Öl-Raffinerie Zum besonderen Engagement der US Navy auf Haïti nach dem Beben und den möglichen wirtschaftlichen und politischen Beweggründen. Von Gastblogger Daniel Khafif.
Die Üblichen Verdächtigen schrieben es bereits einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben auf Haïti in ihre Blogs und glichen krächzenden Krähen auf den Totenbergen von Port au-Prince: Wieso das massive Engagement der US Navy im Armenhaus der Karibik und vor allem – warum so schnell?
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hürdenläufer in akton Relaunch ist ein beliebtes Wort im Web. Kündigt ein Onlineshop, ein Nachrichtenportal oder ein soziales Netzwerk einen Relaunch an, hält sich meine Begeisterung meist in Grenzen. Stattdessen frage ich mich, ob ich die Seite zukünftig noch werde nutzen können. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist das Bewegen im Netz nicht Surfen, sondern ein Hürdenlauf. Denn schließlich muss der Screenreader die Website so umsetzen, dass sie mit Vergrößerungssoftware, Braillezeile oder Sprachausgabe gelesen werden kann. [MEHR]
Gast-Blogpilot Christoph Bieber hatte auf seiner aktuellen US-Reise die Gelegenheit mit Biz Stone von Twitter ein Gespräch zu führen. Im ersten Teil des Interviews ging es um die Rolle von Twitter als Kampagnentool und die Art, wie Twitter die (politische) Kommunikation und Kultur verändern kann. Im zweiten Teil spricht Christoph mit Biz über Signal and Noise im Twitterverse, die Kooperation mit Current.TV und die Rückschlüsse, die sich aus der Auswertung des weltweiten Gezwitschers über den aktuellen Themenpuls ziehen lassen. [MEHR]
Twittergründer Biz Stone im Interview [MEHR]
Gastbeitrag von von Jana Hochberg und Alexander Rausch aus dem Neuron-Netzwerk. Alte Menschen gelten von jeher als Weise. Ihre Lebenserfahrung wird immer dann gezielt "aufgesucht", wenn neue, noch nicht bekannte Handlungsmöglichkeiten erfragt werden. In Form von Ratschlägen teilen sie mit uns ihr Wissen. Sie haben viel Erfahrung und können den jungen Menschen weise (Lebens) Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Manchmal kann uns der Rat eines älteren Menschen jedoch nicht erreichen, weil ihnen der Bezug zu neuen Entwicklungen fehlt und den damit einhergehenden neuen Anforderungen an das Leben, oder aus anderen Gründen. Selbst die Auswahl an älteren Menschen im eigenen Handlungsumfeld ist beschränkt. Seit den Zeiten des Internets und den damit einhergehenden Social Networks erhält das Begriff Wisdom eine ganz neue Bedeutung bzw. kann aus anderer Perspektive gesehen werden: Mit dem Web 2.0 haben "wir" ein Werkzeug geschaffen, dass den Zugriff auf soviel Lebensweisheit und -erfahrung offen legt, dass wir uns nicht mehr mit einer sehr eingeschränkten Auswahl begnügen müssen! [MEHR]
Gastbeitrag von Jean-Pol Martin Wer mehr will, als sich auf diversen Plattformen zu präsentieren und unverbindliche Kontakte zu pflegen, wer also Mitarbeiter oder Mitstreiter sucht, muss sich ein ganz bestimmtes Verhalten angewöhnen. Das zeige ich an einem Beispiel und erkläre anschließend, was ich unter "Netzsensibilität" verstehe. netzsensibilitat.jpg [Bildquelle: Kurlvink] [MEHR]
In unserem aktuellen Themenschwerpunkt zu "Zukunft des Lernenes" berichtet heute Gastautor Martin Riemer von seinen Erfahrungen mit Blogs an einer Berliner Grundschule: schulblogs.jpg Mein Name ist Martin Riemer, von Hause aus mache ich den Zettelkasten Riemer-O-Rama, home of my personal "Bloggum ergo sum". Ich markiere mich selbst als einen Gewinner der Blogosphäre, da fand ich es mindestens notwendig, mein dort erhaltenes Wissen in einem konzertierten "Sharing und Erkläring" weiterzugeben. So geschah es... [MEHR]
Im Umgang mit Blogs tun sich Firmen oft schwer. Warum ist die Angst vor dem Medium so groß und wie können Unternehmen dennoch erfolgreich bloggen? Wir fragen nach. [MEHR]
Gastblogger Markus Angermeier aka kosmarMarkus Angermeier, auch bekannt unter dem Namen kosmar, über Last und Freuden des digitalen Lebens im Mitmachnetz. Kosmar lebt und arbeitet als freiberuflicher Designer in Berlin. So schwierig ist das angeblich so hektische Leben in der Generation Always-On gar nicht. Man muss sich nur Grenzen setzen und Regeln aufstellen. Time Management heißt das. So habe ich zum Beispiel feste Zeiten am Tag, an denen ich Twitter lese und schreibe: Zu jeder ungeraden Minute. Emails lese und bearbeite auch ich nur dann, wenn gerade eine neue ankommt. Facebook, ipernity, StumbleUpon und Xing nutze ich nur, wenn auch wirklich etwas viel Wichtigeres zu tun wäre. Vor wichtigen Terminen schaue ich zum Beispiel gerne eine Stunde auf den Screensaver von ffffound. Dann bin ich optimal vorbereitet. Zur Erledigung von Aufgaben wie Spam löschen, Updates installieren, Bacn verwalten und Passworte ausdenken, habe ich mir in einer schmerzfreien Behandlung das vegetative Nervensystem erweitern lassen. So geht das von der Hand, ohne dass der Kopf etwas davon weiß. Meine Augen und der Daumen auf dem Trackpad des Macbooks sprechen direkt miteinander über eine spezielle Nervenbahn. Ernsthaft: Es gibt kein Geheimnis. Nur die richtigen Tools. Die habe ich auch noch nicht gefunden. So hilft mir die Facebook Boostbar, mich in der Datenkrake Facebook besser zurechtzufinden. (Nur das Passwort will sie sich nicht merken.) Twitter lese ich per Snitter, das stürzt aber auf meinem Macbook alle 20 Minuten ab. Skype kann noch nicht richtig mit dem neuen Max OS Leopard und auch Google Talk ist nicht wirklich optimal. Der RSS-Ticker für Firefox ist toll, nur komme ich mit den Einstellungen nicht klar. iGTD verwaltet die wirklich wichtigen Aufgaben. Nur müsste ich auch jeden Tag mal reinschauen. Das Feedlesen hab´ ich übrigens wirklich komplett aufgegeben, obwohl Vienna echt fast perfekt ist. Vielleicht morgen wieder. Meine konsequente Verweigerung eines Mailprogramms hindert mich daran, Emails zu lesen, während ich offline bin. Nur bin ich ja nie offline. Denn auch mein Telefon kann ja inzwischen mit dem Internet sprechen. Aber warum das alles? Warum der ganze Stress, immer auf der Suche nach einem Wlan und billigeren Telefontarifen? Es gibt ja auch noch ein Leben abseits des Bildschirms, verdammt noch mal. Ich dachte immer, es sei mein Job, das Internet und alles darin zu beobachten. Das ging auch gut, bis jemand das Web 2.0 erfunden hat. Beobachten reicht da ja nicht mehr. Man muss sich preisgeben, Datenschutz und Privatsphäre beim Schaffner abgeben. Man muss mitmachen, Freunde zu Freunden erklären, immer eine Meinung haben und eine Antwort wissen. Dann sollte man etwas in den Blog schreiben und dabei möglichst witzig bleiben: Wer lacht, gewinnt. Heute bin ich verstrickt in soziale Geflechte der digitalen Art. Genau diese sind das wirklich Faszinierende. Früher war ich ein unausgeglichener, nicht austherapierter Schlaf- und TV-Abhängiger. Dann kamen StumbleUpon, Orkut und Flickr aus dem Bildschirm und haben mich angesprungen. So habe ich in den letzten fünf Jahren mehr Menschen kennengelernt als in den 15 Jahren davor zusammen. Und der Mensch will immer mehr und mehr: Sucht ist das eine Wort dafür. Erfüllte Realität ist das andere. Denn real sind die Dinge auf dem Bildschirm allemal. Da kann man das Wort virtuell noch so strapazieren: Ratschläge, Witze und Beleidungen im Meatspace - auch Realität genannt - existieren zwar noch, nachdem sie ausgesprochen wurden. Zu hören sind sie indes nicht mehr. Google hingegen vergisst nie, was du in ein Textfeld geschrieben hast. Natürlich sind diese Onlinebeziehungen mit Leuten, die ich zum Teil nur als Pixelhaufen von 48 Pixeln Seitenlänge kenne, nicht so tiefgehend wie die, die ich mit der Nase riechen kann. Dennoch sind mir einige sehr wichtig. Den Kern von Freundschaft, nämlich Hilfe, Trost und Antrieb, kann ich zumindest zum Teil aus meinem digitalen sozialen Netz beziehen. (Immerhin halten sich dort ja auch meine Freunde aus der Offlinewelt auf.) Nicht zuletzt macht das alles irre Spaß. Wenn man dann die Onlinefreunde in Person trifft, kennt man sich zumindest schon so gut, dass gemeinsame Arbeit oder eine Unterhaltung selten ein Problem darstellen. Deshalb setze ich mich gerne der Last des Digitalen aus. Aber auch Urlaub ist etwas Schönes. Und Familie, Musik, Schlaf, Anfassen und Essen sind überhaupt das Beste auf der Welt. Wie sich das alles anfühlt kann ich ja immer noch zwischendurch twittern. [MEHR]
"Außer bei BILDblog.de amüsieren mich Nörgelblogger eher weniger und Kuschelblogger wären genau so wenig mein Ding." Auf dem letzten barcamp in Berlin hatte ich einen netten Austausch mit Sven Dietrich vom pop64-Blog über das Thema "positive blogging". Sven verteilt in seinem Blog Punkte an Hamburg und Berlin für Dinge, die diese Städte seiner Meinung nach auszeichnen. Nette Grundhaltung. Weit und breit keine Trolle und Flamings bei pop64. [MEHR]
Er gilt als der "Spaßblogger" schlechthin und schafft es mit kleinen Aktionen immer wieder, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach dem Verkauf seiner Community Spotleid vor einem Jahr, verkaufte er nun sein Weblog struktour bei eBay. Nach sieben biblischen Tagen erreichte die Auktion einen Endstand von 655 Euro. Die Blogpiloten sprachen mit Stephan "Fabu" Günther über seindafen Ausverkauf der Eitelkeit. Stell Dich bitte doch kurz vor: Wer bist Du, was machst Du? Fabu, 31, Hamburg, Hans Dampf in allen Sackgassen. Was war der Auslöser dafür, Dein Blog auf eBay zu versteigern? Möglichst viele Backlinks ernten zum Wohle des Pageranks und der Platzierung in den deutschen Blogcharts. ;-) Aber im Ernst: Neuanfang, Experimentierfreudigkeit, Spieltrieb und ein überzogener Dispo. Der erste Grund war sicherlich nicht der Gewinn, den Du damit machst; bist Du mit dem Ergebnis trotzdem zufrieden? Nein, das "Einspielergebnis" ist ein (schlechter) Witz, über den ich anfangs nicht lachen konnte. Wie kann man den "Marktwert" eines Blog bestimmen? (Pi * Daumen) * (PR * 100) + Glück² Keine Ahnung. Letztendlich zählen wohl einfach die nackten Zahlen (Pagerank, Anzahl der indexierten Seiten, Relevanz, Pageviews, ...) und nicht die Qualität der Inhalte. Wir reden derzeit viel über Werbung in Blogs, was denkst Du darüber? Auch in Hinsicht auf adical? Ich finde Werbung in Blogs vollkommen legitim als Entlohnung für investierte Zeit und Arbeit. Ich bin mir natürlich über die "Gefahren" im Klaren: Einfluss gepaart mit Werbung fördert Manipulation. Trotzdem kann ich die Predigten und gehobenen Zeigefinger der selbsternannten Gutmenschen nur mit einem gehobenen Mittelfinger beantworten. Zu Adical sage ich nichts, weil ich mit einer teilnehmenden Person liiert bin und mir eine Klausel im (imaginären) Ehevertrag Äußerungen bezüglich Adical untersagt. Werden wir Fabu weiterhin als Blogger erleben? Ja, auf jeden Fall. Allerdings ist noch unklar, wann, wo und wie ich wieder bloggen werde. Priorität hat erstmal mein Community-Projekt Supertopic.de, mit dem wir in Kürze online gehen. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Selbstdarstellung, Zeitvertreib, Provokation, Interaktion, Eigeninitiative und viele weitere wohlklingende Nomen, die den Lesern dieses Interviews das Gefühl vermitteln, ich sei rebellisch und überdurchschnittlich talentiert. Was hälst Du von der deutschen Blogwelt, wo steht sie und wo geht sie hin? Ich finde die deutsche Blogszene größtenteils langweilig bis bedeutungslos. Eigeninitiative, Kreativität und Charme sind - jedenfalls empfinde ich das so - eher die Ausnahme. Hinzu kommt natürlich, dass die Reichweite im Vergleich zu internationalen Blogs geradezu lächerlich ist. Eigentlich kann es nur besser werden. Nochmal zum Verkauf Deines Weblog: Kennst Du den Käufer? Ja. Was hat dieser mit dem Blog vor, oder willst Du es lieber nicht wissen? Nachdem ich ihm die Domain überschrieben habe, wird er das Blog schließen und vermutlich Werbung platzieren. Aber... da es eh irgendwann rauskäme, spiele ich direkt mit offenen Karten: als ich sah, dass die Auktion so schlecht läuft, bat ich einen Freund, die Seite zu ersteigern. Die 655 EUR zahlt er mir in 655 Raten a 1 EUR. Verwirrend, hm? Du verkaufst das Blog inklusive aller Inhalte und Kommentare. Gab es auch kritische Kommentare Deiner Leser, vor allem was Datenschutz oder dergleichen anbelangt? Ohne meinen Anwalt sage ich gar nichts mehr. Danke für das Interview, war ein Vergnügen! [MEHR]
Frank Westphal ist Software-Entwickler und -Coach. Mit seinem kleinen Dienst Rivva, der vor wenigen Wochen startete, schuf er einen kleinen "Blogmonitor" als Pulsmesser für die deutsche Blogwelt. Die Blogpiloten sprachen mit ihm über diesen Service, die Eigenheiten des Web 2.0 in Deutschland und die Zukunft des Internet. Stell Dich bitte doch kurz vor: Wer bist Du, was machst Du? Ich bin eigentlich freier Softwareentwicklungscoach, gönne mir jedoch gerade ein Sabbatical und arbeite nebenher an ein paar eigenen Geschichten. Was ist Rivva? Rivva möchte so etwas wie Techmeme für die deutschsprachige Blogosphäre werden. Mein Ziel ist es, den Zeitgeist und die Themen, die in den Weblogs ein größeres Echo finden, automatisch einzufangen und zu einer Top-News-Seite zu aggregieren. Die Idee ist vergleichbar mit Google News, nur dass wir Blogger Redakteure des Ganzen sind. Was ist Dein persönlicher Antrieb für das Projekt Rivva? Rein egoistische Gründe: Ich möchte mehr Zeit fürs Wesentliche haben, insbesondere um die Dinge und Ideen, die ich im Netz lese und lerne, auch ausprobieren und umsetzen zu können. Ich könnte ja den lieben langen Tag durchs Web stöbern, allerdings täte ich so nichts anderes mehr geregelt bekommen: Getting Nix Done. Mit Rivva möchte ich, im Gegenteil, in die Lage kommen, in kürzerer Zeit einen möglichst umfassenden Ausschnitt der aktuellen Diskussion im Netz verfolgen zu können, und darüber hinaus hin und wieder auch über den persönlichen Tellerrand geführt werden. Ist das Projekt als kommerzielles Unternehmen gedacht, oder betreibst Du es "aus Spaß"? John Lennon sagte mal: Leben ist, was Dir passiert, während Du eifrig andere Pläne machst. Momentan genieße ich hauptsächlich meine Freiheit und nebenher meine kleinen Projekte. Vor mir türmt sich ein Berg cooler Ideen auf, könnte also noch richtig spannend werden. Ich will mich jedoch auf nichts festlegen und einfach mal überraschen lassen, wohin Rivva wohl treibt. Was wird uns bei Rivva noch erwarten, wie sieht die nahe Zukunft des Projektes aus? Da ich die Seite zu einem extrem frühen Zeitpunkt geöffnet habe, fehlen einige Basics. Dieser Tage wird eine News-River-Seite hinzukommen, Ende März Monats- und Wochenarchive, im April vielleicht schon das erste Gimmick. Mein größtes Interesse steckt im Moment in experimentellen Features, die ich zum Testfahren nach und nach veröffentlichen möchte. So ähnlich, wie sich bei Google über die Jahre kaum etwas an der Oberfläche getan hat und fortlaufend, für uns aber fast unsichtbar an den Suchfunktionen gefeilt wird, hänge auch ich mit dem Kopf hauptsächlich unterhalb der Motorhaube. Jedes noch so coole Feature wird von Relevanz gestochen, das ist mein Fokus. Rivva setzt auf das Framework "Ruby on Rails" auf, ähnlich wie viele andere Web 2.0-Website wie bspw. QYPE, an dessen Entstehung Du beteiligt warst. Wieso ist das so? Was macht "RoR" so besonders? Zum einen hat Ruby on Rails die Weichen neu gestellt in puncto Produktivität, Agilität und Einfachheit. Zum anderen ist RoR momentan der wahre Innovationsmotor im neuen Web: AJAX, REST, diese Dinge sind Teil des Frameworks. Oder nehmen wir Tagging, das ist in Ruby ein Einzeiler: acts_as_taggable. Aus vielen Projekten sind mittlerweile so viele gute Ideen zurück ins Framework geflossen oder dem Plugin-Marktplatz zugute gekommen, dass wir uns praktisch nicht mehr um Technologiekrimskrams kümmern müssen, sondern sofort auf die Umsetzung der Ideen stürzen können, die unsere Web-App von anderen unterscheidet. Time to Market wird immer wichtiger, schließlich will jeder seine neue Site nach Wochen launchen, nicht Monaten. Zu guter Letzt, glaube ich, dass man mit der Entscheidung für Ruby auch bessere Softwareleute anzieht. Kommen wir einmal auf das "Web 2.0" im Allgemeinen zu sprechen: Was zeichnet für Dich das neue "Web 2.0" aus? Für mich ist das neue Web vor allem das alte Web: Es wird langsam erwachsen und so, wie es immer sein wollte: beschreibbar (Blogs, Wikis), mit reichen Interaktionsmöglichkeiten (AJAX, DHTML, Javascript, das endlich funktioniert), partizipativ (Social Networks, Weblogs, Audio/Video Podcasts, Screencasts), skalierbar (Torrents), annotierbar (Tagging), remixbar und offen über Web-APIs (Mashups, REST), mit referenzierbaren Inhalten (Micro Content), über hübsche stabile URLs (Permalinks), auch rückwärts (Trackbacks), mit semantischen Datenformaten (Microformats, JSON, Webstandards) und über Änderungshistorien verfolgbar (RSS, Atom, SSE, Ping). *hol Luft* Neben all den sozialen Implikationen, die wir gerade aus den neuen Möglichkeiten entstehen sehen, fasziniert mich vor allem die Echtzeit- und ortsbezogene Komponente: Das Web wird immer schneller, zum Live Web. Ebenso kennt die Ausbreitung des Netzes in die reale Welt keine Grenzen mehr: neue Geo-Dienste, mobiles Web und Ubiquitous Devices; diese Themen finde ich ziemlich spannend. Im Thema Mashups steckt auch noch viel Potenzial. Wie siehst Du die Web 2.0-Szene hier in Deutschland? Ich habe den Eindruck, in den letzten Monaten entstehen auch hierzulande einige sehr gute Ideen. Meine ich auch, vor allem im Social-Commerce-Sektor: Dawanda, Dealjäger, Spreadshirt, Yieeha. Gute Ideen gut umgesetzt. Allerdings finde ich auch, dass hierzulande viel zu sehr über den großen Teich geschielt wird. Dieser gebannte Blick führt zu Lähmung. Außerdem reden und analysieren wir die Dinge in Deutschland klein und kaputt. Hype, Klon, Bubble sind Vokabeln, die wir mal wieder bewusster einsetzen könnten. Und überhaupt wird aus meiner Sicht zu viel geredet und zu wenig gemacht. Wir leiden unter einem chronischen NDA-Syndrom: Not Doing Anything. Doch genug gejammert, nach Sandwich-Technik muss meine Antwort ja auf einem positiven Aspekt enden. Daher ein Minibuchtipp: "Who moved my Cheese?" Mein Lieblingssatz: "What would you do, if you weren't afraid?" Einfach mal machen, wäre mein Tipp. Überhaupt einmal anzufangen, ist der wichtigste Schritt. Was fehlt im Web 2.0? Außer den meisten Unternehmen offenbar ein Business-Plan? Den fehlenden Businessplan sehe ich, ehrlich gesagt, als Stärke. Bestes Beispiel ist das gerade ausführlichst diskutierte Twitter. Obwohl die Jungs mit Odeo eine der ersten und besten Podcasting-Plattformen am Start hatten, haben sie auf dem Weg ihren Drive und Fokus verloren und sich von PodShow, PodTech und Konsorten überrunden lassen. Evan Williams hat darauf den meiner Meinung nach mutigsten Schritt im Jahr 2006 gemacht: seine VCs rauszukaufen, somit wieder frei zu sein und sich auf vielversprechendere Ideen stürzen zu können als die ursprünglich im Businessplan anvisierten Ziele: Odeo.com steht seit Februar zum Verkauf, alle Kraft voraus auf Twitter.com! Was fehlt meines Erachtens im Web 2.0? Ich glaube, ein schlagkräftiger Herausforderer zur Datenkrake Google wäre ganz dufte. Wo wird sich das Web Deines Erachtens hin entwickeln? Werden wir alle bald im "Second Life" stehen? Nein, glaube nicht. Ich denke vielmehr, dass das Pendel schon bald wieder in die andere Richtung ausschlagen könnte: Von Always-On und hemmungsloser Mitteilsamkeit zu einer gesunden Balance aus Offenheit und Privatsphäre. Ich glaube, dass wir unsere lokalen Communities wieder entdecken werden und dass das Web ziemlich schnell unsichtbar werden wird durch die vielen kleinen Gerätschaften, die darüber miteinander verbunden sind. Der Witz, nach seinen verlegten Schlüsseln zu googeln, wird dann keiner mehr sein. [MEHR]
Eine Betrachtung der aktuellen Ereignisse rund um die Readers Edition, von Wilhelm Ruprecht Frieling Wie installiert ein frisch gebackener Unternehmer ein neues Projekt im Web? Die »Underpants Gnomes« in der satirischen US-Comedy-Serie »South Park« zeigen es in Folge 217 mit ihrem dreistufigen Business-Plan:
  1. Sammel Content
  2. ???
  3. Mache Profit!
Keiner der Wichtel, und das ist der Gag, weiß allerdings, worin die entscheidende zweite Stufe des Geschäftsplans besteht. Jeder geht davon aus, der andere werde es wohl wissen, bis die Blase schließlich platzt. Der »dreistufige Geschäftsplan« gilt seitdem als Parodie auf Web-Unternehmer, die planlos umher irren und wichtig tönen. In Berlin führen die Unterhosenwichtel derzeit die »Readers Edition« in die berüchtigte »Phase zwei«. »20 Millionen Mitarbeiter« wollte die Netzeitung als Betreiberin des Online-Portals gewinnen, als sie im Juli 2006 startete. Nach einem halben Jahr hatten kaum 150 Autoren mehr als jeweils vier Artikel veröffentlicht, der Rest kam von Leserbriefschreibern. Qualitätsniveau und Zugriffszahlen sanken kontinuierlich. Das Projekt erlebte seine erste heftige Krise. Die norwegische Betreiberin Orkla Media wollte daraufhin das konzeptionslose Projekt loswerden. Sie koppelte die Readers Edition ab, übertrug zum 1. Januar 2007 ihrem bisherigen Netzeitung-Chefredakteur Michael Maier die Titelrechte, und schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Maier hatte übrigens vor seinem Wirken bei der Netzeitung die Auflage des »stern« in den Keller gefahren und war daraufhin von Gruner+Jahr–Chef Gerd Schulte-Hillen fristlos gekündigt worden. Ein außergerichtlicher Vergleich kostete den Hamburger Verlag nach Archivunterlagen der »Zeit« mehr als 1,25 Millionen Mark. In einem Kommentar zur Übernahme der Readers Edition erklärte der nunmehr selbständige Unternehmer Michael Maier als Geschäftsführer einer neu gegründeten Briefkastenfirma namens »Blog Form GmbH« den verwunderten Lesern und Mitarbeitern Anfang Januar: »Wir werden uns der Readers Edition jetzt sehr intensiv widmen und wollen sie ausbauen. Als Portal für Bürgerjournalismus, aber auch als ein publizistisches Unterfangen, in dem Stimmen zu Wort kommen können, die etwas zu sagen haben.« Inzwischen wird erkennbar, wie dies funktionieren soll. Maier, der sich derzeit für einige Monate in die USA zurückgezogen hat, ließ jetzt ohne Vorankündigung alle alt gedienten Moderatoren, das sind die ehrenamtlichen Gründer und Mitarbeiter des Projekts, fristlos feuern. Er hielt es weder für nötig, dies selbst zu tun, noch dankte er den bisherigen Gratissklaven oder bot auch nur ein versöhnliches Wort an. Die Kündigung erfolgte durch freie Mitarbeiter und wurde damit begründet, die bisherigen Wasserträger seien »nur mäßig hilfreich« gewesen. Die rüde Vorgehensweise des neuen Gutsbesitzers in seinem angeblich basisdemokratisch orientierten Portal führte zu tumultartiger Empörung in der Blogosphäre, auf deren Aktivisten das Readers Edition-Projekt bisher fußte. Die Ex-Moderatoren begannen, ihre Erfahrungen offen zu legen und das System, das »wie ein maligner Tumor die Idee des Citizen Journalism befiel« (Moderator Florian Siebeck) zu kritisieren. Dazu zählt auch der inzwischen für Die Welt tätige Projektgründer Peter Schink, den Maier wohl aufgrund seiner Bekanntheit nicht öffentlich »absägen« wollte. Der Gründungsvater erklärte seine Tätigkeit für die RE mit sofortiger Wirkung für beendet. Die über Nacht gebildete neue Mannschaft aus zwei »Chef-Moderatoren« und einem neuen Helfer bemüht sich nun, möglichst viele Beiträge einzustellen, um den Eindruck von Aktivität zu erwecken. Dazu zählen Original-Pressemeldungen, die unter dem Namen der Chefmoderatorin veröffentlicht werden ebenso wie dilettantische Aufsätze, die jeder Schülerzeitungsredakteur ablehnen würde. Der Trend ist klar: Es geht darum, die »Readers Edition« für Werbepartner zu öffnen, die bereit sind, viel Geld auszugeben, um ihre Botschaften in die Welt des Web 2.0 zu sülzen. Im Ergebnis entsteht voraussichtlich eine Sammlung mit PR-Inhalten, die durch redaktionelle, leicht unterhaltende Beiträge aufgelockert wird. Das wiederum liegt im Trend, denn die Industrie erkennt durchaus, wie schnell die Blog-Szene wächst. So scheint klar, wohin sich die einst als Nachrichtenportal gegründete Readers Edition bewegt: In eine PR-Schleuder. Die Unterhosenwichtel wissen halt, wie es gemacht wird. Wilhelm Ruprecht Frieling ist als Autor, Blogger und Verleger tätig. Er schreibt Reportagen und Geschichten für deutsche und amerikanische Magazine und ist u.a. Autor des "Wörterbuch der Verlagssprache". Frieling unterstützte als Autor von Beginn an die »Readers Edition« der Netzeitung und bekleidete dort lang die Position als von den Lesern gewählter "Bester Autor" [MEHR]
Eine Nachbetrachtung zur DLD Konferenz in München, von Dr. Frank Huber Manche Dinge muss man erst einmal eine Nacht sacken lassen, daher nun mein DLD 07-Fazit: das “Participation Age” der “Social Networks” und damit das Web 2.0 sind eine Goldader. Warum? Noch nie war es so einfach die Ressourcen anderer zu nutzen. Wie sagte Rob Beckstrom über Joost: “They are just using your harddrive to host their content”. Doch nicht nur die Ressourcen anderer werden genutzt, auch deren Arbeit. Man nennt das dann Community. Allen gemein ist die Zeile aus einem Lied von Klaus Lage: “… und die Kohle fällt nach oben”. Das Web 2.0 ist also wirklich in vielen Fällen eine unter dem Deckmantel des “sozialen Netzwerkes” ablaufende Veranstaltung zur Gewinnmaximierung. Weltmeister darin, das zeigte die DLD, sind die Amis - wir Deutsche sind uns dafür zu fein oder zu dumm dafür. Besonders interessant finde ich da die Situation der Verleger. Sie kommen mir wie ein Mineralölkonzern vor, der sich angesichts der globalen Herausforderungen komplett neu ausrichten muss. Um es mal konkret zu machen: Aus BP wurde “beyond petroleum” - was wird aus Hubert Burda Media? Das sind keine kritischen Fragen, sondern Fakten. Denn mit den netten "Bunte"-Themen und der Info-Elite der 90er kann man heute keinen Blumentopf gewinnen. Die wirklich süßen "Bunte"-Girls in weißen Jeans/Miniröcken und weißen Slippern waren für mich z.B. symptomatisch für die aktuellen Print-Konzepte. Was für ein herrlicher Ausflug in die (sorgenfreien) 80er in einem Hotel mit goldenen Lüstern und Marmorböden. Fehlte nur noch Michael Graeter, der mich interviewt - ich gebe ja zu, dass ich ab und zu seine Rolle gespielt habe. Wer weiß wie heute Klatsch & Tratsch gespielt wird (Gofugyourself), der wird merken wie hoffnungslos von gestern diese Ansätze sind. Doch wie kann man den neuen amerikanischen Mega-Medienmarken wie YouTube und MySpace Konkurrenz machen? Oder noch pointierter: Wie erfindet man die Post-YouTube Medienmarke oder “the next big thing” nach Joost und Blyk? Burda wird im für “Brains” attraktiven München ganz neue Aktivitäten starten. Das ist auch dringend notwendig. Denn die Themen, die angegangen werden müssen, bedrohen das Geschäftsmodell aller Verleger im Kern. Blogs sind da das kleinste Übel. Über Blogs spricht keiner der Visionäre mehr - kommerziell sind sie ein Witz und in ihrer heutigen Struktur haben sie Kindergartenniveau. Echte Pro-Blogger müssten sich erst mal mit journalistischen Darstellungsformen und -techniken vertraut machen, um auf hohem Niveau kreativ Inhalte anzubieten, die sie zur Marke machen (siehe Huffington Post). Alles andere ist Hobby-Bloggen. Derzeit besteht von dieser Warte her keinerlei Gefahr für die Verleger. Die Gefahr kommt eher von Giganten wie Google, ohne die Verleger heute im Internet gar nicht mehr leben können. Sie bedrohen die Kontrolle über die Inhalte und deren Verwertung. Dazu kommen noch all’ die “User stolen content”-Konzepte, die ebenfalls alle von den Verleger-Inhalten profitieren. Hubert Burda bezahlt also die Party der anderen - so wie es er in München großzügigerweise gemacht hat. Dafür bin ich - und sind alle Gratis-Teilnehmer - ihm zu Dank verpflichtet. Als ehrlicher Gast will ich aber seine an mich persönlich gerichtete Frage: “Was gibt es Neues?” auch ehrlich beantworten. “Nicht viel Erfreuliches für Verleger” - denn die müssen z.B. lernen, Eintritt für ihre Parties zu verlangen. Von den Usern, von Google, und all’ den anderen Content-Profiteuren. Meine konkreten Vorschläge dazu sind bekannt - gerne bereite ich sie für einen Termin in Offenburg wie besprochen auf. Denn ich möchte, dass weiter Journalisten für ihre Arbeit bezahlt werden, dass sich die Produktion qualitativ hochwertiger Inhalte lohnt und dass wir in Zukunft nicht nur von US Content Fast Food leben müssen. Das gilt im übrigen auch für das Schlüsselthema “Suche” - das neben dem kulturellen Hintergrund vor allem ein zentrales Business-Thema ist. Europa hat hier den Anschluss komplett verloren - mit einem smarten, sehr pragmatischen Ansatz könnte man da noch was machen. Die Blogs und alle Leser-Reporter dürfen dann darüber (mal wieder gratis) berichten - das Geld verdienen (mal wieder) andere. Fazit: mit Inhalten anderer lässt sich blendend Geld verdienen. Das Web 2.0 ist in diesem Sinne eine Goldader, Blogs sind in Deutschland ein kommerzieller Flop. Vielleicht sind es auch diese Gründe, warum A-Blogger ihre Start-ups nicht im Blog-, sondern in verwandten Bereichen sehen. Letztendlich geht es darum, Geld zu verdienen. Entweder die Umsätze kommen direkt vom Kunden oder (indirekt quasi) über Händler- oder Hersteller-Werbung. Das erstgenannte Modell wird m. E. trotz sehr erfolgreicher Beispiele (siehe Fotocommunity) zu wenig praktiziert, das letztgenannte Modell überfordert. Wenn man sich mal überlegt was alles durch Werbung finanziert werden soll, dann fragt man sich, ob es so viele Werbetreibende überhaupt geben kann. Es bleibt also spannend, und ich bin ganz neugierig auf all’ die neuen Geschäftsmodelle und -initiativen. Die DLD hat mir persönlich in diesem Kontext wichtige Einsichten beschert - ich hoffe vielen anderen Teilnehmern auch. Dr. Frank Huber ist ausgebildeter Marketing-Fachmann (Diplom-Kaufmanm, promovierter Diplom-Volkswirt) und hat an vier Universitäten (Freiburg i. Br., Köln, St. Gallen, Ann Arbor) studiert. Neben zahlreichen Unternehmensgründungen und seiner derzeitigen Tätigkeit als Medienberater hat er als Erster versucht, die Media-Akzeptanz bei Bloggern gezielt zu testen. Er ist ein Macher und streitbarer Geist, der zunächst als “innovative Störung” im Blogbetrieb betrachtet wurde und dessen Thesen nicht unumstritten sind. Als sozialphilosophisch ausgebildeter Denker stehen für ihn jedoch Kritik und Erkenntnisfortschritt in einem unmittelbaren Zusammenhang. Seine konstruktiv-kritischen Erkenntnisse zum Thema “Web 2.0” publiziert er tagesaktuell auf seinem Media-Blog. (Erstveröffentlichung im Media-Blog) [MEHR]
 
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