Career Zoo: In Dublin werden deutsche Tech-Talente gesucht

Im Vorfeld der Dubliner Jobmesse “Career Zoo” hatte der Veranstalter nach deutschem Tech-Talent gerufen. Firmen wie SAS Business Services, Quantcast und Twitter stiegen vor Ort im Dubliner Convention Center laut vernehmlich in den Chor ein. Bei der Jubiläumsausgabe lagen die Schwerpunkte auf Big Data, Fintech und Frauen in Tech. Career Zoo 10 befriedigte somit das Verlangen der Techszene nicht nur in den Dubliner Silicon Docks, wo rund um den Veranstaltungsort DCC die Giganten der Industrie wie Facebook, Google oder Twitter zu Hause sind. Auch andere Tech-Cluster wie Cork oder Limerick, in denen Firmen wie Apple oder Uber auch mit Universitäten vor Ort zusammenarbeiten, suchen qualifizierte Arbeitskräfte. “Besonders gefragt sind Deutsche”, wurde uns Netzpiloten im Vorfeld des Career Zoo gesagt.

Das Dublin Convention Center, in dem der Career Zoo erneut stattfand, liegt direkt an der Liffey. Draussen am Fluss waren keine Angler zu sehen, doch im weitläufigen Kongresszentrum warfen zahlreiche Firmen ihre Angeln in den Talentpool. An vielen Ständen war die Zahl der Ansprechpartner zwar übersichtlich, bei Twitter war aber ein gutes, engagiertes Dutzend im Einsatz. Die Jungs und Mädels waren an ihren T-Shirts mit der Aufschrift #140max sehr gut zu erkennen.

Dort zeigte sich aber auch ein Problem, mit denen die Firmen beim Fischen nach neuen Kollegen oft zu kämpfen haben – so neu sind so manche der Messebesucher gar nicht. Ich habe selbst über Jahre auf dem “Multinational-Circuit” gearbeitet und sah viele bekannte Gesichter in der Bewerberschar. Dublin ist zwar so etwas wie der Nabel der Tech-Welt, die irische Hauptstadt ist aber auch ein Dorf. Kein Wunder also, dass sich die Personalleiterin von Twitter als meine ehemalige Chefin entpuppte!

#SprechenSieDeutschDannNurHereinspaziert

Frage an Twitter in Irland: “Wie sieht es denn aus? Braucht Twitter Deutsche?” Die Antwort war ein deutliches Ja. Deutschland ist für Twitter ein sehr wichtiger Markt. Hier ist man sich mit der Konkurrenz von Facebook und Google, die in den Silicon Docks auch Nachbarn sind, absolut einig in der Einschätzung des Bedarfs. Die Personalchefin wollte zwar keine konkreten Zahlen nennen, was offene Stellen oder Gehälter anbetrifft, konnte mir aber auch nicht widersprechen, dass deutsche Muttersprachler sehr gefragt sind. Hier ein Überblick auf der Dubliner Twitter-Seite.

Fishing for Talent mit Smart Badge & Tablet

Beim Career Zoo 9 wurden erstmals Smart-Badging-Technologie für Bewerber und Unternehmen eingesetzt. Es gab 31.000 Swipes im Verlauf des Tages und die ausstellenden Firmen hatten im Schnitt 440 Lebensläufe gefischt. Beim zehnten Event konnten Bewerber zusätzlich noch Fotos und LinkedIn-Profile hochladen.

Und so erwarteten an den Ständen Firmenvertreter im Anzug oder im T-Shirt mit Logo, den Schwarm der Jobsuchenden mit der digitalen Angel – dem Tablet. 7.100 Besucher, 35.000 Swipes und 450 Lebensläufe im Schnitt pro Aussteller waren diesmal der Ertrag.

Deutsch als Muttersprache schafft Vertrauen – und bildet die Grundlage für eine gute Karriere

Eine der Firmen, die händeringend nach Deutschen (vor allem für den Bereich Inside Sales) suchen, ist SAS, die in Ballsbridge im Kern Dublins beheimatet sind. “Momentan arbeitet bei uns nur ein Deutscher, wir suchen aber dringend Kollegen für ihn”, sagt Mark Stoddart, der “Head of Talent Aquisition” bei SAS. Man könne zwar auch auf Kandidaten mit Deutschkenntnissen aus anderen EU-Ländern zurückgreifen, bevorzuge aber Muttersprachler, weil diese die deutsche Kultur kennen.

Verkauf hat mit einer engen Beziehung zum Kunden und mit Vertrauen zu tun”, sagt Stoddart und ergänzt, dass die Erfahrung im Umgang mit den Kunden zeige, dass diese den Kontakt mit Muttersprachlern bevorzugen. SAS hat auch ein Büro in Heidelberg mit über 500 Mitarbeitern, die ermutigt werden, nach Dublin zu kommen. Die Gehälter in Dublin seien bei vielen Firmen gut. “Wir selber zahlen konkurrenzfähige Gehälter.” Zu tief lässt sich der Personalchef dann aber doch nicht in die Karten schauen.

Scholz & Friends – mehr deutsche Quantcaster gesucht

Ein Deutscher in Dublin: Nikolai Scholz, Campaign Analyst bei Quantcaster (Image: Rainer Kiebat)
Ein Deutscher in Dublin: Nikolai Scholz, Campaign Analyst bei Quantcaster (Image: Rainer Kiebat)

Am Stand von Quantcast traf ich auf Nikolai Scholz. Er ist einer der zur Zeit drei deutschen “Quantcaster” in Dublin. Der Campaign Analyst managt und analysiert digitale Werbekampagnen von Quantcast-Kunden. Dazu gehören zum Beispiel British Airways, AMEX und E-plus. Als Nikolai vor 18 Monaten nach Irland kam, hatte das Dubliner Team 25 Mitglieder. Heute sind es 70, denen aber weitere Kollegen folgen sollen. Die Neuankömmlinge sollen die Zukunft von Big Data mitgestalten.

Das Personalteam ist wie viele Firmen in Irland stets auf der Suche nach Leuten, die Intelligenz und Ehrgeiz paaren, um eine gute Karriere zu starten. Wer analytisch ist und dabei auch noch für Spass zu haben ist, der ist in Dublin richtig gut aufgehoben. Bewerber, die Nikolai und seinen beiden Kollegen zur Seite stehen sollen, werden in den Bereichen Kampagnen-Analyse, Kunden-Strategien und Verkauf gesucht.

“Im Dienst Ihrer Majestät” – bei Agenturen ist der Kandidat König

Agenturen, die Bewerber an Firmen vermitteln, spielen in Irland eine wichtige Rolle. Der Kandidat ist dabei König (und die Suche für ihn kostenlos), während der Kunde zahlt. Sprich der Jobsuchende gibt der Agentur seinen Lebenslauf und der Kunde der Agentur (die suchende Firma) zahlt eine Provision an die Agentur, wenn die Stelle besetzt wurde. Die Regel ist dabei, dass die Provision in zwei Phasen gezahlt wird – bei Dienstantritt und nach Beendigung der Probezeit, die in der Regel sechs Monate beträgt.

Dick im Geschäft ist hier die börsennotierte Agentur CPL. Dort kümmert sich Ivonne Rauhut um deutsche Bewerber. “Wir gehen davon aus, dass zur Zeit um die 20.000 Deutsche in Irland leben”, sagt die Personalvermittlerin. Da mag zwar noch der eine oder andere Hippie dabei sein, der in der irischen Natur Wanderungen organisiert, aber heutzutage ist es eher der Hipster, der in Zentren wie Dublin, Cork oder Limerick in Technologiefirmen gutes Geld verdient.

Nicht in jeder Berufssparte sind die Einsteigsgehälter hoch und nicht jeder Deutsche bleibt über eine lange Karriere hinweg in Irland. “Viele Deutsche bleiben nur ein oder zwei Jahre”, stellt Ivonne Rauhut klar. Umso gefragter seien aber Deutsche mit guten Qualifikationen, die bereit sind, Zeit und Lernfähigkeit in ihre Karriere zu investieren. Für diese gefragte Spezies gibt es hervorragende Karrierechancen. Rund 100 Stellen für Deutsche hat CPL zur Zeit zu besetzen.

Die Sicht der Deutsch-Irischen

Auch die Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer ist gefragt, wenn es um die Suche nach deutschen Talenten geht. Zwischen 50 und 55 Firmen nehmen den Vermittlungs-Service der Kammer in Anspruch. Hierbei handelt es sich nicht nur um deutsche Firmen. Ganz im Gegenteil – oft sind es US-Firmen wie IBM oder Microsoft, die deutschsprachige Arbeitskräfte für ihre Europazentrale in Dublin oder Cork suchen. Genau hier liegt eine Herausforderung für die Kammer, wie der Geschäftsführer Ralf Lissek erklärt: “Über Jahre hinweg haben diese US-Firmen oft Bewerber aus anderen EU-Ländern, denen es wirtschaftlich schlecht ging, mit geringen Einstiegsgehältern beschäftigt. Oft waren die Kunden in Deutschland dann unzufrieden.

Die US-Firmen befinden sich laut Lissek immer noch im Lernprozess und es sei nicht immer vermittelbar, Deutsche zu einem höheren Gehalt einzustellen. Zum Glück gäbe es ja noch deutsche Firmen wie beispielsweise SAP, mit denen man eng zusammenarbeitet, sowie irische Startups, die nach Deutschland exportieren wollen und erkannt haben, dass Deutsche mit Kultur- und Marktverständnis hier sehr wichtig sind. Rund 100 Stellen hat auch die Kammer zur Zeit zu besetzen.

Arbeiten bei der Suchmaschine für Jobs

Noch ein Deutscher in Dublin: Patrick Marschner, Senior Account Executive bei Indeed (Image: Rainer Kiebat)
Noch ein Deutscher in Dublin: Patrick Marschner, Senior Account Executive bei Indeed (Image: Rainer Kiebat)

Gegenüber des Dublin Covention Centers ist am südlichen Liffeyufer das EMEA-Hauptquartier der Job-Suchmaschine Indeed gelegen. Wohl kaum jemand ist besser geeignet, einen Einblick in die Arbeitsmarktsituation für Deutsche in Irland zu geben als Patrick Marschner. Der Senior Account Executive ist seit zwei Jahren bei Indeed und liebt die offene Atmosphäre in seiner Firma und in ganz Dublin. Bei Indeed sind 20 Deutsche Teil eines bunten Teams aus 25 Nationen. “Hier wie in ganz Dublin können verschiedene Kulturen voneinander lernen”, rät der 37-jährige Deutsche seinen Landsleuten zum Schritt nach Dublin. Ein kurzer Blick auf die irische Website von Indeed zeigt ebenfalls rund 1.000 Stellen für Deutsche in Dublin.

Nach dem Gespräch über seine Arbeit und über Dublin begleitete mich Patrick Marschner noch ans Wasser. Wie ein Symbol lag dort gerade das deutsche Segelschulschiff Gorch Fock. In Sichtweite des DCC, wo vor wenigen Tagen der Career Zoo zu Ende gegangen war, ist die Botschaft laut und deutlich: “Deutsche! Werft Euren Anker!


Teaser & Image “St. Anns Church in Dublin” by Bjørn Christian Tørrissen (CC BY-SA 3.0)


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Rainer Kiebat

Rainer Kiebat

arbeitet als freier Journalist in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach einem Rundflug über multinationale Unternehmen wie AOL und Google landete er 2013 wieder bei der “alten Liebe” Journalismus und berichtet seitdem für deutsche Medien wie die “Rheinische Post” und “Spiegel Online” aus Irland und Nordirland. Irische Medien wie die “Sunday Business Post”, der “Irish Independent”, sowie die “Sunday Times” & “The Times” (Irish Editions) gehören ebenfalls zu seinem Portfolio. Für die Netzpiloten wird Rainer von den Dubliner “Silicon Docks” - wo Google, Facebook, Twitter und zahlreiche Tech-StartUps sitzen – und aus anderen Tech-Clustern wie Cork, Galway oder Limerick berichten. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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