Alle Beiträge zu Menschen

Wohlfühlarbeitsplätze für die industrielle Dressur

L'espace Nouvel (Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid) (adapted) (Image by Jean-Pierre Dalbéra [CC BY 2.0] via flickr)
Büros sind noch immer Gehäuse der Hörigkeit. Die leeren Hurra-Plattitüden der Top-Manager überdecken nur die Realität einer bürokratischen Mikroherrschaft. Ich sitze im Büro, also bin ich? Diesen Mythos verbreiten vor allem Konzerne mit allerlei Bespaßungsmaßnahmen, um zu kaschieren, dass das Angestelltendasein immer noch in einem „Gehäuse der Hörigkeit“ stattfindet, wie [...]
Weiterlesen »

Das Problem mit Selfies an Gedenkstätten

Wo hört Dummheit auf und wo beginnt Respektlosigkeit? Die heutige Selfie-Kultur provoziert diese Frage – Duckfaces vor der Gaskammer in Auschwitz sind eben nicht ganz unverfänglich. //von Anna Maria Landgraf Selfies mit der typischen Instagram-Optik gehören für Jugendliche zum Wochenend-Trip dazu. Das Foto mit der besten Freundin im Hotelzimmer-Spiegel ist [...]
Weiterlesen »

Uber sucht guten PR-Strategen

Uber steht vor großen Herausforderungen. Die Taxibranche ist ein mächtiger Gegner – da sind gute PR-Strategen gefragt, die gegen viele Kritiker ankämpfen müssen. // von Anna Maria Landgraf Uber CEO Travis Kalanick sucht derzeit einen renommierten Kommunikations- und PR-Strategen, um den Kampf gegen die große Taxibranche zu gewinnen. Kalanick hat [...]
Weiterlesen »

Sharing ganz ohne Internet

Das Phänomen der Sharing Economy ist heute sehr verbreitet. Das Internet macht es leichter, Dinge untereinander auszuleihen und ersetzt das dafür nötige Vertrauen mit Kommentarfunktionen. Das Projekt Pumpipumpe baut auf diesen Sharing-Gedanken – jedoch analog. //von Anna Maria Landgraf An Stelle von Internetplattformen treten hier Sticker, bedruckt mit Backformen, Hammern [...]
Weiterlesen »

Generation Analog: Stößt die Digitalisierung an ihre Grenzen?

Chips und Netz sollen einmal alles durchdringen, heißt es. Doch 2014 mehren sich die Anzeichen für einen Rückbau der Digitalisierung. Bald werden wir alle mit Smartwatches, Datenbrillen oder gar implantierten Chips herumlaufen, jede Sekunde und jeder Schritt unseres Lebens wird in den Clouds der IT-Riesen gespeichert, alles Konsumierbare, vom personalisierten Turnschuh bis zur Pizza aus dem 3D-Drucker, wird irgendwie auch digital sein. Unsere Autos werden ferngesteuert durch die Gegend düsen, Wahlen werden im Netz abgehalten, der Job im Coworking Space via Internetleitung erledigt, und den Sexpartner fürs Wochenende tindern wir uns einfach am Smartphone herbei. Doch derzeit häufen sich die Anzeichen, dass der Höhepunkt der Digitalisierung bald erreicht sein und sich die Technologisierung der Gesellschaft auf ein erträgliches Maß einpendeln könnte.

Die Zukunft scheint digital vorgezeichnet, unausweichlich wirkt die komplette Digitalisierung der Welt. Das Analoge ist zum Sterben verurteilt, während „Big Data Brother“ uns das Morgen berechnet und alles in dafür notwendige Bahnen lenkt, von der grünen Ampel bis zur Todesurkunde. Angeblich gehören Plus-30-Jährige wie ich zu den letzten Menschen, die noch analog, mit Musikkassetten und VHS-Rekorder aufgewachsen sind, alle anderen nach uns werden für immer auf den Servern von Google und Facebook verewigt. Die einen finden das praktisch und machen freiwillig mit, den anderen schwant eine Dystopie irgendwo zwischen “1984” und “Minority Report”, doch kaum jemand fragt sich: Was, wenn das alles doch nicht so kommt?

Anti-Tech-Bewegung im Herzen der Branche

Vielleicht ist ja das Jahr 2014, also das Jahr 1 nach Snowden, der Beginn der Kehrtwende, der Anfang vom Ende der ultimativen Digitalisierungsfantasie. Ausgerechnet im Herzen von Hightech-Land, San Francisco, begehrt eine Anti-Tech-Bewegung (darunter eine anarchistische Gruppe namens „The Counterforce“) gegen IT-Riesen wie Google auf, weil der Reichtum ihrer Mitarbeiter die Wohnungspreise in der Stadt weit über die Schmerzensgrenze getrieben hat. Während IT-Hipster, coole Gründer und selbst Twitter-Praktikanten sich auch noch so teure Wohnungen von ihren dicken Gehältern und Venture-Capitalist-Schecks leisten können, sehen sich jene, die nicht in der Tech-Branche arbeiten, unter die Räder des Fortschritts gekommen. Die Google-Busse, die die Mitarbeiter gratis von zu Hause in die Arbeit bringen, sind zum Hassobjekt geworden: Eine Studie zeigte, dass die Wohnungsmieten rund um die Bushaltestelle dieser Shuttles um 20 Prozent gestiegen sind.

Auf der anderen Seite des Atlantiks steht Google im Besonderen und Überwachungstechnologien im Allgemeinen 2014 unter verstärktem Beschuss. So hat der Europäische Verfassungsgerichtshof (EuGH) Anfang April die kontroverse Vorratsdatenspeicherung gekippt, weil diese nicht mit dem Grundrecht auf Privatleben vereinbar ist, und außerdem Mitte Mai ein Grundsatzurteil zum „Recht auf Vergessen werden im Internet“ getroffen. Künftig ist Google verpflichtet, Verweise auf Webseiten mit sensiblen persönlichen Daten in seinen Suchergebnissen zu streichen. Zudem gibt es immer mehr Firmen gerade im Datenschutz-bewussten Mitteleuropa, die sich weigern, ihre Firmendaten aus Angst vor Wirtschaftsspionage in die US-Cloud zu speichern. Sehen wir da gerade die Beginne eines Rückbaus, stößt die Digitalisierung da auf ihre natürlichen Grenzen?

Digitale Ermüdungserscheinungen

Parallel zu wichtigen politischen Entscheidungen zeigen sich auf gesellschaftlicher Ebene zarte digitale Ermüdungserscheinungen. Der Boom von Facebook in Österreich (3,2 Millionen Nutzer, 40 Prozent der Bevölkerung), in Deutschland (28 Millionen Nutzer, 35% der Bevölkerung) ist schon länger vorbei, die 100 Prozent scheinen mittlerweile unmöglich. Twitter war und bleibt sowieso ein Nischenphänomen, das in Österreich gerade einmal 1,5 Prozent der Bevölkerung erreicht (siehe Social Media Radar). Dazu kommt der Wunsch nach mehr digitaler Privatheit, der User von Facebook und Twitter in Richtung WhatsApp, Snapchat, Whisper oder Secret zieht, wo es nicht mehr um das Sharen mit der Weltöffentlichkeit, sondern um vertrauliche Gruppen-Chats und Anonymität geht. Vielleicht sind diese Smartphone-Apps sogar ein Zwischenschritt zurück in analoge Gefilde (Vinyl, Schreibmaschinen und alte Kameras sind längst wieder en vogue)und entwöhnen uns langsam vom „Always on“-Paradigma.

Überhaupt ist die Frage, wie es mit Apps und Smartphones weitergehen wird. Abgesehen von einigen Games wie Quizduell, 2048 oder Candy Crush gibt es kaum mehr neue Applikationen, die jeder mal ausprobiert, wie man es noch vor einigen Jahren mit Dropbox, Evernote, Spotify oder Instagram machte. In der Flut an immer neuen Diensten, die sich manchmal nur um Nuancen unterscheiden, ist es verständlich, dass sich immer mehr User abschotten und das Mobiltelefon nur mehr zum ursprünglichen Zweck verwenden: Kommunikation mit Freunden und manchmal der Arbeit. Da ist es auch wieder vorstellbar, dass es wieder cool wird, gar kein Smartphone zu haben.

Analoge Freiräume schaffen

Das heißt nun nicht, dass man komplett auf Smartphone und Internet verzichten wird, aber die Menschen können sich analoge Freiräume in Raum und Zeit schaffen. Am Wochenende kann man zur Erholung offline gehen, und man kann Räume wie Schlafzimmer oder Esstisch zur Smartphone-freien Zone machen. Freundeskreise tun das schon jetzt, wenn sie beim gemeinsamen Dinner die Mobiltelefone stapeln und denjenigen zur Strafe die komplette Rechnung zahlen lassen, der als erster dem Drang nicht widerstehen kann, zum Gerät zu greifen.

In der TV-Serie „Girls“ wird so eine neue Technologieverweigerin, die weltreisende Bohemian Jessa, porträtiert. Nein, man sie könne nicht auf Facebook kontaktieren, sagt Jessa achselzuckend zu ihrer Freundin Shoshanna, weil sie dort ja gar kein Profil habe. Was Shoshanna ziemlich cool findet und erwidert: „You´re so classy.


 


Weiterlesen »

Von der Sinnsuche eines Militärbündnisses

Three jets (adapted) (Image by André Mouraux [CC BY 2.0] via Flickr)
Eigentlich hätte die NATO nach dem Kalten Krieg aufgelöst werden müssen. Als Relikt alter Denkweisen ist das Bündnis eher eine Gefahr als ein Sicherheitsgarant. Wer die USA oder NATO kritisiert, wer sich nicht mit der Rolle als Bündnispartner dritter Klasse abgeben will, wer kritisch hinterfragt, warum Deutschland in der NSA-Affäre [...]
Weiterlesen »

Kinder lernen Programmieren durchs Anfassen

In seiner Kolumne beschäftigt sich Nico Lumma mit dem Medienwandel und Kompetenzen die damit einhergehen. Nicht nur im Beruf, sondern auch in der Schule und Familie. Ich habe mir damals, als wir nix hatten, Programmieren selber beigebracht, auf einem Commodore C64. Dazu habe ich ein, zwei Bücher gelesen, eine C64 Zeitschrift jeden Monat verschlungen und ansonsten viele Zeilen Code von anderen Programmierern gelesen und so versucht, zu verstehen, warum da etwas funktioniert. Ich bin eigentlich nie über write-only Code hinausgekommen, es tat, was es sollte, aber man hat nur schwer verstanden, wieso eigentlich. In der Schule sollte uns irgendwann das Programmieren mit einer Computersprache beigebracht werden, die speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt worden war. Bei Logo konnte man eine kleine Schildkröte über den Bildschirm laufen lassen, um Striche zu zeichnen. Nun ja, ich war in der 7. Klasse und so richtig begeistert war ich davon nicht, vor allem nicht nach meinem Selbststudium, das mir ermöglichte, es auf dem Bildschirm krachen und blinken zu lassen.

 
Kinder haben es heutzutage viel leichter. Nicht nur, weil ihre Eltern unter Umständen selber mit Computern aufgewachsen sind und daher ein gesteigertes Interesse am Programmieren mitbringen, sondern auch, weil man nicht mehr warten muss, bis Firmen aus dem Bildungsbereich auf die Idee kommen, etwas zu entwickeln, was Kindern und Jugendlichen gefallen könnte. Heutzutage gibt es Kickstarter und dort finden sich immer wieder Projekte, die von interessierten Menschen finanziell unterstützt werden, so dass sie irgendwann das Licht der Welt erblicken können. 
 
So haben knapp 14.000 Menschen das Projekt Robot Turtles untestützt, das als Brettspiel konzipiert bereits Kindern im Vorschulalter die Logik des Programmierens näher bringen soll. Dabei ist Robot Turtle als Brettspiel konzipiert und nimmt somit den Eltern die Sorge, dass die Kinder zu lange vor einem Display hocken könnten, sollten sie das Spiel faszinierend finden. Ursprünglich sollten $25.000 eingesammelt werden, es wurden dann doch $631,230, was man durchaus als Gradmesser dafür nehmen kann, wie wichtig derartige Hilfsmitteln für das Erlernen von Programmiersprachen mittlerweile sind. Primo hingegen erinnert sehr stark an Logo, nur dass Kinder hier ein kleines Auto anhand von Instruktionen fahren lassen können, die sie durch das Stecken von kleinen Symbolen zu einem Programmablauf verbinden können. Nach nur wenigen Tagen zeichnet sich auch hier ab, dass viele Unterstützer gefunden werden können. Primo basiert auf Arduino und viel Holz, was daher sehr kindgerecht wirkt und an anderes Spielzeug für Kinder erinnert. Für etwas ältere Kinder bietet sich Kano – a computer anyone can make an. Kano ist ein spezielles Bundle von Komponenten und Software rund um den beliebten Mini-Computer Raspberry Pi, das es Kindern ermöglicht, nicht nur ihren eigenen Computer ganz alleine zusammenzubauen, sondern auch gleich die ersten kleinen Spiele zu entwickeln. 
 
Zwar werden die Anforderungen an junge Programmierer immer umfangreicher, aber es gibt tolle Projekte, um schon Kindern den Einstieg zu ermöglichen. Ich hätte das damals sehr toll gefunden, aber ich bin mir sicher, dass meine Kinder an derartigen Projekten sehr viel Spaß haben werden.

 


Weiterlesen »

RTL über Nacht bei Kim Dotcom: Alles MEGA, oder was?

Kim Schmitz (Bild: Andreas Bohnenstengel [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia)
Jenke von Wilmsdorff ist für seine RTL-Sendung nach Neuseeland geflogen und hat bei der Filehosting-Legende Kim Schmitz übernachtet. // von Lars Sobiraj Bei dem Mann ist wirklich alles gigantisch. Kim Dotcoms Punkte in Flensburg, sein Gewicht, seine Autos, die Villa inklusive Pool und Videospielzimmer und last, baut not least seine [...]
Weiterlesen »

Internetnutzung und das Gehirn: Digitaler Alarm

Was macht das Internet mit unserem Kopf? Zumindest nicht das, was viele glauben. Im Neuro-Psycho-Zeitalter sind wir scheinbar umgeben von pathologischen Phänomenen. Wer sich durch unbedachte Einkäufe verschuldet, leidet unter Kaufsucht. Wer nicht an Verhütung denkt, unterliegt der Sexsucht. Wer an Gesprächen nicht teilnimmt, krankt an sozialen Phobien. Ständige Grübeleien über Nichtigkeiten weisen auf Angststörungen hin. Und folgt man der monokausalen Analyse von Autoren wie Manfred Spitzer, produziert der übermäßige Konsum von digitalen Medien Heerscharen von Internetsüchtigen mit der Tendenz zur Hirnschrumpfung. Vielleicht leiden die selbsternannten Neuro-Experten selbst unter einer speziellen Form von pathologischer Schnappatmung im Verbund mit interneuronal-molekularer Dysbalance.

Natürlich beeinflusst die Internetnutzung das Gehirn – genauso wie Fahrradfahren und alle anderen menschlichen Tätigkeiten und Erfahrungen auch. Die kulturpessimistischen Ableitungen entstehen in der Regel in einem spekulativen Hirn-Biotop.

Die Wrestling-Events der Hirnforscher

Ob sich unser Bewusstsein verändert und wir zu Abziehbildern von Computerprogrammen degradiert werden, ist ein höchst unterhaltsamer Ansatz für Debatten auf „Bild“-Niveau. Das hat eher den Charakter eines „Wrestling-Events“, wie es der Soziologe Gerhard Schulze ausdrückte. Statt Inhalte werden nur Etikettierungen ausgetauscht. Die einen sind Panikmacher, die anderen Zyniker. Man geht zur Tagesordnung über und sucht sich einen neuen Spielplatz, um „Alarm“ zu brüllen. „Es ist ja nicht zu bestreiten, dass die Maschinen in vielen Teildisziplinen stärker und besser sind als Menschen. Angefangen bei der Muskelkraft. Heute käme niemand auf den Gedanken, mit einem Industrie-Roboter sich im Armdrücken zu messen“, erläutert Systemingenieur Bernd Stahl von Nash Technologies. Beim Schach oder bei Quizsendungen würde es ähnlich aussehen. Gegen IBM-Watson sei kein Kraut gewachsen. Ob das Internet vergesslich oder dumm macht, hänge nicht mit dem Internet zusammen, sondern liegt an dem, der es benutzt. Hier wabert viel Spekulatives und man begibt sich auf wackeligen Grund“, so Stahl. Ob nun Dinge analog oder digital vorliegen, ist in erster Linie nur eine Zustandsbeschreibung. Und Internetnutzer nach höchst fragwürdigen Kriterien als krankhaft abzustempeln, ist diskriminierend und anmaßend. „Wir haben eine sehr starke Fokussierung auf die vermeintlichen Gefahren der digitalen Welt. Solange man aber in diesem Gedankengebäude verharrt und nicht weiter darüber nachdenkt, ist man gefangen in der ‚Spitzer-Ideologie‘“, sagt der Gaming-Experte Christoph Deeg.

Vernetztes Lernen statt Strukturdebatten in der Bildungspolitik

Dabei wäre es wichtig, sich besonders in der Bildungspolitik mit den Vorzügen des vernetzten Lernens auseinanderzusetzen. Stattdessen vergeuden die Kultusminister von Bund und Ländern wertvolle Zeit für Strukturdiskussionen. An den wirklichen Schwächen der Wissensvermittlung mogeln sich die meisten vorbei. „Besonders im Schulunterricht werden Dinge gemacht, die eher schädlich sind als nützlich. Ein Lehrer muss sich mit 30, 60 oder 90 Schülern beschäftigen; er hat ja nicht nur eine Klasse und muss das große Ganze im Blick haben, aber nicht den Einzelnen“, sagt der Wiener Naturwissenschaftler und Science-Fiction-Autor Professor Herbert W. Franke. Eine individuelle Förderung sei unter diesen Umständen nicht möglich. Beim Einsatz von digitalen Lernautomaten würde das anders aussehen. Wenn man ein analytisches System zur Verfügung habe, ist eine Bestandsaufnahme für jeden einzelnen Schüler möglich. Zudem könne der Unterricht variabler gestaltet werden. „Zwei- oder dreidimensionale Zusammenhänge lassen sich mit Bildern besser ausdrücken als mit Worten. So könnte man in Schulen in den ersten Jahren völlig ohne Formeln auskommen. Eine Visualisierung der Mathematik bringt sehr viel bessere Lernergebnisse“, sagt Franke. So sei es heute mit Computerhilfe möglich, komplizierteste Gebilde in Bruchteilen von Sekunden auf den Schirm zu zaubern – wenn gewünscht, bewegt oder interaktiv veränderlich. „Der größte Teil aller mathematischen Zusammenhänge lässt sich in Bildern ausdrücken und erspart in den meisten Fällen die Mühe einer umständlichen Interpretation“, weiß Franke. Visualisierte Formen würden zudem einen ästhetischen Reiz ausüben und die übliche Abneigung gegen Mathematik reduzieren. „Diese Erkenntnis gilt generell für Naturwissenschaften – selbst für Quantenphysik und Molekularchemie“, sagt Franke.

Aufklärung statt Kulturpessimismus

Vielleicht übertragen die omnipräsenten Internetskeptiker auch nur ihre eigenen Ängste auf die ganze Gesellschaft. Nicht unüblich für eine Zeitenwende, wie die Autoren Ossi Urchs und Tim Cole in ihrem neuen Buch „Digitale Aufklärung – Warum uns das Internet klüger macht“ konstatieren. Was die liebwertesten Gichtlinge der Neo-Phobie in die Welt blasen, sagt mehr über das Weltbild der Kritiker als über die Wirklichkeit. Sie betrachten die Informationsgesellschaft eher mechanistisch. „Sie sehen die Menschen als Vieh, das nur stumm wiederkäuen und sich ansonsten von medialen Hirten wie ihnen vorantreiben lassen muss in eine ungewisse, fremdgesteuerte Zukunft“, so Urchs und Cole. In Wahrheit geht es beim kollektiven Gejammere um Machtverschiebungen oder um enttäuschte Erwartungen, wie bei Jaron Lanier, der mittlerweile das Internet für Maoismus hält und dabei wohl nur seine eigenen gescheiterten Projekte als Risikokapital-Unternehmer kompensiert. Er sollte weniger in der Mao-Bibel blättern und mehr Kant lesen: „Jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung.“ Vor der gleichen Aufgabe stehen wir heute mit der digitalen Aufklärung, resümieren Urchs und Cole in ihrem Opus. Stimmt!


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The European.


 

Weiterlesen »

With a little help from Google Helpouts

Mit Helpouts hat Google eine neue Video-Chat-Plattform gestartet, über die interessierte Nutzer Hilfe von Experten aus vielen Bereichen erhalten können. // von Daniel Kuhn Es war selten so leicht etwas Neues zu lernen, wie in der heutigen Zeit. Neben vielen Bildungsplattformen gibt es für jedes erdenkliche Thema Tutorials in Text- [...]
Weiterlesen »

„Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation“

Abseits von Kultur- und Technikpessimismus blickt Michel Serres geradezu neidisch auf die vernetze Generation und fordert sie dazu auf, sich und die Welt neu zu erfinden. Ein optimistisches Essay.

Der neue Schüler und die junge Studentin haben im Leben keine Kuh gesehen, kein Kalb, kein Schwein, kein Vogelnest„, schreibt der 1930 geborene Autor in seinem Buch „Erfindet euch neu – eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation„. Die Welt habe sich gewandelt. Nichts sei mehr, wie es früher war. Der Franzose aber sieht darin eine große Chance für die Kleinen Däumlinge – so nennt er die Generation Smartphone -, die moderne Gesellschaft zu gestalten. Kommunikation, Arbeit, Bildung – das und mehr könne man nicht mit der Generation des Universitätsprofessors Michel Serres vergleichen. Die Digitalisierung mache diese Generation zu völlig anderen Menschen. „Sie haben nicht mehr den gleichen Kopf. […] Sie wohnen nicht mehr im selben Raum. […] Sie sprechen nicht mehr dieselbe Sprache. […] Die Kleinen Däumlinge plagen sich nicht mehr mit den gleichen Arbeiten.“ Serres sieht diesen Wandel keineswegs kritisch, sondern geradezu blauäugig optimistisch. „Angesichts dieser Umbrüche gilt es zweifellos, auf Neuerungen zu sinnen (…)„, schreibt er im Abschnitt mit dem Titel „Zuneigung“. In diesen Zeiten des Umbruchs bestehe Handlungsbedarf, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Er schwärmt von der gegenwärtigen Situation und würde gerne selbst anpacken: „Ich wäre gern achtzehn, so alt wie die Kleinen Däumlinge, jetzt, da alles zu erneuern, ja erst noch zu erfinden ist„. Das Bildungswesen scheint für ihn besonders von der digitalen Gesellschaft betroffen zu sein. Lehrer müssten nicht mehr vorne stehen und den Kleinen Däumlingen Wissen einmassieren. Das Wissen sei schließlich überall verfügbar. „Ende des Zeitalter des Wissens„, resümiert Serres und fügt an: „Ende des Expertenzeitalters?“ Serres spricht von der „Kompetenzvermutung„. Fraglich ist, ob die Informationen, die überall und jederzeit im Internet auffindbar sind, mit Wissen, wovon Serres spricht, wirklich gleichzusetzen ist. Ist der Autor auch hier wieder blauäugig und zieht voreilige Schlüsse? Michel Serres ist sich der Situation, in der wir leben, durchaus bewusst. Er analysiert auf den rund 70 Seiten seines Werkes in teilweise erzählerischer Form, was die Digitalisierung bewirkt, womit seine Generation zu kämpfen hat und welche Herausforderungen angenommen werden müssen („Die neuen Technologien zwingen uns dazu, das vom Buch und der Seite implizierte Raumformat zu verlassen„). Er erkennt den Wandel im Bildungs- und Arbeitsleben, sieht in Daten und Codes großes Potential, blendet aber gleichzeitig Risiken aus. Leser seines Essays dürfen keine kritische Auseinandersetzung mit dem digitalen Wandel erwarten. Serres scheint blind vor Liebe zu sein. Das darf er bei seiner Liebeserklärung aber auch. Michel Serres (2013): Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation. Berlin: Suhrkamp Verlag. [8,00 Euro] – auch als E-Book erhältlich.

 


 

Weiterlesen »

Francesca Pick (OuiShare): „Teilhabe kann nicht von oben kommen“

In einer europaweiten Veranstaltungsreihe stellt die OuiShare-Community neue Formen der Collaborative Economy vor. Heute Abend sind sie in Berlin. // von Tobias Schwarz Mitglieder der Teilhabe bejahenden OuiShare-Community sind Startups, Akteure mit Visionen oder den Wandel mitegstaltende Organisationen und Projekte. In einer Europatour wollen sie über die Collaborative Economy informieren [...]
Weiterlesen »

Deutscher Blick auf Netz und Technologien: Der Mecker-Michel

Internet gratis en el aeropuerto Matecaña, Pereira, gracias a UNE (adapted) (Image by Mario Carvajal [CC BY 2.0] via Flickr)
Unserem Land würde ein bisschen Optimismus guttun. Stattdessen wird alles Neue in Deutschland zunächst kleingeredet. In Deutschland gibt es eine merkwürdige Stimmungslage, wenn es um Netzthemen und neue Technologien geht. Besonders die Berichterstattung gehe in eine Richtung, die viele nicht mehr ertragen können, sagt Sebastian Matthes, Ressortleiter Technik & Wissen [...]
Weiterlesen »

Nach der Wahl: die Netzpolitik muss 2.0 werden

People (adapted) (Image by ThisParticularGreg [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
Deutschland hat gewählt, aber was bedeutet dies für die Netzpolitik? Es scheint in unserer Gesellschaft ein Verständnis für die Bedeutung als Querschnittsthema zu fehlen. In den Wahlprogrammen wurden Forderungen formuliert, in den Wahlkampfreden kamen die Themen vor, der Überwachungsskandal war Thema im Wahlkampf, aber nun wirkt es so, als ob [...]
Weiterlesen »

friendsurance: Wenn bei Geld die Freundschaft nicht aufhört

Die Versicherungsplattform friendsurance will Nutzern ermöglichen, durch Freundschaft bares Geld beim Versicherungsbeitrag zu sparen. // von Ralph Günther Versicherungen, Geld und Freundschaft – ist das möglich? Ja, zumindest wenn es nach den Machern von friendsurance geht. Ihr Konzept setzt auf Freundschaft 2.0 in Verbindung mit Versicherungsschutz zu günstigen Konditionen. Das [...]
Weiterlesen »

“Das Internet darf nicht zum Kabelfernsehen werden”

Der 18-jährige Bernhard Hayden könnte im Herbst der jüngste österreichische Parlamentarier aller Zeiten werden. // von Jakob Steinschaden Der 18-jährige Bernhard Hayden ist der jüngste Kandidat für den Nationalrat, den es in Österreich bis dato gegeben hat – er steht auf Platz Vier der Bundesliste der Piratenpartei Österreichs. Im Juni [...]
Weiterlesen »

5. “Berliner Hinterhofgespräch”: Zukunft der Arbeit

Im 5. „Berliner Hinterhofgespräch“ gehen wir der Frage nach, wer oder was die Zukunft der Arbeit ist – digitale Prolos oder hacking Entrepreneurs? Mobil, flexibel und immer „on“ – mit dem digitalen Wandel gehen tiefgreifende Veränderungen der Gesellschafts- und Arbeitsverhältnisse einher. Digitales Arbeiten erlaubt es uns, unseren Tätigkeiten selbstständiger, flexibler [...]
Weiterlesen »

Umsturz in Ägypten: Das Geheimnis der “Revolution der grünen Laser”

Grüne Lichtstrahlen haben die Bilder der Mursi-Proteste geprägt – aus demografischen, ökonomischen und technischen Gründen. Die Massenaufstände gegen das Mubarak-Regime in Ägypten 2011 wurden von Medien gerne als Facebook-Revolution bezeichnet, weil sich Demonstranten am Tahrir-Platz und anderswo auch über das Online-Netzwerk organisierten. Beim Sturz des Präsidenten Mursi im Sommer 2013 war aber keine Rede mehr von Facebook. Stattdessen schrieben Medien von der “Green-Laser-Revolution”, weil unzählige Demonstranten per Laser-Pointer grüne Lichtstrahlen durch die Luft beamten und damit die Bilder von den Protesten prägten, die um die Welt gingen. Ein Blick hinter das Phänomen der grünen Laser.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Smartphone-Selfies: Narzisstische Selbstporträts der Generation “Social”

Eitelkeit ist nur einer von vielen Gründen, warum junge Menschen Bilder von sich online stellen.

Stars tun es, Millionen Teenager tun es, und die IT-Industrie will, dass wir es alle tun: Selfies. Die Selbstporträts, die mit den Front-Kameras von Smartphones und Tablets geschossen und über Apps im Internet veröffentlicht werden, zählen mittlerweile zu den wichtigsten Content-Arten im Social Web. Sie sind aber nicht nur Ausdruck einer selbstverliebten Internet-Generation, sondern zeugen auch von der Verunsicherung junger Menschen in einer schöngezeichneten Welt.

Weiterlesen »

Weiterlesen »