />Dass ein PR-Film auch einfach pure Propaganda sein kann, verstehen oftmals viele nicht. Der <a href="http://www.netzpiloten.de/2012/03/08/kony-2012-web-kampange-gegen-joseph-kony/" target="_blank" class="liinternal">Webfilm KONY2012</a> ist so ein Beispiel, welches die Tage über die Bildschirme lief und besser nicht konzipiert werden konnte. Während Marketingleute das Video als Meisterwerk feiern, stößt es Journalisten dabei eher auf. Denn das Video ist Demagogie pur. Es personifiziert das Böse und stellt es den wehrlosen und illusionierten Zuschauern gegenüber, mit der Absicht, dass das Böse entkräftet werden muss und zwar am besten durch die Spenden, der Zuschauer oder zu mindestens der weiteren Verbreitung des Videos. Der Zuschauer folgt und ist sofort in die Maschinerie der Manipulation geraten. Denn der einzige Zweck des Videos ist es sich zu verbreiten, weitere zu mobilisieren und noch mehr Leute für seine Sache zu gewinnen.</p>
<p>KONY2012 geht dabei an die Substanz. Der Film ist emotional. Denn es werden Schicksalsschläge und Kindertränen gezeigt. Der Schlächter Joseph Kony, ein afrikanischer Warlord und Führer der Rebellenarme LRA (Lords Resistance Army), bildet dabei das Feindbild. Ein kindermordender und fundamentalistischer Irrer, der lynchend durch Zentralafrika zieht und tausende von Menschen auf dem Gewissen hat, steht auf dem Parkett. Man spart in dem Film nicht an immer wiederkehrenden Parolen, die Kony als allgemeine Gefahr für das gesellschaftliche Leben darstellt. Die augenscheinliche Message beruft sich auf eine Wahrheit. Ja. Kony ist eine Gefahr und zu Recht gehört er festgenommen. Doch was kann der geneigte Facebook-Nutzer dagegen tun?</p>
<p>Kony ist nicht, wie unterschwellig vermittelt, ein Krimineller der in Berlin-Mitte rumläuft und im Café aufgegriffen werden kann und er ist auch nicht jemand der sich über Grenzen hinweg an Flughäfen mit seinem Pass ausweist. Joseph Kony ist, wenn er denn überhaupt noch lebt, ein Mann der irgendwo im Busch sitzt und nicht mal ein Handy hat, welches geortet werden kann. Die Jagd auf den fanatischen und gemeingefährlichen Protagonisten ist eine Jagd nach einem Phantom. Und dieses Phantom lässt sich nicht durch das Klicken eines „Like“-Buttons oder dem Kauf eines Action Kits fassen. Die Tatsache dass nun aufgrund der Web-Kampagne jeder den Schlächter kennt, wird ferner auch nicht dazu führen, dass er nun aufgibt und geläutert neue Wege einschlägt. Auch die Illusion, <a href="http://www.zeit.de/2006/29/Uganda_Kasten" target="_blank" class="liexternal">einen militärischen Eingriff</a>, durch die Resonanz in den sozialen Medien zu bewirken ist, mit Verlaub, naiv. </p>
<p>Doch darauf kommt es eigentlich gar nicht an. Denn bewirkt werden soll im Grunde nur eines. Resonanz schaffen, die der Selbstbeweihräucherung Rückenwind verschafft. Zum einen ist da die Organisation hinter dem Video, die sich Invisible Children nennt und offenbar schon seit Jahren gegen Kony in den Krieg zieht. Das Image wird nicht in Frage gestellt. Die Männer sind Helden und sie sind jung, dynamisch und haben systematisch gute Arbeit geleistet bei Ihrem Manifest, trotz des Skandals der <a href="http://visiblechildren.tumblr.com/" target="_blank" class="liexternal">Veruntreuung von Spendengeldern</a>. Zum anderen sind da die Helden der amerikanischen Regierung, die den Kampf der Macher auf das politische Parkett gezogen haben. Republikaner und Demokraten, die gemeinsam den Schlächter stoppen wollen. Dem Frieden und der Freiheit geschuldet. Oder doch eher dem bevorstehenden Wahlkampf?</p>
<p><img src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/03/poster_red1.jpg" alt="Kampagnen-Plakat KONY2012" title="Kampagnen-Plakat KONY2012" width="190" height="291" class="left" />Der Verdacht liegt nahe, dass hier im großen Stil pro-amerikanische Propaganda von Seiten US-amerikanischer Politiker betrieben wird. Auf dem Rücken eines Trends, der wie eine Welle durch das Netz schwappt, scheint der Gralswächter der Demokratie, die USA, wieder im Lichte der Besonnenheit und der Besinnung auf die in der Verfassung festgehaltenen Werte konzentriert. Vergessen die Gräueltaten des Irak-Kriegs. Vergessen die Missstände in Guantánamo. Auch vergessen, die Koranverbrennungen in Afghanistan. Jetzt zählt nur noch eins, der Heldenmut des ehrenhaften Militärs, das fahnenschwingend die geknechteten Völker Nordugandas, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo sowie des Südsudans von der Tyrannei befreien will.</p>
<p>Dass die USA und auch die europäischen Partner Großbritanniens nicht zuletzt auch als treibende Keile, der überaus komplexen Konflikte in Zentralafrika, mit Ihrer Kolonialpolitik agieren, spottet in Anbetracht der vermeintlichen Helden, eigentlich jeglicher Erhabenheit.</p>
<p>Doch solche Informationen bleiben außen vor. Haben in dem Video nichts zu suchen. Denn Propaganda oder auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Bernays" target="_blank" rel="nofollow" class="liwikipedia">Edward Bernays</a> jüngerer Clou, die PR, sieht Aufklärung im Sinne von Bildung mündiger Gedanken nicht vor. Geglaubt wird, was vermittelt wird. Nicht mehr und nicht weniger. </p>
]]></content:encoded>
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