Gunnar SohnMerve-Verlag und die Lust an der Respektlosigkeit

Erst marxistisch, dann daneben. Der Publizist Peter Gente hielt sich nicht an die Regeln – und schuf so ein erfrischend gut gelauntes Lebenswerk. // von Gunnar Sohn

"Outdoor Bücher" (Adapted) by Robert Agthe (CC BY 2.0)

Vor rund 45 Jahren wurde in Berlin der Merve-Verlag gegründet – und galt nach anfänglichen marxistischen Ausflügen als publizistische Zentrale von Postmoderne und Dekonstruktion. So bilanzierte der entkollektivierte Merve-Gründer Peter Gente Ende der 1970er Jahre, dass man an der Dialektik irre werde. Das Verlags-Kollektiv zerbröselte irgendwann. Unter dem Deckmantel des „proletarischen Erfahrungsinteresses“ flüchteten die Genossen ins partikulare Private: Bluesmusik, Nietzschelektüre, Malen, Biokost und Esoterikliteratur. Peter Gente entdeckte das Nachtleben.

[Mehr]


Gunnar SohnWarten auf Erleuchtung

In einem Kraftakt möchte Deutschland die sogenannte "Industrie 4.0" einführen – und damit die Industrie vernetzen. Bislang ruft das Konzept aber bloß Ahnungslosigkeit hervor. // von Gunnar Sohn

{Explore}(adapted) by Marius Brede (CC BY-SA 2.0) via Flickr

"Mit der digitalen Vernetzung der Produktion wird sich unser Verständnis von Industrie so nachhaltig verändern wie niemals zuvor", so VDMA-Präsident Reinhold Festge zur Eröffnung der Hannover Messe. Die deutschen Hersteller seien für diese globale Veränderung bestens gerüstet, betont der oberste Maschinenbau-Lobbyist. "Für die deutsche Industrie formuliere ich dabei nicht weniger als den globalen Führungsanspruch."

[Mehr]


Gunnar SohnDie parasitäre Netzwelt

Konzerne wie Google und Amazon haben sich bereits fest in unseren Alltag geklickt. Der Wissenschaft fehlt jedoch noch jegliche Idee, wie mit diesen Monopolen künftig umzugehen ist. // von Gunnar Sohn

Silicon Valley Financial Center by Christian Rondeau (CC BY 2.0)

Arno Rolf, Professor i. R. im Fachbereich Informatik der Universität Hamburg, hat einen spannenden „FAZ“-Gastbeitrag über den „Zustand“ der Wirtschaftsinformatik in Deutschland veröffentlicht. Sie ringe mit ihrer gestaltungsorientierten Tradition um mehr internationale Anerkennung. „Aus diesem Dilemma einen Ausweg aufzuzeigen, bemühten sich die Altvorderen der Wirtschaftsinformatik, Ernst-August Scheer, Peter Mertens, Hans-Ulrich Buhl und Wolfgang König, in der Panel-Diskussion ,Impact Engineering oder gesellschaftliche Verantwortung‘ auf der 12. Internationalen Tagung Wirtschaftsinformatik in Osnabrück“, schreibt Rolf.

[Mehr]


Gunnar SohnUnternehmertum in der Demografie-Falle

Die Überalterung der Gesellschaft hat die Unternehmen erreicht. Streams könnten Abhilfe schaffen. // von Gunnar Sohn

Former Intel CEO Gordon Moore in his cubicle by Intel Free Press (CC BY-SA 2.0) via Flickr

Wir debattieren seit Jahren aus guten Gründen über die Überalterung unserer Gesellschaft. Es geht dabei in erster Linie um die Finanzierung der Rentenversicherung über das Umlageverfahren, um die Kosten der Altenpflege, Fachkräftemangel, Probleme bei der Unternehmensnachfolge oder um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein blinder Fleck im politischen Diskurs ist die alternde Unternehmerschaft in Deutschland, die sich nur über die Erfolge der Vergangenheit definiert. Klingt nicht gerade aufregend. Aber wir erleben gerade eine digitale, innovative und investive Spaltung der Wirtschaft. Alte Unternehmer leben von der Substanz, investieren kaum und verdrängen die Notwendigkeit von Erweiterungsinvestitionen sowie Innovationen. Das erklärt vielleicht auch die Aversionen der liebwertesten Chef-Gichtlinge gegen die Digitalisierung.

[Mehr]


Gunnar SohnDer Mittelstand im digitalen Partisanen-Kampf

Sie sind der Motor der deutschen Industrie. Die Mittelständler oder auch "Hidden Champions". So ehrenhaft der Status auch klingt, sie müssen ihren Weg ins Zeitalter der Digitalisierung finden. Besser heute, als morgen. // von Gunnar Sohn

Social Media (Bild: narcisio1 [CC 0], via pixabay)

Sobald es um die Heldentaten der stolzen deutschen Industrienation geht, werden Politiker und Lobbyisten nicht müde zu betonen, wie wichtig sie für uns sind – die sogenannten "Hidden Champions", die Mittelständler, die Industrie- und Technologieunternehmen. Mit knapp 16 Millionen Beschäftigten erwirtschaften sie rund 2,1 Billionen Euro pro Jahr, heißt es im Ankündigungstext des republica-Vortrages von Marco Petracca mit dem verheißungsvollen Titel "Online? Bringt uns nichts! – Ein deprimierender Lagebericht aus den Chefbüros deutscher Industrieunternehmen".

[Mehr]


Gunnar SohnWas Industrie-Siggi noch lernen muss

Digitalisierung bleibt Fremdwort: Mental sind die deutschen Politiker am Ende des 19. Jahrhunderts zu verorten. // von Gunnar Sohn

Sigmar Gabriel (Bild: Christliches Medienmagazin pro [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Ein Gegensatz zwischen "realer" und "virtueller" Welt existiert nicht – so lautet ein Grundsatz der Digitalpolitik der Bundesregierung, meint zumindest Professor Tobias Kollmann, Vorsitzender des Beirats "Junge Digitale Wirtschaft" im BMWi. Digitaler Wandel, Digitale Transformation, Digitale Wirtschaft, Digitale Gesellschaft, Digitale Zukunft und viele andere "Digitalthemen" seien kein Sonderfeld oder gar nur ein vorübergehendes, tagespolitisches Momentum, sondern die elementare Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für diese und die nächsten Generationen. [Mehr]


Gunnar SohnDie 68er-Generation in Politik und Wirtschaft

Obwohl als "Alt-Hippies" verrufen, bringen die 68er frischen Wind in die Führungsebenen. Aber auch sie stoßen an ihre Grenzen – wie das Beispiel Telekom zeigt. // von Gunnar Sohn

hippie (Bild: CasparGirl (CC BY 2.0)

Die 68er-Bewegung war wohl weit mehr als eine Protestnote der revoltierenden Studenten gegen die Biedermeier-Atmosphäre der Adenauer-Ära. Liest man die jüngst herausgegebenen Autobiografien des Politik-Managers Peter Radunski und des früheren Telekom-Personalvorstandes Thomas Sattelberger, war diese Phase des universitären Daseins ein Trainee-Programm fürs Leben. Der Eine nutzte sie als "alternativer 68er" für eine Karriere in der CDU, der Andere brachte es zu einflussreichen Posten in DAX-Konzernen.

[Mehr]


Gunnar SohnAbgesang auf die Macho-Chefs

Im Management von heute dreht sich alles um Effizienz. Wenn Unternehmensziele so utopisch sind wie sowjetische Fünfjahres-Pläne, müssen das oft die Angestellten ausbaden. // von Gunnar Sohn

Drill_instructor_250

Als Schule der Intrigen mit Macho-Kultur bezeichnet der Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger im Spiegel-Interview die düstere Realität auf Chefetagen. Er muss es wissen. Deutsche Unternehmen seien viel stärker auf pure Effizienz fixiert als etwa angelsächsische oder skandinavische. [Mehr]


Gunnar SohnInnoviert Euch!

Christian Lindner beklagt in einer Wutrede fehlenden Unternehmergeist. Damit hat er Recht, denn ohne Innovation kann die Weltwirtschaft in eine neue, schwere Krise stürzen. // von Gunnar Sohn

Innovation (Bild: Boegh [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Da denkt man, keiner interessiert sich für wirtschaftspolitische Themen, für Startups oder netzökonomische Belange und nur Spaßvögel wie Slimani können virale Hits im Web lostreten. "Dann kommt Christian Lindner mit seiner Wutrede im NRW-Landtag über die Verachtung von Unternehmertum in Deutschland und in zwei Tagen wird die Rede allein bei welt.de 2,1 Millionen Mal angeklickt und über 18.000 Mal geteilt", bemerkt Wirtschaftshistoriker und Management-Professor Klemens Skibicki auf Facebook.

[Mehr]


Gunnar SohnPodcasts: Ohne geiles CMS keine geilen Medien

In den klassischen Medien scheitern Innovationen oft nur an kleinen Dingen. Gerade im Umgang mit Podcasts zeigt sich das. // von Gunnar Sohn

Podcast auf iPod (Bild: francois schnell [CC BY 2.0], via flickr)

Schon kleine technische Variationen, Erweiterungen und minimale Änderungen der Rahmenbedingungen können etwas völlig Neues auslösen, konstatieren die Podcast-Pioniere Tim Pritlove und Philip Banse in der von Pritlove produzierten Sendung "Lautsprecher". Das gilt für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen, schlägt aber bei den klassischen Massenmedien in viel größerer Wucht ein. Beim Podcasting entstanden in den vergangenen zehn Jahren völlig neue Formate, auch wenn das Radio nicht neu erfunden wurde.

[Mehr]


Gunnar SohnDeutschlands digitale Bräsigkeit

Digitale Wirtschaft braucht digitales Management. Mit dem „Kosten-senken-und-Zeit-sparen-Mantra” der deutschen Führungskräfte kann man keinen Blumentopf mehr gewinnen. // von Gunnar Sohn

Deutschlands Management braucht Innovation (Bild: edar [CCo Public Domain], via pixabay)

 

Warum ist die Digitalisierung immer noch eine Achillesferse von deutschen Unternehmen? Diese Frage untersucht eine Zukunftsstudie des Münchner Kreis, die in dieser Woche in den Räumen des Bayerischen Landtags vorgestellt wurde.

61 Prozent der Befragten sehen den Fachkräftemangel als strukturelle Herausforderung. Um dem zu begegnen, müsse das Bildungssystem so schnell wie möglich an die Gegebenheiten der digitalen Welt angepasst werden, die Lehrerausbildung besser ausgestaltet und die digitale Kompetenz jedes einzelnen Bürgers erhöht werden.

[Mehr]


Gunnar SohnWorld Wide Wahnsinn?

Hoffnung oder Unheil? Wenn es ums Informieren im Internet geht, fallen die Urteile stets unterschiedlich aus. Aber einfach nur schimpfen, wie "FAZ"-Mann Mathias Müller von Blumencron, ist auf jeden Fall falsch. // von Gunnar Sohn

Krümelmonster, Internet, PC, Keks

Mathias Müller von Blumencron, der "FAZ"-Mann für das digitale Geschäft, sorgt sich in einem Leitartikel seiner Zeitung um die Wahrheit. Eine Wahrheit habe sich in den vergangenen Jahrtausenden wohl durchgesetzt. "Wirklich ist, wo man gerade steht", so die Blumencron-Erkenntnis. Aber dann kam die digitale Revolution und erschütterte diesen Geist des Pragmatismus. Die unendliche Erreichbarkeit von Wissen mündet nicht automatisch in Wissen – eine simple Wahrheit, die schon beim Besuch einer analogen Bibliothek den Gelehrten klar wurde.

[Mehr]


Gunnar SohnDas Internet macht uns schlauer

Von wegen digitale Demenz: Wenn wir die neuen Werkzeuge richtig nutzen, werden wir mehr leisten können als je zuvor. // von Gunnar Sohn

Demenz

Das Problem der digitalen Demenz scheint wohl doch nur ein singuläres Phänomen eines eifrig daherplappernden Bedenkenträgers zu sein, der mit seinen spitzen Hirnthesen durch die Lande zieht, um die Internet-Skepsis in bildungsbürgerlichen Salon-Gesprächen zu beflügeln. An der Wissenschaftsfront gibt es jedenfalls Entwarnung:

[Mehr]


Gunnar SohnDie Service-Schimären der Netzbetreiber

Personalisierter Service statt Hotline-Gequatsche: Warum Telekom und Co. endlich Kundenversteher-Apps entwickeln sollten. // von Gunnar Sohn

Servicechimäre250x141

Gespräche mit Kundenhotlines verlaufen butterweich, wenn man ein Upgrade-Sonderaktion-Cross-Selling-alles-wird-jetzt-besser-schneller-und-preiswerter-Bundle-Angebot kaufen möchte. Da sind die Agenten zuvorkommend und schnell. Es reicht ein profanes "Ja" und die Vertragsumstellung wird mit Knopfdruck vollzogen.

[Mehr]

Gunnar SohnWarum sich das Personalmanagement ändern muss

Das moderne Personalmanagement verkommt zur Show: Büros bekommen zwar Kuschel-Ecken und Hipster-Brausen, hinter den Kulissen bleibt aber alles wie gehabt. Ist das schon die Zukunft der Arbeitswelt? // von Gunnar Sohn

arbeitsplatz, office, arbeit

Die "Wirtschaftswoche" titelt: "HR-Abteilungen – Personaler vergraulen Fachkräfte" und schreibt: "Wenn Betriebe gute Leute finden, geschieht es nicht wegen, sondern trotz der Personaler." Das "Manager Magazin" fragt in der November-Ausgabe "Die Bonsai-Manager – wer braucht eigentlich noch HR?" und nimmt sich damit der Thematik an, dass DAX-Unternehmen aktuell ihre Personalvorstände abschaffen (SAP, Deutsche Post) und HR in vielen Unternehmen in die esoterische Ecke abdriftet.

[Mehr]


[1][2][3][4][5][6][7][8]Ältere Beiträge